Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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Alles recht gegen rechts?

Ein linksextremer Mob will darüber bestimmen, wer sich versammeln und öffentlich reden darf. Es ist wieder mal Zeit, den Anfängen zu wehren


Es gehört inzwischen zur deutschen Folklore, dass „linke“ Demonstranten Veranstaltungen angreifen, auf denen angeblich „Rechte“ sprechen, demonstrieren oder auch nur feiern. Die Randale um den Akademikerball in der Wiener Hofburg, an welcher viele deutsche Krawalltouristen mitwirkten, ist das jüngste Beispiel. Dass dort FPÖ-Mitglieder und Burschenschaftler, also quasi Feinde der Menschheit, Walzer tanzen wollten, fand der linke Mob skandalös. Die erhoffte Wirkung der Ausschreitungen trat ein: Man diskutiert in Wien, ob der Ball nächstes Jahr wieder stattfinden soll.

Die Attacken der sogeschwätzten „Antifa“ richten sich gegen alles, was diesen Figuren als rechts gilt, also keineswegs vorrangig gegen Neonazis, sondern ebenso gegen Abtreibungsgegner, Feminismuskritiker, AfD-Politiker, Islamisierungsalarmisten und Allerweltskonservative. Im November sollte an der Technischen Universität Berlin eine Diskussion zum Thema „Zwischen Gleichberechtigung und Gleichmacherei – brauchen wir eine gesetzliche Frauenquote?“ stattfinden. Eine „marxistische Bildungsbrigade“ machte gegen die „unglaubliche kackscheiße“ mobil, die da „im anrollen“ war, und erklärte, diese „antifeministen und maskulisten übelster sorte“ dürften gar nicht erst zu Wort kommen. Vor allem gegen den Feminismuskritiker und Soziologieprofessor Gerhard Amendt richteten sich die Aversionen. Die dumpfen Drohungen genügten, dass die angefeindete Fachschaft Amendt auslud und beflissen Selbstkritik übte („Wir bedanken uns für die Kritik“), am Ende platze die ganze Veranstaltung.

Als der Journalist Jürgen Elsässer in Schkeuditz bei Leipzig eine Konferenz unter dem Titel „Für die Zukunft der Familie!“ abhielt, auf der unter anderen Thilo Sarrazin sprach, versuchten Gegendemonstranten, mit Parolen wie „Eure Familie kotzt uns an“ die Halle zu stürmen und trommelten gegen deren Metallwände. Eine Abgeordnete der russischen Duma wurde von Randalierern getreten (man stelle sich den Aufschrei im Fall einer attackierten deutsche Grünen-Abgeordneten in Russland vor), Sarrazins Berliner Haus nach seinem Auftritt mit Farbbeuteln beworfen.

Von den unappetitlichen, aber nicht verbotenen Kundgebungen der NPD-Faschisten erfährt man heutzutage vor allem wegen der Gegendemonstranten, unter denen sich immer hinreichend viele Linksfaschisten befinden, die sich danach, wie es heißt, Straßenschlachten mit der Polizei liefern. Die Gefährlichkeit einer rechtsextremen Veranstaltung bemisst sich inzwischen weitgehend an der Zahl der dabei von Linksextremisten verletzten Beamten.

Wie auf den Gegendemonstrationen der Unterschied zwischen friedlich und gewalttätig fließend ist, so auch im Spektrum linker Organisationen, die aus dem „Kampf gegen rechts“ ihre gemeinsame Legitimation schöpfen. Pikant in diesem Kontext ist das Vorhaben von Familienministerin Manuela Schwesig, Initiativen „gegen rechts“, die staatliche Unterstützung kassieren wollen, künftig kein Demokratiebekenntnis mehr abzufordern. Heißt das, gegen „rechts“ ist ihr alles und jeder recht? Schon katzbuckelt ein Kommentator des Berliner „Tagesspiegels“ vor dem Mob („Danke, liebe Antifa!“), und beim Miniaturbürgerkrieg um Hamburgs Rote Flora vermitteln viele Medien den Eindruck, als seien Polizei und gewalttätige Linksextremisten gleichberechtigte Vertreter der Gesellschaft.

Die Versammlungsfreiheit ist ein hohes Gut des Rechtsstaates und mit dem Meinungspluralismus steht und fällt die freie Gesellschaft. Wie hässlich wäre ein Land, in dem diese tristen Antifa-Gestalten – und ihre Sympathisanten und Förderer – bestimmen, wer sich wo versammeln und wer sich öffentlich noch äußern darf.



Erschienen in: Focus 6/2014