Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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1. November 2018


"Für mich ist Rassismus eine unverzeihliche Sünde, und dazu gehört auch der Haß auf die eigene Rasse. (...) Ich hasse den Selbsthaß."
(Ephraim Kishon, "Nichts zu lachen"; ich danke Leser *** für den Hinweis)



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Trump zur Immigration, mehr ist nicht zu sagen; anschauen!



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Der Dresdner Anwalt Maximilian Krah hat im Deutschland-Kurier einen Text veröffentlicht, dessen Eingangsfeststellung falsch war: "Seit dem 1.1.2018 wurden in Chemnitz 60 Frauen vergewaltigt. Die Polizei sagt, 56 von Migranten, 4 von Unbekannt." Krah übernahm diese Zahlen aus einem lokalen Blog, "der üblicherweise sehr sauber recherchiert". Den Fehler habe er sofort zugegeben, erklärt der Dresdner, auch gegenüber dem ARD-Morgenmagazin, das ihn mit einem Kamerateam in seiner Kanzlei zum Interview besuchte. Dabei geschah es und trug sich zu, dass der AfD-Politiker, nachdem er seine falschen Zahlen eingestanden hatte, sogleich die richtigen vorlegte:

Bildschirmfoto 2018 11 01 um 11.47.52

Von 2015 bis 2017 haben sich in Chemnitz die schweren Sexualdelikte verzwölffacht. Inwieweit das auf die in der Fußnote genannte Neuregelung bei der Erfassung solcher Taten zurückgeht oder doch eher auf das immer zahlreichere und entschlossenere Fachpersonal, sei dahingestellt; schwer vorstellbar, dass die Polizei plötzlich lauter Brüderle-Fälle als "sexuelle Übergriffe" rubriziert (aber ich lasse mich wie stets gern eines noch Besseren belehren). Der Ausländeranteil unter den Tätern betrug 2017 56 Prozent. Es gab dort im vergangenen Jahr insgesamt 202 solcher Delikte – leichte und schwere zusammengenommen –, also jeden zweiten Tag und bisweilen sogar jeden. 2018 setzt sich der Trend nach Angaben der Freien Presse ("Fast jeden Tag ein neuer Fall") fort. Er habe, so Krah, den Reportern die Statistik vorgelegt und gestützt darauf seine These formuliert, dass der gravierende Anstieg der Sexualstraftaten für die Proteste in Chemnitz mitverantwortlich gewesen sei. Er habe den Besuchern vom Stern der Wahrheit sogar einen Ausdruck mitgegeben. Die, kaum zurückgekehrt, steckten den Wisch aber einfach in die Moulinette und fabrizierten folgenden Bericht, in dem behauptet wird, im lauschigen Chemnitz sei so etwas wie sexuelle Gewalt von Migranten völlig unbekannt. Der Vorsatz scheint damit bewiesen zu sein; die Frage bleibt, ob es sich noch um Lückenpresse oder schon um Lügenpresse handelt.

PS: Warum sollte es in Karl-Marx-Stadt auch anders sein als anderswo? Nach dem Bericht des BKA für die Bundesinnenministerkonferenz vom 11. Mai 2018 betrug anno 2017 der Anteil der Nichtdeutschen bei:

- überfallartiger Vergewaltigung als Einzeltäter 45 Prozent
- überfallartiger Vergewaltigung durch Gruppen 67 Prozent
- Vergewaltigung durch Gruppen (ohne Überfall) 52 Prozent (hier S. 32).


Nachtrag: Leser *** erlaubt sich die folgenden Hinweise: "Unsere sächsische Polizei gibt an anderer Stelle (nämlich hier auf Seite 6) einen einfachen Grund für den Sprung der Zahlen von 2016 auf 2017 an. 'Dieser Anstieg ist auf die Aufnahme neuer Tatbestände in das Strafgesetzbuch zurückzuführen.' Das ergibt u.a. diese Konkretisierung. Es wurde also u.a. ein Paragraph 184i eingeführt, der nichts mit Brüderle, wohl aber einiges mit der Kölner Sylvesternacht zu tun hat."


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Im Moskau zur Zeit der Stalinschen Schauprozesse kam ein Freund zu Georg Lukács und teilte ihm mit, dass einige Schriftsteller zu Verrätern erklärt worden waren. Ein eisiger Schrecken durchfuhr den Philosophen, denn in seiner Bibliothek befanden sich zahlreiche Werke der plötzlich verfemten und damit todgeweihten Autoren. Die beiden sortierten eilig die gefährlichen Bücher aus, packten sie in Koffer und schleppten sie im Schutze der Nacht an die Moskwa. An einer unbeobachteten Stelle warfen sie das gedruckte Gift ins Wasser, wobei sie entsetzt feststellten, dass die Beweisstücke nicht untergingen, sondern an der Oberfläche des nachtschwarzen Flusses dahintrieben, wie eine stumme Aufforderung zu Verhaftung, Verhör und Genickschuss...   

Heute ist die Verfemungslinke unendlich nachsichtiger. Man frisiert höchstens Bestellerlisten, boykottiert Verlage und Händler, verbannt Bücher aus dem Sortiment, zieht Preise zurück und wirft unzuverlässige Juroren aus den Literaturempfehlungszirkeln. Deshalb gibt es auch keine filmreif-schaurigen Anekdoten mehr zu überliefern, sondern allenfalls eine Chronik trivialer Schäbigkeiten.



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Dschahiliya (arabisch جاهلية), Begriff aus dem Vokabular des Korans, der die Zeit des altarabischen Heidentums vor dem Islam bezeichnet. Das abgeleitete Attribut lautet dschahili. In der salafitischen Tradition bezeichnet der Begriff keine Zeitperiode, sondern einen Zustand, der zu jeder Zeit eintreten kann, wenn eine Gesellschaft vom Islam abweicht. Das zur arabischen Wortwurzel dsch-h-l gehörende Substantiv dschahl hat im modernen Arabisch die Bedeutung: "Unwissenheit, Ignoranz, Torheit".



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Das wird auch kaum irgendwo gemeldet, weil's wohl doch peinlich ist: Der Arbeiter-Samariter-Bund weigert sich, den Abgeordneten und Mitarbeitern der AfD-Bundestagsfraktion Erste-Hilfe-Kurse zu geben. Der Geschäftsführer des Vereins versicherte, man werde zwar sogar bei AfD-Mitgliedern bedarfsfalls auch künftig Erste Hilfe leisten, beispielsweise wenn einer von engagierten Antifaschisten eins über den Schädel bekommen hat (das sagte er so nicht), doch Kurse könne man den Rechtspopulisten nicht gewähren, denn "der Arbeiter-Samariter-Bund war selbst Opfer von Rechtextremismus und wurde 1933 von den Nationalsozialisten enteignet und zerschlagen". Dass die Sache mit dem Rechts- oder Linksextremismus bereits unter den Nationalsozialisten umstritten war und bis heute nicht zufriedenstellend beantwortet werden kann, zu welchem Extrem sie stärker neigten, muss einen Rettungsdienst nicht weiter interessieren.

Eine nähere Begündung für die populistische Weigerung des Verbands lieferte dessen Vorsitzender Knut Fleckenstein, ein SPD-Europaabgeordneter übrigens. Der ASB wolle nichts zu tun haben mit Leuten, "die hetzen, statt zu argumentieren. Die spalten, statt zueinander zu führen. Die offenen Rassismus vertreten, für die die Nazi-Zeit ein Fliegenschiss der Geschichte ist. Und die in weißen Hemden mit dem braunen Sumpf gemeinsam demonstrieren, um ihn langsam wieder hoffähig zu machen.“

Man darf nicht nur nichts zu sagen haben, sondern muss auch unfähig sein, es auszudrücken, sprach mein gelegentlicher Tischgast Karl Kraus. Den braunen Sumpf hoffähig machen – vielleicht kennen die ja ihre Defizite und lassen sich auf ein Quid pro quo ein: Sprachkurs gegen Erste-Hilfe-Kurs?