Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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30. Oktober 2018


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Friedrich Merz, der einst von Turandot Merkel politisch geköpfte CDU-Brautwerber, steht wieder bereit und kandidiert für den Parteivorsitz. Ob unserem Prinz Kalaf – ich weiß, diese Metapher ist so was von schief, aber ich wollte unbedingt, um ihr auch noch einen schlimmen Kalauer beizufügen, eine Oper vom Erfinder des bewaffneten Aufstands herbeizitieren –

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–; ob unserem Prinz Kalaf, frage ich, falls man ihn wählte, ein konservatives Rollback der AfD gelänge? Zu diesem Zwecke empfiehlt sich die Lektüre des Aufrufs, den Merz gemeinsam mit anderen Atlanten des ökonomischen Sachverstands und Karyatiden der zentralistisch gesteuerten Menschheitsveredlung wie Jürgen Habermas, Hans Eichel und Brigitte Zypries veröffentlicht hat: "Für ein solidarisches Europa – Machen wir Ernst mit dem Willen unseres Grundgesetzes, jetzt!" (Gemeint ist die Präambel desselben, nicht Artikel 23 und 24, die sie präzisieren, vom Himmel auf die Erde holen und von solchen Forderungen wenig übrig lassen.) Dort wird das alte Märchen erzählt, die EU sei für den Frieden in Europa verantwortlich, die Vertiefung der EU-Strukturen als Alternativlosigkeit präsentiert, ein weiterer Finanzausgleich innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten samt Schuldenvergemeinschaftung gefordert, der Merkel-Macron-Schulterschluss beschworen, also Umverteilung, Rechtsbruch (No-Bailaut-Klausel!), Ausbeutung der Fleißigen, der ganze internationalsozialistische Schamott:

"Wir fordern die Bundesregierung auf, jetzt mutig voranzugehen, gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron, um die Wirtschafts- und Währungsunion krisenfest zu machen. Ein weiteres Auseinanderdriften in der Euro-Zone muss verhindert, eine Politik, die zu mehr Konvergenz führt, muss eingeleitet werden. Eine Haushaltspolitik für die Euro-Zone, die dem Zusammenhalt und der Zukunftsfähigkeit des Währungsgebietes dient, und eine gemeinsame Arbeitsmarktpolitik bis hin zu einer europäischen Arbeitslosenversicherung sind jetzt nötig, um glaubhaft zu machen, dass Europa auch im Innern zusammenhält. Dazu müssen wir zu echten Kompromissen bereit sein, auch zu deutschen finanziellen Beiträgen." Gepriesen sei das auch!

Im Grunde genügen die ebenfalls und insbesondere zur Lektüre empfohlenen Leserzuschriften unter dem etwas nekromantisch wirkenden Aufruf, um diesen angemessen zu kommentieren. Da ich mich zu dem in Rede und Beschwörung stehenden Sachverhalt schon vielfach geäußert habe, verfalle ich in die Unsitte des Selbstzitats:

"Man muss in Sachen EU nur ein einziges Gedankenexperiment anstellen: Wie würde der ganze Laden laufen, wenn Deutschland einfach nicht existierte? Nun, überhaupt nicht. Es gäbe ihn nicht. Die Idee einer bundesstaatartigen Union wäre von vornherein als völlig absurd verworfen worden. Nur gegen Deutschland hat die EU einen Sinn, und sie wird nicht ruhen, bis das Land finanziell erdrosselt ist, bis der Streber endlich für immer am Boden liegt. – Dass Deutschland selber mitspielt, macht die Angelegenheit zumindest für spätere Historiker pi­kant." (Acta diurna, 21. Juni 2012)

"Der Historiker Jörg Friedrich hat wiederholt darauf hingewiesen, dass die sogenannte deutsch-französische Freundschaft keineswegs ein Werk der Deutschen und der Franzosen, sondern vielmehr der Amerikaner war, die nach dem Ende des Weltkriegs ihren Teil Europas zu einem Bollwerk gegen die Sowjetunion zusammenschweißen wollten, nachdem sie schon in Asien gegen die Kommunisten verloren hatten. Mit einem Wort: Die deutsch-französische Freundschaft entstand aufgrund eines gemeinsamen Feind(bild)es unter dem Druck des Hegemons. Niemand wollte sich nach dem zweiten Dreißigjährigen Krieg freundschaftlich in die Arme schließen. Nichts verbindet Staaten und Völker mehr als ein gemeinsamer Feind. Wobei es namentlich in Frankreich, aber auch in der BRD eine Riesenschar von Moskau-Kollaborateuren gab, die sich dem Feind andienen wollten.

Der wunderbare Friede zwischen Franzosen und Deutschen ändert freilich nichts daran, dass beide Nationen ihre Höhepunkte hinter sich und vor allem ihre weltkulturprägende Kraft verloren haben. Beider Völker sogenannte Eliten haben sich in ihre schleichende Verdrängung durch vitale, religiös motivierte Fellachen geschickt, wobei vor allem die deutschen Funktionäre die Einwanderung von Wissenschaftlern, Spezialisten und Selberzahlern nach Kräften behindern. Beide Völker sind demografisch erschöpft. Warum sollten sterbende Kulturen noch Kriege gegeneinander führen? Schon heute sind Teile dieser Länder – in Frankreich noch mehr als in Deutschland – arabische, schwarzafrikanische oder türkische Regionen geworden, nicht mehr Staatsgebiete im europäischen Sinn, sondern von diesem oder jenem Clan beherrschte Reviere, und es werden immer mehr. Aus großer zeitlicher Ferne wird man die Friedfertigkeit der Europäer womöglich nur als jene Erschlaffung betrachten, die der feindlichen Übernahme ihrer Länder und der Verwandlung des Staates in ein Gewirr aus Einflusszonen, Stammesgebieten und Banlieues vorausging."  (Acta diurna vom 10. Juli 2018)

Und, als frühes Schmankerl, ein Auszug aus einem Focus-Interview mit Daniel Cohn-Bendit vom 13. November 1995:

"Cohn-Bendit: Wenn es eine Lehre aus der Geschichte gibt, dann die, daß dieses Europa ein Segen ist.
FOCUS: Und wenn es keine Lehre aus der Geschichte gibt?
Cohn-Bendit: Dann argumentieren Sie weiter wie jetzt Schröder und Scharping, wie die Gauweilers und die Stoibers, und schüren Sie Ressentiments! Sie werden schon sehen, welchen Scherbenhaufen Sie wieder aufbauen müssen. Daß heute kein Krieg mehr vorstellbar ist zwischen Deutschland und Frankreich, das ist keine Selbstverständlichkeit, und das setzt man aufs Spiel.
FOCUS: Dieses Europa setzt doch keiner aufs Spiel. Es geht um das Maastricht-Europa, um eine Währungsunion, die derzeit bestenfalls von den Beneluxstaaten mitgetragen werden kann.
Cohn-Bendit: Sie reden wie: Klein Moritz macht Politik.
FOCUS: Wenn Klein Moritz Politik macht, verpaßt er Italien und Deutschland 1999 eine gemeinsame Währung."


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Es muss nicht Faktenfinder heißen, sondern Faktenerfinder.



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Eine interessante Zukunftsfrage wird darin bestehen, ob im Namen des Islam eher die Rechten die Linken verfolgen oder umgekehrt.



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"Entwicklungshilfe nimmt das Geld der Armen in den reichen Ländern und gibt es den Reichen in den armen Ländern."
Achmed Mohamed Saleh, Journalist aus Tansania

Mit dem Präludium dieses trefflichen (übrigens in Teilen durchaus auch auf die EU anwendbaren) Bonmots sei hier ein FAZ-Leserbrief zitiert, der auf die Versuche einiger Grüner, den Afrikabeauftragten der Bundesregierung Günter Nooke als "Rassisten" zu denunzieren (Acta vom 25. Oktober), Bezug nimmt:

"Da ich mit einer Schwarzafrikanerin verheiratet bin, in meiner Studentenzeit 1960 mit meinem Freund durch Ostafrika trampte und jetzt sehr häufig in der Heimat meiner Frau weile, bilde ich mir ein, mehr Ahnung von der Kolonialzeit zu haben als der Grüne Ottmar von Holst: Der Sudan war seit 1956 unabhängig. Die Regierung schloss im Zuge der Islamisierung die von Christen betriebenen Krankenhäuser im Süden, sodass die medizinische Versorgung zusammenbrach. Unser Bemühen, die eiterübersäten Wunden der abgemagerten Einheimischen auszukratzen, scheiterte. Nach dem Übertritt ins noch kolonisierte Uganda staunten wir: Überall gut gekleidete Menschen, die Läden voller Waren aller Art, die Felder bestellt, die Straßen, wenn auch Pisten, gut befahrbar. Dasselbe Bild in Kenia und Tanganyika. Das waren also die von gierigen Kolonialherren ausgequetschten (Noch-)Kolonien!

Die Heimat meiner Frau kenne ich nur als entkolonisiert, dafür aber umso gründlicher, und zwar aufgrund meiner vielen Fahrradtouren sowie der Berichte und Hinweise meiner Frau. Ich staune nur, was die Kolonialherren für dieses Land getan haben, und sehe die jetzt verkommenen Schulen, Krankenhäuser, Eisenbahnlinien, Straßen und Häfen aus der Kolonialzeit. Es musste doch jedes Schräubchen aus dem Mutterland geholt werden, ebenso die Ingenieure, Facharbeiter, Ärzte, Krankenschwestern, Lehrer und Verwaltungsbeamte! Einheimische Kräfte standen nur als ungelernte zur Verfügung, Sklaven hat es hier nie gegeben. Die Franzosen müssen wahnsinnige Summen in dieses Land gesteckt haben. Wenn jetzt etwas neu gebaut wird, dann mit Mitteln der Europäer, der früheren Kolonialherren (die Chinesen ausgenommen).

Was die deutschen Kolonien angeht: Als die kaiserliche Regierung den Bau einer Eisenbahn in der Kolonie Togo wünschte, gab es wegen der immensen Kosten heftige Diskussionen im Reichstag. Sie wurde dennoch gebaut. Ist das das Verhalten von Ausbeutern? Es war doch in jenen Zeiten noch nichts auszubeuten (Kongo, das sich der belgische König als sein Privateigentum unter den Nagel gerissen hatte, ausgenommen). Die vielen Bodenschätze Afrikas werden doch erst jetzt entdeckt.

Fazit: Die Kolonialzeit war eine riesige, leider vergebliche Investition Europas in Afrika. Ein äthiopischer Student wandte sich bei einer Diskussion in den 1960er Jahren in dem Geschwister-Scholl-Studentenheim in München an seine anderen schwarzafrikanischen Kommilitonen mit den Worten: 'Ihr meckert über den Kolonialismus, obwohl ihr dessen Infrastruktur geerbt habt. Wir in Äthiopien waren (fast) nie Kolonie und haben nur Trampelpfade.'

Gerwig Kansteiner, Oldenburg"
(FAZ vom 29.10.2018, Seite 18, Briefe an die Herausgeber)



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Was immer Sie bei diesem Foto assoziiere, ich denke Cameltoe:

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Hammer und Sichel, das ist jenes Symbol, auf welches von der anderen Seite das Hakenkreuz reagierte (manche meinen sogar, diese Reaktion sei nur eine Häresie gewesen), symbolhaft zu sehen auf der Pariser Weltausstellung anno 1937, als sich der deutsche Pavillion in düsterer Bereitschaft dem anstürmenden russischen Fortschrittsmenschpaar aus Proletarier und Kolchosbäuerin gleichsam in den Weg stellte:

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Dieser kleine Rückblick nur deshalb, weil Sie sich nun das aparte "Steht zusammen, schlagt zurück"-Plakat mit dem anderen Symbol vorstellen und das große Hallo, das es auslösen würde – beispielsweise wenn irgendein AfDler es in seiner WhatsApp-Gruppe verschickt hätte und die Qualitätspresse ihm auf die Schliche käme – auf ihre innere Heimkinoleinwand projizieren sollten.


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Wenn wir gerade dabei sind: Ist Ihnen auch von der besagten Qualitätspresse zugetragen worden, dass Brasilien einen "Rechtsradikalen" (Zeit), "Rechtsextremisten" (n-tv, ein "Nachrichten"sender), "Extremisten" (RTL online), "Rechtspopulisten" (Süddeutsche) zum Präsidenten gewählt hat? "Radikal und hasserfüllt – Brasilien wählt eigenen Trump", berichtet wenigstens welt.online im gebotener Sachlichkeit. Haben Sie dergleichen schrille Urteile je über Castro oder Chávez gelesen? Merkwürdig, nicht wahr?


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Es ist doch immer wieder amüsant, wenn die Wirklichkeit das Koordinatensystem der Ideologen kaputtmacht. Bei der Hessenwahl wurde die AfD von Menschen mit dem sogen. Migrationshintergrund anteilig öfter gewählt als von Biodeutschen (hier). Aber warum nur? Haben unsere Willkommenskulturschaffenden lauter überintegrierte Latenznazis importiert? Oder hängt es damit zusammen, dass die soziale Ächtung in diesem Milieu nicht wirkt? Oder wissen die einfach nur besser, worauf die ganze Choose hinauslaufen wird?