Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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25. Oktober 2018


Gute Partygesprächseröffnungsfrage: "Haben Sie in Ihrem Leben schon einmal etwas riskiert?"


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Gestern auf dem "Forum Freiheit 2018" der Hayek-Gesellschaft – das Thema lautete "Der Wohlfahrtsstaat als Allmende" – stellte einer der Redner, ich Huschelchen weiß nicht mehr genau wer, als Gleichnis für die wohlfahrtsstaatlich korrekte Auffassung des Verhältnisses Freiheit-Unfreiheit den Hofhund einem in der Wildnis lebenden Fuchs gegenüber, freilich mit der Pointe, dass der angekettete, gefütterte und mit einer Hütte ausgestattete Hund sich frei fühlt, den Fuchs aber für unfrei hält, weil er den Lebensrisiken ausgesetzt ist. Zum Aufstieg der Grünen und gleichzeitigem Niedergang seiner Partei erklärte Thilo Sarrazin, 25 Prozent der Bevölkerung seien für Utopien immer empfänglich, weshalb die Gesellschaft eine Utopie-Partei vertrage, aber zwei seien denn doch zu viel. Vera Lengsfeld machte darauf aufmerksam, dass die Kanzlerin neuerdings nicht mehr von "Flüchtlingen" spreche – bei ihrer Parteitagsrede in Thüringen sei das Wort nicht einmal gefallen –, sondern nurmehr noch von Migranten und Migration. (Man darf aber nicht Umvolkung dazu sagen. Noch nicht.) Drei weitere Zitate habe ich mir notiert:

"Ich fordere einen bedingungslosen Grundporsche für jedermann." (Carlos Gebauer)
"Wenn ich die Bewegungsfreiheit von Gütern habe, ist die von Menschen vergleichsweise überflüssig." (Wolf Schäfer)
"Schlechte Zeiten sind gute Zeiten für gute Leute." (Gerd Habermann)


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Der Afrikabeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke (CDU), "steht wegen seiner Aussagen zur Kolonialzeit in der Kritik", meldet die FAZ. Diverse Grüne wollen Nooke die beliebte Rassismus-Schelle umhängen, unter anderen die Bundestagsabgeordnete und "Afrika-Expertin" (Welt) Kirsten Kappert-Gonther, eine Bremer Psychotherapeuthin, in deren Lebenslauf und Bildungsweg Afrika zwar nicht vorkommt, deren Kennerschaft sich aber sympathischerweise, im Gegensatz zu anderen Grünen, statt mit der ganzen Welt mit nur einem Kontinent zufriedengibt. In einem Interview hatte Nooke auf die Frage, inwieweit die Missstände in Afrika Folge der Kolonialzeit seien, geantwortet: "Es gibt schon Nachwirkungen. Schlimm waren die Sklaventransporte nach Nordamerika. Auf der anderen Seite hat die Kolonialzeit dazu beigetragen, den Kontinent aus archaischen Strukturen zu lösen. Experten, auch Afrikaner, sagen: Der Kalte Krieg hat Afrika mehr geschadet als die Kolonialzeit." Außerdem schlug er vor, in Afrika Städte auf neuem Gelände zu gründen, wo aus dem Mittelmeer gerettete Flüchtlinge angesiedelt werden könnten und sagte: "Vielleicht ist der eine oder andere afrikanische Regierungschef bereit, gegen eine Pacht ein Stück territoriale Hoheit abzugeben und dort für 50 Jahre eine freie Entwicklung zuzulassen."

Naturgemäß knickte das zuständige Bundesministerium (für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) sofort ein und ließ durch irgendeine Sprechpuppe verkünden: "Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass der Kolonialismus eine historisch anerkannte, massiv schädigende Wirkung auf die Entwicklung in Afrika hatte. Die Bundesregierung, so auch der Afrikabeauftragte der Bundeskanzlerin, stehen zur Durban-Erklärung und der Bekämpfung von Rassismus in jeder Form." Norbert Barthle, Parlamentarischer Staatssekretär im Entwicklungshilfeministerium, tat, was deutsche Politiker am liebsten tun: Er distanzierte sich von Nookes Aussagen. Was an ihnen falsch sein soll, welche Entwicklung Afrika beispielsweise ohne den Kolonialismus genommen hätte – nebenbei: die meisten Afrikaner wurden von muslimischen Menschenhändlern in die Sklaverei verschleppt, was komischerweise nie Thema ist, vor allem bei den Moslems selber nicht (die in diesem Weltteil beliebte Schächtung kam weiland auch schon zur Anwendung) –, ob die Kolonialzeit, neben allen unbestrittenen Scheußlichkeiten, nicht auch positive Effekte hatte, warum die ganze milliardenschwere Entwicklungshilfe nichts gebracht hat und ob nun, zwei bis drei Generationen und Tausende Entwicklungschancen später, nicht endlich einmal Schluss sei mit den Schuldvorwürfen und die Afrikaner ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen sollten, all diese Frage können wegen ihres offenkundig rassistischen Untertons nicht gestellt werden. Es sind immer Deutsche, die sich bei der Selbstanklage ganz nach vorn drängeln und die unbedingt auch einen Völkermord an den Hereros begangen haben wollen (die Belgier etwa, die ganz anderes auf dem Kerbholz haben, schweigen vornehm). Diese trostlosen Figuren machen sich anscheinend keinen Begriff – oder gerade? –, welches Erpressungspotential sie mit ihren verspäteten notorischen Selbstbezichtigungen afrikanischen Aktivisten zur Verfügung stellen. Was Nooke betrifft: Er stammt aus der DDR, dort war bekanntlich alles schlechter, sogar die Gehirnwäsche.


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Nachtrag zu Böckelmanns Buch "Die Gelben, die Schwarzen, die Weißen" (Acta vom 23. Oktober). Darin las ich, dass anno 1949 ein anglochinesisches Mädchen, das nach China zurückkehrte, von ihren Stubenkameradinnen gefragt wurde, ob es wahr sei, dass die Engländer nur einen Beinknochen hätten und das Knie nicht beugen könnten. Sofort musste ich an eine Passage aus "De bello Gallico" denken. Caesar behauptet dort, im Hercynischen Wald lebe eine spezielle Elchart, deren Exemplare keine Kniegelenke besäßen und sich deshalb zum Schlafen an Bäume lehnen müssten. Die heimtückischen Germanen unterwühlten nun solche Schlafbäume oder sägten sie an, so dass der arme Elch, nach des Tages Müh und Plage Ruhe suchend, mitsamt dem Baum zu Boden stürze und den Jägern zur leichten Beute werde. Dieses Bild hatte sich tief in mein kindliches Gemüt eingeprägt.

In seinem Roman "Caesar" erklärt Mirko Jelusich die skurrile Legende damit, dass der römische Feldherr von einem germanischen Jägerlateinerzähler hinters Licht geführt worden sei, dem er ohnehin nur mit halben Ohr gelauscht habe, da er parallel mit seinen Amtsgeschäften beschäftigt gewesen sei. Altphilologen führen den Nonsens heute prosaisch auf einen Übersetzungsfehler zurück.


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Leser *** schreibt zum selben Eintrag: "Sie erwähnen den Reformer Kang Youwei, der um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert eine Rolle im chinesischen Geistesleben und zunächst auch in der Politik spielte. Seine Ideen von der Rassenmischung sind enthalten in seinem Buch 'Da Tong Shu' (andere Schreibweise z.B. 'Ta t'ung Shu'), das eine Utopie im klassischen Sinne darstellt. Es enthält Gedanken zu einer möglichen Weltregierung mit sich selbst regulierenden Untereinheiten, ebenso sozialistische und frauenemanzipatorische Aspekte. Grenzen solle es dann nicht mehr geben. Dem Inhalt angemessen, lässt sich der Titel übersetzen mit 'Die große Einheit'.

Damit nahm Kang bewusst Bezug auf Konfuzius, der in seinem 'Buch der Riten' (einem der fünf grossen Klassiker) ein entsprechendes gleichnamiges Konzept formuliert hatte. Kang war bei seinen Zeitgenossen dafür berühmt, oder besser berüchtigt, weil er die chinesischen Klassiker oft sehr 'eigenwillig' interpretierte. Die entsprechende (von mir soeben doch noch wiedergefundene) Passage bei Konfuzius lautet: 'When the Grand Course was pursued, a public and common opinion ruled all under the sky; they chose men of talents, virtue, and ability; their words were sincere, and what they cultivated was harmony. Thus men did not love their parents only, nor treat as children only their own sons. A competent provision was secured for the aged till their death, employment for the able-bodied, and the means of growing up to the young.... In this way [selfish] schemings were repressed and found no development. Robbers, filchers, and rebellious traitors did not show themselves, and hence the outer doors remained open and were not shut."*

Sie sehen, dass unser einziges Problem in Deutschland darin besteht, dass Angela Merkel sich für eine Art weiblichen konfuzianischen Messias hält. Denn offenbar hält sie sich für berufen, den konfuzianischen Idealzustand der Welt herzustellen: Lasset alle Kindlein der Welt zu mir kommen, Selbstsucht ist pfui, es herrsche Harmonie!

* Übersetzung von James Legge, zitiert nach  L.G. Thompson, 'Ta t'ung Shu', Seite 27f. -
In anderen Übersetzungen wird dieser Zustand von der Vergangenheit auf die Zukunft übertragen, nimmt also den Charakter einer Utopie an. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass es im Chinesischen möglich ist, ein Verb 'zeitneutral' zu formulieren. Man kann – muss aber nicht – die Zeit durch ein Suffix oder ein Adverb bestimmen. Viele chinesische Sätze sind deshalb nicht eindeutig zu übersetzen."


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Es würde mich nicht wundern, wenn der so mysteriös aus dem erlauchten Kreise der Spiegel online-Einheitsmeiner verschwundene Spitzenkolumnist Diez demnächst mitsamt dem ehemaligen Chefredakteur des Printmagazins Klaus Brinkbäumer an den zwar welken, aber fabelhaft nährenden Brüsten des George Soros gesichtet würde.