Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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2. Oktober 2018


Ein blasphemischer Zwischenfall ereignete sich im Tempel der Teilchenphysik zu Genf. Der italienische Professor Alessandro Strumia behauptete auf einem Seminar der Europäischen Organisation für Kernforschung (Cern), das unter dem an intellektuellem Glanz nicht mehr zu toppenden Motto "Hight Energy Theory and Gender" stattfand, zwei mal zwei sei vier – und wurde stracks des diskursiven Feldes verwiesen. Auch Physik ist ein Diskurs, wussten Sie das nicht? Genaugenommen sagte Strumia: "Physik ist von Männern erfunden und aufgebaut worden", aber nicht hinreichend qualifizierte Frauen forderten heute aus politischen Gründen Posten in den Naturwissenschaften. ("Physics inventend and built by by men, it's not by invitation.") Das Cern bezeichnete die Aussagen als "inakzeptabel" und hat die Zusammenarbeit mit Strumia sofort beendet. "Eine Untersuchung wurde eingeleitet", meldet die Neue Zürcher Zeitung.

Der Physiker verteidigte sich im Guardian mit den Worten, er habe seine "Fakten" lediglich als Antwort auf Vorwürfe präsentiert, in seiner Branche diskriminierten Männer Frauen. Als ob daran der Hauch eines Zweifels bestünde! Mit zahlreichen Diagrammen, Tabellen und Grafiken habe er demonstriert, dass es sich genau andersherum verhalte und Frauen bei Anstellungen bevorzugt würden. Jeder, der dies thematisiere, werde angegriffen, zensiert und riskiere seinen Job.

Das erinnert an die schöne Kürzestgeschichte von Johann Peter Hebel: "Ein Büblein klagte seiner Mutter: 'Der Vater hat mir eine Ohrfeige gegeben.' Der Vater aber kam dazu und sagte: 'Lügst du wieder? Willst du noch eine?'"

Zwei in der Neuen Zürcher zitierte Physikerinnen zeigten, wie souverän Frauen mit dem Vorwurf umzugehen wissen, die Naturwissenschaften seien eher Männersache: Die eine klagte über sexuelle Belästigung, die andere "fühlte" sich bei Strumias Ausführungen "schrecklich".

Dessen sexistische Präsentation war im Anschluss an den Vortrag auf der Cern-Webseite verfügbar, wurde aber später diskret entfernt. Ob der angebliche Physiker nach der offenkundigen Lüge, ein Mann könne seinen Job verlieren, wenn er die Bevorzugung von Frauen thematisere, seinen Job behält, ist fraglich.


PS: Leser ***, "Dr.-Ing." (was in diesem Zusammenhang nicht ganz unwichtig ist), hat Strumias Vortrag im Netz aufgetrieben, Sie finden ihn hier. "Neben den reinen Fakten hat Prof. Strumia auch kritische Schlussfolgerungen gezogen und bisweilen ins Polemische gehende Anmerkungen eingestreut, die vermutlich den Eklat ausgelöst haben", notiert ***. Mit dem Hinweis, dass die Gender-Theorie eine Spielart des Kulturmarxismus sei und Bemerkungen wie "'Equity' degenerated in 'gender'" oder "Their 'gender equality' works because it's the usual sexism" stach der Physiker in die bekannten Wespinnennester (Webspinnen? Nein, Wespinnen). 

"Die Frage, was passiert wäre", fährt *** fort, "wenn er nur die Fakten vorgetragen und geschlossen hätte mit 'Die empirische Analyse hat gezeigt, dass es keine Benachteiligung von Frauen in der Physik gibt, sondern das Gegenteil der Fall ist. Danke für Ihre Aufmerksamkeit!', bleibt nun leider unbeantwortet. Wer sich gegen den Mainstream stellt, muss leider sehr vorsichtig formulieren und immer abwägen. Auf der anderen Seite spielt die Form und der Umgang überhaupt keine Rolle und wird kaum kritisch wahrgenommen.

Es wird leider sehr eng für die westliche Welt. Noch eine Generation in diesem Stream und wir verlieren die Technologiekompetenz."



                                     ***


Passend zum Vorigen diese erschütternde Bilanz des obwaltenden Sexismus:

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Ohne Frauenquote werden sich die MINT-Fächer nicht modernisieren lassen.

Die Zeit hat eine Alternativlösung (hier).
  •                                     ***
  • Der Süddeutsche Beobachter meldet: "Die mutmaßliche Terrorgruppe 'Revolution Chemnitz' strebte nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden den rechtsradikalen Umsturz der Bundesrepublik an."
  • Zu siebent.
  • "Die mutmaßlichen Terroristen hätten, so die Erkenntnisse der Ermittler, die Gesetze des Rechtsstaats außer Kraft setzen wollen."

Hätten wollen? "Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen habe ich mich nicht getraut" (Karl Valentin).

"Die Fahnder gehen davon aus, dass militante Attacken auf Politiker, Journalisten und andere Menschen folgen sollten, die in der Öffentlichkeit für den freiheitlichen Rechtsstaat stehen. Namen, die im Fokus der Terroristen standen, haben die Fahnder offenbar nicht. (...) Als die Fahnder mitbekamen, dass die Gruppe sich Schusswaffen besorgen wollte, griff sie zu. Gefunden jedoch wurden solche Schusswaffen nicht."

Eventuell wird man die sieben Sachsen schlimmer Verbrechen überführen, möglicherweise standen sie kurz davor, sich Kampfgas, Maschinengewehre, Panzer, Minenwerfer und Hubschrauber zu besorgen, um den Umsturz ins Werk zu setzen, sehr wahrscheinlich ist es nicht. Zwischen der "Gründung" der "Terrorzelle" ("spätestens am 11. September") und der ersten Verhaftung (am 14. September) lagen drei Tage. Als "Probelauf" für die Revolution, die mutmaßlich am 3. Oktober stattfinden sollte, haben Angehörige der Gruppe bzw. Zelle am 14. September auf der Schlossteichinsel in Chemnitz mit Flaschen geworfen (hier), die sie vorher möglicherweise (vielleicht gar beim Schmieden von Umsturzplänen?) selbst geleert hatten.

Bis irgendein konkreter Schuldvorwurf vorliegt und meine Mutmaßungen widerlegt, stellt sich die Sache für mich so dar: Es gibt in Sachsen eine Neonazi-Szene, deren Angehörige im Wesentlichen Bier trinken, lärmen, randalieren, hin und wieder Ausländer angreifen, sofern die mal in Unterzahl auftauchen, und vor allem im Netz resp. via Chat ihre Phantasien austauschen, was sie alles tun würden, wenn sie könnten, wie sie wollten, und nicht ohnmächtige Dumpfbacken wären. Ein paar dieser Rechtsextremen, die ohnehin von V-Männern umstellt sind, gerieten, wie ein Qualitätsjournalist formulieren würde, ins Visier der Fahnder, weil die Führung nach den Nicht-Hetzjagden von Chemnitz Ermittlungsresultate begehrte, die nachträglich die Vorwürfe gegen praktisch die gesamte Stadt rechtfertigen sollten. Um die gewünschen Nachrichten zu liefern, schlugen, wie der Qualitätsjournalist weiter formulieren würde, die Ermittler so schnell wie nur möglich zu. Den Genossen Medienschaffenden ist die edle Aufgabe übertragen, den Fall möglichst hoch zu hängen und vor allem eine Verbindung zu Pegida und der AfD herbeizuschreiben, speziell in Sachsen, wo die Rechtspopulisten kurz davor stehen, stärkste Partei zu werden. Der crescendierende Ruf nach dem Verfassungsschutz gehört zum Spiel.

Sollten die Verhafteten tatsächlich Anschläge vorbereitet haben, müssen sie selbstverständlich hinter Gitter. Aber auch wenn sich die Anschlagspläne – und die Umsturzpläne sowieso – als bloße Wichsphantasien entpuppen, wird man die Buben verklagen und einsperren. Auf der Rechten sind, anders als bei der Antifa und den Clans, Gewalttaten unnötig; ihre Vorbereitung, ja sogar Ankündigung genügt. Notfalls wird man die Gruppe, anders als Antifa und Clans, zur kriminellen oder terroristischen Vereinigung erklären. Auch das gehört zum Spiel.


                                    ***


Auch hier ein PS: "Sehr geehrter Herr Klonovsky, 2008 war ich als Schöffe am Landgericht *** in dem Prozess gegen die Vereinigung ***, eine üble, dumpfbackige Truppe selbsternannter 'nationaler Sozialisten'. Zwei der heutigen Mitglieder der 'Chemnitzer Terrorzelle' saßen damals mit auf der Anklagebank. Diese Menschen sind intellektuell nicht in Lage, eine Kremserausfahrt mit nachfolgendem Grillfest zu organisieren, geschweige denn eine Revolution.
Gleichwohl werden sie ihre ihnen zugedachte Rolle im zu erwartenden Prozess ausfüllen, ohne um die Hintergründe wissend, zu denen sie mißbraucht werden, und trotzig voller Stolz verkünden, dass sie überzeugte 'nationale Sozialisten' sind.
Fazit: alles gut für Gutmenschen. Ostdeutschland ist voller Nazis, und Mutti ist die Beste."