Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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15. September 2018


Ein erstaunlich hilfreicher Text steht im Ärzteblatt. Unter dem Motto: "Verbale Gewalt, Drohungen, gar Übergriffe sind Alltag in Praxen geworden. Ärzte und Mitarbeiter kann es jeden Tag treffen", berichtet das Magazin über ein Seminar "Gewalt gegen Ärzte". Veranstalter ist die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg. Ein Polizist mit Erfahrungen im Anti-Terror-Einsatz sowie ein Krankenpfleger aus der psychiatrischen Notaufnahme demonstrieren "20 Ärzten, Praxismitarbeitern und Psychotherapeuten, wie sie sich verhalten können, wenn es in der Praxis brodelt".

Wer oder was mag in den Praxen brodeln? Rechtspopulisten? Marodierende Touristen aus Sachsen? Skinheads? Na ja, der Osten jedenfalls, kennt man ja, das sind halt noch halbe Wilde.

"Die Statistik bestätigt, was das medizinische Personal erlebt. Nicht nur in Brandenburg, sondern im ganzen Land. Erst kürzlich hatten die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der NAV-Virchow-Bund Zahlen zum Thema alltägliche Gewalt in Praxen vorgelegt. Demnach gibt es bundesweit in Arztpraxen täglich 75 gewalttätige Vorfälle."

Uuups. Ü-ber-all? Aber warum? Ich meine: Warum haben die Medien nicht eher darüber berichtet? Was passiert seit der Gründung der Bundesrepublik eigentlich unbeachtet in unseren Arztpraxen?

"Der eskalierende Streit ist das Ende der Kette. Es ist der Moment, wenn die Versuche zu beschwichtigen gescheitert sind, wenn der Disput um Termine, Wartezeiten, Rezepte oder eine Krankschreibung nicht sachlich gelöst werden konnte."

Disput? Muss es nicht "Diskurs" heißen? Na gut, herrschaftsfreier Disput geht auch. Der kritisch-aufgeklärte deutsche Patient (nicht zu verwechseln mit dem englischen Patienten) führt eben einen Disput um Termine, Rezepte und Behandlungsart, oder bilden sich die Götter in Weiß vielleicht ein, dass sie im Jahr 89 n. Habermas über die Bedürfnisse der Patienten hinweggehen können wie bei den Nazis oder im Kaiserreich?

Manche tun dies offenkundig, "und bei einigen sind die Erlebnisse schockierend. Dermatologische Praxis: Androhung, ein Messer zu zücken. Kinderarztpraxis: Tritte einer aggressiven Mutter gegen den Arzt. Allergologische Praxis: Regelmäßig ausfallend werdende Patienten. Psychiatrische Praxis: Patient verwüstet Praxis. Internistische Praxis: Sexuelle Belästigung durch Patienten."

Es handelt sich dabei augenscheinlich um so etwas wie aus dem Ruder gelaufenen Mitsprache, also eine im Grunde löbliche Sache. Denn, wie einer der Trainer erläutert: Der Patient ist schließlich das "schwächere Glied der Kette", wenn auch an sich oft der Stärkere. "Sie haben medizinisches Fachwissen. Der Patient nicht. Sie kennen die praxisinternen Abläufe. Der Patient nicht." Und dann landet dessen Hand eben mal am Messer oder im Schritt der Schwester.

Für solche Situationen müsse man die Praxis "räumlich vorbereiten", empfehlen die Deeskalationsprofis, berichtet das Ärzteblatt. Dazu gehöre "auch die Ausrichtung des Schreibtischs im Arztzimmer". Die Dinger stünden "oft falsch" und verbauten dem Weißwild jede Rückzugsmöglichkeit. Eingekesselt zwischen Wand und Schreibtisch wie die Sechste Armee zwischen Rokossowski und Watutin überlegt sich aber höchsten jeder ca. 76. Mediziner bisweilen, ob der Approbation nicht besser eine Nahkampfausbildung hätte vorausgehen sollen.

"Stellen Sie die Möbel so, dass im Falle eines Übergriffs jederzeit die Flucht möglich ist", empfehlen die Arztzimmerdesigner. Und: "Sachen die fliegen können, sollten Sie besser wegräumen." Gebetsteppiche zum Beispiel. Oder Untersuchungsliegen. Ultraschallgeräte. Injektionswagen. (Dass Steine einfach von selbst zu fliegen beginnen, dieses Mysterium wurde bislang ja nur auf Antifa-Events beobachtet.)

Nach der korrekten Aufstellung des Mobiliars kommen die Abwehrspezialisten zum korrekten Verhalten. Dass sie "Abstand zum Gegenüber halten" sollten, dürfte für Ärzte, die selber gesund bleiben wollen, eine Selbstverständlichkeit sein – aber, hier herrscht oft Unklarheit, es müssen "mindestens zwei Armlängen" sein, "nicht lediglich eine, wie viele glauben“, etwa die Kölner Oberbürgermeisterin, aber die hat ja von moderner Medizin keine Ahnung. "Wenn ich zwei Armlängen unterlaufe, muss mir im Vorfeld klar sein, dass ich in einer potenziell gefährlichen Situation bin", sagt einer der Ausbilder. Zu diesem Zweck arbeiten die Medizingerätehersteller derzeit beschleunigt an der Herstellung von Teleskop-Stethoskopen und fernbedienbaren, aber flugunfähigen Blutdruckmessgeräten.

War das schon alles? Nein: "Ganz wichtig für die Konfliktsituation ist auch: stabil stehen. Ausfallschritt, ein Fuß vor dem anderen, den guten Fuß nach vorne, Knie leicht gebeugt. Aus dem stabilen Stand heraus ließe sich in Notsituationen viel besser agieren." Boxprofis empfehlen, bei den Meidbewegungen noch zu tänzeln, aber wenn der fällige Konter gesetzt wird, beispielsweise ein rechter Seitwärtshaken zum Kinn, ist ein stabiler Stand die halbe Miete.

Fassen wir zusammen: Woran erkennt man im Zeitalter der Neuen deutschen Medienschaffenden einen Neuen deutschen Medizinschaffenden? Daran dass er zwei Armlängen Abstand hält, Ausfallschritt, einen Fuß vor dem anderen, den guten Fuß nach vorne, Knie leicht gebeugt, bevor er den Patienten fragt: "Na, was fehlt uns denn?" (Warum ich bei diesem chirurgischen Fachtext auf die Neuen deutschen Medienschaffenden komme, hat, nebenbei, mit dem zu tun, was in dem Artikel auffallend fehlt, aber ohnehin jeder Leser weiß). Zu einem selbstsicheren Auftreten, versichern die Medizinpersonalschützer, gehöre übrigens auch eine starke Stimme. Sie tauge zur Verteidigung und könne das Gegenüber verunsichern. Ein herzhaft gebrülltes "Wir schaffen das!" hat schon manche Situation entschärft.

Als wirksamstes Placebo für Patienten, die mit dem Rezept unzufrieden sind, empfiehlt einer der Trainer indes "aus eigener Erfahrung" die gute Laune: "Kollegen, die gerne zur Arbeit kommen, werden weniger angegriffen." Unbegreiflicherweise gibt es von denen immer weniger.

 

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Einer soeben ausgestrahlten TV-Werbung entnehme ich, dass der Synchronsprecher von Kevin Spacey weiterhin völlig unbehelligt sein Unwesen treiben darf.


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Bezugnehmend auf meine Notiz zur Kündigung des Schulvertrags für die Kinder von Caroline Sommerfeld-Lethen (Eintrag vom 14. September) möchte mir Leser *** seine eigenen Erfahrungen "aus einer deutschen Metropolregion berichten. Ich bin zwar kein neurechter Publizist, wurde aber ähnlich behandelt. Mein Vergehen war, daß ich, nachdem die Stadt begonnen hatte, ein Asylbewerberheim direkt neben die Kita, die meine Kinder damals besuchten, zu bauen, einen Brief an den katholischen Träger der Kita schrieb. Darin bat ich den Träger, bei der Stadt darauf hinzuwirken, daß bei der Belegung des Asylbewerberheims auf den nahen Kindergarten Rücksicht genommen wird und keine absehbar problematische Klientel (z.B. sog. UMA) dort untergebracht wird. In der Antwort hieß es sinngemäß, man achte selbstverständlich meine Meinung, sei aber Weltoffenheit und Toleranz verplichtet (von der Fürsorgepflicht für die anvertrauten Kinder war interessanterweise nicht die Rede) und spräche daher nicht mit der Stadt. Der Briefwechsel liegt schon ein paar Jahre zurück, aber bereits damals war offensichtlich, daß sich unter den sog. Flüchtlingen so mancher Desparado befindet. Kurz nach dem Briefwechsel wurde mir mündlich mitgeteilt, daß nach Ablauf des laufenden Betreuungsvertrags kein neuer mit mir abgeschlossen werden würde.

Ein interessanter Kontrast zu dieser Erfahrung ist diese Reaktion eines evangelischen Trägers, der es mit einem echten Extremisten (allerdings mit anderer Ausrichtung und in einer anderen Rolle) zu tun hatte" – und zwar hier und hier.

"Bitte nennen Sie", schließt ***, "bei einer möglichen Erwähnung dieser Zeilen auf Acta Diurna nicht meinen Namen."

Na wo werde ich denn, geehrter Herr ***, ich weiß doch selber, was im besten Deutschland, das es je gab, besser unterbleiben sollte.


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Ich habe auf diesen Seiten gelegentlich darauf insistiert, dass eine Entmischung der Gesellschaft – keine ethnische, sondern eine ideologisch-lebensartliche – uns die Lösung vieler Probleme bescheren könnte. Auf bemerkenswert konzise Weise hat der Unternehmer Titus Gebel hier dargelegt, warum es besser wäre, wenn die Linke über ein eigenes Territorium verfügte, wo sie das Leben nach ihren Vorstellungen organisieren und die arbeitende Klasse verschonen kann.


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"Aus der Nicht-Hetzjagd von Chemnitz wird jetzt die echte Hetzjagd auf einen Spitzenbeamten": Geradezu aufreizend souverän erklärt Alexander Wendt die Motive hinter der Kampagne gegen Verfassungsschutzchef Maaßen.