Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

Artikelsuche

Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


...mehr

 

 

22. August 2018



36bb0c83 f2fc 43c5 90fd 1b323e100def


                                           ***


"Verwesung ist auch ein 'Wandel'."
Nicolás Gómez Dávila

(Ich habe mit diesem Zitat anno 2012 ein Podiumsgespräch zu Weimar eröffnet, das unter dem Motto "Parteiensystem im Wandel“ stand und mit dem thüringischen CDU-Chef sowie einem Bonner Politikprofessor stattfand. Lähmendes, nahezu entsetztes Schweigen breitete sich im Saal und auf dem Podium aus...)


                                    ***


Apopos Podium: Auf einem solchen saß ich auch einmal mit der Tagesspiegel-Redakteurin Andrea Dernbach, die dort für die Altjungfernpornos zuständig ist, etwa jenen beinahe legendären, in dem sie die Aufregung nach der Kölner Spontanparty an Silvester 2016 auf die unterschwelligen Ängste des alten weißen Mannes vor der virilen migrantischen Sexualkonkurrenz zurückführte. Dieser Typus Frau bzw. Experin für Penisneid ist nach meiner Wahrnehmung ein historisch junges und auch sehr deutsches Phänomen bzw. eines der protestantischen Länder, im romanischen Süden und im Osten Europas trifft man ihn eher nicht, dafür bei der Linkspartei, den Grünen, in NGOs, in hiesigen Redaktionen und an den Universitäten, dort vor allem in jenen Fächern, wo man nicht rechnen, logisch denken und stringent argumentieren können muss. Da es sich trotzdem und immer noch um eine Dame handelt, verkneife ich mir weitere Erläuterungen, Sie wissen ohnehin, was ich meine, und ein Foto sagt mehr als tausendundein Wort. Wer dem Ressentiment ein Denkmal errichten wollte, besäße in ihr jedenfalls ein ideales Modell (mit Doppel-L). Nun hat sich die holde Maid wieder einmal in der nämlichen Angelegenheit zu Wort gemeldet – warum, fragt sie mit abgefeimter Heuchelei, geht ein groß Geschrei durchs Land, wenn Achmed oder Mustafa den Mädels unaufgefordert an die "Speckmusch" (E. Henscheid) langen bzw. in sie eindringen, nicht aber wenn Gunnar und Heinz auf dem Oktoberfest zwangskuscheln und gruppenvergewaltigen? –, und Alexander Wendt sagt alles Nötige dazu, mit der trefflichen Conclusio: "Der Tagesspiegel ist ein frauenfeindliches Blatt." (Wenn das so weitergeht, wird das noch ein richtiges Zitierkartell mit dem Wendt!)


                                     ***


Übrigens:

IMG 0707



                                      ***


Meine Gepflogenheit, hier immer wieder Leserzuschriften einzurücken, stößt auf Kritik, wenn die Schreiber sich nicht ad rem, sondern ad personam äußern, ich meine: zu meiner Person und unbegreiflicherweise negativ. Ich kann darauf nur mit La Rochefoucauld antworten: Besser, es wird schlecht über einen geredet, als gar nicht; außerdem mit Goethes "Wer lobt, stellt sich gleich" einen Damm aufschütten. (Ich würde ja niemals, jedenfalls selten die Geschmacklosigkeit besitzen, lobende Zuschriften ins Schaufenster meines kleinen Eckladens zu stellen; der Kenner genießt und schweigt, wie unlängst ein hier veröffentlichter Hochbegabter schrieb, in dessen Welt sogar Sporträder eine Klingel haben.) Bei manchen Zeitgenossen ist es einfach am angemessensten, wenn man sie selber zu Wort kommen und das Urteil sprechen lässt. Also, ich bitte um Einsatz und erhöhte Anstrengung! Fürs erste und probehalber sei dieser Kamerad zitiert, der auf mein gestriges Bekenntnis (inmitten meiner ewiggestrigen) zum Ekel Bezug nimmt und schreibt:

"Bonjour, monsieur Klonovsky, Selbsterkenntnis, welch hohe Kunst und Sie sind einen entscheidenden Schritt weiter nach oben auf der Leitung der Selbsterleuchtung gekommen: 'Ekel' heißt das Zauberwort, das steht Ihnen in jede Pore geschrieben, das ist so rasiermesserscharf in Ihre Züge eingraviert, daß es in den Pupillen schmerzt und man sich verdutzt die Augen reibt, daß ausgerechnet jemand wie Sie 'Lebenswerte' propagiert, denn niemand kann sich vorstellen, daß Sie in der Lage wären, sich entspannt zurückzulehnen und mit warmem Lachen Menschen mit Ihrer guter Laune anzustecken und trotz allem Elend um uns herum den Lieben Gott auch mal einen guten Mann sein zu lassen.

Gelebtes Christentum und tief verinnerlichter Humanismus – haben Sie mal etwas von Stefan Zweig gelesen ? Nur damit Sie eine Ahnung bekommen, was gemeint sein könnte ?

Wir werden das unbehagliche Gefühl nicht los, daß Sie unter anderen Umständen einen adretten Politkommissar abgegeben hätten und darin liegt vielleicht auch das Geheimnis verborgen, daß Sie einen Charakter wie Pretzell nicht rechtzeitig erkannt haben – er war Ihnen möglicherweise zu ähnlich.

Huldigungen nehmen wir gern von Sonntagmittagmittag bis 12.00 Uhr entgegen,

haben die Ehre !"

Das ist so porentief rasiermesserscharf gesehen und zugleich mit lebenschristlich-humaner Wärme beobachtet, dass es sogar einen versetzten Politkommissar schmerzt, der natürlich am liebsten Lagerkommandant geworden wäre, um seinen Ekel ausleben zu können. Warum sollte ich Ihnen, geneigter Leser und geschätzte Leserin, nachdem ich Ihnen schon gestanden habe, wie sehr ich ekelgesteuert bin, nicht hin und wieder einen Grund dafür präsentieren?



                                      ***



Seitdem Donald Trump zum Präsidenten gewählt worden ist, obwohl die meisten deutschen Journalisten dagegen waren, ist keine Woche vergangen, in der nicht irgendein Wahrheits- und Qualitätsmedium geraunt hätte, dass Trump wegen dieser Affäre oder jenes Vorwurfs werde zurücktreten müssen (Bernd Zeller: "Rätselhaftes Signal aus dem All könnte das endgültige Ende von Trumps Amtszeit bedeuten"). Momentan wird darüber spekuliert, ob die Verurteilung seiner beiden Vertrauten Paul Manafort und Michael Cohen dem Präsidenten endlich das Genick bricht. "Werden wir gerade Zeugen vom Ende der Präsidentschaft Trump?", fragt frohlockend der Amerika-Korrespondent der Welt, Hannes Stein, einer jener beflissenen Transatlantiker, denen mit der Trump-Wahl das bergende überseeische Rektum zumindest temporär abhanden kam. Der Journalist erlangte eine ebenfalls temporäre Bekanntheit mit seiner Beschreibung der Wahlnacht, wie sie sich daheim bei den Steins zutrug ("Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn Trump"), welche kulminierte in einem Passus von so prangender Unzurechnungsfähigkeit und schmarrköpfiger Hysterie, wie ihn nicht mal Claudia Kipping-Eckardt zustande brächte, nämlich:

"’Donald Trump hat die Wahl gewonnen’, sagte ich leise. Meine Frau sagte nichts, dann fing sie an zu weinen. Ich nahm ihre Hand, sodass unsere Arme eine Art Brücke über unser Kind bildeten, dann weinte auch ich. ‚Unser Sohn, unser Sohn’, sagte ich. Mir rannten apokalyptische Bilder durch den Kopf, mir fiel ein, dass heute zufällig der 9. November war, der Tag, an dem in Deutschland die Synagogen brannten. ‚Unser Sohn muss leben.’ Er atmete zwischen uns tief und gleichmäßig."

Und das tut er hoffentlich und gottlob heute noch. Auf der anderen Seite des Atlantiks begann ich ungefähr zur selben Stunde Champagner zu trinken und zu tanzen, nachdem ich die Nacht tief und gleichmäßig durchgeatmet hatte, denn in den frühen Morgenstunden war eine sms mit einem so berühmten wie beruhigenden Zitat bei mir eingetroffen, welches lautet: "Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabeigewesen." Mir rannen oder meinetwegen rannten freudige Bilder durch den Kopf, denn es war der 9. November, der Tag, an dem der Realsozialismus zusammengebrochen war – dass der Surrealsozialismus unter der Führung einer ostdeutschen Kommunistenpfarrerstochter noch bevorstand, hatte 1989 nicht einmal die neckische Klio geahnt. Jedem Verständigen war in der Wahlnacht klar, dass der Donald, anstatt Synagogen anzuzünden und anders als die vom Endzeitpropheten und Neocon-Wedelträger H. Stein präferierte kriegsgeile Hillary, den mörderischen sogenannten "Demokratieexport" beenden, also den Syrienkrieg und den Ukrainekonflikt nicht weiter anheizen, ja womöglich sogar beenden würde. Die beiden treffendsten Metaphern für den aktuellen US-Präsidenten entstammen übrigens der "progessiven" Rockmusik: "A Working Class Hero" (John Lennon) und "Peace Train" (Cat Stevens, seit 1977 als Yusuf Islam in der Religion des Friedens angekommen).

Ob Trump nun vorzeitig ab- oder eine zweite Amtszeit antritt, die US-Politik wird sich in einem entscheidenden Punkt nicht ändern: Kein US-Präsident wird dem Global Compact for Migration beitreten; jeder Präsident wird vielmehr der Trump-Sentenz beipflichten: "Wir sind eine Nation und kein Siedlungsgebiet." Hören Sie einmal, was Bill Clinton 1995 zur Notwendigkeit, die Grenzen besser gegen illegale Einwanderer zu sichern und kriminelle "Aliens" abzuhalten, gesagt hat, hier.


                                   ***


Zu einer verabscheuungswürdigen Nazitat kam es im bayerischen Abensberg. Der "Einzelgänger" ist das kongeniale Pendant zum "Einzeltäter". Merke: "Gewalt ist immer auch ein Hilferuf" (Cl. Roth), sofern sie nicht von der Heeresgruppe Mitte ausgeht.


                                   ***


Warum, fragt der Tagesspiegel, der eine große Fragewoche zu veranstalten scheint, "spaltet gerade die Flüchtlingsdebatte die Gesellschaft?" Und nicht etwa Tuchels Absage an den FC Bayern? Einer jener Experten für die Beantwortung der großen gesellschaftlichen Fragen, die neuerdings von unseren Medienschaffenden so zahlreich wie Kaninchen aus ihren online-Zylindern hervorgezaubert werden – wobei fairerweise hinzugefügt werden muss, dass auch die Journalisten selber, die unter immer neuen Namen die immer gleichen Texte schreiben oder Interviewfragen stellen, in ihrer possierlichen Uniformität an jene Kaninchen erinnern –, ein Experte also erklärt die Lage wie folgt: "Die Hauptursache liegt in einem Gefühl der Bedrohung, das viele Menschen haben. Wenn sich etwas Vertrautes ändert, dann löst das bei Menschen Bedrohungsgefühle aus."

Vielleicht – noch – nicht bei Experten und Tagesspiegel-Redakteuren. Aber möglicherweise im Umfeld des nicht mehr unter uns weilenden Dr. med. Joachim Tüncher, Facharzt für Allgemeinmedizin in Offenburg, der in seiner Praxis von einem somalischen Asylbegehrer vor den Augen seiner zehnjährigen Tochter abgestochen wurde (hier)?

Oder in Kerpen, wo ein "türkischstämmiger" Mann ein Paar mit einem Beil angriff und schwer verletzte (hier)?

Oder vielleicht in Berlin, wo ein aus Tschetschenien zu uns hereingeschneiter Islamist kiloweise Sprengstoff, wahrscheinlich für ein Feuerwerk zu Ehren seiner Religion, hortete (hier – wobei der Tagesspiegel nun wahrlich alles tut, um sich nicht als Ziel anzubieten)?

Oder wiederum in Berlin, wo kriminelle Araberclans "machen, was sie wollen" (hier)?

Oder im lauschigen Unna, als 21. Stadt Mitglied im Netzwerk "Kommunen der offenen Gesellschaft", auf dessen Rathausplatz seitdem – das ist nicht kausal zu verstehen, nur parallel – heftige Massenschlägereien mit bis zu 70 Beteiligten, alle aus dem edlen Kreise der uns Zugelaufenen, stattfinden (hier)?

Oder in Rabenau bei Gießen, wo an der Grundschule neunjährige Zwillingsbrüder aus einer Asylbegehrerfamilie einem Siebenjährigen so lange gegen den Kopf traten, bis er endlich krankenhausreif war (hier)?

Oder in Bergheim und Neuenheim bei Heidelberg, wo eine "Gruppe" arabisch aussehender Früchtchen zuerst einem Mann so schwere Kopfverletzungen zufügte, dass die Polizei wegen versuchter Tötung ermittelt, und dann noch ein Teenager-Paar attackierte (hier)?

Oder womöglich in Düsseldorf, wo ein 24jähriger Alparslan (das heißt: "tapferer Löwe"; der historische Alp Arslan vulgo: Diya ad-Din Adud ad-Daula Abu Schudscha Muhammad Alp Arslan, ein Seldschuke, fiel in Byzanz ein und war der Eroberer des christlichen Ani) über ein Jahr lang eine 14jährige auf den Strich schickte und das Mädchen, als sie ungehorsam wurde, mit kochendem Wasser überschüttete, wofür ihm der deutsche Rechtsstaat mit voller Härte Sozialstunden aufbrummte (hier)?

Oder in den Krankenhäusern, wo, wie Sie hier mit vielen Beispielen nachlesen können, Ärzte und Klinikpersonal immer häufiger bedroht, angegriffen und verletzt werden, etwa eine Notärztin in Ottobrunn, die von einem Eritreer schwer verletzt wurde (hier – mein Lieblingspassus: "Eine Ärztin aus Günzburg in Bayern berichtet, dass Iraker sie zwingen wollten, das Kreuz in der Praxis abzuhängen: Es führe zu Fehlgeburten.")

Oder in Dortmund und Umgebung, wo die Serie der Vergewaltigungen, pardon, Willkommensdankabstattungen nicht endet (hier, hier, hier)?– im badischen Bad Krozingen durfte sich sogar eine 63jährige in den Empfängerkreis einreihen (hier).

Dies ist zwar eine Chronik, doch ich will es nicht übertreiben mit den Einzelfällen, zumal sie ja nicht zusammenhängen, also nur als Bedrohung wahrgenommen werden, obwohl sie gar keine sind, und zurückkehren zum führenden Hauptstadtblatt und dem vom ihm hervorgezauberten Experten für "soziale Hierarchien, Vorurteile und politische Psychologie", Frank Asbrock, Professor für Sozialpsychologie an der TU Chemnitz, der auf die Frage:

"Und diese Ängste schlagen sich dann zum Beispiel in fremdenfeindlichen Hass-Tiraden im Netz nieder?"
gekonnt repliziert:

"Ja, das ist für viele eine Form, mit Bedrohung und Angst umzugehen. Gegen das Gefühl der Bedrohung wollen Menschen etwas unternehmen. Sie schreiben dann Kommentare gegen Flüchtlinge bei Facebook oder demonstrieren gegen eine Asylunterkunft."

Der Journalist lässt sich nicht lumpen und hakt nach: "Was haben sie davon?"
Antwort: "Sie fühlen sich dann besser."

Viel besser. Ungefähr so gut wie Frager und Experte nach diesem geradezu tschechowschen Dialog oder der Einzelfall-Nafri nach Verlassen des Gebüschs, in dem sich die nächtliche Joggerin noch die Haare ordnet. Denn es ist doch klar: Der Arzt im selben Stadtteil wird erstochen, die Tochter sexuell belästigt, die Bekannte einer Freundin zustimmunsgfrei penetriert, da fühlst du dich als ohnehin missmutige Kartoffel bedroht, obwohl du selber gar keine Speckmusch hast, und ziemlich scheiße, weil eben auch keine Knarre, aber wenn du dann auf Facebook was gepostet hast, geht's dir wieder besser. Es leben die sozialen Medien!

Doch das wirkliche Haileid des journalistisch-sozialpsychologischen Kretinismus folgt noch.
Frage: "Kann das Gefühl der Bedrohung auch erklären, warum der Fall des ehemaligen Nationalspielers Mesut Özil so stark polarisiert?"
Expertenantwort: "Ja, Özil fordert die Weltsicht vieler Menschen heraus und wird deshalb als Bedrohung wahrgenommen."

Außer in der Abwehr von Südkorea und Manchester City.

(Den ganzen Seim finden Sie, so Sie ihn wirklich suchen, hier.)


                                          ***


Einen Fall habe ich mir im Urlaub noch notiert. In Bochum verurteilte ein Schwurgericht einen Zweifachmörder zu einer lebenslangen Haftstrafe. Der Mann hatte ein Rentnerehepaar, 79 und 78 Jahre alt, in dessen Wohnung überfallen, der Frau mit dem Messer in den Hals gestochen und ihr mit Tritten den Rest gegeben, danach dem bettlägerigen, beinamputierten Mann den Schädel eingeschlagen. Tatmotiv: Er wollte sich, so der Richter, "mit dem erbeuteten Geld Party machen, Drogen nehmen und sich mit Prostituierten vergnügen". Die Medien sprachen von einem "Mann" oder "35jährigen". Einzig Bild nannte den Namen des Mörders: Gökhan K. Spielt der etwa eine Rolle? Natürlich nicht. Deswegen hat ihn ja auch niemand veröffentlicht.


                                         ***


Zum Tagesausklang noch eine Art Gottesbeweis. Hallejulia!