Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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21. August 2018



"Haß ist Sache des Herzens, Verachtung des Kopfs. Das Ich hat keines von beiden in seiner Gewalt", schreibt Schopenhauer (Paralipomena, Psychologische Bemerkungen, § 324). "Haß und Verachtung stehn in entschiedenem Antagonismus und schließen einander aus. Sogar hat mancher Haß keine andere Quelle als die Hochachtung, welche fremde Vorzüge erzwingen. Und andererseits, wenn man alle erbärmlichen Wichte hassen wollte, da hätte man viel zu tun: verachten kann man sie mit größter Bequemlichkeit samt und sonders. Die wahre, echte Verachtung, welche die Kehrseite des wahren, echten Stolzes ist, bleibt ganz heimlich und läßt nichts von sich merken. (...) Kommt dennoch einmal diese reine, kalte, aufrichtige Verachtung zum Vorschein, so wird sie durch den blutigsten Haß erwidert; weil sie mit Gleichem zu erwidern nicht in der Macht des Verachteten steht."

Da kann ich wohl von Glück sagen, dass ich für den Hass zu gleichgültig und für die Verachtung zu weichherzig bin. Aber wohin ich mit meinem Ekel soll, vermochte mir noch kein Weiser zu sagen.


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Der Leipziger Maler Axel Krause hat erklärt, er halte die illegale Masseneinwanderung für einen großen Fehler und die AfD "für ein zu begrüßendes Korrektiv im maroden Politikbetrieb". Darf der das einfach so sagen? Sind wir schon wieder so weit? Ja, das sind wir, dachte sich der Galerist Christian Seye und kündigte Krause nach 14jähriger Zusammenarbeit die Freund-, Gefolg- und praktisch Landsmannschaft. Die Galerie Kleindienst wolle die politischen Ansichten des Malers weder teilen noch mittragen, und "das macht man im Prinzip, wenn man ihm eine Präsentierfläche gibt", sagte Seye. Wer sich Krauses Bilder anschaut – der Künstler wird der Neuen Leipziger Schule zugerechnet – und sich dann fragt, wo dort politische Ansichten transportiert werden, hat das Prinzip des harten, aber notwendigen Ausschlusses eines Schädlings aus der Volksgemeinschaft nicht verstanden. "In einem Kunstmarkt, in denen Galeristen allzu oft ethische Ansprüche ausblenden, ist so ein Schritt ein Lichtblick", kommentiert ein grammatikalisch anfechtbares, aber ethisch tadellos gebliebenes Fachmagazin für artgerechte Künstlerhaltung. Mit der Kündigung seiner Galerie ist über den Maler praktisch ein Berufsverbot verhängt, denn keine andere Galerie, weder in der Heldenstadt Leipzig noch in anderen heroischen Gefilden, wird es wagen, einen "AfD-nahen Künstler" auszustellen. Die Nazi-Mentalität auf Nazijagd, x-te Fortsetzung.


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Der Tübinger OB Boris Palmer habe sich in der Bild-Zeitung beschwert, dass die Tagesschau nicht über die Ermordung eines Offenburger Arztes durch einen somalischen Asylforderer berichtet hat, teilt mir Leser *** mit und fährt fort: "Das ist ungerecht. Die großen Medien berichten durchaus über solche Fälle. Zum Beispiel wurde vor ein paar Tagen eine Syrerin mit Kind in einen Teich geschubst. Verletzt wurde niemand (auch nicht geringfügig). Aber nass. Darüber berichteten u.a. Spiegel, Focus, Bento, NDR und viele, viele andere.

Sie sehen, die Objektivität der News-Auswahl ist bei uns gewahrt. Deshalb ist der Respekt vor Journalisten auch so unermesslich hoch."



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Erstaunlich: Ein simples Paradoxon überfordert manchen Allerweltslinken anscheinend völlig. In Rede steht die Sentenz: "Immer mehr Arten sind vielfaltsbedroht“, mit der die Hamburger AfD für meine Lesung dortselbst an Goethes Geburtstag wirbt. Wer daran glaubt, dass unter den Parolen von Vielfalt, Buntheit und Diversität etwas anderes als ein Uniformierungs- und Gleichschaltungsprogramm läuft, der meint sicherlich auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet. Die Kommentare der Vielfaltspinsel sind von entlarvender Baumschulenschlichtheit, immerhin diese Leute beweisen die Gültigkeit meiner Bemerkung ("In unserer Firma gibt es nur Querdenker; wer da nicht mitzieht, hat keine Chance", spottet Alexander Wendt in "Die Plantagen des Blöden", und am Beispiel des exkommunizierten Leipziger Malers Axel Krause lässt sich die angewandte Vielfalt ja bestens studieren). 


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Zu den bevorzugten "Narrativen" der Willkommenkulturschaffenden gehört die Geschichte, dass "wir alle" einen Migrationshintergrund haben und die Menscheit sowieso aus Afrika stammt, weshalb wir Europäer uns nicht so zieren sollen, wenn ein paar Millionen mit diesem erlauchten und ihrerseits etwas länger konservierten Pedigree nun auf unserem Erdteil zu siedeln gedenken. Back to the roots! Wir sind alle Nafris bzw. Afrikaner!

Vor etwa 70.000 Jahren, so lautet die offizielle Lesart, begann Homo sapiens, sich von Ostafrika aus in ganz Afrika und dem Nahen Osten auszubreiten. Vor 45.000 Jahren soll er bereits Asien und Europa besiedelt haben. Was aber wurde aus seinen Halbbrüdern und -schwestern, den Vor- und Frühmenschen? Urgeschichtler haben dazu zwei Theorien aufgestellt, die "Vermischungshypothese" und die "Verdrängungshypothese". Erstgenannte besagt, dass sich unsere Uraltvordern mit anderer Vor- und Frühmenschen (wie dem Homo erectus und dem Neanderthaler) gepaart, vermischt und schließlich zum modernen Menschen entwickelt haben; sozusagen eine Art Hippie-Start. Die meisten Genetiker und Paläontologen sind jedoch aufgrund der genetischen Befunde der Ansicht, dass solche Vermischungen kaum stattgefunden und unsere Vorfahren die anderen einfach "verdrängt" haben; das ist die "Out-of-Africa-Theorie". (Verdrängtwerden durch Menschen aus Afrika, was es nicht alles gibt!) Nach dieser Theorie hatte Homo sapiens einfach in schnellerer Folge häufiger überlebenden Nachwuchs als die altmodischen Anderen; was sonst noch so zum Verdrängen dazugehört, kann sich jeder an den Fingern abzählen. So wie diese Gattung beschaffen ist, liegt die Vermutung nahe, dass unsere afrikanischen Vorfahren auf ihren Wanderungen die anderen einfach ausgerottet haben.

Die These, dass "wir alle" aus Afrika stammen, erhält vor diesem Hintergrund eine ganz neue Dimension. Dass jeder heutige Mensch genetisch von Mördern, Räubern, Vergewaltigern (bzw. Vergewaltigten) abstammt, ist unbestritten, aber etwas Neues wäre es, wenn wir samt und sonders Nachfahren von Völkermördern sind (sofern man den Begriff bereits keck auf die urgeschichtliche Ausmerzung ganzer verwandter Gattungen anwenden will, was ja eigentlich schlimmer ist als bloße Völker von der Erde Rücken zu tilgen). Der Vorteil im Sinne des Zeitgeistes bestünde wiederum darin, dass sich die heutigen Rassen bzw. Ethnien innerhalb der Spezies Homo sapiens wegen der gemeinsamen Vorfahren genetisch ähnlicher sein müssten, als wenn unser Erbe sich aus einem Mulkul-Genpool von verschiedenen ("bunten") ausrottungsungeneigten Menschenarten speiste. Zugespitzt formuliert: Den Rassisten käme es entgegen, wenn die frühe Menschheit bunt war; die Buntheitsprediger können besser damit leben, wenn sie von Ausrottern abstammen.

PS: "Sehr geehrter Herr Klonovsky, zu Ihren heutigen Einlassungen zum Narrativ 'Out of Africa' möchte ich anmerken, daß dies heute nicht mehr ganz unumstritten ist. Ich verweise zuerst einmal auf das Narrativ 'Out of Australia', zu dem bereits einige interessante Bücher erschienen sind. Dann zweitens auf das Narrativ 'Ex nocte lux', zu dem es ein Buch von H.K. Horken gibt. Heute natürlich politisch völlig inkorrekt. Und dann drittens, als aktuellem Beleg für wissenschaftliche Schieflagen, auf die Literatur zum vorkolumbianischen Amerika, hier besonders auf 'Mann, Charles C. – Amerika vor Kolumbus'. Hier deutet sich an, daß 'unser' Bild von der Vergangenheit, entworfen von Ideologen, die sich als Wissenschaftler tarnen, ganz und gar nicht der Wirklichkeit entspricht."


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Ich reiche hier eine interessante Meldungen aus dem vergangenen Jahr nach, auf die ich zufällig gestoßen bin. Das Shorenstein Center der zur Harvard Universität gehörenden Harvard Kennedy School verglich den Tenor der US-Medienberichterstattung über die ersten hundert Tage von Trump, Obama, Bush und Clinton. Das Ergebnis ist wenig überraschend: Beim schlimmen Donald waren 80 Prozent der Berichte negativ, bei Obama 41 Prozent; Bush kam immerhin auf lediglich 57 Prozent. Noch drastischer fällt die Auswertung einzelner sogenannter Nachrichtensender aus. Jeweils 93 Prozent der Beiträge von CNN und NBC zeichneten ein negatives Bild des aktuellen Präsidenten, und der angebliche Supporter Fox-News kam auf 52 Prozent negativ getönte Beiträge (die New York Times übrigens auf 87 Prozent). Aber ein Sender übertraf sie alle mit 98 Prozent Negativberichterstattung: die ARD im fernen Germany. Die ominösen zwei Prozent müssen sie in tiefster Nacht ausgestrahlt haben...