Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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Das meint der Leser


Lieber Pan Klonovsky,

hätten Sie sich nicht während Ihrer Ferien einfach ein wenig zurückhalten können ?

Glauben Sie wirklich, daß die Menschheit ohne Ihre "Zwischenrufe" nicht mehr leben kann, bzw. zumindest Ihre Leserschaft Ihnen jeden Schmatzer beglückt von den dürren Lippen abpflückt ?

Aus Ihren eilig dahingeschmelzten Zeilen lugt ständig der Anspruch hervor, daß nur Sie letztlich um die rechte Lebensart wissen, Sie fühlen sich in kaum noch zu verbergender Weise wie der Emeritus auf seiner Hausburg in Südfrankreich in "Das Heerlager der Heiligen", Sie sind mit ihm zur Selbstidentifation übergegangen, so wie Karl May zwischen den Identitäten von Kara Ben Nemsi und Old Shatterhand und dem Erzgebirgsbengel kaum noch zu unterscheiden wußte.

Das könnte man noch milde belächeln, aber diese infantile Frankreichverehrung, gepaart mit dem kaum verhohlenen Aufschrei "Leute schaut, auch Sachsen können Austern essen", löst eine mittelschwere Lachkanonade aus.

Ganz übel wird aber ihre ständige Lobpreisung der Radfahrer - gibt es für einen normal gebliebenen Menschen, sich würdig zu kleiden weiß und auch im Alltag inmitten des ihn umbrandenden Barbarentums sich seine Würde zu erhalten versucht, etwas Garstigeres als die Marschradler, die in neonregenbogenfarbigen, wurstpellenartigen Hemderln und Höschen, unter denen sich die Grübchen auf den straffen Pobäckchen abzeichnen, die Straßen mit ihren fanatisch nach vorn gesenkten Blicken und den alienartigen, stromlienienförmigen Helmchen verunzieren ?
Ein kategorisches "nein" ist die Antwort.

Schlimmer noch, diese Widerlinge nehmen alle Ruheräume für sich in Anspruch, die ehemals die letzten Zufluchts- und Ruheräume der Wanderer und Fußgänger waren:

im Walde, in der Feldmark, ja sogar auf den steilsten Bergen, überall findet man diesen Auswurf der Menschheit, der den vor sich hinträumenden Fußgänger im tiefsten Forst wichtigheischend aus dem Wege klingelt, man spürt regelrecht, daß er es als persönliche Beleidigung ansieht, daß man es überhaupt wagt ihm den Wald aufgrund unserer bloßen Anwesenheit streitig zu machen.

Konzentrieren Sie sich auf Politik und Gesellschaft, schon Ihre Ausflüge in die Kunst streifen oft genug die Grenzen des Lächerlichen; man muß sich nur die verkniffenen Fotos von Ihnen anschauen, um nach der Lektüre, wie Sie als Knäblein zart die ersten Wagnerweihen erhielten, nicht gequält zu zerfließen und verschonen Sie uns mit Frankreich und Radlern.

Unsereines findet unter viel angenehmeren Völkern seine Rückzugsorte, aber es wie bei Geld und Geschlechtsverkehr:

der Kenner genießt und schweigt.

Amen