Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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16. Juli 2018


"Wenn die Europäer auf ihre Partikularismen verzichten, um den 'guten Europäer' zu zeugen, so sollten wir die Befürchtung hegen, dass sie bloß einen zweiten Nordamerikaner hervorbringen."
Nicolás Gómez Dávila


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In einem Punkte gleiche ich der Kanzlerin: Migration ist das einzige politische Problem, das mich wirklich beschäftigt.


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Fanden Sie es nicht auch ekelhaft und einen Rückfall in finstere Zeiten, wie die französischen "National"spieler, die Schwarzen vorneweg, nach dem Titelgewinn im nationalistischen Taumel mit der Trikolore durchs Moskauer Stadion gerannt sind?


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Das Urteil gegen Beate Zschäpe könnte sich als der tiefste Einschnitt in die Rechtsgeschichte der Bundesrepublik erweisen. Vor Augen einer moralisch in jede Art Bockshorn gejagten Öffentlichkeit wird eine reichlich unterbelichtete Person für zehn Morde verurteilt, ohne dass ihre Beteiligung an auch nur einem davon ansatzweise bewiesen ist. Entscheidende Akten sind für 120 Jahre gesperrt worden. Merkels frühe Festlegung auf die Täter ("Schande für Deutschland") sowie der Gesinnungsdruck von Politik, "Zivilgesellschaft" und Medien haben ein Klima erzeugt, in welchem der Zweifel an der offiziellen Version an ein Sympathisieren mit Neonazis grenzt. Was mich betrifft: Bis Beweise vorliegen, kann ich einfach nicht glauben, so gern ich es aus Liebe zur Staatsführung und zum Multikulturalismus täte, dass die beiden Uwes die ihnen zur Last gelegten, aber für ihre schlichte Wesensart viel zu perfekten Morde – keine DNA-Spuren am Tatort, keine Patronenhülsen, nicht ein einziger Zeuge – begangen haben. (Mehr dazu hier und hier;  dann den Links in den Kommentaren folgen.)

Im Übrigen, wie Heribert Augstein gesagt haben könnte, ist die Wahrscheinlichkeit für einen Migranten, in Deutschland von einem Neonazi erschossen zu werden, unendlich geringer als die, im Haushalt zu verunglücken – sogar wenn er im Haushalt nie hilft.


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Wer auf Kroatien als Endspielteilnehmer (oder 2002 auf Merkel als Kanzlerin) gewettet hätte, wäre heute eine gemachte Frau.


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"Recht besehen lässt sich schon Merkels handstreichartiger Aufstieg, erst zur Parteivorsitzenden, dann zur Fraktionsvorsitzenden und daraus resultierend zur Kanzlerkandidatin, ganz ähnlich beschreiben: als überraschendes, punktuelles Durchbrechen des Üblichen, als situatives Aussetzen einer politischen Praxis, die man für eigentlich völlig unabänderlich gehalten hatte, als kontrollierte Sprengung am System. Damit war schon zu Beginn ein Muster geprägt, das sie im Weiteren ihrer Kanzlerschaft perfektionieren sollte."

Und das steht, wenn auch nur als Gastbeitrag, in der Zeit! Dort ist sogar von "ausgreifenden linksliberalen Landnahmen" in der Merkel-Ära die Rede, denen nun die AfD einen Riegel vorgeschoben habe. Und, im Epizentrum desselben, von einem neuen "Meinungsmacherinnentum": "An die Stelle von Journalismus trat die Vorstellung, Politik sei eigentlich gar nicht mehr nach links und rechts, sondern nur noch nach Vernunft und Unvernunft kodiert; und die jeweils letzte Wendung aus dem Kanzleramt sei zwingend als Emanation ebenjener Vernunft zu verstehen. Beweis: die aktuellen Umfragewerte! Diese neue Kurzschlüssigkeit aus öffentlicher Meinung, Regierungshandeln und veröffentlichter Meinung wurde zu Merkels großer Verbündeten. Das Kanzleramt erschien als Garant geschmeidiger Rückkopplungen im Dienste des moralischen Selbstbilds weiter Teile der Mittelschicht. Bei diesem Publikum hielt dementsprechend ein neues Biedermeier Einzug: Warum eigentlich noch Wahlen und Parteien, wenn den eigenen Interessen auch so umfänglich gedient ist?"

Überall bereiten sie sich auf das Postmerkelium vor.

Appendix: Ein Kommentar unter besagtem Artikel verweist darauf, dass bereits im Herbst 2017 ein Abgesang ähnlicher Art in der FAZ gestanden habe. Ich biete diesen Gesamtverriss der Merkel-Politik vom 18. September 2015 fürs Ranking an; wer kann früher?