Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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25. Juni 2018


Liveticker +++ Bei der türkischen Präsidentschafts- und Parlamentswahl gingen zwei Drittel der in Deutschland abgegebenen Stimmen an Erdoğan und die AKP +++ Kanzlerin verspricht: Gegen Südkorea steht Özil wieder in der Startelf +++ In vielen Städten feiern Erdoğan-Anhänger am Abend des Wahlsiegs mit einem Autokorso bis in die Nacht ihre gelungene Integration +++ Laut Polizei fuhren 70 Fahrzeuge teils hupend und teils mit fahnenschwenkenden Personen besetzt durch Stuttgart +++ Staatsministerin Özoğuz reagiert auf Kritik: "Der Tag wird kommen, wo die Bedingungen unseres Zusammenlebens gar nicht mehr täglich neu ausgehandelt werden müssen" +++


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"Oh, wie schade, dass der Charme, der den Kleinen Eckladen zierte, verschwunden ist", klagt Leserin ***. "Die Kunst, in relativ wenigen Sätzen scharfzüngig die Realität darzulegen, dieser elegante Lakonismus, der sprachliche Genuss, der sich beim Lesen einstellte, alles ist (fast) dahin. Die langen Abhandlungen sind noch immer klug, aber der Esprit löst sich vom ellenlangen Text, die leichte, schwebende Eleganz wird leider erstickt von Fakten, Fakten, Fakten."

Ich werde versuche, mich zu bessern.


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Strukturwandel der Öffentlichkeit: In seinem Buch "White Rabbit" plaudert Matthias Matussek aus der Schule des hiesigen Qualitätsjournalismus. Im Spiegel sollte – ich folge hier Matusseks Ausführungen, an denen zu zweifeln keinerlei Grund besteht –  im November 1997 seine Geschichte "Die vaterlose Gesellschaft" als Titel erscheinen, in welcher er über die Ausgrenzung vieler Väter nach Scheidungen berichtete und "mit den habgierigen und knallharten Tussen deftig ins Gericht ging, die sich einen neuen Kerl besorgt hatten und im Schutz einer linksgrün gefütterten Opferliturgie ihre Exmänner nicht nur zahlen ließen, sondern sie auch von ihren Kindern trennten und dabei völlig im Reinen mit sich selber waren". Nachdem Spiegel-Frauen gegen den Titel protestiert hatten und mit einer Unterschriftenliste beim Chefredakteur Stefan Aust erschienen waren, entschied der sich, stattdessen Saddam Hussein aufs Frontblatt zu setzen. Herausgeber Rudolf Augstein, der sich stets den aktuellen Titel zufaxen ließ, wunderte sich, statt des angekündigten Covers über die vielen kleinen Diktatorinnen den irakischen Diktator zu erblicken, ließ den bereits angedruckten Titel einstampfen und setzte Matusseks Geschichte wieder vorne drauf. Er rief den Autor an und sagte: "Tolle Geschichte, Matthias, übrigens, mich ham die Weiber auch immer so beschissen behandelt."

Ich habe etwas Ähnliches erlebt mit meiner Focus-Titelstory "Das priviligierte Geschlecht" vom April 2003, als ebenfalls große Aufregung unter weiblichen Mitarbeitern ausbrach; die Mädels haben sich in der Hängematte ihrer angeblichen Benachteiligung ja so splendid eingerichtet, dass jeder, der sie mit Hinweisen auf die tatsächlichen Verhältnisse "im Außendienst" – Männer sterben im Schnitt viel früher als Frauen, sie sterben zudem weit häufiger durch Kriege, Kriminalität, Folter oder Arbeitsunfälle, müssen mehr, härter und länger arbeiten, erledigen die dreckigeren und gefährlicheren Jobs, bevölkern die Gefängnisse und Obdachlosenheime, zahlen ohne Ende, haben das schlechtere standing vor Gericht usw. –, dass jeder, sage ich, der die Mädels mit dem Hinweis auf die tatsächlichen Verhältnisse aus ihrem Schlummer reißt, von ihnen als Bösewicht traktiert wird. Damals beendete Helmut Markwort die Versuche, die Geschichte zu verhindern oder wenigstens vom Titel zu nehmen. Die patriarchalischen Zwangsstrukturen funktionierten noch.

Heute sind die knorrigen, aber loyalen Patriarchen durch alerte, glatte, pfiffige, "teamfähige" (= aufs Schwarmverhalten dressierte), immer auf Witterung und "Lunte" bedachte, zu jeder Trendwende und jedem Verrat bereite Bübchen, die niemals Männer werden, ersetzt und die Störenfriede aus der Qualitätspresse entfernt worden. Rückgrat sucht man in dieser Branche vergeblich; jeder, der gegen eines der gerade geltenden Tabus verstößt, ja nur von deren Existenz kündet, wird niedergebrüllt und exkludiert – etwas, das antifaschistische, antisexistische, antirassistische Empörung auslöst, kann ja kein Totem sein! Die Welt-Chefredaktion ist Matussek, sobald der sich erstmals einer roten Linie genähert hatte, umstandslos in den Rücken gefallen, bei der nächsten Gelegenheit ließen die ihrer Rente entgegenstrebenden Knäblein ihn wie die berühmte heiße Kartoffel fallen.  

"Deine Haltung sehend, interessiert mich dein Ziel nicht." (Brecht, "Geschichten vom Herrn Keuner")


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In leichter Abwandlung einer Idee, die Leser *** unterbreitet, schlage ich vor, dass ein verdienter Dokumentarfilmer sich der großen Aufgabe annimmt, den schon länger hier Weilenden die Ziele der Kanzlerin vermittels eines ordentlichen Propagandaschinkens näherzubringen. Arbeitstitel: "Die Führerin schenkt den Muslimen eine Stadt". (Zumal es ja explizit um Wiedergutmachung für die damals nicht so kommoden Stadtverhältnisse geht.)


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Man wird dereinst sagen: Die Juden mussten Deutschland verlassen, weil die Deutschen sich entschlossen hatten, den Massenmord, den ein Teil ihrer Vorfahren achtzig Jahre zuvor an den Juden verübt hatte, durch die gastliche Aufnahme Abertausender Judenfeinde zu sühnen. Wenn das der Führer wüsste!


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Erste Zukunft: Merkel stellt ihr neues Kabinett vor.




Zweite Zukunft. (Peter Altmaier kommt schwitzend mit einem Koffer voller Akten herbeigeeilt, doch Angela I. schüttelt den Kopf: "Peter, du musst bleiben. Hier ist nur noch Platz für Beate.")




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Als arabische Muslime noch über die Vorstellung lachten, alle Frauen sollten in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen. Wie ein deutscher Regierungschef sagte: Von denen, die damals lachten, lachen heute unzählige nicht mehr.


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Woran erkennt ein Mann, dass er zum sogenannten alten Eisen gehört? Daran, dass er zwischen der ersten und der zweiten Flasche Wein zu schwächeln beginnt? Dass er am Berg vorn ein drittes Kettenblatt vermisst? Dass ihn der elanvolle junge Debattierer bereits nach wenigen Minuten in einen Zustand exzessiver Schläfrigkeit versetzt? Freund *** berichtete, er sei in einer römischen Straßenbahn gestanden und habe mit einer Italienerin Blickkontakt aufgenommen und zu flirten begonnen. Die junge Frau habe auch prompt reagiert – und ihm ihren Sitzplatz angeboten...