Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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7. Juni 2018


"In der Neuzeit verfällt die Sprache nicht deswegen, weil man die Wörter vernutzt, sondern weil man die meisten von ihnen nicht brauchen kann."
Jürgen Große



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Nein, Angela Merkel hat die 14jährige Susanna Maria Feldman aus Mainz, deren Leiche an einem Gleis in Wiesbaden gefunden wurde, nicht ermordet. Es war einer von ihren zahlreichen Gästen, der es tat, ein 20jähriger Iraker (der anfangs als Mittäter verdächtigte türkische Kurde ist inzwischen auf freiem Fuß), der als sogenannter Flüchtling hier im Land weilte. Susanna ("Giunse alfin il momento... Deh vieni non tardar, o gioia bella", Le Nozze di Figaro, 4. Akt, Finale) wurde kurz nach ihrem Verschwinden vergewaltigt, getötet und verscharrt. Der Iraki, Ali Bashar geheißen, war einschlägig polizeibekannt: wegen bewaffneten Raubes, Schlägerei, Widerstand gegen die Polizei, Verdacht der Vergewaltigung einer 11-Jährigen in der Flüchtlingsunterkunft. Nach Angaben der Polizei habe aber kein Grund für eine Inhaftierung vorgelegen, also lieferte er ihn nach und machte sich stracks davon, praktischerweise in jenes Land, aus welchem ihn bittere Not ins deutsche Asylysium getrieben hatte, denn Bitterkeit sollst du kosten, spricht der Herr. Dieser bon sauvage war im Oktober 2015 im Zuge der Öffnung der Grenzen durch Merkel und des daraufhin einsetzenden Migrantenstroms hierher gestromert. Seinen Asylantrag lehnte das BAMF zwar ab, doch ein beflissener Rechtsanwalt in Wiesbaden legte Widerspruch ein, Bashar durfte in Deutschland bleiben und erhielt eine Aufenthaltserlaubnis, jamerschade für Susanna.

Nein, Frau Merkel hat das Mädchen nicht ermordet, sie hat nur im weitesten Sinne Beihilfe dazu geleistet. Um es korrekt zu fomulieren: Hätte man Ali Bashar 2015 an der Grenze zurückgewiesen, wie Recht und Gesetz es vorsehen, wäre Susanna noch am Leben. Wenn jemand im städtischen Zoo die Gehege der Raubkatzen – pardon, liebe Löwinnen und Löwen, es sind ja nur die Gehege der Hyänen und Schakale – übers Wochenende offenlässt, gibt es am Montag eben ein paar Schlagzeilen. (Natürlich ist dieser Vergleich, der eigentlich nur ein Bild ist, viel schäbiger und verurteilenswerter als der unglückliche Einzelfall Susanna.) In gewissem Sinne hat auch die Polizei Beihilfe geleistet, und sofern der Anwalt ein Gewissen besitzt, sollte er es benutzen. Aber vielleicht gehört er auch zu jenen edlen Seelen, die die Welt in Reine und Unreine scheiden – der Skandal um die Bremer Zweigstelle des Umvolkungshauptamtes hat ja unter anderem eine emsige Beteiligung muslimischer Anwälte an der Anfechtung abschlägiger Asylbescheide ans Tageslicht gebracht –, wobei Letzere ungehemmt verachtet werden dürfen.

Es stimmt übrigens definitiv nicht, dass Merkel gesagt haben soll: "Mir doch egal ob ich schuld bin, jetzt isse halt tot." Sie hat wahrscheinlich überhaupt nichts gesagt. Sie wird sich hüten, dergleichen Vorfälle auch nur zur Kenntnis zu nehmen. Gerade die Mütter der Toten verstehen einfach nicht, dass die Kanzlerin doch nur in humanitären Notsituationen helfen will. Und dann gibt es eben auch mal "Verwerfungen" (so bekanntlich der Harvard-Spitzbube Yascha Mounk in den Tagestehmen), über die man nicht so viel Geplärr machen soll, denn das ist bloß Wasser auf die Mühlen der Nazischlampen und -opas. Aber woher fließt es eigentlich, dieses böse böse Wasser?

Gerade in Fällen wie dem schrecklichen Ende der zu Tode geschändeten 14jährigen – über den linke Kommentatoren morgen schreiben werden, dass es doch erstaunlich sei, wie sehr er die Gemüter bewege, wo doch die meisten Vergewaltiger aus dem näheren Umfeld der Opfer stammen, und schon ist es nicht mehr nur Wasser auf Mühlen, sondern auch ein Lackmusbeweis für die herrschende Fremdenfeindlichkeit –, gerade in solchen seit Herbst 2015 sich häufenden Fällen, sage ich, tritt übrigens ein altes linkes Klischee in seine Rechte: die Schuld der Gesellschaft. Denn in der Tat ist das gesellschaftliche Klima mitverantwortlich dafür, dass junge Mädchen die Hyänen streicheln und mit ihnen spielen wollen. Die Gesellschaft hat ihnen eingeredet, dass die Possierlichen ihnen nichts tun werden, und zwar durch die Bank, Eltern, Politiker, Lehrer, Journalisten, TV-Kasper, Pfaffen, Komödianten, NGO-Fatzkes, Unternehmensführer, alle raten sie unisono: Geh' auf die neuen Einwohner unseres durch diese Ankömmlinge erst richtig lebenswerten Landes zu, nimm Kontakt zu ihnen auf, freunde dich mit ihnen an, sei kein dumpfdeutscher xenophober Frosch, büße deine Erbschuld in tätiger Fernstenliebe. Alle Schutzinstinkte sind einem solchen Kind abtrainiert worden, wobei Susanna F., wie jetzt bekannt wurde, Jüdin war. Musste sie deshalb sterben? Gerade als jüdisches Mädchen hätte sie doch diese Instinkte haben müssen! All diese Mias, Marias und Susannas wussten nichts davon, dass in der tribalen Welt vieler Goldstücke die Frau bei der ersten Berührung in den Besitz des sogenannten Mannes übergeht, dass sie ihm zu gehorchen hat und, sofern europäisch, christlich, jüdisch oder konfessionslos, ohnehin nur eine ungläubige Schlampe ist. (Ob sie etwas Ähnliches von der Kanzlerin denken, entzieht sich meiner Kenntnis; die Vermutung liegt allerdings nahe. So weit, Brüder der Wüste, sind wir im Geiste vielleicht bisweilen gar nicht auseinander!)

Für die künftige Kriminalitätsentwicklung, nein: für die Entwicklung der Kriminalstatistik habe ich aber noch eine gute Prognose auf der Pfanne. Die Gewalttaten werden nämlich zurückgehen. Zum einen spricht sich die Sache mit der totalen Inbesitznahme mählich herum, der darwinistische Mechanismus beginnt zu wirken und dem Tod der Unvorsichtigen folgt eine erhöhte Vorsicht der anderen. Außerdem befördern solche Taten auch die ethnische Trennung, also die Separierung und Ghettoisierung der so unverhofft zahlreich zu uns Hereingeschneiten. Und in diesen Vierteln findet ohnehin keine registrierbare Kriminalität mehr statt, aus Gründen, die ich andernorts hinreichend beschrieben habe. Und nun freue dich, Wiesbaden! Mainz bleibt ja sowieso Mainz.


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Populismus heißt zuallererst: gegen das Establishment. Es waren Populisten, die Ludwig XVI. enthauptet haben. Es waren Populisten, die den Adel entmachtet haben. Es waren Populisten, die die kommunistischen Diktaturen in den Ostblockstaaten gestürzt haben. Letzteres ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die Populisten heute noch eine so schlechte Presse bekommen.


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Immer wenn ein AfD-Politiker etwas schlagzeilenrelevant Dummes oder Derbes sagt, was periodisch vorkommt, werden wir verlässlich von der Wahrheits- und Qualitätspresse darüber in Kenntnis gesetzt, dass der Dreisprung Provozieren - Zurückrudern - Beschwichtigen zum athletischen Routineprogramm der Rechtspopulisten gehöre und dem "Stimmenfang am rechten Rand" diene. In meiner Funktion als Haruspex muss ich das dementieren. Man kann einzelnen AfD-Leuten ja Ungeschicklichkeit, Unwissenheit, Vulgarität oder Blödheit vorwerfen, aber so dumm ist keiner von denen, dass er nicht wüsste, dass am sog. rechten Rand nichts zu holen ist, was nicht gleichzeitig in der Mitte fünffach verloren ginge. Meine Erklärung für diese Vorfälle ist eine andere. Ich halte solche Rüpeleien für eine Art kollektives Tourette-Syndrom. Dieses Syndrom zeigt sich üblicherweise etwa darin, dass jemand zwanghaft schmutzige Worte ausstößt (Hip-hop und Regietheater sind gesellschaftlich akzeptierte Unterarten davon). Wenn jemand neurotisch herumschriee, er habe ein Zeit-Abo, gälte das, zumindest bislang, noch nicht als Tourette, und deshalb macht es wahrscheinlich auch niemand. Die zwanghaften Äußerungen aus den Reihen der AfD kreisen immer um die berüchtigten zwölf Jahre, also um den Glutkern der deutschen Staatsreligion und Fixpunkt jener Unheilsgeschichte, die das Volk des negativen Bundes in der Welt vertritt. Wie ein an Koprolalie Leidender aus innerem Zwang Unflätigkeiten ausstößt, die in einer zivilisierten Gesellschaft als anstößig empfunden werden, stehen manche Rechtspopulisten offenbar unter großem Druck, in der Öffentlichkeit Blasphemien gegen die deutsche Zivilreligion vorzutragen. Diese Menschen lästern aus tiefer seelischer Not und verdienen eher Nachsicht als eine weitere Erhöhung des auf ihnen lastenden Drucks durch Exkommunikation.   

Statt auf den politischen Mitbewerber zu schimpfen, sollten die Etablierten sowieso lieber dankbar sein. Ohne die vielen verbalen Böcke stünden die Rechtspopulisten längst bei 25 oder mehr Prozent.


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Was ist eigentlich schlimm an alten weißen Männern? Die meisten Erfindungen stammen von ihnen, sie haben mehr Komfort in diese Welt gebracht als jede andere Gruppe, die meiste gute Musik komponiert, die meisten guten Texte geschrieben, und sie sind im Schnitt am besten ausgebildet und erzogen. Junge und keineswegs nur junge weiße Männer dagegen sind gezwungen, unausgesetzt Mindersinn zu denken, sie kennen nur die Meinung ihrer Peergroup und sind die schlimmsten aller Konformisten, sie reden in Worthülsen, können sich nicht ausdrücken, haben keine Manieren, keinen Geschmack und von nichts Ahnung, sie grölen, streiten, prügeln und messern, starren in Händis und machen Frauen auf eine Weise an, die an einen Orang-Utan erinnert, der versucht, Violine zu spielen. Junge Männer haben den Stacheldraht von Auschwitz und von Workuta ausgerollt. Junge Männer haben Christus ans Kreuz geschlagen, junge Männer sind nach Stalingrad gezogen. Junge Männer haben während der chinesischen Kulturrevolution kluge alte Männer gedemütigt und ermordet, junge Männer haben Städte bombardiert und niedergebrannt, junge Männer haben den IS und Boko Haram gegründet, junge Männer gehen zur Antifa und zur Grünen Jugend und lassen sich dort ideologisch geschlechtsumwandeln. Nochmals: Was ist eigentlich schlimm an alten weißen Männern?

PS: "Sehr geehrter Herr Klonovsky, alte weisse Männer haben tolle Erfindungen gemacht: z.B. die Atombombe. Alte gelbe Männer haben die chinesische Kulturrevolution befohlen, alte weisse Männer angeordnet, daß KZs errichtet werden, alte weisse Männer haben Weltkriege angezettelt, alte weisse Männer die Jugend verdorben. Alte rote Männer haben weisse alte Männer bekämpft, alte schwarze Männer haben sich gegen die Kolonialisten aufgelehnt, alte weisse Männer Atomkraftwerke gebaut, alte weisse Männer reden von 'Vogelschiss' und das vor der Jugend!. Was soll also dieser Blödsinn von alten weissen Männern, Sie alter gar so WEISER Mann?"

Bei der Machtübernahme war Hitler als der Senior der NSDAP 43 Jahre alt, Goebbels 35, Himmler 32, Heydrich 29, Eichmann 26 etc. Bei den Sowjets können Sie das selber durchrechnen. Alle diese Totalitarismen waren Jugendbewegungen. Oppenheimer zählte 38 Jahre, als er in das Manhattan-Projekt eintrat; weißen Männern sind fast alle wichtigen Erfindungen in gebotener Undankbarkeit zuzurechnen, aber keineswegs immer waren sie alt dabei. Nichts hat die Welt übrigens sicherer gemacht als die uneinsetzbar mörderische Atombombe; nie gab es zwischen Atommächten einen Krieg, aber vielleicht bekommen ein paar junge Gotteskrieger irgendwann mal eine Bombe in die Finger und widerlegen diese Feststellung. Die Atomkraftwerke werden für die Energieversorgung dieses Planeten nach dem Verschwinden des "unterirdischen Waldes" (Sieferle) wahrscheinlich unverzichtbar bleiben.

Aber wohl nur ein alter weißer Mann, der noch eine vernünftige allgemeinbildende Schule besuchen durfte, befindet sich zuweilen im Bilde darüber, wann ein Text mit einem Augenzwinkern gelesen werden muss; der junge Mensch findet sich ohne Emojis offenbar nicht mehr in diesen semantischen Wüsten zurecht.


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Gestern lief im DDR-Fernsehen der Film "Unterwerfung" überaus frei nach Michel Houellebecqs Roman. Alexander Wendt hat dazu das Nötige geschrieben.