Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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3. Mai 2018

D’Alembert hatte Frau Denis einen Tag nach ihrer Hochzeit mit Herrn Duvivier besucht. Man fragte ihn, ob sie glücklich aussehe. "Glücklich?", antwortete er, "ich versichere Ihnen, so glücklich, dass einem schlecht dabei werden kann."


Nach der Einsetzung von Karl II. hätte Milton einen sehr einträglichen Posten wiederbekommen können. Seine Frau ermunterte ihn dazu. Doch er erwiderte: "Du bist eine Frau, und du möchtest eine Kutsche haben; aber ich will als Mann von Ehre leben und sterben."

(aus Chamforts Anekdoten)



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Auf seiner Webseite kasteit sich Dushan Wegner mit der Frage, warum Linke keinen Humor (mehr) haben. Er schreibt: "Humor ist eine Art, schmerzhafte Punkte der Realität mit Witzen zu behandeln, vergleichbar einer Wurzelbehandlung. Wenn man aber kontinuierlich damit beschäftigt ist, die Realität zu negieren, kann man diese Schmerzpunkte nicht treffen.

Humor beginnt damit, anzuerkennen, dass es schmerzhafte Unterschiede gibt. Unterschiede zwischen Männern und Frauen, zwischen Reichen und Armen, zwischen Nationen und Völkern. Linke können keinen Humor, denn Humor braucht Wahrheit, tiefe menschliche Wahrheit, und vor Wenigem hat die Linke heute mehr Angst als vor schmerzhafter Wahrheit. (...)
Die Linken in ihrem politischen Korrektheitswahn haben dem Sagbaren so viele Grenzen gesetzt, dass ihnen konsequenterweise ein Großteil an Witzigkeiten buchstäblich 'unsagbar' geworden ist. Was sich heute als linker Humor ausgibt, ist immer mehr nur Hass auf alle, die unangenehme Fakten nennen und Fragen stellen, auf alle Abweichler und Andersdenkenden, auf die Komischen, sei es die Komischen in der Idee oder die 'Komischen' am Körper."

Als Beleg zitiert Wegner eine Rednerin vom letzten "White House Correspondents’ Dinner", einer Art Politischer Aschermittwoch in Übersee, die nicht einmal witzig ist, sondern bloß mit Vulgaritäten um sich wirft wie ein boshafter Pavian mit den eigenen Exkrementen (dieses Bild, das ich schon einmal zur Beschreibung eines schmierigen politischen Laiendarstellers verwendete, habe ich übrigens von einem englischen Kritiker gestohlen, der es auf seinen Zeitgenossen Karl Marx anwandte, einen der begabtesten, boshaftesten, zielsichersten und produktivsten Kotverspritzer aller Zeiten). Außerdem verweist Wegner auf hiesige sogenannte Comedians, "die im Auftrag des ZDF gegen Regierungskritiker agitieren, oder die sich für solche lukrativen Stellen erst bewerben", also eine Art Humorpolizei bilden und zum Humor ein ähnliches Verhältnis haben wie Karl Eduard von Schnitzler oder der ehrwürdige Jorge de Burgos in Umberto Ecos Roman "Der Namen der Rose".

Dass ein Comedian oder ein Conférencier, der sich an die Seite der Herrschenden stellt, selber ein Witz ist, jedenfalls eine Peinlichkeit, muss hier nicht weiter ausgeführt werden. Ich ertrage die BRD-Kabarettisten ebensowenig wie weiland jene der DDR, wobei Letztere zuweilen wenigstens zugaben, nicht komisch sein zu dürfen; in der Berliner "Diestel", wohin mich eine Hausnachbarin kraft ihres Lächelns und ihres unglaublich grazilen Ganges geschleppt hatte, sagte einer der Staatskasper: "Hoffen Sie nicht darauf, dass Sie hier an den falschen Stellen lachen können. Wir haben nämlich keine falschen Stellen im Programm. Dafür haben die richtigen Stellen schon gesorgt." (Außerdem sagte er zum Abschied: "Mädels, denkt daran: Jungs sind wie Autos, wenn ihr nicht aufpasst, liegt ihr drunter", aber ich würde abschweifen, wenn ich... – )

Einem bekannten Diktum zufolge besitzt ein junger Mensch, der nicht links ist, kein Herz, und ein älterer Mensch, der es immer noch ist, keinen Verstand. Einer anderen, weniger bekannten Sentenz zufolge ist die Welt ein Drama für diejenigen, welche fühlen, und eine Komödie für diejenigen, die denken. Wenn wir beide Aussagen in die Moulinette legen und kräftig durchmischen, kommen wir der Antwort näher, warum Wegner recht hat.

Der wahre, tiefe, lösende Humor wurzelt im Fatalismus. Des Menschen Hinfälligkeit, Bedeutungslosigkeit und Sterblichkeit ist sein Stoff. Der zelotische Eifer des Linken kann damit nichts anfangen. Der Linke kennt ja die Ursachen aller Defekte und weiß die Lösungen. Er fühlt sich  moralisch legitimiert und träumt davon, für sein Engagement einen Preis verliehen zu bekommen oder wenigstens gelobt zu werden; da es meistens nicht funktioniert, ist sein Selbstmitleid stets ungleich größer als seine Selbstironie. Er meint es bitterernst, er will heimzahlen. Der Linke kann Häme und ätzenden Spott ausgießen über seine politischen Gegner oder all die Zurückgebliebenen und Begriffsstutzigen, die die Genialität seiner Pläne und Analysen nicht erkennen wollen. Das Fatum aber akzeptiert er nicht, weil in seiner schiefen Optik sämtliche Probleme soziale Ursachen haben. Fast alles, worüber ein Mensch mit Humor lächelt, empört ihn, womit er immerhin als komödientaugliche Figur in Erscheinung tritt. Die Mischung aus Fatalismus und Weltversöhnung, die dem echten Humor eignet und sich am Beharrlichsten im jüdischen Humor manifestiert hat, bleibt ihm ewig fremd.


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Nachdem viele Juristen die "Gemeinsame Erklärung 2018" unterschrieben hatten, sah sich der ehemalige Präsident des Deutschen Anwaltsvereins, Wolfgang Ewer, zu einer Replik genötigt. Im Editorial der Neuen Juristischen Wochenschrift verkündete er: "Zur These, dass die Zulassung der massenhaften Einreise von Flüchtenden illegal sein soll, reicht der Hinweis, dass das BVerfG eine gegen diese Verfahrensweise gerichtete Verfassungsbeschwerde durch den Beschluss von 10.2.2016 nicht zur Entscheidung angenommen hat."

Das ist lustig. Ein durchweg aus Parteikandidaten bestehendes, längst nicht mehr unabhängiges Gericht weist eine regierungskritische Beschwerde ab, übrigens ohne Begründung, und ein Anwaltshäuptling springt den Genossen zur Seite. Die Aushebelung des Rechtsstaates durch unsere Willkommenputschisten wird weggewischt mit der Bemerkung, dass die BRD ein Rechtsstaat sei. Souverän ist, wer den Ausnahmezustand für rechtens erklärt. Das Oberste Gericht der DDR hätte ähnlich argumentiert.

PS: Leser *** meldet Widerspruch an: "Hier war m.E. nicht das Bundesverfassungsgericht, sondern der ehem. Präsident des Deutschen Anwaltsvereins zu kritisieren. Denn Prof. Ewer scheint nicht mehr auf dem aktuellen Stand zu sein und/oder absichtlich merkelkonform zu kommentieren, und was die Entscheidung des BVerfG betrifft, so weiß jeder Jurastudent schon im 1. oder 2. Semester, dass ein Verfassungsbeschwerdeführer nur die Verletzung eigener Grundrechte geltend machen kann, wozu die Verhinderung illegaler Grenzübertritte fremder Personen natürlich nicht gehört. Deshalb dürfte eine derartige Verfassungsbeschwerde schon als unzulässig zurückgewiesen worden sein, so dass in der Sache gar nicht entschieden werden durfte.
Wesentlich erfolgsträchtiger und jedenfalls zulässig wäre eine Anrufung des BVerfG durch Bayern aufgrund des Di-Fabio-Gutachtens gewesen, aber Seehofer wollte ja lieber als Bettvorleger die Füße der Großkanzlerin umschmeicheln. Wo aber kein – berechtigter – Kläger, da auch kein Richter."


PPS: Leser ***, Jurist, ergänzt:
"Eine Verfassungsbeschwerde dürfte unzulässig sein. Dies hat den Hintergrund, daß nach dem Grundgesetz nicht jeder Bürger einfach gegen Handlungen der Regierung klagen kann, die er irgendwie für ungesetzlich oder verfassungswidrig hält. Es gibt keinen allgemeinen Gesetzesbefolgungsanspruch des Bürgers gegen den Staat, und entsprechend gibt es auf Bundesebene auch keine 'Popularbeschwerde'. Verfassungsbeschwerde kann nur erheben, wer geltend macht, durch staatliches Handeln unmittelbar, selbst und gegenwärtig in einem seiner Grundrechte verletzt zu sein. Ein 'Grundrecht auf Einhaltung der asyl- und aufenthaltsrechtlichen Vorschriften sowie der Dublin-III-Verordnung' gibt es aber eben nicht. Daher war mit ganz überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, daß das Bundesverfassungsgericht die Verfassungsbeschwerden als unzulässig abgewiesen hätte.

Daher wäre bei einer möglichen Verfassungsbeschwerde die Frage, ob die Bundesregierung rechtmäßig oder unrechtmäßig gehandelt hat, voraussichtlich gar nicht geklärt worden, sondern es wäre einzig und allein um die Frage gegangen, ob der jeweilige Bürger überhaupt das Recht hatte, eine Entscheidung des Bundeverfassungsgerichts zu verlangen (Klagebefugnis). Wenn nämlich eine Verletzung des Bürgers in eigenen Grundrechten ausscheidet, so prüft das Bundesverfassungsgericht nicht mehr, ob die Verfassungsbeschwerde ansonsten begründet gewesen wäre, weil das gerügte staatliche Handeln objektiv wirklich verfassungswidrig gewesen ist.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit hätte das Bundesverfassungsgericht also die Verfassungsbeschwerde als unzulässig abgewiesen. Da den meisten Bürgern der Unterschied zwischen Zulässigkeit und Begründetheit einer Klage gar nicht geläufig ist, wäre ein entsprechender Mißerfolg von den 'Spin-Doktoren' der Bundesregierung in der Öffentlichkeit dahingehend umgedeutet und auch so verstanden worden, als habe das Bundesverfassungsgericht die Rechtmäßigkeit des Regierungshandelns, mit der es sich dann ja in Wahrheit gar nicht beschäftigt hätte, vollauf bestätigt – auch das wäre vor der Erhebung einer Verfassungsbeschwerde politisch zu bedenken gewesen.

Von dieser Prognose gilt nach dem wahrhaftig selten blöden Beitrag von Ewers – das Niveau unserer Wissenschaft befindet sich schlechterdings im freien Fall, Sie kennen ja gewiß die Replik Sarrazins bei Achgut auf 'Prof. Unfug', Daniel Thym." (Wer diesen Text nicht kennt, findet ihn hier.)


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Ich muss eine Egänzung beisteuern. Einen juristischen Niveauverfall zu beklagen, mag angebracht sein, verfehlt aber den eigentlichen Kern der Sache. Es geht nicht mehr ums juristische Niveau, sondern vielmehr um die Delegitimierung der juristischen Argumentation in der Einwanderungskrise generell. Wer hier nicht moralisch argumentiert, soll verworfen sein. 



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Apropos Ausnahmezustand und Aushebelung des Rechtsstaates.

Eins!
In einer Asylunterkunft im baden-württembergischen Ellwangen sind gestern vier Polizisten "von 150 bis 200 schwarzafrikanischen Flüchtlingen" daran gehindert worden, einen Togolesen abzuschieben. Wegen der "Bedrohungslage", so ein Polizeisprecher, hätten die Beamten entschieden, die Aktion abzubrechen. Heute hat die Polizei die Unterkunft gestürmt, mehrere der Goldstücke wurden festgenommen. Die Welt meldet, die "Flüchtlinge" hätten sich bewaffnen wollen, aber das tun "Flüchtlinge" bekanntlich immer und überall auf der Welt. Diese Figuren, die ähnliche Aktionen bei sich daheim nicht wagen würden – deswegen sind sie u.a. ja geflohen –, lernen, mit dem deutschen Staat umzuspringen. Gestern demonstrieren sie für bessere Verpflegung, heute verhindern sie Abschiebungen von Kriminellen, morgen werden sie Geld und Wohnungen fordern. Immerhin hat die Polizei die Lage überhaupt unter Kontrolle gebracht, aber die zwingende Konsequenz, nämlich die Abschiebung sämtlicher Insassen, die sich an dem Aufruhr beteiligt haben, wird niemand ziehen, und wenn doch, wären die Jungs ja eh in einer Woche wieder hier, denn:

Zwei!
Es strömen wieder mehr Migranten nach Europa, meldet Frontex. Das Wetter wird ja auch besser. Nach einer Frontex-Statistik kommen auf den Mittelmeerrouten überwiegend junge Männer in die Alte Welt. Was daraus folgen dürfte, haben Forscher der Harvard University schon lange vor der neuen Völkerwanderung recht penibel untersucht, nämlich:

Drei!
"Je weniger verschiedene Ethnien in einem Land zusammenleben, desto grösser ist die Chance, dass es demokratisch regiert wird. Zu diesem Schluss kommt eine Studie Forscher der Harvard University", schrieb damals der Tagesanzeiger. "Demnach korreliert eine starke Demokratie mit Homogenität. In gewissen Fällen könne Diversität die Demokratie schwächen. So schränke beispielsweise in fragmentierten Gesellschaften häufig eine Volksgruppe die politischen Freiheiten ein, um Kontrolle über andere Gruppen zu haben. In homogeneren Gesellschaften sei es dagegen einfacher, demokratischer zu regieren, weil die ethnischen Konflikte schwächer seien."

Deswegen gehen hier neuerdings auch ständig "Gruppen" aufeinander los, und die braven Gastgeber müssen aufräumen; wenn sie Pech haben, geraten sie zwischen die Fronten, aber solange sie als Knautschzone funktionieren, ist alles praktisch paletti. In die Kategorie Knautschzone gehören auch die Paukerin(n)en und Pauker, denn:

Vier!
"An fast jeder zweiten Schule in Deutschland hat es in den vergangenen fünf Jahren Gewalttaten gegen Lehrkräfte gegeben – und zwar nicht nur durch Schüler, sondern teilweise auch durch Eltern", meldet Spiegel online. Ursachen für den rätselhaften Anstieg werden nicht vermeldet, und das führende deutsche Sozialanalyse-Portal stellt auch keine Spekulationen darüber an, denn es gibt keine Ursachen; wer etwas anders sagt oder suggeriert wie etwa der erste Leserkommentar ("Ja, wie jetzt, ich dachte Deutschland wird immer sicherer?"), ist ein, na Sie wissen schon...

Fünf!!
Einen kleinen Blick in die Zukunft gibt es hier. Savoir-vivre in Zeiten verschärfter Buntheitsbeschleunigung.

 

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Dialog im Fitnessstudio. Ein junger Kerl zu einem emsig trainierenden Älteren, mit bewunderndem Unterton:
"Wie alt bist du?"
"Siebzig."
Gesiezt wird erst ab hundert.


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Ein Chamfort geht noch:
Der Chevalier von Montbarey hatte in einer Provinzstadt gelebt und wurde von seinen Freunden bedauert, dass er in so schlechter Gesellschaft hatte leben müssen. "Ihr irrt Euch", sagte er, "die gute Gesellschaft dieser Stadt ist wie überall und die schlechte ganz ausgezeichnet."