Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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27. April 2018


"Wer die Dinge zu illusionslos sieht, stirbt kinderlos – man denke an Figuren wie Leopardi, Schopenhauer, Nietzsche usw. Wir stammen nicht von Menschen ab, die nach den ersten Mißerfolgen den Kopf hängen ließen. Unsere Vorfahren sind eher robuste Frohnaturen, sanguinische Schwindler oder verbissene Bastler, die immer auf die nächste Chance warteten. (...) Adam war ein Handlungsreisender, der neunundvierzig Mal vergeblich klingelte und doch überzeugt blieb, an der nächsten Tür sein Zeug an den Mann zu bringen. Das ist der Anfang des heiligen Buchs vom männlichen Mißerfolg. Wir existieren, weil wir Vorfahren hatten, die aus ihren Erfahrungen nichts lernten. Diese Burschen ließen die Niederlagen an sich abtropfen wie warmen Regen über der Savanne. Biologen nennen das: erotische Fitness aufgrund hoher Mißerfolgstoleranz. Im Alltag wird diese Haltung als Selbstüberschätzung oder als männliche Großspurigkeit mißinterpretiert. Man will nicht zugeben, daß Männer auf Ausgelachtwerden, Verhöhnung und Mißerfolg genetisch besser vorbereitet sind."
Peter Sloterdijk, "Zeilen und Tage"


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Die Situation der Bundestagsparteien vor dem Eintreffen der AfD-Aliens muss man sich ungefähr vorstellen wie eine "Käfer"-Box auf der Wies’n: Schlemmend, saufend, schwatzend, stets bereit, sich auf Kommando unterzuhaken und loszuschunkeln, saßen die Volksvertreter in selbstgefälliger Eintracht beieinander, die Musi spielte hin und wieder einen Tusch auf die Chefin, in den alle einstimmten, die Rechnung hatte der Veranstalter im Voraus bezahlt, und wenn ein naseweiser Vertreter des Pöbels, den die Security unbegreiflicherweise hatte passieren lassen, sich erkundigte, ob noch ein Platz frei sei, wurde er mit einem unwilligen Grunzen des Raumes verwiesen. Schließlich hatte man die Box exklusiv und auf Jahre gebucht.

Das ist nun vorbei. Das wirkliche Problem, welches die System- oder Kartellparteien mit dem neuen politischen Mitbewerber haben, ist gar kein primär politisches, zumindest sind politische Begriffe für dessen Beschreibung wenig hilfreich, sondern man sollte vielmehr die Ethologie bemühen. Das Revier ist bedroht. Es sind "Feinde im Lager!" (so ein erschrockener Hurone im DEFA-Film "Chingachgook, die große Schlange"). Man ist nicht mehr unter sich. Die so gerne andere kontrollieren, werden plötzlich selber kontrolliert.

Und sie hatten es sich so gemütlich eingerichtet im großen Demokratiesimulationstheater Bundestag, mit eigenem Fahrdienst, Bedienten mit weißen Handschuhen, Vorkriegspreisen in der Parlamentarischen Gesellschaft, eigenen Restaurants, eigenem Reisebüro und jenem rund um die Uhr bewachten, mit Tunneln und Brücken verbundenen Büro- und Sitzungssaal-Kosmos um den Reichstag. Mit eigenen Regeln, eigenen Tagesordnungen, eigenen Floskeln, eigenen Problemverleugnungsmechanismen und sich wechselseitig die eigene Bedeutung versichernd.

So gehört es beispielsweise zu den Gepflogenheiten, Plenardebatten und Ausschuss-Sitzungen zur gleichen Zeit stattfinden zu lassen. Laut Geschäftsordnung des Bundestages braucht das Parlament zur Beschlussfähigkeit die Anwesenheit von mindestens 50 Prozent der Abgeordneten. Gottlob wird aber nur nachgezählt, wenn man es aus dem Saal heraus verlangt, sonst gäbe es zum Beispiel kein Netzwerksdurchsetzungsgesetz. In jedem anderen Falle wird – wider besseres Wissen – von der Beschlussfähigkeit ausgegangen. Das haben die rechtspopulistischen Spielverderber als erstes der Öffentlichkeit vorgeführt.

Während im meistens gähnend leeren Parlament – "Bei seinem Anblick gähnte der Abgrund wirklich" (Johannes Gross) – immerhin noch Redner so taten, als debattiere das Hohe Haus über seine Gesetzesentwürfe und Beschlüsse, fanden sich die meisten Ausschüsse nur noch zum Abnicken und Durchwinken zusammen. Der "Ausschuss für Angelegenheiten der EU" etwa, in dem seit kurzem auch ein AfD-Mann sitzt, soll eigentlich eine ziemlich wichtige Funktion erfüllen, nämlich die Kontrolle der supranationalen Brüsseler Entscheidungen durch das deutsche Parlament. Der Ausschuss ist überdies ermächtigt, die Rechte des Bundestages gemäß Art 23 GG gegenüber der Bundesregierung wahrzunehmen.

Soweit die demokratische Theorie. In der korrumpierten Realität stehen die Dinge anders. Diskussionen, Kritik an einzelnen Punkten, Vorschläge, Fragen – all das findet nicht statt. Als das neue Ausschussmitglied sich erkundigte, warum nicht, reagierten die schon länger dort Herumsitzenden gereizt. Das sei eben so. Man kann es ja verstehen. Die Unterlagen umfassen oft hunderte Seiten und behandeln hochkomplexe, aber auch hochlangweilige Zusammenhänge. Änderungswünsche an Tagesordnungspunkten können bis Donnerstag der Vorwoche eingereicht werden, praktischerweise trifft die Tagesordnung auch oft erst am Donnerstag bei den Ausschussmitgliedern ein. Die letzte enthielt 79 Datensätze mit je 80 Seiten Text. Wer soll das alles lesen? Außerdem: Die EU, die EU, die hat im–mer Recht! Nun werden jahrelange eingespielte Routinen der Demokratie-Vortäuschung durch die dämlichen Rechtspopulisten gestört. Die AfD habe "die Verlängerung der Sitzung bis über 17.00 hinaus" vorgeschlagen, steht im Protokoll. Und der Fahrdienst wartet, der Tisch ist reserviert...

Vertrauensvolles Durchwinken ersetzt nervende Sacharbeit. Wer nach Details fragt und Prozedere anzweifelt, macht sich unbeliebt. Ähnliches hört man aus dem Bildungsausschuss. Merkellob berichten die Medien nichts darüber.


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Zwei Nachträge zu meinem (ewig-)gestrigen Eintrag über die "alten weißen Männer". Leser *** merkt an, dass doch auch die anderen Ethnien ungeheure Verbrechen auf ihr Schuldkonto gehäuft haben und es verlogen sei, immer nur die Weißen anzuprangern. Selbstverständlich. Die Assyrer etwa waren ein unsagbar grausames Volk. Die Mongolen übertrafen sie noch. Die nordamerikanischen Indianerstämme masskrierten sich lustvoll gegenseitig. Nie wurden mehr Menschen umgebracht als unter Mao Chinesen von Chinesen. Die Araber errichteten das größte Sklaverei-Imperium der Geschichte, und wie der Historiker Egon Flaig schreibt, befand sich das frühmittelalterliche Europa lange in Gefahr, wie das unglückliche Afrika zum Menschenreservoir dieses sklavistischen Systems zu werden; die Geschichte hätte einen völlig anderen Verlauf genommen. Zu allen Zeiten profitierten Afrikaner von der Versklavung anderer Afrikaner, wie überhaupt das sich-gegenseitig- Massakrieren fest zur Geschichte der Völker des schwarzen Kontinents gehört. Aber alle diese Völkerschaften und Ethnien denken nicht im Traum daran, es den Weißen gleichzutun, alle Welt um Verzeihung zu bitten und grenzenlose Wiedergutmachungsleistungen zu offerieren. Wo keine Selbstverachtung die Tore öffnet, winkt keine Beute. Wo keine Beute winkt, wird auch nicht moralisiert.

Der zweite Nachtrag betrifft diesen Blog, dessen Autor dasselbe oder doch eher gleiche Thema traktiert; die musikalischen Beispiele werden zwar kaum meinen Beifall finden, doch das ist in diesem Kontext völlig einerlei.


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Oft werde ich gefragt, ob denn meiner Ansicht nach hinter der ganzen Völkerwanderung gen Europa ein Plan steckt, ein Script, eine Ränkeschmiede, und immer wieder muss ich beteuern, dass ich nicht recht an ein direkt organisiertes Szenarium glauben mag, aber doch gewaltige Kräfte des egalitären, "antirassistischen", kulturrevolutionären one-world-Zeitgeistes, unterstützt von Politikern, NGOs und dem James-Bond-Bösewicht George Soros, am Werk sehe, deren zersetzende Wirkung höher zu veranschlagen sei als das Walten mächtiger Verschwörer. 

Dieses Präludium nur, weil mir unlängst ein Link – betitelt mit "UNO, EU und USA-Kreise planen seit Jahrzehnten die Massenmigration" – zugeschickt wurde. Die angeführten eindrucksvollen Beispiele bestätigen m.E. eher einen bis in die Schaltstellen grassierenden Zeitgeist als zentral gesteuerte Pläne, was sie nicht weniger bösartig und verwerflich macht (sofern sie denn stimmen). Die Lektüre sei jedenfalls empfohlen.

Wahrscheinlich auch ohne eine zentrale Steuerung, aber dem hierzulande herrschenden Zeitgeist vollendeter politischer Verantwortungslosigkeit und Feigheit folgend, durften im Jahr 2017 etwa 350 Ditib-Imame aus der Türkei zum Predigen nach Deutschland einreisen. "Ob sie nach Ablauf ihrer Arbeitsvisa ausgereist sind, weiß niemand", schreibt die Welt. Und wie immer wird auch niemand dafür geradestehen müssen.

Nicht schlecht auch das: "Nach Informationen ungarischer Medien erhält eine Anwältin, die mit dem Helsinki-Komitee in Verbindung steht, für jeden einzelnen Einwanderungsfall nach Ungarn, den sie beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte durchsetzt, eine Prämie von zehntausend Euro. Hinter dem Projekt soll das Helsinki-Komitee von George Soros stehen, das derzeit alle Hebel in Bewegung setzt, um aus Ungarn ein Einwanderungsland zu machen. Dabei agiere man, so die Medienberichte, in enger Verbindung mit dem UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge."