Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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11. April 2018



"Jedes Individuum mit 'Idealen' ist ein potentieller Mörder."
Nicolás Gómez Dávila


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Man erkennt ein wirklich freies, auch angstfreies Land daran, dass man dort mit seiner falschen Meinung nicht allein gelassen und wieder zurückgeführt wird in die Gemeinde der betreuten Bereuenden (hier).

Die Lektion ist im Grunde einfach: Wenn du dich distanzierst, wird das Rudel seine sadistischen Gelüste erst recht an dir ausleben; du hast nur eine Chance, wenn du dich nicht wegduckst, sondern gerade stehen bleibst. Gilt übrigens auch bei nächtlichen Begegnungen mit "Gruppen" von Goldstücken.


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Auch Hitler gehört zu Deutschland! Gerade Hitler!


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Wie hier bereits mitfühlend vermeldet, tritt in Belgien bei der Kommunalwahl 2018 eine Moslem-Partei an, die einen islamischen Staat anstrebt und getrennte Verkehrsmittel für Männer und Frauen einrichten will. Geschlechtertrennung und Kontrolle der Sexualität sind bekanntlich der Markenkern islamgeprägter Stammesgesellschaften, und "je mehr Menschen aus islamischen Dritte-Welt-Staaten nach Europa kommen, desto mehr wird Europa zu einem islamischen Dritte-Welt-Staat", wie Werner Reichel bei eigentümlich frei die Angelegenheit, Scholl-Latours Kalkutta-Exempel präzisierend, auf den Punkt bringt. Soviel ist sicher: Es wird in Europa, den Osten wohl ausgenommen, und auch in Deutschland in den nächsten Jahren zu einer Neu- und Wiederauflage verschiedener Formen der Geschlechtertrennung kommen, wie wir sie heute bereits bei muslimischen Bekleidungsvorschriften in den Schulen beobachten können, die bekanntlich nur für Mädchen gelten (sofern nicht ausnahmsweise ein in Prophetentracht gehüllter juveniler Salafist in der letzten Bankreihe Ethik und Latein büffelt), wie sie bei Muslima-Badetagen stattfindet oder bei der Weigerung von ehrbaren Moslemburschen, Frauen die Hand zu geben, was sogar schon bei der Polizei passiert, also im kalten Herzen des neutralen Staates, oder wenn sich muslimische Eltern sperren, ihre Töchter auf Klassenfahrten mitzuschicken, sowie dergleichen Buntheitseskalationen mehr.

Geschlechtertrennung im öffentlichen Nahverkehr ist keine üble Idee, die Zahl der sexuellen Belästigungen durch v.a. deutsche Neonazis und deren Brüderles ginge stracks zurück. Freilich werden junge muslimische Reinheitsvollstrecker bzw. Schwerenöter direkt und indirekt dafür sorgen, dass immer mehr ihrer Altersgenossinnen züchtig gekleidet herumlaufen. Doch wie verhält es sich mit getrennten Schulklassen? Das Thema wird im Westen seit vielen Jahren immer mal wieder sporadisch diskutiert (im Orient diskutiert man entspannterweise ja nicht so viel), man liest zuweilen, dass die schulischen Leistungen in getrennten Klassen besser ausfallen – das Magazin Science hat vor einigen Jahren heftig widersprochen –, besonders viele Beispiele, anhand derer sich das studieren lässt, gibt es ja nicht, aber a prima vista hätte es eine gewisse Logik: Die Mädchen fühlen sich durch die Jungs nicht mehr untergebuttert und "kommen mehr aus sich heraus", die Jungs fühlen sich nicht mehr durch die Bevorzugung und Belohnung weiblichen Verhaltens seitens der Lehrerinnen diskriminiert. Auf den zweiten Blick leuchtet es aber nicht mehr ein: Die strebsamen Mädels schneiden in ihren Leistungen im Schnitt ohnehin besser ab, werden sowieso mehr gefördert, und in den Naturwissenschaften werden sie nicht dadurch besser, dass keine Jungs mehr in der Klasse sitzen. Die Jungs wiederum buttern die Mädchen gar nicht unter, auch wenn sie agiler und kräftiger sind, denn spätestens durch die frühere Pubertät der Evas geraten sie ins Hintertreffen, wirken unreifer, in sich selbst unbehauster, und überhaupt ist die maskuline Pubertät eine weit heiklere sowie lächerlichere Sache als die daneben geradezu abgeklärt wirkende weibliche. – Aber wäre nicht gerade das ein guter Grund, getrennt zu unterrichten...? – Im Gegenteil, die Anwesenheit der Mädchen spornt die Jungen an, gute Leistungen abzuliefern! – Nein, nochmals im Gegenteil, sie werden dadurch eher angeregt, allerlei Faxen zu machen und mit renitentem Verhalten anzugeben. – Ich breche hier ab.

Beiseite gesprochen: Ich jedenfalls hätte nicht in eine Klasse ohne Mädchen gehen wollen, so ungelenk und peinlich ich mich der Schönsten gegenüber auch benommen habe, ich finde die Idee der Geschlechtertrennung kulturlos, ich halte die gegenstrebige Fügung der Geschlechter, so sehr einem Gender-Tussen und Quoten-Dummchen auf der einen, unsensible Ochsen und dröhnende Machos auf der anderen Seite auf den Keks gehen mögen, für die Essenz des Daseins, nie sollen die Geschlechter getrennt sein, außer auf öffentlichen Toiletten und beim Fußballgucken vielleicht.

Auf dieser islamischen Webseite wird der getrennte Unterricht selbstredend propagiert, wobei die Argumente sekundär sind – in homogenen Klassen finden weniger sexuelle Belästigungen statt; tatsächlich? –, denn es geht ja ums heilige Prinzip: "Warum haben die Schulinstanzen nun überhaupt so viel Angst vor einer islâmischen Intervention, wo sie doch zu Prinzipien und Grundlagen aufrufen, zu denen der Islâm noch vor der Existenz ihrer Kultur aufrief? Und nun suchen sie mit unnützen Konfrontationen einen Ausweg aus ihren Problemen und vergessen, dass der Islâm die perfekte Erziehungsmethode begründet hat, die sie heutzutage zum Teil schon selbst anwenden."

Erziehungs- (statt Bildungs-)methode mag sogar stimmen, insofern die Erziehung zur frommen Muslima gemeint ist, aber allein das Wort "perfekt", die Erhebung der Geschlechtertrennung zur "Methode" (das ist keine Methode; die Methode kommt, sofern überhaupt, erst in diesem Rahmen zum Einsatz) sowie die Angeberei der Datierung "noch vor ihrer Kultur" – also meine Kultur begann mit dem Welttag der griechischen Seele mehr als 1000 Jahre vor Mohammed – stoßen einen mit der Nase darauf, welch geistiger Veredelungsprozess hier durch die Einwanderung von Orientalen eingeläutet wurde, und staunend betrachtet unsereins das auf Demographie und Beduinengewissheiten gegründete Selbstbewusstsein eines Menschenschlages, der seit vielen Jahrhunderten nichts mehr zur Weltkultur und zum Weltwissen beigetragen hat – 1,5 Milliarden Muslime und nicht ein einziger "harter" Nobelpreis * –, aber ein Land, das die Grüne Jugend, das Regietheater, die documenta, die Quotenfrau, den Kulturprotestantismus, die "Bibel in gerechter Sprache" und das deutsche Kabarett hervorgebracht hat, verdient wohl keine Schonung. 

Eine libertäre Lösung des hier angerissenen Problems wäre: Sollen die einen Schulen gemischtgeschlechtliche Klassen, die anderen getrennte anbieten, soll eine Verkehrsgesellschaft damit anfangen, Frauen gesondert zu platzieren, man wird ja sehen, was sich am Markt durchsetzt. Aber in einem immer mehr von Frommen bevölkerten Land würde deren Druck das libertäre Modell Stadtteil für Stadtteil außer Kraft setzen, insofern die Geschlechtertrennung autoritär durchgesetzt wird – den Bildungsergebnissen von Mädchen misst man in diesem Milieu bekanntlich nicht so viel Bedeutung bei wie ihrer Reinheit, weil die Schwestern später meist ohnehin daheim bleiben und Kinder kriegen sollen (danach können sie ja in die FDP eintreten und Kommunalpolitik für ihre Spösslinge machen).

Nein, Geschlechtertrennung – nicht nur in den Schulen, sondern auch am Arbeitsplatz – wird in Zukunft ein europaweit diskutierter Modus des täglich neu auszuhandelnden Zusammenlebens sein. Die französischen Philosophin und Feministin Elisabeth Badinter erklärte unlängst in einem Interview, sie könne sich in gewissen Gegenden im Pariser Norden nicht mehr in ein Café setzen, man sehe dort überhaupt keine Frauen mehr, während die Verschleierung der Frauen auf der Straße rapide zugenommen habe. Solche Gebiete werden wachsen und gedeihen, und ihr könnt sagen, ihr seid dabeigewesen.

Schnitt.

Im neuen Westfernsehen erklärte der syrischstämmige Politikwissenschaftler Bassam Tibi, er fühle sich in Deutschland neuerdings permanent an das Buch "Eurabia" der jüdische Publizistin Bat Ye’or erinnert, das die Verwandlung Europas in ein islamoarabisches Gebilde beschreibt. Und zwar überfielen ihn solche Assoziationen, so Tibi, wenn er "in deutschen Städten in Verkehrsmitteln und auf öffentlichen Plätzen vernehme, wie die zugewanderten 'neuen Deutschen' (Herfried Münkler) sehr laut ein für mich als muttersprachlich arabisch sprechender Syrer störendes, primitives Arabisch sprechen. Arabisch ist eine wunderschöne und hochzivilisierte Weltsprache, allerdings nur, wenn man sie durch Bildung beherrscht. Gebildete Araber sprechen ein anderes Arabisch als das, was ich in Deutschland seit 2015 auf den Strassen so oft höre, dass ich denke, in einem arabischen Land zu sein."

Arabisch sei "eine so differenzierte Sprache, dass man eine Person, die sie spricht, gleich geografisch und sozial lokalisieren kann", fährt Tibi fort. "Das Arabisch, das ich heute in Europa höre, ist nicht die Sprache gebildeter syrischer Ingenieure und Ärzte, die uns die Vertreter der Willkommenskultur vorgaukeln. Ich höre ein bäuerliches beziehungsweise ein Slum-Arabisch."

Also praktisch eine Mischung aus Merkel, Mario Barth und "Kiezdeutsch".

Tibi berichtet überdies, dass er "als zivilisierter Syrer" die Polygamie weder aus seiner Familie noch aus den Kreisen, in denen er damals verkehrte, gekannt habe. Nun erfahre er aus der deutschen Presse, dass sogenannte Flüchtlinge die Polygamie in Deutschland einführen, etwa ein Syrer, "der im Rahmen der Familienzusammenführung vier Ehefrauen und 23 Kinder nach Deutschland auf Kosten der Steuerzahler gebracht hat und entsprechend alimentiert wird".

Schließlich verweist der emeritierte Professor auf statistische Prognosen des PEW-Centers in Washington und New York vom November 2017. Danach wird der Anteil der Muslime in der Bundesrepublik von 6,1 Prozent im Jahre 2016 auf 20 Prozent im Jahre 2050 steigen. "Als Syrer und Muslim habe ich keine Einwände, wenn diese Menschen Europäer werden und nicht die Konflikte und die Gewalt in Nahost mit nach Deutschland bringen. Fakt ist, dass die arabischen Flüchtlinge Deutschland verändern, und nicht umgekehrt."

Schnitt.

Bemerkenswertes geschieht derweil in Saudi-Arabien. Im März 2018 erklärte Mohammed bin Salman al-Saud, Kronprinz und stellvertretender Premierminister, während einer USA-Reise, er setze sich dafür ein, dass den Frauen in seinem Land künftig nicht mehr das Tragen der Abaya vorgeschrieben werde. Anfang April erkannte bin Salman in einem Interview das Existenzrecht Israels an. Sein Land plant übrigens den Bau von 16 Atomkraftwerken, wahrscheinlich weil sie zu wenig Sonne dort haben oder obendrein keine Sonnenkanzlerin.

Nun hob das Time Magazine den neuen mächtigen Mann im Orient auf den Titel und veröffentlichte ein lesenswertes langes Interview mit ihm. Darin sagt er lauter ketzerische Dinge, nicht nur für die Ohren der religiös, sondern auch der willkommenskulturell Frommen. Etwa über die muslimischen Radikalen: "And you know what’s the biggest danger? They’re not in the Middle East because they know that the Middle East is taking good strategy against them in Saudi Arabia, Egypt, UAE, Jordan, and a lot of countries. Their main target is to radicalize Muslim communities in Europe. They hope that Europe in 30 years will turn to a Muslim brotherhood continent, and they want to control the Muslims, in Europe by manipulating the Muslim Brotherhood. So this will be much more dangerous than the Cold War, than ISIS, than Al Qaeda, than whatever we’ve seen in the last hundred years of history."

Abgesehen davon, dass sich bin Salman womöglich etwas zu exzessiv am Iran abarbeitet und den Wahabismus kleinredet, sagt er lauter vernünftige Sachen: über die Zusammenarbeit mit den USA, den Einfluss der Russen in Syrien (den er nicht kritisiert), die Kooperation mit Israel – und vor allem über die wirtschaftlichen Pläne seines Landes:

"We want to drive the best talent, to get the best talent to live and come abroad to work in Saudi Arabia, you have to have good social and cultural standards. You cannot have bad livability standards and cultural standards if you want to grow and to be much bigger economically. So this is a very important thing that we are trying to improve. And I believe in the last three years, Saudi Arabia did more than in the last 30 years. And that’s because it’s aligned with our interest as Saudis to be competitive in livability and cultural and social. And Islam it’s open. It’s not like what the extremists are trying to represent Islam after ’79.

We are not wasting time. I don’t want to waste my time. I am young. I don’t want 70 percent of the Saudi population to waste their lives trying to get rid of this. We want to do it now. We want to spend 70 percent of our time building things, improving our economy, creating jobs, creating new things, making things happen."

Dieser Passus klingt beinahe wie Donald Trump: "I’ll give you an example. The last national day. You know, people in Saudi Arabia they weren’t used to celebrating the national day because a lot of extremists told them it was forbidden to celebrate the national day. When the Saudi officials programmed the national day planning in each city and town in Saudi Arabia, extremists attack that, that this is against Islam, no one will go, it’s against the will of the people. And the national day, the people are seen and we have millions in the street celebrating the national day. So it’s clear that the people are supporting that. Without the support of the people, no way, no way we would achieve anything."

Allmählich, geneigter Leser und geschätzte Leserin, verstehen Sie gewiss, worauf ich hinauswill. Vielleicht wird man in ein, zwei Generationen in Arabien zu gewissen jungen Männern sagen: Wenn ihr nichts könnt und nichts weiter wollt, als anderen Leuten mit eurem Glauben auf die Nerven zu fallen, dann müsst ihr nach Europa gehen, da leben schon genügend andere eures Schlages. Hier wollen wir euch jedenfalls nicht mehr.


Nachtrag
Leser *** meint: "Aber Sie wissen schon, dass der o. g. Herr und seine Dynastie (zusammen mit bestechlichen EU- und UNO-Beamten) für die Islamisierung Europas verantwortlich ist? Sein Sprech, verzeihen Sie, erinnert mich an die alten bolschewistisch-stalinistischen Lügen gegenüber den Bourgeois, die es nicht besser verdienen, als belogen zu werden. Was er denkt, ist folgendes: Im abgehängten Europa sammelt sich dann, "in ein, zwei Generationen", der muslimische Bodensatz, den sein einigermaßen straff organisiertes und halbwegs, aber sicher nicht in unserem Sinne, auf Vordermann gebrachtes Land beherrschen wird. Eurabia wird jedenfalls nicht in einen dumpf gläubigen und einen vernünftig gläubigen Teil zerfallen, wie er insinuiert (und Sie zu hoffen scheinen), sondern in einen fellachisierten europäischen und einen reichen arabischen Teil. Dumpf gläubig werden beide Teile sein."

* "1,5 Milliarden Muslime und nicht ein einziger 'harter' Nobelpreis – das ist nicht ganz korrekt", merkt Leser *** an. "Abdus Salam, ein gebürtiger Pakistani und Moslem, wenn auch Mitglied der von weiten Teilen der islamischen Welt nicht anerkannten Ahmadiyya-Gemeinde, erhielt den Nobelpreis für Physik im Jahre 1979 gemeinsam mit Sheldon Glashow und Steven Weinberg für die Formulierung der elektroschwachen Wechselwirkung. Diese vereinigt die schwache Wechselwirkung (Beta-Zerfall) und die elektromagnetische Wechselwirkung in ein einheitliches Theoriegebaeude.

Dass er den Grossteil seines Forscherlebens in Cambridge, Princeton, London und Trieste verbrachte und nicht in Pakistan, ist allerdings ein nicht zu vernachlässigendes Detail. Und dass er der bislang einzige moslemische Physik-Nobelpreisträger ist, auch nicht."

Leser *** fügt hinzu: "Der Vollständigkeit halber sollte auch auf den Ägypter Achmed Zewail hingewiesen werden; Chemie-Nobelpreisträger 1999, für seine Leistungen in der Laserspektroskopie molekularer Vorgänge. Damit kann die muslimische Welt immerhin mit einem zweiten Nobelpreisträger in den MINT-Fächern aufwarten. Allerdings: Zewail arbeitete die meiste Zeit seines Lebens in den USA. Später setzte er sich für eine Verbesserung der Bildung in seiner ägyptischen Heimat ein. Es sagt viel aus, daß er am Ende über die Vergeblichkeit seiner Bemühungen sehr frustriert war."

Einer geht noch: 2015 ging der Chemie-Nobelpreis an drei Forscher, zu ihnen gehörte der Türke Aziz Sancar. Der Biochemiker bekam den Preis für seine Forschungen zur DNA-Reparatur, die er freilich in den USA trieb. Einer der Leser, die mich darauf hinwiesen, schickte dazu diesen Link zu einem Spiegel-Artikel aus dem Jahr 2007, dessen Autor freilich noch nicht die heute übliche Höhe der Kultursensibilität erklimmt, während er über die Gründe der angeblichen wissenschaftlichen Rückständigkeit im westlich konstruierten Orient spekuliert.

Aber das waren jetzt wirklich alle "harten" Nobelpreise für Muslime, wobei in allen drei Fällen kein islamisches Land die Forschungen förderte oder finanzierte. Über Abdus Salam lesen wir in der Wikipedia: "Enttäuscht von seinen Erfahrungen an den pakistanischen Hochschulen, gründete Salam 1964 das Internationale Zentrum für theoretische Physik (ICTP) in Triest; seine Heimat Pakistan hatte sich an einer solchen wissenschaftlichen Einrichtung nicht interessiert gezeigt." Und weiter: "Abdus Salam starb am 21. November 1996 im Alter von 70 Jahren in Oxford. Er wurde – ohne jede offizielle Würdigung – in Rabwah beerdigt. Als gläubiges Mitglied der innerhalb Pakistans als Nicht-Muslime geächteten Ahmadiyya-Gemeinschaft ist Salam nur ein einziges Mal von Seiten der pakistanischen Regierung eine Ehrung als erster Nobelpreisträger des Landes zuteilgeworden: 1979, als er durch Präsident Zia ul-Haq mit dem höchsten zivilen staatlichen Orden Nishan-i-Imtiaz ausgezeichnet wurde. Sein wissenschaftlicher Einfluss wurde in seinem Heimatland dagegen aus religiös motivierter Intoleranz (...) bewusst zurückgedrängt. Auf seinem Grabstein war früher 'First Muslim Nobel Laureate' (erster islamischer Nobelpreisträger) zu lesen. Später wurde auf Veranlassung eines Lokalpolitikers der Begriff 'Muslim' gestrichen, so dass heute 'First Nobel Laureate' auf seinem Grabstein steht."

Was ja nicht unwitzig ist; schließlich war ja auch Abraham der erste Muslim.


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Heute vor 50 Jahren verübte der Hilfsarbeiter Josef Bachmann in Berlin ein Attentat auf den linken Aktivisten Rudi Dutschke und verletzte ihn schwer, woran heute nahezu sämtliche Medien mehr oder minder ausführlich erinnern, so wie sie vor einem knappen Jahr an die Ermordung des Benno Ohnesorg erinnerten, meistens allerdings ohne zu erwähnen, dass der Todesschütze im Fall Ohnesorg, ein West-Berliner Polizeibeamter, ein inoffizieller Mitarbeiter der Stasi und sowohl SPD- als auch SED-Mitglied war, weil das nur unnötige Fragen aufgewirbelt hätte. Zur Vermeidung solche Fragen werden wir wahrscheinlich in den nächsten Tagen auch nicht mulitmedial an die sogenannten "Osterunruhen" erinnert werden, die im Anschluss an das Dutschke-Attentat in mehreren deutschen  Städten ausbrachen, unter anderem in München. Bei diesen bürgerkriegsnahen Aktionen, die sich vor allem gegen die Springer-Presse richteten, griffen linke Demonstranten Verlagsgebäude an oder blockierten die Auslieferung von Zeitungen. Am 15. April 1968 wurden der AP-Fotograf Klaus Frings und der Student Rüdiger Schreck tödlich verletzt. Der Fotograf wurde von einem Pflasterstein am Kopf getroffen, der Student mit einer Holzlatte erschlagen. Beide sind vergessen, an beide wird auch in vier Tagen niemand erinnern.

Interessant ist, dass auf Wikipedia inzwischen so ungeniert wie indizienfrei unterstellt wird, Frings und Schreck seien von Polizisten getötet worden. Mit den typischen Waffen der deutschen Polizei: Steinen und Holzlatten. Wer weiß, wer den Buback wirklich erschossen hat, am Ende waren das seine eigene Leute.


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Den Satz des Tages hat Wolfram Ackner bei Publico geschrieben, über eines jener immergleichen langweilen Enthüllungsbücher "gegen rechts", und zwar: "16,99€ ist nicht wenig Geld für Leute, die es gewohnt sind, Stasiakten kostenlos einsehen zu dürfen." Tusch!