Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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23. März 2018


Während die "Gemeinsame Erklärung 2018" immer mehr Unterstützer findet, hat längst der übliche Gesinnungsterror gegen die Unterzeichner begonnen: Antifa-Drohanrufe, Shitstorms, Denunziationen bei Arbeitgebern, Vorgesetzten, Kollegen und Kunden, Aufrufe zur Distanzierung – was der deutschen Spitzel- und Anschwärzermentalität ohne RSHA und MfS halt zu Gebote steht. Einige wenige mussten ihre Unterschrift zurückziehen, aber jeden Tag kommen an die hundert neue Unterzeichner hinzu. Darunter befinden sich auch einige Agents provocateurs (leider nicht solche); ein auf wessen Rechnung auch immer arbeitender NPD-Mann hatte sich etwa als Politikwissenschaftler eingetragen – ohnehin eine Sparte, der gegenüber man gar nicht skeptisch genug sein kann –, konnte aber letztlich nur wenig ausrichten.

Zugleich versuchen ein paar publizistische Lakaien des Establishments, die beiden Sätze der Erklärung als einerseits zu dürftig, andererseits als auf falschen Prämissen beruhend zu diskreditieren. Weder finde eine Masseneinwanderung statt, noch sei sie illegal, noch werde Deutschland beschädigt. Zu Punkt drei muss angesichts der Analphabetenquote, der Kriminalitätsbilanz und der wahnwitzigen Kosten – 50 Milliarden Euro bis Ende 2017, wie das Institut der deutschen Wirtschaft noch tiefstapelte, denn die Schäden durch Kriminalität, Vandalismus, Einschleppung von Krankheiten etc. sollten noch dazugerechnet werden – nichts gesagt werden. Dass nach wie vor eine Masseneinwanderung stattfindet, hat zuletzt der BND bestätigt; nach wie vor schneit jährlich eine Stadt in der Größe von Kassel herein, bevölkert freilich von überwiegend Ungebildeten, Unausgebildeten und der Versorgung Bedürftigen. Was die Illegalität der Einwanderung betrifft, habe ich mehrfach auf diesen Beschluss des OLG Koblenz hingewiesen (Punkt 58), viele Staatsrechtler vertreten einen ähnlichen Standpunkt, und letztlich tut dies sogar die Kanzlerin tiefstselbst. Da ich gerade die Druckfahnen der Acta diurna 2017 durchsehe, verfalle ich auf die Unsitte des Eigenzitates, weil der folgende Passus – im Buch ist es der 7. Juni – einfach wie gerufen kommt; vielleicht hat ihn der eine oder andere Besucher meines kleinen Eckladens trotz der eindrucksvollen Conclusio nicht mehr im Kopf, außerdem stoßen ja auch ständig Neuleser in diesen edlen Kreis; also:


Ein Bekannter schickt mir einen Link zur ZDF-Sendung "Was nun Frau Merkel?" vom 13. November 2015. Darin fällt ein Satz, der für meine Begriffe außerhalb der linksextremen Szene nicht hinreichend Beachtung gefunden hat. Die Kanzlerin sagt: "Ich kämpfe für meinen Plan, (...) aus Illegalität Legalität zu machen". Eine in mehrerlei Hinsicht bemerkenswerte Aussage. Ihr Willkommensputsch gegen jenen deutschen Souverän, auf den sie ihren Amtseid abgelegt hat, resultiert also keineswegs nur aus Gewurstel, Angst vor schlimmen Bildern, Starrsinn und Idealismus zu Lasten Dritter, sondern folgt einerm Plan und ist, wie wir am täglichen Einsickern immer neuer Menschengeschenke durch die porösen deutschen Grenzen beobachten dürfen, keineswegs beendet. Dass sie Illegalität in Legalität umwandeln will, beweist wiederum, dass ihr weder der Begriff noch die Tatsache des illegalen Handelns fremd sind, sie aber einen Weg kennt und zu weisen entschlossen ist, auf dem sich dieses unerfreuliche Faktum aus der Welt schaffen lässt. Der kann nach der so elastischen wie aggressiven und vor allem rechtswidrigen Überdehnung des Asylrechts nur in der so elastischen wie aggressiven Erweiterung des Staatsbürgerschaftsrechts bestehen. Illegalität in Legalität verwandeln, heißt: Der große Bevölkerungsaustausch steht erst am Anfang und wird von diesen Figuren unbeirrt fortgesetzt. Für Merkel gibt es ohnehin kein Leben nach Merkel. Aber wie ist das bei den Merkel-Wählern?

Wie sehr sich die Kanzlerin um die Deutschen und deren Probleme schert, kann man am Ende der Sendung studieren, wo sie mit Zuschauerfragen konfrontiert wird. Mit keinen Satz geht sie auf die Nöte der einheimischen Geringverdiener und Kleinrentner ein, die den Stoß der von ihr losgetretenen Masseneinwanderung auffangen müssen. Umstandslos ist sie mit ihren Antworten wieder bei den Problemen der Welt und der gebotenen Alimentierung derer, die noch nicht so lange hier sind. – Immer wieder die Frage: Wer wählt so was?

PS: Leserin *** hat sich den Tort angetan, Merkels Äußerungen, auf die ich hier anspielte, exakt zu stenotypieren:

Moderatorin verliest die Frage einer Bürgerin:
"Frau Merkel, Sie sagen, Deutschland schafft das finanziell. Aber warum wird dann nicht Geld für marode Schulen und Kindergärten verwendet, wieso müssen die Gemeinden jeden Cent zweimal umdrehen, und warum bekomme ich, wenn ich in ein paar Jahren nach 45 Arbeitsjahren im Gesundheitswesen in Rente gehe, kaum 700 Euro? Mir wird schlecht, wenn ich daran denke."
 
Frau Dr. Merkels Antwort:
"Ich sag ihr erst mal, dass äh, sie natürlich Sorgen hat wie viele Menschen in Deutschland, und diese Sorgen werden wir natürlich nicht vergessen, wir haben heute zum Beispiel 'ne Pflegereform verabschiedet im Deutschen Bundestag, die den … die gesamte Pflegeleistung verbessert, den Pflege-Begriff auch auf Demenzkranke ausweitet … das sind alles Schritte, die wir machen müssen, weil ich weiß, dass es wirklich nicht jedem in unserem Land gut geht. Unbeschadet dessen isses aber auch so, dass es auch unser Prinzip ist, Menschen in Not zu helfen und … jetzt geht’s ja um die Angst. Die Angst, dass wir's vielleicht finanziell nicht stemmen; ich glaube, wir sind im Augenblick gut aufgestellt, wir konnten jetzt sogar wieder einen Haushalt verabschieden, ähm der keine neuen Schulden aufnimmt, jedenfalls im Bereinigungs … des Haushaltsausschusses, s'war gestern so … und jetzt geht es um die richtige Integration … und da, glaub' ich, haben wir in der Vergangenheit Fehler gemacht, die vielleicht auch manche Sorgen der Menschen jetzt hervorbringen; wir haben bei den Gastarbeitern nicht sofort Sprachkurse gemacht, nicht sofort Integrationskurse, und ich sag ihr ähm auch ganz klar: Wer zu uns kommt, muss sich auch an unsere Regeln halten … manche denken auch, wird das dann mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau weiter klappen, da muss man von Anfang an auch klare Zeichen setzen."
 
Moderatorin: "Sagen Sie ihr auch: Es wird nicht ohne Opfer gehen? Viele meinen doch, wenn man … wir sozusagen so viel Geld haben, wenn wir's zusätzlich stemmen können … aber wird es ohne Opfer gehen? Müssen Sie da nicht ein klares Wort an die Bürger richten?"
 
Frau Dr. Merkels Antwort:
"Nein, dieses Denken in Opfern finde ich auch falsch. Es wird eine Anstrengung sein, es wird an einigen Stellen auch eine große Bereicherung für uns sein, es wird vielleicht auch ähm uns neue Erfahrungen bringen. Wir müssen's richtig anstellen, es gibt uns große Aufgaben auf, da will ich überhaupt nicht drumrumreden, aber wenn wir das auch gut machen, dann wird die Demokratie und dann wird das, was uns auszeichnet, und warum Menschen gerne in Deutschland leben, vielleicht auch über unsere europäischen Grenzen hinaus Akzeptanz bekommen – das ist auch ein Prinzip … und dann haben wir vielleicht weniger Kriege, und dann haben wir vielleicht weniger Leid auf der Welt."

Nach dem Drama des Dritten Reichs und mit jenem ursächlich verbunden, folgt das Satyrspiel, nach der Explosion die Implosion; eine stammelnde, sabbelnde, in einem Deutsch, für das es in einer vernünftigen Schule Stockschläge gesetzt hätte, technokratisches Bla-Bla-Bla absondernde Führerin – Fremden-Führerin – gibt eine der ehemals bedeutendsten Kulturnationen der Invadierung und Ausplünderung preis und darf sich dabei einer nicht unbedingt allgemeinen, aber zum Wahlsieg hinreichenden Zustimmung eines neurotisierten, schicksalsergebenen, auf ein schlechtes Gewissen in Permanenz dressierten Bevölkerungsvolkes sowie eines verlässlich siegheilbrüllenden Escortdienstes der Medien gewiss sein. Was für ein gestörtes, was für ein dummes, was für ein närrisches, was für ein lustiges Land. 


                                   ***


Wenn wir gerade bei der Rückschau auf 2017 sind – gottseidank vergisst unsereins ja die meisten öffentlichen Zumutungen in einem verlässlichen Entgiftungsprozess schnell wieder –: Bei der Mainzer Fastnacht sagte ein Redner namens Hans-Peter Betz: "Die AfD ist die Bremsspur in der Unterhose Deutschlands" und fluchte, einmal in Sportpalaststimmung gekommen, über die „braunen populistischen Kanalratten". Ein anderer drohte: "In dem Europa, was wir uns wünschen, habt ihr keinen Platz. Packt Eure Koffer, ihr Geschichtsfälscher, ihr Kleingartenfaschisten, und macht euch auf die Reise."

Ist das nun weniger schlimm, gleich schlimm oder schlimmer als "Kümmeltürken", "Gesindel" und "Kameltreiber" (A. Poggenburg)? Bestimmt weniger schlimm, weil korrekt adressiert. Köterrasse und so. Der Unterschied zwischen derbem Witz und Hetze darf nämlich nicht nur an Begriffen festgemacht werden, es ist "scho enorm wischtisch" (Sixtus Kridwiß im "Faustus"), wer gegen wen spricht. Meint zumindest die öffentliche bzw. veröffentlichte Meinung, wie speziell dieser Vergleich gezeigt hat.

Natürlich ist die Wortwahl in beiden Fällen ekelhaft, aber offenbar müssen bei solchen Veranstaltungen Affekte bedient werden, die unsereiner nicht kennt, geschweige versteht. Darüber hinaus sind dergleichen Flegeleien objektiv desto unangenehmer, je weniger Widerstand sie hervorzurufen vermögen, je stärker sie auf Zustimmung zählen können, je mehr Menschen ihnen applaudieren. Das eigentlich Widerliche bei Figuren wie Betz ist ihr quietschender Opportunismus. Hier kommt jene Mentalität zum Zuge, die beflissen noch ein Stück Holz zum Scheiterhaufen beisteuert und vorgibt, ein gutes Werk zu tun. Ich bin geneigt, das noch unangenehmer zu finden als die Pöbeleien des AfD-Mannes. Die Mehrheit hat nicht zwingend Unrecht, aber sie ist zwingend abstoßend.


                                ***


Ein Retrospektivlein noch. Uwe Tellkamps Erklärung, 95 Prozent der Migranten seien Einwanderer in die Sozialsysteme, nur fünf Prozent wirkliche Flüchtlinge, ist hinreichend begreint, aber nicht widerlegt worden. Auch da gab es im vergangenen Jahr eine Nachricht, auf die ich bei der Fahnenkorrektur gestoßen bin (wie gut ist es doch, eine Chronik zu besitzen!): "Fewer than 3% of migrants who reached Italy after crossing the Mediterranean in 2016 were deemed refugees, UN report shows", meldete Daily Mail online, "UN said 181,436 migrants arrived in Italy last year, mostly across Mediterannean. Only 4,808 were granted asylum in Italy and 90,334 became 'clandestini'."