Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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16. März 2018



Der Dummkopf weiß nicht, dass er dumm ist, sonst wäre er ja klug, und das ist die traurigste, aber zugleich auch komischste Geschichte von der Welt.


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Es gibt Malen nach Zahlen, aber auch Märchenerzählen mit Zahlen. Spiegel online ist versiert darin. Diesmal geht es gegen Tellkamp bzw. dessen zu Dresden vorgetragene Zahlen im Zusammenhang mit der Masseneinwanderung bzw. Fachkräfteinfusion. (Dass er ausschließlich die Einwanderung aus Afrika und dem Orient meint und nicht, wie ihm hier unterstellt wird, die europäische Binnenwanderung rügt, versteht sich bei diesem Thema von selbst.) Der Schriftsteller hatte gesagt, 95 Prozent dieser sog. Flüchtlinge kämen wegen der Sozialleistungen, was, da hat Spiegel online völlig recht, falsch ist, es sind bestimmt sogar 99 Prozent. Leider kann man das Experiment nicht mehr anstellen, ob sie auch ohne diese Verheißung hier hereinschneien würden (sog. Flüchtlinge werden hier medizinisch gegenüber den Einzahlern privilegiert und genießen den Status von Privatpatienten*). Aber wer ein sicheres Land nach dem anderen durchquert und seine vermeintliche Flucht dort beendet, wo es die höchste Zielprämie gibt, sollte nicht als Flüchtling gelten bzw. solange in der Spiegel-Redaktion einquartiert werden, bis sich diese Erkenntnis auch dort durchsetzt.

"Einem Asylantrag in Deutschland geht fast immer eine illegale Einreise voraus, denn das ist ja ein zentrales Merkmal von 'Flucht'", schreibt die mit dem Auftrag der Tellkamp-Erledigung beauftragte Statistikerin bzw. Statistin.

Falsch. Das zentrale Merkmal von Flucht besteht, wie gesagt, darin, dass sich Menschen in Sicherheit bringen. Schlagen Sie den Atlas auf und zählen Sie, wie viele sichere Länder zwischen Syrien und Deutschland, dem Irak und Deutschland, Afghanistan und Deutschland liegen. Flucht hat immer nur ein Woher, nie ein konkretes Wohin. Hat der Flüchtling ein sicheres Land erreicht und zieht weiter, verwandelt er sich in einen Migranten. Nur 0,3 Prozent der Migranten von 2016 bekamen tatsächlich Asyl. Ich will nicht, dass die anderen, überwiegend Leute mit befremdlichen Sitten, auf meine Kosten hier angesiedelt werden und werde jede Politik unterstützen, die das verhindert. Wer wirklich verfolgt wird, soll hier verweilen dürfen, bis der Fluchtgrund entfallen ist. Wer seine Rechnungen selber bezahlen will und kann, soll kommen. Punkt.

Man muss übrigens sehr fest in seinem Glauben ruhen, um den Zahlen des seit drei Jahren heillos überforderten Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zu vertrauen. Die Maid von Spiegel online aber suggeriert sogar statistische Gewissheiten bei den Herkunftsländern: "Ein Viertel aller rund 200.000 Erstanträge stammte 2016 von Syrern." Richtig muss es heißen: stammte von Leuten, die angaben, aus Syrien zu kommen. Warum hat sie nicht erwähnt, wie viele von diesen Antragstellern ihren Pass verloren hatten?

Der Höhepunkt des "Faktenchecks" mit vorher festehendem Resultat ist folgender Passus: "Stützen kann man sich im Hinblick auf Fluchtursachen getrost auf das erste Ergebnis einer langfristig angelegten Umfrage aus dem Jahr 2016 von mehr als 2300 Asylbewerbern in Deutschland." Getrost oder nicht ganz bei Trost, das ist hier die Frage.

Die verkaufen als Fakten, was Leute aus dem Orient, dem Weltepizentrum von Treu', Redlichkeit, Preisbindung und Liefertermin, als Grund angeben, warum sie hier sind. Wer glaubt diesen Scribenten eigentlich noch ein Wort?

* Leser *** moniert: "Sie schrieben heute, dass jeder Flüchtling des Status eines Privatpatienten genieße. Das ist so nicht richtig und da ich als Oberarzt in einer großen Kinderklinik arbeite, kann ich das auch beurteilen: Es ist vielmehr so, dass bei Personen im Asylverfahren (und das gilt auch für Kinder) jede medizinische Behandlung und jeder Eingriff der Begründung als nicht aufschiebbare Notwendigkeit bedarf. Das ist jeweils dann bei der zuständigen Behörde zu begründen und man bekommt dann eine Zusage oder Ablehnung (in der Regel eine Zusage). Die Rechnungsstellung hat dann analog der Kassenleistung mit den entsprechenden DRGs zu erfolgen. Und rutschen die Migranten dann in Hartz-IV sind sie automatisch gesetzlich krankenversichert...

Möglicherweise ist dieses System mißbrauchsanfällig, aber dann wohl eher aufgrund von Unkenntnis und Überarbeitung auf Seiten der zuständigen Behörden. Ich kann aber sagen, dass dieses System in unserem Bereich (ich arbeite aber eben nur mit Kindern) recht gut und unkompliziert funktioniert. Und da es in der Regel bei uns wirklich Kinder sind (keine angeblichen MUFLs) habe ich damit prinzipiell auch keine wesentlichen Probleme, wiewohl ich natürlich weiß, dass häufig Kinder von den Familien zum Zwecke der unentgeltlichen Behandlung nach Deutschland gebracht werden, und auch aus eigener Erfahrung, daß dabei auch recht häufig Schleuser eine verbrecherische Rolle spielen, aber das ist wieder ein Thema für sich ..."


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Wenn wir gerade bei manipulierten Statistiken sind: Hier und hier werden zwei Beispiele vorgeführt, wie so etwas läuft.


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Der Kopp-Verlag sitzt zu Rottenburg am Neckar in einem dreietagigen, weiträumigen Gebäude, das erst vor wenigen Jahren gebaut wurde. Zwei atriumartige Innenräume mit Sitzgruppen und Grünpflanzen durchbrechen die Etagen. Von der Terrasse bietet sich ein schöner Blick in die weite Landschaft und hinauf zur Wurmlinger Kapelle, die Uhland mit den Versen pries: "Droben stehet die Kapelle / schauet still ins Tal hinab. / Drunten singt bei Wies und Quelle / froh und hell der Hirtenknab."

Herzstück und Maschinenraum des Verlages ist die automatisierte Versandabteilung, wo die Bücher aus Hochregalen expediert und über Sortiermaschinen in Pakete verpackt werden. Die Pakete sind ungewöhnlich groß für einen Buchversand, Einzelexemplare werden anscheinend kaum geordert. Pro Tag gehen hier viele tausend Bücher in die Post. Man halte von diesen Werken, was man will, jedem Suhrkamp- oder Hanser-Geschäftsführer würden die Augen feucht bei solchen Verkaufszahlen. Es gibt einen stabilen und treuen Kundenstamm in siebenstelliger Zahl. Dass der Verlag unter Intellektuellen ein Naserümpfen auslöst, dass die Bücher nicht rezensiert werden, auch die Bestseller nicht, und kaum eins im Handel ausliegt, spielt in dieser Gegenöffentlichkeit keine Rolle mehr. Das Unternehmen agiert nach eigenen, nach selbstgeschaffenen Regeln.

Regelmäßig halten hier Linksextreme Kundgebungen auf dem Marktplatz ab und fordern, dieses "rechte" Verlagshaus müsse aus der Gemeinde verschwinden. Eine abenteuerliche Vorstellung: Der Bürgermeister soll einen Mittelständler vertreiben, der ihm die meisten Steuereinahmen im Ort beschert, weil dessen Erzeugnisse Leute stören, die überwiegend von den Steuern anderer leben. Links und blöd, da passt eben oft nichts dazwischen.

Apropos rechter Verlag und blöde Leser (oder umgekehrt): In seinen Versand hatte Jochen Kopp eine Zeitlang auch Sahra Wagenknechts Buch "Reichtum ohne Gier" aufgenommen. "Das haben wir damals palettenweise verkauft", erzählt er, "noch öfter als Sarrazins Bücher."


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Ein Artikel auf Meedia.de hebt an mit den rosenfingrigen Worten: "Der Medientheoretiker Norbert Bolz ist ein umstrittener Zeitgenosse: Insbesondere sein Twitter-Account sorgte in medialen Kreisen zuletzt für Diskussionen."

In seiner Sentenzensammlung "Autor und Autorschaft" aus dem Jahr, wie passend, 1984 notierte Ernst Jünger: "'Der ist umstritten.' Das ist heute nicht etwa als Lob, sondern abschätzig gemeint. Beliebtes Urteil, vor allem von Typen, die sich nie exponiert haben. Sie halten es immer mit der herrschenden Meinung, gleichviel ob Kastraten oder Kannibalen regieren; verdächtig ist jeder, der nicht ins Schema paßt." Soviel zur Begriffswahl.

Auf einem online-Portal, erfahren wir weiter, "haben nun zwei Autoren Bolz' über 1.200 Tweets, die er seit August 2012 verfasst hat, analysiert. Die Rezensenten erzählen dabei die Geschichte einer schleichenden Radikalisierung."

Die sich spielend leicht daran erkennen lässt, dass Bolz 2012 noch keinen einzigen Tweet gegen die unkontrollierte Masseneinwanderung gepostet hat.

"Viele seiner Tweets bedienen mittlerweile die Ressentiments rechtspopulistischer, teils sogar rechtsextremer Milieus; selbst vor verschwörungstheoretischen Szenarien schreckt Bolz nicht zurück", schreibt einer der beiden Ermittlungsexperten, deren Namen wir uns schenken, denn sie sind ja nicht mal umstritten.

Ich habe gelegentlich darauf hingewiesen, dass von 100 sog. Intellektuellen, die mit dem Terminus Ressentiment herumfuchteln, 99 keine Ahnung haben, was das Wort überhaupt bedeutet, und da ich in einfacher Sprache einmal einen Erläuterungsversuch niedergeschrieben habe, will ich gern nochmals dorthin verlinken, denn "Aufklärung/kennt der allein, der ohne Hoffnung aufklärt". Die Verschwörungstheorie lesen die Herrschaften aus einer Notiz des Berliner Medienwissenschaftlers, der nach "Demonstrationen" von Arabern gegen Israel in Berlin die Berichterstattung kritisiert, einen Vergleich zur Kölner Silvesternacht gezogen und gefragt hatte, ob die Medien warten mussten, "bis das Bundeskanzleramt die Richtung vorgab". Man kann das auch als polemische Spitze lesen, aber hier heißt es, Bolz unterstelle der Regierung, "sie würde die öffentlich-rechtlichen und privaten Medien heimlich manipulieren“. Das ist in der Tat, vereinzelte Chefredakteursprivatissima der Kanzlerin und ihre Freundschaft zu Liz Mohn und Friede Springer beiseite, insofern Quatsch, als diese Manipulation bei deutschen Medienschaffenden seit beinahe hundert Jahren völlig unnötig ist, weil die meisten ganz von selbst schreiben, was von ihnen erwartet wird.

Das Duo mutmaßt zuletzt über die Gründe der angeblichen Radikalisierung. Der führungslose Professor "bekommt natürlich mit, dass er sich viele neue Feinde macht. Unter einigen seiner Tweets finden sich mehr kritische Kommentare als zustimmende Äußerungen. Aber vielleicht motiviert ihn der Widerstand." Das können Autoren solchen Schlages natürlich nicht verstehen. Zwei Herdengeschöpfe mit Meuteninstinkten, die nie "umstritten" waren, um die es nie Diskussionen gab, die nie auf Widerstände gestoßen sind, werfen einem Intellektuellen, der auf eigene Rechnung denkt, "Altersradikalisierung" vor. Wie niedlich!

Merke Gómez Dávila: "Die Frechheiten des Jünglings sind bloß die Fußtritte des Esels, der sich an seinen Stall gewöhnt. Anders ist der Übermut des Alten, der jäh von seinem gekrümmten Rücken die Jahre der Geduld abschüttelt, ein bewundernswertes Schauspiel."

Aber natürlich ist der getreulich in seinem Stall verharrende und schließlich dort verreckende alte Esel der Normalfall.