Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

Artikelsuche

Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


...mehr

 

 

11. März 2018


M e r k e l

     e r k e l

     e    k e l


(Dieses "Fastanagramm" sendete Leser ***.)


                              ***


Am Rande der Soiree, die mein Ehegespons und ich am Freitag im Brahms-Foyer der Hamburger Laeiszhalle veranstalteten, händigte mir ein freundlicher Mensch einen Ausdruck des mir bis dato unbekannten Gedichtes "Norman and Saxon" von Rudyard Kipling ein. Dieses ohnehin amüsante Poem gewinnt noch einen besonderen Reiz angesichts des täglichen multimedialen Kampfes gegen das deutsche Herz der Finsternis und den "Feindstaat" (Alexander Wendt) im äußersten Südosten:   


"My son," said the Norman Baron, "I am dying, and you will be heir
To all the broad acres in England that William gave me for share
When he conquered the Saxon at Hastings, and a nice little handful it is.
But before you go over to rule it I want you to understand this:–

"The Saxon is not like us Normans. His manners are not so polite.
But he never means anything serious till he talks about justice and right.
When he stands like an ox in the furrow – with his sullen set eyes on your own,
And grumbles, 'This isn't fair dealing,' my son, leave the Saxon alone.

"You can horsewhip your Gascony archers, or torture your Picardy spears;
But don't try that game on the Saxon; you'll have the whole brood round your ears.
From the richest old Thane in the county to the poorest chained serf in the field,
They'll be at you and on you like hornets, and, if you are wise, you will yield.

"But first you must master their language, their dialect, proverbs and songs.
Don't trust any clerk to interpret when they come with the tale of their wrongs.
Let them know that you know what they're saying; let them feel that you know what to say.
Yes, even when you want to go hunting, hear 'em out if it takes you all day.

They'll drink every hour of the daylight and poach every hour of the dark.
It's the sport not the rabbits they're after (we've plenty of game in the park).
Don't hang them or cut off their fingers. That's wasteful as well as unkind,
For a hard-bitten, South-country poacher makes the best man- at-arms you can find.

"Appear with your wife and the children at their weddings and funerals and feasts.
Be polite but not friendly to Bishops; be good to all poor parish priests.
Say 'we,' 'us' and 'ours' when you're talking, instead of 'you fellows' and 'I.'
Don't ride over seeds; keep your temper; and never you tell 'em a lie!"


Noch mal zum Mitschreiben – oder Meditieren – fürs westelbische Establishment:

"The Saxon is not like us Normans. His manners are not so polite.
But he never means anything serious till he talks about justice and right.
When he stands like an ox in the furrow – with his sullen set eyes on your own,
And grumbles, 'This isn't fair dealing,' my son, leave the Saxon alone.

But don't try that game on the Saxon – oder, wie gesagt wird: Du kannst einem Sachsen zehnmal vors Schienbein treten, und er wird es hinnehmen. Aber nach dem elften Mal bringt er dich um.


PS: Leser ***, "Westfale", schreibt: "So etwas als Westdeutscher zu lesen ist amüsant, siedeln doch die Sachsen seit der Völkerwanderung grob gesagt zwischen Rhein und Elbe sowie Flensburger Förde und Sauerland (=Süderland). Sie gliederten sich in vier Abteilungen: Westfalen, Engern, Ostfalen und Nordelbier. Von hier aus haben die Angelsachsen nach Britannien rübergemacht, und von sächsischen Fürsten erhielten die Neusachsen zwischen Leipzig und Dresden ihren Namen. Aber heute haben sich ursprünglich sächsische Tugenden wohl ins Neusachsenland hinübergerettet. Gut dem Dinge! Es gibt übrigens Fachleute, die behaupten, die Sachsen hätten seinerzeit alle Volksgenossen mit Sprachfehler, die sogenannten Lispler, aufs Meer Richtung Britannien verfrachtet, so daß es im nordwestdeutschen Raum bis heute keine Lispler mehr gibt. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, woher Frau Slomka stammt."

Ich befinde mich aus alter, damals eher pubertärer Leidenschaft über die Geschichte der einzelnen Germanenstämme recht gut im Bilde; wenn ich in diesem Kontext ein westelbisches Establishment anrede, meine ich naturgemäß das derzeitige. Mir ist bekannt, dass Widukind ein Westfale war, die Eresburg im heutigen Westfalen stand und Kiplings Gedicht nicht die Vorfahren jener Sachsen beschreibt, die heute in Sachsen siedeln, denn die stammen höchstmehrheitlich nicht von Chauken und Cheruskern ab, ja das sind strenggenommen gar keine Sachsen. Und doch trifft fast jedes Wort von Kipling auf sie zu...


                                ***


Auch an den Wochenenden schreitet die Buntwerdung von Kaltland voran! Zunächst einmal durften wir erlöst erfahren, dass der 15jährige Bub, der zu Berlin-Hohenschönhausen ein 14jähriges Mädchen in ihrer Wohnung mit mehreren Messerstichen ermordet hat, ein "deutscher Staatsbürger" ist. Nach menschlichem Ermessen dürfte er zu den "neuen Deutschen" (Marina Münkler/Herfried Münkler) gehören. Noch nicht ganz so lange sind wahrscheinlich die nachfolgenden Früchtchen hier:

"Zwei Unbekannte haben am Sonnabendabend einen 33-Jährigen in Garbsen angegriffen und mit Messerstichen lebensgefährlich verletzt. Das Opfer wurde in ein Krankenhaus gebracht, um dort notoperiert zu werden" (hier).

"Mann sticht in Rosenheimer Nachtclub auf 16jähriges Mädchen ein" (hier).

"Bei einer Messerattacke in Oldenburg wird ein 17jähriger lebensgefährlich verletzt"; der Täter fiel ihn nach einem Wortwechsel von hinten an (hier).

Damit das aber klar ist: "Strafdelikte", zu denen Messerangriffe oft gehören, "sind in Deutschland verboten." (A. Merkel, siehe oben)



Bei einer Messerattacke in Oldenburg ist ein 17-Jähriger lebensgefährlich verletzt worden.
Bei einer Messerattacke in Oldenburg ist ein 17-Jähriger lebensgefährlich verletzt worden