Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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10. März 2018


Die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva-Maria Stange, eine Sozialdemokratin, tat heute kund und zu wissen, dass der Schriftsteller Uwe Tellkamp in einem Streitgespräch mit Durs Grünbein am Donnerstag in Dresden eine "Privatmeinung" vorgetragen habe, "die ich nicht teile".

Das wirft zunächst die Frage auf, was es außer Privatmeinungen noch für Meinungssorten gibt und in welchem Verhältnis sie zu jener stehen. Fraktionsmeinung? Parteimeinung? Regierungsmeinung? Offizielle Meinung? Landesmeinung? EU-Meinung? Weltmeinung? Gattungsmeinung? Wie der Suhrkamp-Verlag gestern verkündet hat, gibt es auch eine Verlagsmeinung, wobei man gern erführe, wie man innerhalb des Geltungsbereiches der Suhrkamp-Kultur mit Angestellten umgeht, die besagte Verlagsmeinung nicht teilen (Alexander Wendt hat dazu alles Nötige gesagt).

Daraus folgt die Frage, welche Art von Meinung außer seiner privaten nach Ansicht der Kunstministerin ein Schriftsteller bei einem Podiumsgespräch vortragen sollte. Und warum eine vom Steuerzahler finanzierte politische Amtsträgerin, die angeblich als Schirmherrin von Wissenschaft und Kunst fungiert, die Bonzenmentalität an den Tag legt, die Meinung eines Schriftstellers als sekundär (= privat = nicht staatlich zertifiziert) und von ihrer abweichend zu klassifizieren. Die Dame war übrigens von 1981 bis 1988 Mitglied der SED. Diese Prägung scheint heute noch zu wirken.