Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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26. Februar 2018


"Über ihren bevorstehenden Untergang tröstet sich die beste aller Welten damit hinweg, daß alle zuvor untergegangenen Welten herzlich schlecht waren."
Jürgen Große

"Eine gewisse Ungezwungenheit des Privatlebens findet man allein in Tyrannenstaaten."
Derselbe



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Mein Achtjähriger hört gestern in der Aktuellen Kamera, dass die Ministerposten für das neue Kabinett vergeben seien und Frau von der Leyen Verteidigungsministerin bleibe. "Und wer", fragt er, "ist zuständig für Angriff?"


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Viele Leser haben mich durchaus erregt auf das Interview hingewiesen, das der in Havard lehrende Politikwissenschaftler Yascha Mounk vor ein paar Tagen den Tagesthemen gegeben hat, und nachdem ich es mir angehört hatte, verstand ich die allgemeine Empörung. Ein als liberaler Jude auftretender gebürtiger Deutscher, der 2017 die amerikanische Staatsbürgerschaft erworben hat, um nach eigener Auskunft besser oder zumindest effektvoller gegen Trump kämpfen zu können, weil er sich als Zuspätgeborener nicht auf den originalen Donald mit dem Schnauzbärtchen stürzen durfte, verkündet zur besten Sendezeit im deutschen Premiumfernsehen rechtsextremistische, rassistische, fremdenfeindliche Verschwörungstheorien – die angebliche Umvolkung und den noch angeblicheren Großen Bevölkerungsaustausch (Le grand remplacement) –, und die Moderatorin lässt ihn einspruchslos gewähren! Wahrscheinlich war Frau Miosga eingelullt, weil Mounk in seinen Eingangssätzen schlau den Nationalismus und den Rechtspopulismus verurteilt hatte, um dann die Sau raus oder vielmehr reinzulassen mit Worten, die inzwischen landauf, landab rauschen, nämlich "dass wir" – wer auch immer dieses "Wir" sein mag, welches ein amerikanischer Politikwissenschaftler im deutschen TV gebraucht – "hier" – dito – "ein historisch einzigartiges Experiment wagen, und zwar eine monoethnische und monokulturelle Demokratie in eine multiethnische zu verwandeln. Das kann klappen, das wird, glaube ich, auch klappen, dabei kommt es aber natürlich auch zu vielen Verwerfungen." Der Interviewpartner der Tagesthemen sagt also genau das, was diese rechten Spinner und AfD-Typen uns immer einreden wollen: Die Deutschen würden durch Einwanderer verdrängt und sukzessive ausgetauscht, sie würden fremd im eigenen Land, die Flüchtlinge seien gar keine Flüchtlinge, sondern Eindringlinge, es finde eine Art Völkermord auf Raten statt und dergleichen Hasslügenfakehetze mehr. Welch ein Skandal! Der Sender freilich scheint keinerlei Konsequenzen aus dem Schurkenstück ziehen zu wollen. Hat sich dort vielleicht auch schon Nazi-Gedankengut etabliert?

(Aber wie ich gerade sehe, hat das der Vahlefeld auf achgut schon vor ein paar Tagen so ähnlich gesagt.)

Was dieses Experiment – speziell im Hinblick auf die begleitenden "Verwerfungen" – für die in Deutschland bzw. in den Nachbarländern lebenden Juden bedeutet, auch das muss u.a. in den Tagesthemen täglich neu ausgehandelt werden, gern einmal wieder mit dem während einer seiner Kampfpausen aus Übersee zugeschalteten Herrn Mounk.


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Zum Thema schrieb vor kurzem Leser ***:

"Sehr geehrter Herr Klonovsky, ich habe einmal behördenseits nachrecherchiert, wie die Zahl der rechtsextrem motivierten bzw. islamisch motivierten antijüdischen Straftaten zustande kommt. Abgesehen davon, daß es bundesländerunterschiedlich hier eine sehr starke Uneinheitlichkeit in der Definition gibt, schälen sich zwei grundsätzliche Muster heraus:

1. Es gibt Zählmethoden, nach denen Judenhaß per Definition rechtsextrem ist. Nach dieser Zählmethode sind Juden angreifende Muslime rechtsextreme Muslime, deren Taten unter rechtsextrem motiviert fallen. Nach dieser Zählweise sind muslimische Straftaten nur gegen nichtjüdische Deutsche oder Christen möglich.

2. Nach anderen Zählmethoden wird etwa ein Brandanschlag auf eine Synagoge nicht als rechtsextrem motivierte Gewalttat, sondern als Sachbeschädigung im Zusammenhang mit einer politischen Willensbekundung gezählt. Auch so kann man muslimische Straftaten nach unten lügen. So hat das Oberlandesgericht Düsseldorf am 5. Januar 2018 ein Urteil des Landgerichts Wuppertal von 2015 letztinstanzlich bestätigt, daß drei Palästinenser, die 2014 fünf mit Diesel gefüllte Flaschen auf den Eingangsbereich der Bergischen Synagoge in Wuppertal warfen, nicht etwa einen antisemitischen Gewaltakt verübten, sondern Kritik an Israel zum Ausdruck brachten. Daher kam es auch nur zu Bewährungsstrafen von einem Jahr und drei Monaten für zwei der Angeklagten. Der dritte Angeklagte erhielt eine vom Gericht nicht näher definierte Jugendstrafe."


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Noch dazu: "Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt/Main und Mitherausgeber des kürzlich erschienenen Buches 'Fragiler Konsens. Antisemitismuskritische Bildung in der Migrationsgesellschaft', plädiert dafür, im Umgang mit islamistischem Antisemitismus stets zugleich auch antimuslimischen Rassismus zu thematisieren. Denn nur wenn anerkannt wird, dass auch als muslimisch markierte Jugendliche von Rassismus und Stigmatisierung betroffen sind, kann eine gelungene Auseinandersetzung mit islamistischem Antisemitismus erfolgen." (Mehr hier.)

Klingt, als will Herr Mendel gemeinsam mit allen Muslimen außer den wenigen ganz schlimmen "gegen rechts" kämpfen. (Wahrscheinlich wird die gegenstrebige Allianz aber auch schon, wie man sagt, geschmiedet.) Das sind die Leute, die gern davon reden, dass man aus der Geschichte lernen müsse. Was aber mag "antimuslimischer Rassismus" sein? Sind die Muslime eine Rasse? Die Christen auch? Die Juden? Und wer genau stigmatisiert Muslime? Atatürk? Die AfD? Die Atheisten? Sie sich kreuz- und wechselweise? Und last but not least: Wen mag Herr Mendel mit "als muslimisch markierte Jugendliche" meinen? Salafisten? Kopftuchmädchen? Imam-Zuhörer? Am-Gleis-Beter? Die Erdogan-FDJ? "Gruppen"?
So viele Fragen...


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"Nicht so sehr die Mühen des Ehrgeizlings sind jämmerlich anzuschauen als vielmehr seine Freuden."
Nochmals Jürgen Große