Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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24. Februar 2018


Eine Randbemerkung: Sollte sich tatsächlich ein Leser zuerst auf Gollums Seite und dann zu mir verirren, mein Original-Text zu Yüzel – von wegen ich hätte ihn "Pisstürke" genannt – steht hier. Wer sich über Satire verbreitet, sollte nicht figieren, sie dort nicht zu erkennen, wo der Autor sie sogar explizit ankündigt. Aber, wie bei Springer gejuxt wird, man kann wohl nicht jahrzehntelang Posener heißen und dabei anständig geblieben sein.


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"Kann man das sagen", fragt Leser ***, oder ist das 'pfui'?: Die Agonie von SPD und CDU/CSU ist Parteiensterben von seiner schönsten Seite."
Doch doch, kann man sagen.


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Ich habe gestern einen Leser zitiert, der mir zu den fiktiven (oder doch nicht fiktiven?) mexikanischen Befestigungen an der Grenze zu Guatemala, die ich in meiner Aschermittwochsrede kurz erwähnte, schrieb, es handele sich um ein Beispiel für fake news. Ich weiß nicht mehr genau, wie ich auf diese Nachricht gestoßen bin, doch Leser *** entwarf eine Genese der ominösen oder gar okkulten Grenze:

"Als ich mir vor ein paar Tagen Ihre Aschermittwochsrede ansah, stieß ich im Anschluß auf ein anschauliches Photo, welches eine augenscheinlich mehrere Meter hohe, grünliche Mauer mit eingearbeitetem, innerhalb der Mauer abgerundeten Wachturm zeigte und angeblich an der mexikanischen Südgrenze aufgenommen worden war.
Dieses Photo ist augenblicklich nicht mehr auffindbar.
Selbstverständlich kenne ich die Südgrenze Mexikos nicht aus eigener Anschauung.

Per 24.02.2017, 02:45 AM gab Google folgende Suchtreffer bezüglich der Mauer an der mexikanischen Südgrenze aus:

# Rückblick 2010: Grenze zu Guatemala
Mexiko baute Mauer, um illegale Migranten abzuhalten
30. Januar 2017
(Link)

# Mainstreammedien berichten nur über Trump
Mexiko plant einen Zaun an der Grenze zu Guatemala
(Link)

# Mexikos Mauer beginnt im Süden
Hunderttausende von Zentralamerikanern flüchten jedes Jahr in Richtung USA. Viele von ihnen werden bereits in Mexiko abgeschoben – obwohl sie Anrecht auf Asyl hätten. Eine Reportage.
Tjerk Brühwiller, Tenosique
(Link)

# Mexikos Mauer - ARTE-TV
Länder: Mexiko
Tags: Mexiko, Grenze, Mauer, Guatemala
Die Pläne des US-amerikanischen Präsidenten Trump sind klar: eine Mauer zum südlichen Nachbarn Mexiko bauen. Doch dass auch Mexiko seine Grenze verstärkt gegen Einwanderung aus Guatemala sichert ist weniger bekannt.
(Link)

# ein Photo - Mexiko hat selbst eine Mauer gebaut!
(Link)

# Mexiko hat selbst eine Mauer gebaut!
(Link)

# ein Photo - Mittwoch, Februar 01, 2017 - die in Rede stehende Mauer wird als Fake dargestellt
Walter Ulbricht rotiert im Grab: Die berühmte Mauer zwischen Mexiko und Guatemala
(Link)

# Ursula Stenzel blamiert sich mit Mauer-Posting - die in Rede stehende Mauer wird als Fake dargestellt
(Link)

Wer immer unter den Lesern dieses Diariums den mexikanischen Süden bereist hat, möge doch aus eigener Anschauung einen Bericht beisteuern.
 

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Könnte gut sein, dass sich der Casus Yüzel zur Staatsaffäre aufbläht. "Bevor der deutsche Journalist aus türkischer Haft entlassen wurde, genehmigte die Bundesregierung zahlreiche Waffenlieferungen an die Türkei. Gibt es einen Zusammenhang?" (Weiter hier.) Die Bundesregierung setzt halt Prioritäten. Und der ohnehinnige Merkel-Panegyriker U. Poschardt wird in der Welt für zahlreiche Dankbarkeitsbekundungen sorgen.

 


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Eine wirkliche Preziose des Qualitätsjournalismus muss ich hier noch preisen, bevor sie in den unendlichen Weiten der Erinnerungskultur verschwindet. Der Washington-Korrespondent des Süddeutschen Beobachters kommentierte die Anklageschrift des US-Sonderermittlers Robert Mueller gegen 13 Russen, denen vorgeworfen wird, sie hätten versucht, die amerikanische Präsidentschaftswahl zu manipulieren, zunächst einmal mit der korrekten Feststellung:

"Trump hat im November 2016 aus vielerlei Gründen gewonnen, und welchen Anteil russische Facebook-Trolle daran hatten, lässt sich kaum feststellen."

Das ist immer so, bei jeder Wahl: Der Anteil der Trolle ist schwer feststellbar. Aber da wir im Falle Trump gelernt haben, dass dessen Wählerschaft praktisch debil ist, jedenfalls weder Argumente noch Gründe für ihr Votum besaß, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Trolle diese Leute gesteuert haben, ins Höchstwahrscheinliche, denn:

"Die hetzerische Internet-Kampagne der Russen zugunsten von Trump erreichte Facebook zufolge bis zu 150 Millionen Amerikaner."

Während die friedliebende, grundgütige und allzeit vertrauenswürdige Hillary Clinton zwar unter anderem Geld von den Saudis bekam (sofern hinter dieser Meldung nicht die Russen stecken), aber damit unmöglich 150 Millionen Amerikaner erreichen konnte.

"Das Ziel war zunächst vage" – also das der Russen, nicht das der Saudis –, nämlich "den Hass in der amerikanischen Gesellschaft zu schüren, die Risse zu verbreitern, Misstrauen und Chaos zu säen. Amerika sollte gespalten und schwach sein. Später, als die Kandidaten feststanden, wurde das Ziel konkreter. Die Russen sollten jenem Bewerber helfen, der Hass, Spaltung und Chaos zu seinem Programm gemacht hatte: Donald Trump."

Wer sich gegen die Hillary-Barack-Brave New World stellt und den White trash wieder mit Jobs versorgen will, sät Hass, ist ein Spalter und Chaosdrache, was denn sonst?

"Das gesellschaftliche Klima im Land war schon vor Trump vergiftet, das soziale Geflecht, an dem die Russen zerrten, war schon vorher brüchig."

Circa dreizehn Russen zerren am sozialen Geflecht der USA; gottlob, aus russischer Sicht, war es schon vorher brüchig, aber man weiß ja seit Alexander Karelin, wie sogar einzelne Russen zerren und aushebeln können.

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Nie, ich gelobe: nie haben sich amerikanische Trolle oder CIA-Agenten oder wohlmeinende NGOs in die inneren Angelegenheiten anderer Länder eingemischt, am wenigsten vor der russischen Haustür, in Malorossia bzw. der Ukraine, nie und nimmer.

"Die Propaganda der russischen Trolle, die den Amerikanern erzählten, dass sie ihre Landsleute verachten sollen, weil sie eine andere Hautfarbe haben, an einen anderen Gott glauben oder das gleiche Geschlecht lieben, wurde von vielen Bürgern begierig aufgesogen."

Wenn ein russischer Troll sagt, verachte deine Landsleute, dann kann der durchschnittliche Trump-Wähler einfach nicht Nein sagen. Inwieweit bei Trumps Wahlkampf Menschen, die das gleiche Geschlecht lieben, attackiert wurden, vermag ich nur in einem Fall zu belegen, nämlich anhand der Ausschreitungen an der Universität Berkely, wo linke Randalierer einen Auftritt des schwulen Trump-Unterstützers Milo Yiannopolous verhinderten. Von derselben Uni stammt dieses anrührende Video, das uns Einblick in die Rassendiskriminierung zur Zeit des Aufstiegs von Donald Trump gibt, aber total untypisch ist. Wie die pejorative Anspielung auf Leute, die all diejenigen verachten (und solche auch regelmäßig in die verdiente Hölle befördern), welche an einen anderen Gott glauben, in den seit 1933 islamfreundlichen Beobachter kommen konnte, wird die Schriftleitung hoffentlich prüfen und ahnden.

"Doch die Russen hoben die Wut und die Paranoia immer wieder auf ein höheres Niveau. Sie pumpten Sauerstoff in jedes Glutnest der Angst und der Zwietracht, das irgendwo im Land glimmte, bis es hell aufloderte."

Und säten als leicht entzündliche Keimzelle der flammenden Drehscheibe im Netzwerk der Zwietracht den lodernden Flächenbrand, der als Feuerwalze des Hasses die Angst bis ins Weiße Haus trug.

Majestätisch lodert der Verdacht auf, dass lustige russische Hacker diesen Seim platziert haben, den Sie in seiner erhabenen Gänze hier finden.


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Die buntesten Einzelfälle des Tages: "Berliner Pfarrer mit Regenschirm erstochen. Täter gefasst" (hier). Mit Schirm, Charme und womöglich sogar Melone.
"Nigerianer sollen 18jährige zerteilt und verspeist haben" (hier). Wertvoller als Gold.
16jährige ersticht 15jährige in Dortmund (hier). Vorsicht vor Mädchen aus Dortmund!