Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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23. Februar 2018


Der AfD-Abgeordnete Gottfried Curio hatte gestern den für Bundestagsverhältnisse ungewöhnlich subtilen Antrag gestellt, das Parlament möge selbstverständlich die Befreiung des Journalisten Deniz Yüzel aus dem türkischen Knast gutheißen, aber parallel dazu deutlich aussprechen, dass dieser zu einem noch nicht öffentlich gemachten Preis erfolgte Freikauf als Verteidigung der Meinungsfreiheit und keineswegs als Gutheißung der deutschen- und bisweilen sogar menschenfeindlichen Kommentare des zuletzt für die Welt geifernden Deutschtürken zu verstehen sei, auf dass diese Verteidigung seiner Rechte nicht mit jener seiner Positionen verwechselt werde. Um ein Gedankenexperiment einzuschalten: Man male sich den analogen Vorgang mit Akif Pirincci anstelle von Yüzel aus (wenn sie den überhaupt je ausgelöst hätten); in diesem Fall hätte man doch von jedem Redner der Etablierten sofort gehört, diese Aktion gelte nicht der Gutheißung von Pirinccis Positionen.

Sagte ich "subtil"? Nun, was heißt subtil, es ist erstes Semester Diplomatie, aber in einem smarten Gesinnungsstaat, wo sich eine von nahezu sämtlichen Medien unterstützte Allparteienkoalition gegen einen neuen Mitbewerber verbündet hat – Tagesspiegel: "Bundestag wehrt AfD-Angriff auf Deniz Yüzel ab" –, löst ein solcher Vorschlag autoritäre Beißreflexe aus, die sich nach den hier täglich auszuhandelnden Bedingungen einstweilen noch mit den beliebten menschenfreundlichen Phrasen à la "Wir verteidigen die Demokratie/die Meinungsfreiheit gegen ihre Feinde" drapieren müssen, aber das gewalttätige Bodenpersonal der Humanität ist ja bei jeder AfD-Veranstaltung unterwegs.

Also, Freunde, Autokraten und Ähnlichäugige: Wer nach diesen Bildern aus dem Parlament, wer angesichts dieser hasserfüllt brodelnden Sportpalaststimmung links der Teufelsbrüder nicht begriffen hat, wer hier Meuten bildet, wer hier hetzt, wer hier gerne verbieten und verfolgen lassen würde, von wem hier die Bedrohung der Freiheit ausgeht, der gewinnt eine Traumreise mit H. Maas und Claudi R. an Bord der "Habermas" zu den Teufelsinseln.



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Ein Wort in diesem Zusammenhang zu Cem Özdemir. Ich habe mich bereits zu denjenigen geäußert, die beim Politischen Aschermittwoch in Poggenburgien und Höckistan bei der Nennung seines Namens "Abschieben! Abschieben!" skandiert haben und will das passende Wort gern wiederholen: Gesindel. Dass unser grüner Schwabe diese Steilvorlage weidlich ausgenutzt hat, sei ihm unbenommen. Ansonsten hat der Bub natürlich schwer einen an der Waffel – resp., um es etwas angemessener zu formulieren: Da ist der kleine grüne Nazi mal gewaltig mit ihm durchgegangen. Was Özdemir unter Berufung auf nicht im Saal Anwesende den AfD-Bundestagabgeordneten zu unterstellen geruhte, nämlich dass sie "Rassisten" und Kandidaten für "Neonazi"-Aussteigerprogramme seien, das zeigt, wie perfekt eingedeutscht der Herr Özdemir ist (ich meine in jenes kranke Deutschland seit ca. 1918 ff.), welch kern- und knalldeutsche Denunziationskompetenzen er bei seiner Integration erworben hat.

Am Rande: Özdemir rief in Richtung AfD-Fraktion, dass dort diejenigen säßen, die Deutschland hassten, zumindest jenes Deutschland, für das der Herr Özdemir und seine grünen Mitpatrioten stünden. Und was fiel ihm als preiswürdiger Kernbestandteil dieses grünen Deutschlands ein? "Unsere Erinnerungskultur, um die uns die ganze Welt beneidet." Das sind zwei Märchen in einem Halbsatz. Zum einen gibt es keine deutsche Erinnerungskultur, sondern lediglich einen auf zwölf Jahre beschränkten Erinnerungstotemismus, Erinnerungsexorzismus, Erinnerungshexensabbat. Und um diesen herum eine komplette Erinnerungsamnesie, um nicht zu sagen: Erinnerungsdemenz. Ein kultureller Filmriss. Zum anderen gibt es nirgendwo auf der Erde ein Land, das uns um diese kollektive Neurose beneidet, warum auch? Darauf aber endlich einen Joint!


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"Die" Deutschen haben den gründlichsten Massenmord verübt, und sie haben am gründlichsten von allen Völkern ihre Vergangenheit "bewältigt". Mit demselben Eifer wie am Holocaust beteiligte sich Diederich Heßling am Bau des Holocaust-Mahnmals. Was ist am authentischsten und typischsten: das Morden, das Bewältigen – oder vielleicht doch die Gründlichkeit?


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PS: Da Herr Özdemir gewisse Aschermittwochspöbeleien rügte, mache ich einen viertelwegs kultivierten Alternativvorschlag, ich hatte es schon verlinkt, nun als Solo, hier.

Noch eine Anmerkung dazu: Leser *** schreibt, ich sei bei meiner Aschermittwochsrede "in einem Punkt Fake News aufgesessen, und zwar diesmal tatsächlich der Art wie Sie von den bösen Burschen von rechts verbreitet wird: An der Grenze zwischen Mexiko und Guatemala gibt es beim besten Willen weder Grenzzaun, noch Mauer, noch irgendein anders geartetes Trutzbauwerk. Auf Google Maps, Streetview oder auch bei Ortsansässigen kann man sich einfach davon überzeugen. Wozu auch Grenzsicherung, könnte man sich fragen, wo sich die meisten Guatemalteken, die da ungestört rübermachen, ja sowieso nicht lange bei Ihren direkten Nachbarn aufhalten, sondern diese lieber gleich bei ihrem Exodus ins Reich des bösen Blonden begleiten."


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Auf welt.de steht zu lesen: "'Der Antifeminismus und die Ablehnung des Islam, diese beiden Ideen haben eine Scharnierfunktion zwischen Männern und Frauen innerhalb der AfD und auch zwischen der AfD und der Gesellschaft', analysiert die Rechtsextremismus-Forscherin Esther Lehnert von der Berliner Alice Salomon Hochschule." Und da man keineswegs nur am Tresen auf einem Bein nicht stehen kann, folgt alsogleich der zweite analytische Streich zur Frage, was die AfD-Welt im Innersten zusammenhält: "Zur AfD fühlen sich eher Männer hingezogen. Die Psychologin Beate Küpper glaubt, dass sie vor allem für eine Gruppe attraktiv ist: die 'kulturellen Modernisierungsverlierer'. Für sie seien das traditionelle Frauenbild und der Anti-Asyl-Kurs verlockend."

Wer mag, darf jetzt aus dem Marschblock ausscheren und darüber meditieren, warum die eine Forscherin "analysiert" und die andere bloß "glaubt", obwohl beide in alimentiertem Konformismus faktisch dieselbe These apportieren. Der Rest folge mir bitte in jene Sphären, wo Nacht für Nacht kulturelle Modernisierungsgewinner ihr zumindest mit der schwedischen Variante des Feminismus längst kompatibles Frauenbild – "ein feministisches Vergewaltigungsland" nennt Hadmut Danisch unser aller sozialparadiesisches Leitbild im halbhohen Norden – zur Schau stellen:

"18-Jährige vergewaltigt – Polizei nimmt Verdächtigen fest" (hier).
"Unbekannter missbraucht Studentin auf der Damentoilette der Uni Freiburg" (hier).
"Nach Messerattacke auf Frau in Kassel: Opfer sagt vor Gericht aus" (hier).
"Übergriff in Wohnheim: Hat er (22) eine kranke Frau (60) vergewaltigt?" (hier).
Eine etwas generellere Betrachtung zur explodierenden Schwerkriminalität gibt es hier. Das Problem besteht darin, dass Polizei, Justiz und Strafvollzug auf diesen neuen Typus Gewalttäter, den Merkel und ihre Clacque in großer Zahl auf dieses allmählich vergreisende Volk losgelassen haben, nicht eingerichtet sind. Es dauert immer eine Weile, bis sich die Vorstellungskraft der Realität anpasst. Bis dahin brechen einfach Stück für Stück die Dämme. Was wirklich helfen würde, wäre ein dreitägiger Polizeistreik in Berlin, dann käme die Botschaft auch bei den Damen und Herren Abgeordneten an.

Ich weiß, wie ermüdet, ja deprimiert sich mancher Leser durch meine gelegentlichen Ausflüge in solche Gefilde fühlt und schlage deshalb vor, dass wir angesichts der immer üppigeren Schar der von Neubürgern vergewaltigten und/oder belästigten Frauen, quasi zu deren Sortierung, aber auch zur emotionalen Balance, die Frage stellen, für welche Partei diese Frauen wahrscheinlich votiert haben. Da wir uns nicht an sie selber wenden können, fragen wir ins Blaue und also bloß rhetorisch, aber mit dem Bewusstsein, dass 87 Prozent unserer lieben Landsleute für die Blockparteien gestimmt haben und die Wahlbeteiligung bei 75 Prozent lag, also um die 40 Millionen Deutsche unserer Willkommensjunta grünes Licht gaben, wobei auch viele Minderjährige den Triebstau der Goldjungs zu spüren bekommen, die hiermit bis zu ihrem ersten falschen Kreuz salviert seien. Diejenigen Holden aber, die ihr Kreuz bei einer der etablierten Parteien gesetzt haben, sollen das Ihre nun auch auf sich nehmen; sie besitzen außer Naivität, Gutgläubigkeit, Dummheit und ähnlichen mentalen Schwächen keinen Grund, sich zu beklagen, sie haben schließlich bekommen, was sie gewählt haben.


PS: "Wollen Sie wirklich sagen", fragt Leserin ***, "dass Frauen, die aus Naivität und Gutgläubigkeit die falschen Parteien gewählt haben, dafür eine Strafe wie Vergewaltigung – die oft ihr ganzes Leben zerstört – verdient haben? So gern ich Ihre Beiträge sonst lese und so sehr ich Ihre Verzweiflung angesichts der Dummheit vieler Wähler nachfühlen kann: Dieser Zynismus stößt mich ab."

Nein, gnädige Frau, das will ich nicht wirklich sagen; ich möchte nur im Rahmen meiner Möglichkeiten manche Leute auf die Konsequenzen ihres sog. Wahlverhaltens hinweisen.