Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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8. Januar 2018


"Ihrem Ende eilen sie zu,
die so stark im Bestehen sich wähnen.
Fast schäm' ich mich, mit ihnen zu schaffen."
Loge, "Rheingold", Schlussszene


                              ***


Irgendein SPD-Staatssekretär erzählt einem saarländischen Weltblatt, dass in der Fußballmannschaft des Bundestags die AfD-Leute nicht mitspielen dürfen (hier). Sollte tatsächlich jemand von den Debütanten die Geschmacklosigkeit besessen haben, dergleichen zu wünschen? Wer möchte denn mit diesen korrupten Absteigermannschaften voller gekaufter Opportunisten irgendwelche Spiele spielen?


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"Für viele muslimische Jugendliche bricht in Auschwitz eine Welt zusammen", vermeldet das Internet-Flusensieb Huffington Post.
"Ja", juxt Freund ***, "es hat Überlebende gegeben."


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Leser *** weist mich auf Friedrich Dürrenmatts Stück "Romulus der Große" (Neufassung 1980) hin, dessen Titel- und Hauptfigur der letzte römische Kaiser Romulus Augustus ist, den der germanische Heermeister Odoaker (den Dietrich von Bern nur mit Wittichs Zauberschwert Mimung und unter Eidbruch besiegen konnte) am 4. September 476 zu Ravenna enthronte und gnädig in die Verbannung schickte (nach Chile? nein, näher). Zu dieser Zeit war Westrom bekanntlich schon durch lange Bürgerkriege geschwächt, und germanische Stämme hatten begonnen, auf römischem Gebiet eigene Reiche zu errichten, während Ostrom noch Jahrhunderte mit gebremster Energie weiterblühen sollte.

Dürrenmatts Romulus betrachtet es als seine historische Pflicht, diesen Untergang resp. Übergang zu besiegeln. "Manches Zitat hört sich an, als hätte Dürrenmatt weiland unsere Sonnenkanzlerin vor Auge und Ohr gehabt", schreibt ***. So reagiert der Kaiser auf eine Hiobsbotschaft mit den Worten: "Meldungen stürzen die Welt nie um. Das tun die Tatsachen, die wir nun einmal nicht ändern können, da sie schon geschehen sind, wenn die Meldungen eintreffen. Die Meldungen regen die Welt nur auf, man gewöhne sie sich deshalb so weit als möglich ab." Den Ausruf seines byzantinischen Kollegen Zeno: "Wir müssen jetzt unsere Kultur retten!" kontert Romulusmit den Worten: "Wieso, ist Kultur etwas, das man retten kann?" An anderer Stelle erklärt er: "Ich bezweifle nicht die Notwendigkeit des Staates, ich bezweifle nur die Notwendigkeit unseres Staates. Er ist ein Weltreich geworden und damit eine Einrichtung, die öffentlich Mord, Plünderung, Unterdrückung und Brandschatzung auf Kosten der anderen Völker betrieb, bis ich gekommen bin." Auf den Einwand der Julia: "Ich begreife nicht, warum du dann ausgerechnet Kaiser geworden bist, wenn du so über das römische Weltreich denkst", entgegnet Romulus: "Das römische Weltreich besteht seit Jahrhunderten nur noch, weil es einen Kaiser gibt. Es blieb mir deshalb keine andere Möglichkeit, als selbst Kaiser zu werden, um das Imperium liquidieren zu können."

Ein letzter Dialog aus dem Stück:
Ämilian: "Was hast du getan, damit dein Volk nicht in die Hand der Germanen fällt?"
Romulus: "Nichts."
Ämilian: "Was hast du getan, damit Rom nicht so geschändet wird wie ich?"
Romulus: "Nichts."
Ämilian: "Und wie willst du dich rechtfertigen? Du bist angeklagt, dein Reich verraten zu haben."
Romulus: "Nicht ich habe mein Reich verraten, Rom hat sich selbst verraten."