Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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5. Januar 2018


"Das Ideal der Demokratie ist endlich erreicht: für einen Gentleman ist es unmöglich geworden, in der Regierung ein Amt zu versehen."
Henry Louis Mencken (1926)


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Eine Journalistin der dpa, also einer Nachrichtenagentur, hat den Leiter der Leipziger Buchmesse, Oliver Zille, im Interview mit einer Kaskade von Frage traktiert, ob und warum er "rechte Verlage" zulassen werde. Im Grunde ist da nichts zu fragen, die banale Antwort würde lauten: Selbstverständlich, wir sind eine Messe, und da kann jeder ausstellen, linke Verlage finden sich ja auch zuhauf ein. Aber so einfach ist es bekanntlich nicht, weshalb die Interviewerin – die, ich wiederhole es, eine sich als Verbreiterin möglichst objektiv gehaltener Nachrichten ausgebende Agentur vertritt – von Anbeginn des Gesprächs in den Verhörmodus schaltet:

"Auf der Frankfurter Buchmesse hat es im Herbst Tumulte an Ständen rechter Verlage gegeben. Wie sieht es im Frühjahr in Leipzig aus – werden wir rechte Verlage auf der Buchmesse sehen?"

Es hat also Tumulte gegeben? Tatsache ist, dass linke Randalierer die Veranstaltungen besagter Verlage gestört, deren Stände verwüstet und Bücher beschädigt bzw. "entsorgt" haben (unter anderem meine). Wer Bücher zerstört, ist ein Barbar und hat auf einer Buchmesse nichts zu suchen. Und damit das nicht mehr passiert, sollen also die Verlage ausgeschlossen werden, deren Bücher zerstört wurden. Suggeriert eine "Nachrichtenagentur".

Der Rest ist Echolalie; die Journalistin stellt hintereinander die folgenden Versionen der immergleichen Frage:  

"Mit welcher Begründung lassen Sie die Auftritte rechter Verlage in Leipzig zu?"
"Die Leipziger Messe ist eine GmbH. Wieso muss eine Firma die Meinungsfreiheit garantieren?"
"Es gibt Initiativen wie #verlagegegenrechts, die das Argument umdrehen und sagen, Meinungsfreiheit wird nicht allein dadurch gewährt, dass man rechten Scharfmachern ein Podium bietet. Was sagen Sie dazu?"
"Auf der Frankfurter Buchmesse musste sogar die Polizei eingreifen. Wie wollen Sie verhindern, dass es solche Szenen auch in Leipzig gibt?"
"Aber was wollen Sie tun, um Eskalationen zu verhindern?"
"Wie viele rechte Verlage werden denn überhaupt auf der Messe vertreten sein?"
"Gilt ein spezielles Sicherheitskonzept?"
"Sie sagen, die Aufmerksamkeit für rechte Töne nimmt generell zu. Aber indem Sie den Sprechern eine Bühne bieten, wird sie ja auch nicht gerade kleiner."

Fast alle Fragen laufen, bei Lichte besehen, auf einen "Kampf gegen links" hinaus. Aber das ist unserem dpa-Genie vermutlich schon selber aufgefallen.


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O Gott, was liest man da: Alexander Dobrindt im Interview von Marionetta Slomka "vorgeführt", weil der stammelnde CSUler ihr und dem Publikum nicht erklären konnte, was er eigentlich meint, wenn er eine "konservative Revolution der Bürger" anzetteln will. Dabei liegen die Antworten doch auf der Hand. Er hätte sagen sollen: Naheliegenderweise wollen wir zuerst einmal die Alimentierung Ihres Belehrungs- und Erziehungssenders beenden; anstatt dem Steuerzahler Milliarden abzupressen, damit Sie agitieren, schlemmen und mit Personal aasen können, sollten Sie sich der Konkurrenz am Markt stellen, und wenn die linken Lautsprecher des Staatsfunks heruntergedimmt werden, wird automatisch das gesellschaftliche Klima besser. Dann wollen wir Steuererleichterungen für Familien mit Kindern, sofern die Eltern etwas zum Gemeinwohl beitragen, eine Befristung aller Sozialleistungen außer für wirklich Bedürftige, die Wiederherstellung des Rechtsstaates an den Grenzen und vor Gericht, die Rückkehr des Sühnegedankens in die Rechtspflege, mehr große, moderne und sichere Gefängnisse für die Schulung derer, die momentan mit lächerlichen zur Bewährung ausgesetzten Strafen für schwere Verbrechen davonkommen, weil die Knäste mit dem Gold aus den Schiffen überfüllt sind. Wir wollen die Rückkehr zu einem Bildungssystem, bei dem die Schüler nach Verlassen der Schule lesen, schreiben und rechnen können und mindestens eine Fremdsprache beherrschen, die Beendigung der Abiturienten- und Geisteswissenschaftsstudentenschwemme und die Streichung aller Mittel für den Gender-Okkultismus, die Streichung sämtlicher Mittel, die in den verfassungswidrigen "Kampf gegen rechts" fließen, die Kürzung der Kultur- und Bühnensubventionen, weil dort ja eh nur noch Kultur demoliert wird, und natürlich eine Einwanderungspolitik, die Neubürger bevorzugt, die ihre Rechnungen selber bezahlen wollen (und können) bei strikter Abweisung und Ausschaffung aller anderen, zumal der zahllosen Straftäter, die sich hier breitgemacht haben. Wir wollen einen Mentalitätswandel, wir wollen, dass Frühaufsteher, Buckelkrummmacher, Arbeitsplätzeschaffer, Erfinder und Patentanmelder mehr und die Schwätzer, Sozialabsahner, Ideologieverbreiter und Asylindustriespitzbuben weniger Geld verdienen. Wir wollen überhaupt den Menschenschlag abschaffen, der für seine schiere Existenz eine Belohnung zu verdienen meint, und den Menschenschlag fördern, der selber für sich sorgt. Das hätte fürs erste genügt. Mehr hätte Frau Slomka in ihrer Sendezeit eh nicht untergebracht.  


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Apropos Geisteswissenschaftlerschwemme: Hadmut Danisch spricht das vorläufige Schlusswort dazu. Nämlich hier. Als Amuse Gueule dies: "An der Universität herrscht inzwischen ein absurdes Missverhältnis von Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaftlern, die irgendwo zwischen Hartz IV und Promotion hängen, und tatsächlich bestehenden Professuren (die auch erst mal auf Jahre hinaus fest besetzt sind) oder sonstigen Hilfsarbeiterstellen. Die Leute machen sich mit der Vorstellung, dass sie an eine Professur kämen, etwas vor, befinden sich in einer völligen Selbstüberschätzung. Aus der Uni raus können sie aber auch nicht, denn keiner will sie, keiner braucht sie, keiner mag sie, und können tun sie ja auch nichts. Wer braucht Literatur- oder Kulturwissenschaftler? Wozu?
Die machen sich was vor, werden da alt, und dann stehen sie mit Anfang oder Mitte (oder Ende) dreißig da, und haben nichts. Nicht mal mehr Aussicht auf Billigstjobs, denn den Mindestlohn erwirtschaften sie nicht und die paar Jobs werden von Flüchtlingen übernommen. Wir produzieren da in großem Umfang Arbeitsmarktmüll. So unverkäuflich wie VW-Diesel in den USA. Und nehmen ihnen gleichzeitig jede Aussicht auf Kellnern und Taxifahren. Eine Zeitlang konnte man das noch durch Einrichten von Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten, Gender Studies und Frauenprofessuren auffangen, so wie Hochwasserpolder, aber die sind auch voll wie Atommüllendlager."