Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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29. Dezember 2017


"Die Prägnanz ist ein Mittel des geistig Überlegenen, doch physisch Schwachen, der sich auf lange Debatten nicht einlassen darf. Rivarol befindet sich trotz aller Ausfälle in der Verteidigung, in der man die Reserven zusammenhalten muß. (...) Schon Sainte-Beuve hat darin die Verteidigung eines kultivierten Geistes gegen die einebnenden Mächte gesehen, deren Heraufkunft ihn erschreckt. Wir können die Feststellung noch enger fassen und sagen, daß in Rivarol der Künstler sich gegen die Zeitmächte zur Wehr setzt, deren tödliche Bedrohung er in den Anfängen erkennt."
Ernst Jünger, "Rivarol. Leben und Werk" (in: E. J., Sämtliche Werke Bd. 14, S. 244)


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Ein mysteriöses Frauensterben hält die Republik in Atem. Meistens stechen "Männer" auf sie ein, bevorzugt in aller Öffentlichkeit, und irgendwie kannte man sich in der Regel schon vorher. In Halle ist jetzt ein "49jähriger" verhaftet worden, weil er dringend verdächtig ist, in einem Einkaufszentrum eine Frau umgebracht zu haben, mit der er in irgendeiner rätselhaften Beziehung stand. Eine Nacht vor dem Geburtstag des Propheten Īsā ibn Maryam hat ein "16jähriger" in Darmstadt seine Freundin niedergestochen. Am 20. Dezember versuchte ein junger Afghane in Berlin, seine 17jährige Ex-Freundin in der Havel zu ertränken, wobei er selbst fast umkam (was nicht witzig ist!).

Am meisten beschäftigt die Öffentlichkeit mit Ausnahme der Öffentlich-Rechtlichen derzeit aber der Einzelfall, der sich im südpfälzischen Kandel zutrug. Ein, wie ich vorgestern schrieb, 15-jähriger Afghane hat in einem Supermarkt ein gleichaltriges Mädchen erstochen. Wie man an einem inzwischen überall kursierenden Foto des Jünglings sieht, sind verhaltensauffällige 15jährige Afghanen bisweilen körperlich ungefähr so entwickelt wie 20jährige Deutsche, was sie aber mit ihrer geistigen Entwicklung oft zu kompensieren wissen. Polizei und Staatsanwaltschaft haben bekanntgegeben, dass es sich um einen unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden und um den Ex-Freund des Mädchens handelt.

Hat irgendwer etwas falsch gemacht? Gehen wir den Fall durch.

Auf Focus online fand sich ein Experte, der auf die Frage: "Könnte das Frauenbild, das er aus seiner Heimat mitgebracht hat, eine Rolle spielen?", folgendes kund und zu wissen gab: "Ich denke nicht, dass es irgendeine Rolle gespielt hat. Denn grundsätzlich ist das Frauenbild von jungen Afghanen von Wertschätzung geprägt. Die Mutter hat in der Familie die Hosen an. Diese Wertschätzung gilt ebenfalls jüngeren Frauen oder Gleichaltrigen." Die Burka, ein originär afghanisches Accessoire, ist das modische Symbol dieser Wertschätzung, denn was einem lieb und teuer ist, verbirgt man besser vor den Augen der anderen.

Ich zitiere, was ich an dieser Stelle schon einmal zum Ruhme des afghanischen Mannes und seines Frauenbildes zitiert habe (am 17. Dezember 2016): "In spite of major achievements, women remain one of the most marginalized segments of the Afghan population. (...) Violence against women and girls is exceptionally high in Afghanistan and is almost at a pandemic level, with up to 87.2 percent of women having experienced some form of violence (Hervorhebung von mir – M. K.) such as physical, psychological, sexual, economic violence, social abuse as well as forced and early marriage." Also sprach Phumzile Mlambo-Ngcuka, seit 2013 Präsidentin von "UN Women".
Mohammad Musa Mahmodi, geschäftsführender Direktor der Unabhängigen Menschenrechtskommission für Afghanistan, erklärte: "Diskriminierung von Frauen und die Gewalt gegen sie sind seit Jahrhunderten in der afghanischen Gesellschaft verankert." Amnesty International gab bekannt: "Seit über einem Jahr werden vor allem aus den ländlichen Regionen Afghanistans wieder vermehrt Fälle gemeldet, in denen Frauen und Mädchen geschlagen, verstümmelt, entführt oder getötet werden." Nochmals Amnesty International: "Nach einer Statistik des afghanischen Gesundheitsministeriums wurden für das Jahr 2014 offiziell 4466 Selbstmordversuche durch Gifteinnahme und 2301 durch Selbstanzünden erfasst. (...) Als wichtigster Grund für die Selbstmordversuche bei Frauen galt geschlechtsspezifische Gewalt." (Inzwischen soll sich die Situation dort durch Abwanderung der Agilsten etwas, aber kaum merklich entspannt haben.)

Der Experte für Asylbetrugsbegleitgeschwafel, Abwiegelung und Anbiederung heißt übrigens Andreas Dexheimer. Merken Sie sich den Namen.

Hat vielleicht das Mädchen etwas falsch gemacht? Aber hatte die Kleine eine Wahl? Nachdem unsere Sonnenkanzlerin erst Hunderttausende junger Männer aus vormodernen Kulturen ins Land gelassen und "Wir schaffen das!" als Tagesparole und Endsiegsverheißung ausgegeben hatte, hat sich eben das eine oder andere Landeskind auf einen der temperamentvollen Schutzsuchenden eingelassen, die naturgemäß nach Frauen Ausschau halten, und, da sie kaum Partnerinnen der gleichen Artung finden, sich mit deutschen Mädchen zu paaren suchen. Die wiederum haben von Kika und Schule und Tagessthemen und Kirchen und Merkel und Grünen nichts anderes als fromme Gauckiaden über die Zugelaufenen zu hören bekommen, sie wissen nicht, dass sie mit dem ersten Kuss quasi in den Besitz des männlichen Neubürgers übergehen, dessen Ehre es nicht zulässt, dass die Frau eigene Entscheidungen trifft und ihm wieder davonläuft. Tja, und dann kommt es eben zu interkulturellen Missverständnissen, die sich aber in den nächsten hundert Jahren moderieren werden, vielleicht sogar schneller, je nachdem, welches Frauenbild die Oberhand behält. Die Zahl der Opfer bleibt überschaubar; der Blogger Oliver Janich hat soeben ein Buch über Ausnahmefälle wie in Kandel veröffentlicht, und das ist 765 Seiten dick (ich sagte ja: überschaubar). Im Grunde müsste sich die Bundeszentrale für politische Bildung dafür interessieren, doch dort ist man noch nicht so weit, Deutsche als Opfer ins Programm zu nehmen; müssen sie erst noch lernen.   

Hat die Polizei etwas falsch gemacht? Medienberichten zufolge "stalkte" der abservierte Stolze sein abspenstiges Besitztum. Der Mannheimer Morgen berichtet: "Die Eltern des Opfers hatten den mutmaßlichen Täter bereits vor zwei Wochen wegen Beleidigung, Nötigung und Bedrohung angezeigt. (...) Nach der Anzeige sei der Jugendliche der Vorladung der Polizei mehrfach nicht gefolgt. Daraufhin hätten Polizisten ihm noch am Tattag die Vorladung am Vormittag persönlich ausgehändigt. Bereits zuvor hatte die Polizei eine sogenannte Gefährderansprache gemacht – und den Jugendlichen auf sein Verhalten angesprochen und ihn gewarnt. 'In aller Regel fruchten solche Ansprachen auch', sagte der Ludwigshafener Polizeivizepräsident Eberhard Weber." 

"In aller Regel" meint: bei Zivilisierten. Bei einigen von Merkels Gästen haben die rührenden Behörden mit dem Instrumentarium des Rechtsstaates offenkundig das sogenannte Ende der Fahnenstange erreicht. Eine gewisse Klientel ist davon nicht beeindruckbar. Diese fidelen Kreaturen werten die Bemühungen um ihre Sozialisation als Eingeständnis von Schwäche. Bewährungsstrafen interessieren sie nicht, sondern ermuntern sie eher, Geldstrafen können sie eh nicht bezahlen, Haftstrafen bringen keinen Imageverlust, weil sie kein bürgerliches Image kennen und es meist keinen Arbeitgeber geben wird, der nachschaut. Wie man mit ihnen ein gedeihliches Zusammenleben organisiert, darüber sollten Sie den Jürgen Habermas befragen, der in migrationsfreundlichen Kreisen als bedeutendster lebender deutscher Denker gilt und 1995 in seiner Paulskirchenrede verkündet hat: "Aus den gewiß konfliktreichen und schmerzhaften Prozessen des Übergangs zu multikulturellen Gesellschaften geht eine bereits über den Nationalstaat hinausweisende Form der sozialen Integration hervor". Die "gemeinsame Bindung an historisch errungene republikanische Freiheiten" sowie "eine im historischen Bewußtsein verankerte Loyalität zu einer überzeugenden politischen Ordnung" seien es, die "über alle subkulturellen Differenzen hinweg das wechselseitige Einstehen der Bürger füreinander motivieren". 

Keiner hat etwas falsch gemacht. Auch die Medien nicht. Die Tagesschau erklärte auf anscheinend vielfache Anfrage: "Nach allem, was wir bisher wissen, handelt es sich um eine Beziehungstat. So schrecklich sie gewesen ist, vor allem für die Eltern, Angehörigen und Bekannten – aber tagesschau und tagesschau.de berichten in der Regel nicht über Beziehungstaten."

Stimmt. Es handelt sich um eine Beziehung: die deutsch-afghanische nämlich.


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Es ist schon komisch genug, dass ein ausweislich seines Konterfeis in den Fünfzigern stehender Spiegel online-Kolumnist einen Kommentar darüber schreibt, dass viele Deutsche deshalb "so wütend" seien ("obwohl es der Wirtschaft so prima geht"), weil "wir gerade einfach zu viele Menschen Anfang 50 haben" und es wissenschaftlich erwiesen sei, dass in jenem Alter die Unzufriedenheit am vehementesten vorstellig werde. Wie ich an dieser Stelle gelegentlich schrieb, sind fast alle Nobelpreisträger in den seriösen Sparten Männer in den Fünfzigern. Wenn diese Altersgruppe über Nacht aus Deutschland verschwände, bräche so einiges zusammen. Die wütende Unzufriedenheit besitzt anscheinend auch Vorzüge gegenüber z.B. der quietschenden Indolenz der Grünen Jugend. Ich kenne solche Kommentare aus der DDR; je schlechter die Stimmung im Lande wurde, desto heftiger beschwor die Propaganda die Erfolge des Sozialismus. Auch der Spiegel-Mann will uns einreden, dass nicht die herrschenden Zustände die Stimmung eintrüben, sondern die Biologie (was eigentlich sehr unspiegelig ist). Dass die nationale Gemütslage keineswegs primär aus dem Alter der Bevölkerung resultiert, so mäklig eine nach dem Muster der deutschen Bevölkerungspyramide geschichtete Gesellschaft auch sein mag, beweist nicht nur die Wut auf die Bonzen damals, also in der DDR, und allmählich heute auch und gerade unter jungen Menschen, sondern zum Beispiel recht anschaulich die miserable Stimmung, die in der 6. Armee ab November 1942 herrschte. Sie zog sich zwar durch alle Altersgruppen, aber die meisten der Unzufriedenen waren Anfang Zwanzig.

Übellaunigkeit kann sehr anstachelnd und produktiv sein. Man muss ja nicht gleich noch über die Kapitulation hinaus weiterkämpfen. 
       

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Die Nazi-Mentalität auf Nazijagd, x-te Fortsetzung: Der Präsident des Bundesliga-Clubs Eintracht Frankfurt, Peter Fischer, will verhindern, dass Mitglieder seines Vereins gewissermaßen hinter seinem Rücken die AfD wählen (hier – wie genau er die Falschvotierer überführen will, darüber schweigt der Edle – schauen Sie in dieses Antlitz! – sich aus). Aus Heidelberg wiederum berichtet Leser ***, dass bei der Aufführung des Theaterstücks "Kleiner Mann – was nun?" (nach Falladas gleichnamigem Roman) einer der Darsteller statt der üblichen Nazi-Armbinde eine weiße Armbinde mit der Aufschrift "NSAfD" getragen habe.
Dieser Schneid! Dieser Wagemut! Dieser Widerstandsgeist! Diese Zivilcourage! Stäche endlich mal ein "Nazi" seine Ex öffentlich ab, ich wette, man hörte noch weit Kühneres von ihnen! In den Worten von Brechts Herrn Keuner: "Deine Haltung sehend, interessiert mich dein Ziel nicht." 


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"Nervös wippt er von einem Bein auf das andere, sein Blick schweift hilfesuchend durch den Saal. So war das sicher nicht abgesprochen. Emmanuel Macron fühlt sich sichtlich unwohl. Seinem ghanaischen Amtskollegen Nana Akufo-Addo könnte es dagegen nicht besser gehen. Er steht bei der gemeinsamen Pressekonferenz neben Macron und holt genüsslich zu einer Grundsatzrede aus: 'Wir können nicht länger die Hilfe aus dem Westen oder aus Frankreich zur Grundlage unsere Politik machen. Es hat nie funktioniert, es funktioniert nicht und es wird nie funktionieren.'" (Mehr hier).