Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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18. November 2017


Heimat ist, wo einen die Kellner grüßen.


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Damit Sie sehen, von welchen intellektuellen Kalibern dieses Land regiert wird: Nadine Julitz (SPD) beantwortet die Frage, wieviele Geschlechter es eigentlich gibt, hier.


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Neue Begriffe: Willkommensbulgur. Willkommenskuffur. Still-Kommens-Kultur.


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Leser *** schickt mir diesen Link mit dem Hinweis, dass die Meldungen über Greueltaten während des Massakers im Pariser Bataclan (Eintrag vom 15. November) auf unbestätigten Gerüchten beruhen. "Forensic doctors were categorical: there was no act of barbarism, no use, including knives. According to a witness, the testicles of a victim were cut off, but no findings have corroborated it", heißt es hier, und weiter: Etwa 1.000 Menschen waren in dem Club, als die Mörder eindrangen, und ungefähr 700 blieben unverletzt. "Had the French government opted to cover up acts of torture and emasculation at the venue, there was nothing stopping the vast majority of surviving witnesses from sharing their stories. None did."

Ich weiß nicht, wem ich glauben soll, und lasse das hier einfach stehen. Wenn sich das Blutbad auf mehrere Etagen erstreckte und die Opfer zum Teil in Zimmer geflohen waren und sich dort verbarrikadiert hatten, ist zumindest das Argument, die Überlebenden hätten ja irgendetwas gesehen haben müssen, nicht stichhaltig; die Menschen waren in Panik und versuchten, sich zu verstecken und ihr Leben zu retten. Dass Greuel durch Gerüchte immer übertrieben werden, ist mir schon klar. Ebenso klar ist mir, dass immer auch das Interesse besteht, Greuel zu vertuschen.

Handelt es sich tatsächlich um Gerüchte, dann war meine Medienschelte unberechtigt, abwechslungshalber. Der Vorwurf, dass sie in den Medien die Submission trainieren (übrigens auch Facebook), bleibt davon unberührt. Desgleichen würde die Tatsache, dass die Opfer allesamt bloß erschossen und nicht gefoltert wurden, an meiner Einstellung zum Recht auf privaten Waffenbesitz nichts ändern.

PS: Noch zwei Links zum Thema. "Sicher aber ist: In der Wahrnehmung vieler Franzosen haben französische Regierungen und die heimischen Medien eine lange Tradition beim Verschweigen unangenehmer Wahrheiten. Diese Tradition reicht zurück bis zum Massaker an Algeriern am 17. Oktober 1961 in Paris. Kaum ein Franzose glaubt seiner Regierung, wenn es um Fragen zur inneren Sicherheit oder um die Staatsräson geht." (hier; durchscrollen bis zum Anhang: "Die unaufgeklärte Nacht im Bataclan"). "On entendait des cris, comme des gens qui se faisaient torturer" (Wir hörten Schreie, als würden Menschen gefoltert", hier ).
                           

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Wie immer lesenswert ist Alexander Wendt: "Zehntausende Jobs, die in der traditionellen Energieversorgung verloren gehen? Bedauerlich. Wohnungen für 1,6 Millionen Migranten, Schulplätze und Lehrer für deren Kinder? Ist Ländersache. Dass sie das Land mit der Grenzöffnung 2015 gewalttätiger, antisemitischer, schwulen- und frauenfeindlicher machte, sind für sie ohnehin keine politischen Kategorien. Die Frage einer Frau in einer Wahlveranstaltung, was sie denn zu den horrend gestiegenen Sexualdelikten sage, beschied sie mit dem Satz: 'Strafdelikte sind bei uns nicht erlaubt.' Merkel-Deuter lobten an ihr ja stets ihre Nüchtern- und Trockenheit, ohne je zu erwägen, ob es sich dabei nicht einfach um ein Asperger-Syndrom handelte." (Noch mehr Gemerkel hier). Asperger? Womöglich werden wir dereinst von Merkels Morell erfahren, dass es sich um ein tägliches Mittelchen handelte, welches diese halb bräsige, halb vergnügte Indolenz in Kombination mit einer deprimierenden Dauerwachheit herstellte.


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Zu meiner Notiz über Menschen mit Down-Syndrom erreichten mich mehrere Zuschriften. Stellvertretend soll deren Tenor Leser *** zusammenfassen, welcher schreibt:

"Das mediale Aufsehen fällt in eine Zeit, in der der Ausdruck 'Behinderter' in der emanzipatorischen Behindertenarbeit als diskriminierend verschrieen ist, man wenigstens 'Mensch mit Behinderung' sagen soll und wo die 'Abteilung Behindertenhilfe' nach langen Überlegungen nun 'Teilhabe mit Assistenz' heißt, wo der Slogan verbreitet wird: 'Behinderung gibt es nicht, behindert wird man gemacht'. Hannahs Wunsch erschien zunächst in einer Zeitschrift, die sich die Inklusion auf die Fahnen geschrieben hat. Trotzdem kann der Wunsch nach einem supergleichstellerisch-positiven Ausdruck davon unabhängig von ihr ganz alleine gekommen sein.

Die Behinderten sind aber ein willkommenes, weil wehrloses Ersatzproletariat der Achtundsechziger gewesen. Man versucht sie zur Teilnahme auf Demonstrationen für Behindertenrechte zu überreden, zur 'politischen Partizipation' usw. Das Ergebnis ist ein widerstrebendes gelangweiltes Mittun. Viel Lärm, viel Getue, umständliche gequälte Sitzungen, aufgebauschte Resultate. Die wirklichen Wünsche der geistig Behinderten sind viel zu unscheinbar, um in den Augen ihrer Bevormunder etwas hermachen zu können. Eine ungeschminkte Darstellung der Wirklichkeit in den Familien, Heimen und Werkstätten fehlt, ebenso eine kritische Darstellung der emanzipatorischen Behindertenarbeit, die zwar über ihre Vorgänger den Stab bricht, aber auch Opfer hervorgebracht hat. Und nie sieht man auf den Geburtstagen der selbsternannten und bezahlten Emanzipatoren Behinderte, obwohl deren Inklusion doch sonst flammend von 'der Gesellschaft' gefordert wird.

Ich habe die verweinten, viel zu früh ernst gewordenen Gesichter der Mütter von Behinderten gesehen, weiß von am Kind gescheiterten Ehen und gesunden Geschwistern, die zu kurz gekommen sind. Ich kenne Berufskollegen, die verdrießlich geworden sind. Und die Behinderten verkläre ich bestimmt nicht. Aber, Herr Klonovsky, so wie ich mich z.B. mit Ihrem Eckladen von den Behinderten erhole, so erhole ich mich auch bei den Behinderte, gerade bei denen mit Down-Syndrom und noch viel schwerer Gehandicapten, gewissermaßen von Ihrem Eckladen. Die unerschütterliche Daseinsgewißheit und Daseinsfreude, das Vertrauen, der unverstellte Ausdruck der Gefühle sind eine lebendige Predigt für die scheinbar in allen Belangen Überlegenen und ein starkes Heilmittel gegen Weltekel und Lebensüberdruß, das einem sehr lieb werden kann."