Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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3. November 2017


Neues Kriterium für Mittelmaß und Erfolglosigkeit: niemand beklagt sich, von einem sexuell belästigt worden zu sein.


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Aus der Reihe "Die Nazi-Mentalität auf Nazi-Suche": Leser *** fand dieses Papier in seinem heimischen Briefkasten. Der Duktus, das stallwarme Gemeinschaftsgefühl, das gute Gewissen, die sadistische Lust des Verfolgers, das Behagen des Vollstreckers, alles wie 1933.



Wo ein Paradox wie ein tyrannischer Liberalismus möglich ist, dort ist das Prügeln für Toleranz die logische Folge.   


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Der Zeit entnehme ich, dass unser Wahrheitsausschüttungsschamane Claus Kleber "in einem bis auf den letzten Platz besetzten Hörsaal der Heidelberger Universität" einen Vortrag über die Rolle und Bedeutung der Medien gehalten habe und in der anschließenden Diskussion auf den Vorwurf eingegangen sei, die via Zwangssteuer staatlich alimentierten und von staatlich dominierten Rundfunkräten kontrollierten Öffentlich-Rechtlichen seien am Ende gar nicht wirklich unabhängig vom Staat. Ironisch – bzw. "parodistisch", wie das Hamburger Weltblatt schreibt – habe der Premiumjournalist diese Unterstellung abschmettern wollen. Natürlich gebe es keine direkten Anweisungen, habe er gesagt, aber "es sei doch völlig klar, sich mit der Kanzlerin oder eben ihrem Sprecher abzustimmen, sich auch mal beibiegen zu lassen, wann ein paar kritischere Töne in der Flüchtlingspolitik nötig seien; und wann man die Dauerkritik an Erdoğan und Putin ein wenig zurückzufahren habe. Denn schließlich würde Putin für den Frieden gebraucht und Erdoğan für die Lösung des Flüchtlingsproblems. Für die Öffentlich-Rechtlichen im Besonderen und für die Presse insgesamt sei es nur selbstverständlich, auf vitale Interessen des Staates Rücksicht zu nehmen; das sei einfach ihr Job." Bei diesen Worten habe Kleber hoffnungsfroh in die Runde geschaut, ob etwa jemandem seine Ironie entgehe.

Und?

"Kein Protest aus dem Publikum, keine Kritik, nicht mal Rückfragen, stattdessen diffuse Zustimmung", ächzt die Zeit. Ein "Schock" sei es für ihn gewesen, "dass die versammelten Bürgerinnen und Bürger selbstverständlich davon ausgingen, dass Journalismus nun mal als von Politikern gelenkte Meinungsmache funktioniere", flunkerte der moderate Tor vom ZDF, schrieb stracks ein Büchlein namens "Rettet die Wahrheit", das vom Publikum und von den Print-Kollegen sogar noch wärmer aufgenommen wurde als das ähnlich lautende Pasquill von H. Maas, und vermochte womöglich bereits bei der Niederschrift den Schock zu mildern.

Ich habe hier keineswegs vor, das "berufliche Selbstverständnis", wie es im Plastikzeitalter-Rotwelsch heißt, einer Medien-Sardine, die über ihre Seitenlinie die Kommandos des Schwarmes entgegennimmt, aber vorgibt, keine zu empfangen, irgendeiner näheren Betrachtung zu unterziehen, weil es ja vollkommen egal ist, ob Kleber glaubt, was er da erzählt, so lange er nur tut, was er tut. Weit interessanter als die Darlegungen dieses Opportunisten, der unter jedem Regime der Welt (außer einem fröhlichen) die Abendnachrichten vortragen könnte, ist die Reaktion des Publikums, welches zum Großteil aus Studenten bestanden haben dürfte. Kein Protest, keine Kritik, nicht mal Rückfragen, stattdessen diffuse Zustimmung. Tja. Wie DDR-Studenten, wie sowjetische Studenten, wie chinesische Studenten: dressiert, zugerichtet, gleichgeschaltet, atomisiert, führungsgläubig; bestenfalls bloß unter der täglichen Propaganda abgestumpft und jenem kühlen Egoismus folgend, der jeden Schritt auf seinen Nutzen und mögliche Schäden abwägt; denen könnte man auch erzählen, dass demnächst Dresden oder Budapest bombardiert werden, sie würden nur aufstöhnen, wenn sie zufällig eine Reise dorthin gebucht hätten. Die Universität als Produktionsstätte einer gesellschaftlichen Nutztierherde, die ohne Murren in die ihr zugewiesenen Gatter strömt. Im besten Deutschland, das es je gab.


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"Im Bundestag ist kein Platz für Hass", sagte dem Spiegel und gegen die AfD gerichtet Claudia Roth, Vizevorsitzende des Parlaments von Deutschland, diesem miesen Stück Scheiße.


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Nicht dass ich mir auf meine Vorhersagen sonderlich viel zugute hielte, sie stimmen halt meistens (es gibt auch eklatante Gegenbeispiele) und vor allem leider, dieses Jahr sogar beim BVB, doch eine muss ich kommentieren, weil irgendwer auf twitter sie gegen mich ins Feld zu führen meint. Dort steht, als Beleg für substanzlose prognostische Überdrehtheit deklariert, folgendes mir zugeschriebene Zitat:

"Prognose: Ab 50.000 Pegida-Mann wird die Berichterstattung freundlicher, ab 100.000 war mancher Journalist immer dabei."

Nun stammt das Zitat so gar nicht von mir, sondern aus der Überschrift auf der Webseite von eigentümlich frei über einem dort nachgedruckten Acta diurna-Text. Hier entsteht der Eindruck, ich hätte diese Zahlen prognostiziert; tatsächlich ging es um etwas anderes, nämlich das opportunistische Verhalten von Journalisten. Der gesamte Passus, geschrieben im Dezember 2014, las bzw. liest sich so:

"Nichts erfuhr man (aus den Medien – M.K.) von den Motiven der Demonstranten, sondern lediglich, dass man sie als braver Bürger dieser Republik für Nazis, Rechtsextremisten, Ausländerfeinde, Hetzer oder mindestens von den modernen Zeiten überforderte Wutbürger zu halten habe, für Ewiggestrige, die Deutschland abschotten und ins Mittelalter zurückwerfen wollten, dass man mit diesen Leuten nicht reden oder verhandeln dürfe, dass sie eine Schande für Deutschland seien, dass man ihnen mit Null Toleranz zu begegnen (demnächst: kurzen Prozess zu machen?) habe und dergleichen angewandte Pluralismen mehr. So las ich zum Beispiel zwischen den Klatsch-, Sport- und Katastrophenmeldungen auf der Startseite meines Mail-Anbieters die Schlagzeile ‚Pegida wuchert weiter’. Die Saat der Toleranz geht auf. Die Sprache des Unmenschen richtet sich gegen eine vollkommen friedfertige Volksgruppe. Die demokratische Humanistenpresse will ihr Publikum in Bürgerkriegsstimmung bringen. Aber keine Angst, es sind nur Papiertiger; nie würde sich das mit einem ernsthaften Gegner anlegen (im Falle Pegida: Ab 50.000 Mann pro Kundgebung wird die Berichterstattung entschieden freundlicher, ab 100.000 hatte man selber von Anfang an Verständnis für die Demonstranten). Es sei nur daran erinnert, wie zahm unsere Medienschaffenden samt ihrer parlamentarischen Vor- und Nachbeter auf die antiisraelischen Ausschreitungen in deutschen Städten vor einem halben Jahr reagierten, als eine der wirklichen potenziellen Bürgerkriegsparteien erstmals in größerem Stil Gassi ging."

Man sieht, die Prognose betraf in erster Linie nicht das Anwachsen von Pegida, sondern das Meutenverhalten der Medien, sie ist in einen Konjunktiv eingebettet ("Nie würde sich das mit einem ernsthaften Gegner anlegen"), der die folgende Aussage einschränkt. Gleichwohl will ich die Zahlen gern auch als Prognose im Raum stehen lassen. In zwei, drei Jahren könnten es durchaus 50.000 oder mehr Demonstranten sein...


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Immer noch nicht als soziale Konstrukte enttarnt:

der Urmeter
das Plancksche Wirkungsquantum
die Raumzeit
der Koran
der Mondzyklus
das Klima
der Elfmeter
der verminderte Septakkord
Buntheit und Toleranz
der weibliche Orgasmus
die Würde des Menschen
die Demokratie
der Grünen-Vorstand


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Freund *** schreibt:

"Beim Blättern in älteren acta fiel mir ein weitverbreiteter historischer Irrtum auf. Anders als gern behauptet, war die Absicht der europäischen Völker keineswegs, sich nach zwei Kriegen lieb in den Arm zu nehmen und Europäer zu werden. Man war vielmehr heilfroh, Deutschland endlich zerquetscht und im Staube zu sehen und begehrte alles andere als einen freundschaftlichen Bund mit diesem auf ewige Zeit. Das sind Sonntagsreden. Das Realproblem war: Die USA befinden sich jenseits des Atlantiks und dahin kehrten die Jungs haste was kannste zurück. Die SU begann an der Elbe und dort blieben die faktischen siegreichen Truppen erstmal stehen. Die Europäer hatten entweder mit Deutschland kollaboriert oder waren ihm äußerst schmählich erlegen. Die USA begannen im August 1944, die deutsche Festung Europa aufzurollen, nachdem die Rote Armee die Wehrmacht bis zur Weichsel gejagt und zerschlissen hatte. Es war nur noch ein Schatten der Kampfkraft übriggeblieben und selbst die vermochte den versammelten Westen noch ein Dreivierteljahr aufzuhalten, ehe er am Rhein stand. Wer davon hätte denn Stalin aufhalten können, falls der zum Atlantik wollte? Und aufhalten w o l l e n! In Frankreich und Italien waren die KPs die stärksten Parteien. Nach dem Ausgreifen der SU nach Griechenland und in die CSSR beschlossen die Amis, Europa selbstverteidigungsfähig zu machen.

Dazu gehörten ein wehrwirtschaftlicher Zusammenschluß, ein Ende der Knebelung Deutschlands und Wiederaufbaukredite. Wie die Debatte um die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) und ihr Scheitern bewiesen, war insbes. Frankreich scharf dem Wiedererstehen einer deutschen Wehrbarkeit abhold. Mit einem Satz: Der Europagedanke war als politisches Projekt ein Ziel der USA, um nicht auch noch den Westteil des Kontinents an die SU zu verlieren, nachdem man Asien an Mao Tse-tung verloren hatte. Als mit dem Zusammenbruch der SU die Europäer mit ihrem politischen Talent und Geschwafel sich selbst überlassen waren, wurde diese bürokratisierte und verzankte Bruchbude erschaffen, die gegenwärtig ihrer wirtschaftlichen Agonie und der konzentrierten Attacke der wilden Paupers auf die Restguthaben, die weißen Schlampen und die Ungläubigkeit ausgeliefert ist. Nachdem Europa sich in den zwei Weltkriegen als Abbruchunternehmen qualifiziert und anschließend von seiner erwachsenen Tochter United als Reha-Station künstlich hat reanimieren lassen, kommt der unwiderstehliche Sterbewunsch wieder empor. Man hat die Bahn mit beispiellosen Kulturleistungen durchlaufen, ist steril und einfallslos geworden, blickt tränend auf die Erbschaft der Titanenzeit zurück, ist nur noch müde und permissiv und möchte es nun endlich hinter sich gebracht haben. Alles in allem ein grundnormaler Vorgang von Werden und Vergehen."