Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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25. Oktober 2017


Ein vorerst letztes Wort zu Sibylle Berg. Selbstredend hat Ellen Kositza recht, wenn sie das Personal der düsteren, nihilistischen Romane der Schriftstellerin mit den Worten beschreibt: "Der Mensch ist bei Berg eine lächerliche, nichtswürdige Kreatur (...) Er hechelt nach Liebe, durchaus in echter Sehnsucht, er verfehlt sie zuverlässig. Aus allen Bergwerken spricht eine schier unerschütterliche Menschenfeindschaft, oder freundlich gesagt, eine spröde Melancholie, die nach einem Hoffnungsflämmchen schielt, das vielleicht noch glüht, aber meist nur eine matte Illusion ist. (...) In Bergs Romanen leidet genau jener Menschenschlag, als dessen Personifizierung man sich beispielsweise die linke SpOn-Kolumnistin Sibylle Berg vorstellen mag. Kinderlose, bittere Halbalte, deren verknöchertes, mediokres Dasein ein Warten auf den Tod ist."

Dieser Menschenschlag hat sich in den vergangenen Jahrzehnten hierzulande vor allem im Kulturbetrieb breitgemacht, und die hässlichen Folgen lassen sich in den Theatern und Vernissagen besichtigen. Politisch und intellektuell agiert der besagte Typus gemeinhin als ein Fernstenliebe simulierender, den Nächsten, sofern es sich um den Landsmann handelt, eher verachtender, an Traditionen und ihrer Weitergabe naturgemäß desinteressierter, sein eigenes Aussterben als das Ende aller Dinge begreifender, sich in lichten Momenten zutiefst selbst hassender, aber durch und durch egozentrischer, egoistischer, glücksgeiler letzter Mensch. Was, um auf Frau Berg zurückzukommen, nichts über die Qualität ihrer Prosa sagt, die ich, der ich mir in Sachen Misanthropie von niemandem und erst recht von keinem Mädchen etwas vormachen lasse, wie gesagt durchaus schätze. Kant, Nietzsche, Kierkegaard, Kafka oder Proust hatten auch keine Kinder (aber Céline, das größte Ekel von allen, immerhin eine Tochter), womit ich keineswegs Frau Berg ein Pedigree andichten will, das nicht ihres ist, sondern nur auf die anderen Gesetze verweisen will, welche in der Sphäre der Künste gelten.


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"Denke ich an die Begierde, Etwas zu thun, wie sie die Millionen junger Europäer fortwährend kitzelt und stachelt, welche alle die Langeweile und sich selber nicht ertragen können, – so begreife ich, dass in ihnen eine Begierde, Etwas zu leiden, sein muss, um aus ihrem Leiden einen probablen Grund zum Thun, zur That herzunehmen. Noth ist nöthig! Daher das Geschrei der Politiker, daher die vielen falschen, erdichteten, übertriebenen 'Nothstände' aller möglichen Classen und die blinde Bereitwilligkeit, an sie zu glauben. Diese junge Welt verlangt, von Aussen her solle – nicht etwa das Glück – sondern das Unglück kommen oder sichtbar werden; und ihre Phantasie ist schon voraus geschäftig, ein Ungeheuer daraus zu formen, damit sie nachher mit einem Ungeheuer kämpfen könne. Fühlten diese Nothsüchtigen in sich die Kraft, von Innen her sich selber wohlzuthun, sich selber Etwas anzuthun, so würden sie auch verstehen, von Innen her sich eine eigene, selbsteigene Noth zu schaffen. Ihre Erfindungen könnten dann feiner sein und ihre Befriedigungen könnten wie gute Musik klingen: während sie jetzt die Welt mit ihrem Nothgeschrei und folglich gar zu oft erst mit dem Nothgefühle anfüllen! Sie verstehen mit sich Nichts anzufangen – und so malen sie das Unglück Anderer an die Wand: sie haben immer Andere nöthig! Und immer wieder andere Andere!"
Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft, Erstes Buch, 56


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Eine Landtagsabgeordnete der AfD reagiert entrüstet auf die Nachricht, dass sich der Betreiber einer großen Stuttgarter LED-Werbefläche nach den üblichen Boykottdrohungen und anderen sozialen Erpressungsmaßnahmen zum Einknicken gezwungen sieht und keine AfD-Spots mehr sendet. "Mach dir doch nichts daraus", beruhigt sie ein Mitarbeiter. "Wer hat behauptet, dass es einfach würde? Wenn es einfach wäre, stünde doch FDP drauf."    


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Gelegentlich gestatte ich mir, auf diesen Seiten ein kleines, ganz willkürlich arrangiertes Potpourri willkommenskultureller Hobelspäne zu versammeln. Den aktuellen Anlass verschafft mir der schreckliche Victor Orbán, der allen Ernstes Osteuropa zur "migrantenfreien Zone" erklärt hat. Sollen die mausgrauen Ungarn doch an der Peripherie der Weltoffenheit, Buntheit und weltoffenen bunten Vielfalt "in Inzucht degenerieren" (W. Schäuble)! Was sie verpassen, wird dankenswerterweise in der deutschen Presse gelegentlich und in aller gebotenen Sachlichkeit zumindest dem deutsch sprechenden Osteuropäer vors neidische Auge gestellt:

"Bottrop: Joggerin im Stadtpark von jungen Männern schwer verletzt" (hier);
"Hamburg: Zweijähriger die Kehle durchgeschnitten; Vater auf der Flucht vor der Polizei" (hier);
"Messerstechereien in Düsseldorf: Ein junger Mann wollte einen Streit schlichten und wurde niedergestochen. In einem anderen Fall attackierten mehrere Männer zwei Passanten mit Messer und Schlagstock" (hier);
"Am Stern in Kassel: Schon 57 Razzien und 58 Festnahmen seit Juni" (hier);
"Wilde Schießerei am Dammtor in Hamburg; Polizei sucht Zeugen" (und wird wohl keine finden, hier);
"Zwei Tote und mehrere Verletzte bei Messerstechereien – Blutiger Samstag in NRW!" (hier);
"Syrer (17) erstickte Gerda K. (†82) mit Tüte. Kommt Cottbuser Oma-Killer mit milder Strafe davon?" (hier);
"Nach einer Messerattacke auf einen 23-Jährigen in Hamburg-Ottensen sucht die Polizei Zeugen". Ein "zufälliger Blickkontakt" hatte den Streit ausgelöst (hier);
"Köln: Ebertplatz wird zur No-Go-Zone – und die Polizei ist machtlos" (hier; der achtbare Hadmut Danisch schlägt vor, den Ebertplatz in "Angela-Merkel-Platz" umzubenennen, vielleicht hülfe es ja);
"Bei einem Streit ist ein 19 Jahre alter Mann in Berlin-Tiergarten getötet worden. Ein 27-jähriger Mann wurde bei der Auseinandersetzung in der Nacht zum Mittwoch schwer verletzt und ins Krankenhaus gebracht (...) Die beiden Männer sollen mit 'kleinen spitzen Gegenständen' angegriffen worden sein (hier);
"Nigerianer erstach Flüchtlingshelferin – Steuerzahler müssen bluten" (hier);
Ignorieren wir auch die kleinen Gesten nicht: "Mann spuckt Frau ins Gesicht, weil sie nicht flirten will", die dumme Nuss (hier).

Eine kleine Zusammenfassung der Lage gibt der s
tellvertretender Bundesvorsitzende der Polizeigewerkschaft DPolG: "Was jetzt eingetreten ist, übersteigt die bisherige Vorstellungskraft" (hier).

"Dass etwas die Vorstellungskraft übersteigt, das gab's früher auch schon" (so oder so ähnlich A. Merkel).  

Nein diese Ungarn! Sie haben einfach einen Knall!


PS: Zahlreiche Leser machen mich darauf aufmerksam, dass die Einschätzung des DPolG-Vizes aus dem Jahr 2015 stammt. Ja und? Hat sich etwas geändert?

PPS: Leserin *** moniert: "In Ihren Auflistungen von Gewalttaten stehen regelmäßig Fälle, in denen die Opfer selber Einwanderer sind. Sie suggerieren aber, diese Taten geschähen zu Lasten der Deutschen."

Nun, geschätzte Frau ***, wer muss nach den Massenschlägereien aufräumen? Wer zahlt für die Schäden, Polizeieinsätze, Notarztbehandlungen, Krankenhausaufenthalte, JVA-Gastspiele und neuen Gebisse?    


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Die Propaganda höret nimmer auf. Jeden Tag passiere ich in Stuttgart zuerst die Oper und dann dieses Plakat, das auf eine aktuelle Inszenierung hinweist:



Ich kenne leider kein zentralafrikanisches Märchen, habe jedoch ein Empfinden für die Mischung aus Lächerlichkeit, Anmaßung und Vordrängelei, die darin bestünde, wenn weiße Figuren dort in die Titelrollen einrückten. Ob ausgleichshalber auch die Hexe schwarz ist?