Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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12. Oktober 2017


Erst wenn die Propaganda bis in die Kapillaren der Öffentlichkeit dringt, darf sie als perfekt gelten. Ein Leser macht mich auf ein Exempel aufmerksam, das wohl sogar dem Schleppfuß ein bewunderndes Auflachen entlockt hätte. Im TV-Dreiteiler „Maximilian“, einer deutsch-österreichischen Koproduktion unter der Regie von Andreas Prochaska (2017), die zuerst im ORF und dieser Tage auch im ZDF lief, gibt es eine Szene, in der Maria von Burgund, die Tochter Karls des Kühnen und spätere kurzzeitige Braut des noch späteren Kaisers Maximilian I., an der Seite von Guy de Brimeu, Statthalter Karls in den niederländischen Gebieten der Burgunder, durch eine Halle mit erschöpft und apathisch auf dem Boden sitzenden Menschen läuft. Wir schreiben, wenn ich recht im Bilde bin, das Jahr 1476, die Truppen Ludwigs XI. ziehen plündernd durch Karls Reich, die Franzosen haben Städte wie Arras und Cambrai erobert, und die von dort Vertriebenen strömen unter anderem nach Gent, wo die Szene spielt. Es entspinnt sich folgender Dialog:

Guy de Brimeu: Tausende sind geflüchtet, und täglich kommen mehr. Sie haben nichts. Nur die Hoffnung, dass es hier besser ist.
Maria von Burgund: Nächstenliebe zu üben ist unsere Pflicht.
Guy de Brimeu: Aber wer bezahlt das? Die Verpflegung, Kleidung und Unterkunft?
Maria von Burgund: Alle, denen es besser geht.
Guy de Brimeu: Eure Untertanen werden unruhig. Die Bürger wollen keine Fremden.
Maria von Burgund (nach einer längeren Pause): Wir schaffen das!

(hier ab Minute 44:12)

Es fehlt nur: "Sonst ist das nicht mehr mein Burgund." Und Guy de Brimeu hätte durchaus sagen können: "Die Bügerinnen und Bürger wollen keine Fremden." Aber sonst: Chapeau!