Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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10. Oktober 2017


Durch den täglichen Mediengebrauch stimmen sich menschliche Kollektive auf ein gemeinsames Empfinden ein, ungefähr wie ein Bienenschwarm sich summend auf einen gemeinsamen Ton einschwingt.

Wenn ich frühmorgens in den ICE steige, sehe ich viele Gesichter hinter Zeitungen verschwinden oder in Händis starren. Morgens ist der Geist noch rein von der Nacht, jungfräulich wie frischgefallener Schnee, und sie haben nichts Eiligeres zu tun, als sich die Alltagsspuren hineintrampeln zu lassen, als den Nachrichtenkehricht des Vortags einzusammeln.

Aber morgens liest man doch Gedichte!

Demain, dès l’aube, à l’heure où blanchit la campagne,
Je partirai. Vois-tu, je sais que tu m’attends.
J’irai par la forêt, j’irai par la montagne.
Je ne puis demeurer loin de toi plus longtemps.

Je marcherai les yeux fixés sur mes pensées,
Sans rien voir au dehors, sans entendre aucun bruit,
Seul, inconnu, le dos courbé, les mains croisées,
Triste, et le jour pour moi sera comme la nuit.

Je ne regarderai ni l’or du soir qui tombe,
Ni les voiles au loin descendant vers Harfleur,
Et, quand j’arriverai, je mettrai sur ta tombe
Un bouquet de houx vert et de bruyère en fleur.

Morgen früh, wenn der Tag anbricht über den Feldern,
breche ich auf. Siehst du, ich weiß, dass du auf mich wartest.
Ich will durch den Wald, ich will über den Berg gehen,
ich kann nicht länger fern von dir sein.

Den Blick auf meine Gedanken gerichtet, will ich gehen,
ohne draußen etwas zu sehen, ohne irgendetwas zu hören,
alleine, unerkannt, die Hände auf dem gebeugten Rücken verschränkt
und traurig. Der Tag wird Nacht für mich sein.

Ich werde das Gold des Abends, das herabsinkt,
nicht sehen, nicht die Segel, die heimkehren
nach Harfleur, und bin ich da, so lege ich einen Strauß
grüne Stechpalmen und blühendes Heidekraut auf dein Grab.

Victor Hugo

(Übersetzung: Jürgen von Stackelberg)

    
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„Den zu überzeugen, der eine eigene Meinung hat, ist leicht, aber niemand überzeugt den, der fremde Meinungen vertritt. Niemand besteht so hartnäckig auf seine Ansichten wie der, der nur Echo seiner Epoche ist.“

„Je wichtiger eine Sache ist, desto unwichtiger ist die Zahl ihrer Verteidiger. Um eine Nation zu verteidigen, ist ein Heer vonnöten, aber ein einziger Mensch genügt, um eine Idee zu verteidigen. Die säkulären Architrave ruhen auf einsamen Schultern.“

Nicolás Gómez Dávila


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Zur Diskriminierung zu erklären, was bloß Bevorzugung war, ist der ethische Krebs unserer Zeit.


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Die „von den Nazis zerstörte“ (Katrin Göring-Eckardt) Dresdner Frauenkirche ist von antifaschistischen Schöngeistern mit dem Schriftzug „Bomber Harris was here“ versehen worden. Ihre Enkel werden dereinst stolz schreiben: „Merkel was here.“


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„Auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren sich in diesem Jahr auch einige rechte bis rechtsextreme Verlage“, frohlockt der Börsenverein des deutschen Buchhandels in seinem Newsletter. Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis – Opernliebhaber unterdrücken jetzt bitte die Assoziation an den größten Bassisten aller Tonträgerzeiten – tat kund:

„Der Börsenverein tritt aktiv für die Meinungsfreiheit ein. Das bedeutet, dass wir Verlage oder einzelne Titel, die nicht gegen geltendes Recht verstoßen, nicht von der Frankfurter Buchmesse ausschließen. Allerdings bedeutet das nicht, dass wir das Gedankengut, das solche Verlage verbreiten, gutheißen. Wir treten für eine offene, vielfältige Gesellschaft ein, für Toleranz und Solidarität, gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Wir sehen uns daher in der Pflicht, uns aktiv mit der Präsenz dieser Verlage auseinanderzusetzen und für unsere Werte einzutreten.“

Damit nicht irgendwer bei der Vielfaltsvollstreckung aus der Reihe tanzt! – Wie aber setzen „wir“ das tolerante Nichtgutheißen aktiv in vielfaltsförderliche Taten um bzw. „uns“ mit der Präsenz unguten Gedankenguts auseinander? „Wir laden auch Sie dazu ein, die Begegnung mit den Verlagen nicht zu scheuen und für Ihre Meinungen und Werte einzutreten. Meinungsfreiheit heißt auch Haltung zu zeigen. Engagieren Sie sich!“

Und wo soll sich der Bevölkerungszorn so spontan wie ungescheut regen? „Drei dezidiert rechte Verlage werden mit einem eigenen Stand vertreten sein: Antaios (Halle 3.1, Stand G 82), Manuscriptum (Halle 4.1, Stand E 46) und die Junge Freiheit (Halle 4.1, A 75).“ Drei von siebentausend, so hat es auch damals angefangen, und am Ende lagen John Schehr und Genossen mit Nahschüssen im Genick im Wald! Wehret den Anfängen! Warum der momentane Toleranzschrifttumskammerpräsident aber erst in diesem Jahr dazu animiert, Haltung zu zeigen und auf bzw. für Meinungsfreiheit einzutreten, wo doch zumindest zwei der drei dem Engagement anheimgestellten Verlage schon seit vielen Jahren in Frankfurt auf Rattenfang gehen, das hängt wahrscheinlich mit der Weckung neronischer Instinkte durch das totale Willkommen zusammen, das „wir“, wenn nötig, totaler und radikaler wollen, als wir es uns heute überhaupt erst vorstellen können.

Was mich betrifft, so bin ich gehalten, darauf hinzuweisen, dass ich mich am Samstag von ca. 12 bis ca. 13 Uhr am Manuscriptum-Stand aktiv mit der Präsenz dieses Verlages auseinandersetzen und womöglich sogar ein paar meiner einfältigen Bücher signieren werde.

Nun Leservolk steh auf, nun Engagiertensturm brich los!