Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

Artikelsuche

Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


...mehr

 

 

5. Oktober 2017


"Der Reaktionär hat Gegenstände der Bewunderung, keine Modelle."
Nicolás Gómez Dávila


                                ***


Bei all dem so fundamentalistischen wie futterneidischen Geplärr über den Bundestagseinzug derer, deren Namen nicht genannt sein sollen, aber ständig werden, möchten wir doch, denn wo bliebe sonst das Positive, Genosse?, ebenjenes nicht aus dem Blick verlieren. Man wird sich, sofern man nichts Gescheiteres zu tun hat, fürderhin die eine oder andere Parlamentsdebatte wieder anschauen können, und zwar mit der Gewissheit, dass tatsächlich eine stattfindet. Wer an so etwas glaubt, darf das getrost "ein Fest der Demokratie" nennen (mit dieser Floskel feierte bekanntlich SPD-Oppermann die Wahl seines Genossen Steinmeier zum Bundespräsidenten mit sage und speie 931 Stimmen).  

Auch der feuchte Bessermenschentagtraum, die Rechtspopulisten möchten sich nach dem Fraktionsaustritt von Frau Petry spalten und sich schließlich zerlegen, handelt von einer parlamentarischen Normalität, ja Wünschbarkeit. Erinnern wir uns nur an Winston Churchill, der am 31. Mai 1904 seinen Sitz bei den Tories verließ und zu den Whigs wechselte. Sollen sich die Parteien doch spalten! Und vor allem streiten! Soll dieser korrumpierte, entmündigte, opportunistische, feige und vor allem stinklangweilige Bundestag mal wieder ein pluralistisches Hauen und Stechen veranstalten und nebenher ein bisschen Unterhaltung bieten! Es lebe die Knesset!

Auf den Konsens mögen Barbarenstämme kurz vor ihrem nächsten Raubzug oder ihrer nächsten Menschenopferung große Stücke halten, den Zivilisierten schaudert’s bei diesem Wort.


                               ***


"Echtes Mittelmaß ist ohne Konkurrenz."
Jürgen Große


                              ***


Es schlägt die Stunde der Selbstbloßsteller: Ein Zeit online-Interview mit einem sog. Medienwissenschaftler hebt an mit der Frage: "Die Presse in Deutschland hat sich vor der Bundestagswahl intensiv mit der AfD auseinandergesetzt, um die Rechtspopulisten zu entlarven und ihren Einzug in den Bundestag zu verhindern. Am Ende hat die AfD hat knapp 13 Prozent der Stimmen bekommen, mehr als befürchtet. Nun sagen Politiker und Medienexperten, die Berichterstattung sei nutzlos, vielleicht sogar kontraproduktiv gewesen und habe der AfD womöglich sogar geholfen. Haben Sie einen ähnlichen Eindruck?"

Aufgemerkt denn also, wie Professor Raat, genannt Unrat, gern ausrief: Die Presse hierzulande betrachtet es als ihre Aufgabe, nicht über eine Partei zu berichten, sondern sie zu entlarven und ihren Einzug in den Bundestag zu verhindern; man prognostiziert dort nicht, sondern befürchtet Wahlergebnisse, und man fragt am Ende konsterniert, ob die eigene Berichterstattung nutzlos oder kontraproduktiv gewesen sei, freilich nicht gemessen an der verkauften Auflage, sondern am Wahlergebnis. Ein umfassender Offenbarungseid, komprimiert in einer einzigen Frage (hier).

Was die Antwort betrifft: Ich zumindest habe einen ähnlichen Eindruck.


                               *** 


Woher dieser "Rechtsruck der Wähler" rühre, wird die Grünen-Chefin Simone Peter im Interview gefragt. "Das hat mehrere Ursachen, soziale wie kulturelle", lässt sich die symphatisch-schlaue Blondine mit der Auskunft nicht lumpen. "Eine davon ist die Erosion der Mittelschicht, verbunden mit sozialem Abstieg und Abstiegsängsten, eine andere die unkritische und unreflektierte Übernahme und Weitergabe von Bedrohungsrhetorik im Flüchtlingskontext. Das schürt Menschenfeindlichkeit."

Klar. Aber ob man die wirklich noch schüren muss? Ob nicht längst genug davon eingewandert ist?

"Männergruppe zieht prügelnd durch Düsseldorf. Mehrere Männer sollen an verschiedenen Bahnhöfen in Düsseldorf Menschen angegriffen haben. Eines der Opfer erlitt lebensbedrohliche Verletzungen" (hier).

"Der 21-jährige Gütersloher wollte wohl zwei junge Frauen beschützen. Eine Gruppe von Männern hatte die beiden beleidigt. Nach ein paar Worten entwickelte sich eine Schlägerei mit bis zu 20 Beteiligten – einer zog ein Messer und stach auf den Gütersloher ein" (hier).

"Etwa 20 Angreifer haben einen Mann in Bühl (Kreis Rastatt) mit Elektroschockern und Stöcken angegriffen. Dem Angegriffenen sei es zunächst gelungen zu flüchten, allerdings hätten ihn die Angreifer sowohl zu Fuß als auch mit einem Auto verfolgt, teilte die Polizei am Montag mit. Er sei vom Auto erfasst und anschließend erneut vom Mob verprügelt und dabei verletzt worden" (hier).

"Ein 30-jähriger Mann aus Wittenberg ist nach einer Schlägerei an seinen Verletzungen gestorben. Das Opfer war am Freitagnachmittag mit seiner 24 Jahre alten Begleiterin in Wittenberg unterwegs. Auf dem Arsenalplatz sei das Paar aus einer Gruppe heraus angepöbelt worden. Dabei kam es zu einer Schlägerei zwischen dem 30-Jährigen und einem anderen Mann. Der Wittenberger bekam Schläge ins Gesicht und stürzte auf den Hinterkopf. Er starb in der Nacht zum Samstag im Krankenhaus. Ein 17-jähriger Verdächtiger sowie weitere Personen waren vom Tatort geflüchtet, konnten aber später von Polizeibeamten gestellt werden" (hier).

Pikant zum ersten: "Gegen den 17-Jährigen wurde kein Haftbefehl erlassen. Nach Polizeiangaben besteht weder Fluchtverdacht noch Wiederholungsgefahr." Logisch – der Wittenberger ist ja tot.
Pikant zum zweiten: Nach neuerer Darstellung soll der mutmaßliche Täter in "Notwehr" gehandelt haben. Der MDR behauptet, das Opfer habe "ausländerfeindliche Beschimpfungen" ausgestoßen. Wie wahrscheinlich ist es, dass ein einzelner, noch dazu in weiblicher Begleitung, eine Gruppe angreift? Sehr! Hat die Wehrmacht schließlich auch dauernd gemacht.
Interessante Ausführungen zu diesem Fall ("Dennoch glaube ich kein Wort davon, zumal in der gleichen Nacht ein 63-jähriger Einheimischer von zwei Syrern angegriffen und schwer verletzt wurde") finden Sie hier.

Der Vollständigkeit halber auch ein Abstecher zu denjenigen, die noch an ihrer Menschenfeindlichkeit arbeiten: "Kinder des Salafismus. Fälle radikalisierter Grundschüler häufen sich" (hier).

Und weil ich ein Freund des schwarzen Humors bin, noch dieses Beispiel von nicht unbedingt Menschenfeindlichkeit, sondern eher überbordender Zuneigung: "Sexueller Übergriff auf 25jährige im Chemnitzer Zentrum. Eine junge Frau ist auf dem Nachhauseweg in der Morgendämmerung Opfer zweier Männer geworden" (hier). Die Tat geschah "im Park der Opfer des Faschimus". Demnächst im "Park der Opfer der Willkommenskultur"? Ist aber alles bloß "Weitergabe von Bedrohungsrhetorik im Flüchtlingskontext". 


                                 ***


"Die Geschichte des deutschen Staates wimmelt nur so von unglaublichen Wendungen, von Imaginationen, die mit der deutschen Nation durchgehen und sie zu irrationalem Verhalten verleiten. Wer sich das nicht vorstellen kann, lege sich ins Schwimmbad oder setze sich in den Stadtpark und lese sich dort in die staatsrechtlichen Debatten der fünfziger Jahre ein. Was sich vor seinen Augen abspielt, illegale Einwanderer, die in ihrer steuerfinanzierten Freizeit junge Mädchen belästigen oder mit Drogen handeln, wo eigentlich unsere Kinder spielen sollten – das ist die Realität des Sozialstaates, einer Imagination, die in den fünfziger Jahren Wohlstand und Befreiung für die Arbeiter zu bringen versprach."
Dimitrios Kisoudis, "Was nun? Vom Sozialstaat zum Ordnungsstaat", S. 24