Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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30. September 2017


Bekanntlich sitzen im deutschen Bundestag seit jeher viele Beamte, Juristen und Lehrer (Überschneidungen zwischen den ersten beiden Gruppen sind wahrscheinlich), aber wegen der Apparatschikisierung der deutschen Politik gibt es immer weniger Abgeordnete, die in ihren Beruf zurückkehren können, weil sie entweder, wie der eine oder andere Grüne, keinen gelernt oder, weit wahrscheinlicher, den gelernten bzw. studierten Beruf nie ausgeübt haben. Die Anzahl reiner Parteikarrieren nimmt ständig zu, was den Opportunismus und die Korrumpierbarkeit der Abgeordneten erhöht und sogar erklärt.

So hat zum Beispiel der womöglich viel zu spät abgeschaltete Justizminister H. Maas nicht einen Tag seines mitreißenden Lebens wirklich als Jurist gearbeitet, sondern eine reine Parteikarriere hingelegt, für die er, den Nachgeborenen zur Mahnung und Erbauung, mit seiner grundgesetzwidrigen Einführung von Zensurmaßnahmen, aber auch mit regelmäßigen ideologischen Bekenntnissen zum Kampf gegen ganze Bevölkerungsgruppen seinen Genossen hinreichend Dank abstattete.

Ich habe mir nun einmal die geringe Mühe gemacht, die künftigen AfD-Bundestagsabgeordneten anhand ihrer Berufe zu katalogisieren.

Es sind: neun Anwälte; sieben Unternehmer; jeweils fünf Unternehmensberater und Juristen; jeweils vier Ingenieure, Informatiker und Betriebs- bzw. Volkswirte; jeweils drei Kaufleute und Berufssoldaten; jeweils zwei Ärzte, Lehrer, Staatsanwälte, Richter, Polizeibeamte, Leitende Angestellte, Journalisten, Berater und Studenten. Jeweils einmal tauchen folgende Berufe auf: Immobilienverwalter, Polizeiausbilder, Pilot, Ökonom, Immobilienentwickler, Wirtschaftsmathematiker, Mechatroniker, Wirtschaftsprofessor, Social Media Managerin, Philosoph, Schuldirektorin, Studiendirektor, Geologe, Versicherungsmanager, Versicherungsmakler, Angestellter, Kauffrau, Verwaltungswirtin, Bestatter, Stadtkämmerer, Informationskaufmann, Physiker, Steuerberater, Prof. für Glastechnik, Politikwissenschaftler, Kommunikationswirtin, Verwaltungsbeamter, Finanzbuchhalter, Medizintechniker, Vermögensberater und Chemiker (eine Chemikerin wäre auch noch dabei gewesen, aber die hat sich anders entschieden).

Selbstverständlich vermag ich nicht zu nicht beurteilen, auf welchem Niveau die Damen und Herren ihre Tätigkeiten ausübten, doch es besteht die begründete Hoffung, dass mit der neuen Opposition durch Menschen, die bis eben noch in der Wirklichkeit gelebt haben, ein frischer Wind aus wirklicher Praxisnähe und unkorrumpiertem Sachverstand durch das höchste deutsche Parlament weht.


PS: Der Spiegel schreibt, dass die AfD sogar mit 19 Unternehmern in den Bundestag einzieht, was bedeuten dürfte, dass zwölf Abgeordnete, die in meiner Aufstellung unter ihre Berufe fallen, selbständig sein müssen. Desto besser!

                               ***


Der Leser hat das Wort.

1.
"Zu Beginn der Jagdsaison (proklamiert von Gauland am 24. September 2017) überstürzen sich die Fake-News:
– 527 Spontanaustritte von Jagdgenossinnen und Jagdgenossen aus Jagdgenossenschaften.
– In modernen "Freischütz"-Aufführungen tragen künftig die Jäger blaue Anzüge, Kaspar wird zum Märtyrer im Kampf gegen die Jäger, und Agathe wird am Ende von Blondi wachgeleckt. Ach so, und Max trägt eine Höcke-Silikonmaske.
– Rudi & Ralph ('Jägermeister') warnen ihre lebenden MithirschInnen: 'Das Motto der nächsten Treibjagd im wilden Osten lautet: Macht mir den rechten Flügel stark!'
– Rudi & Ralph outen endlich ihre Mörder: 'Beim Liebesspiel haben uns homophobe AfD-Jäger ermordet.' Kritische Nachfrager ('Sind Rudi & Ralph nicht schon seit vielen Jahren tot?') versuchen zum Glück vergeblich, die Aufmerksamkeit von der homophoben Einstellung vieler AfDler abzulenken.
– Frauke Petry boykottiert die Jagd: 'Jäger werden mit der Farbe Grün assoziiert.' Der Süddeutsche Beobachter titelt: 'Petry jagt nur noch an der Grenze'.
– Die 'Toten Hosen' lehnen ungefragt ein Engagement Gaulands in einer Neuversion ihres Musikvideos 'Zehn kleine Jägermeister' ab.
– Ernst-Jünger-Spezialist Martin Schulz ('Projekt 25 minus x') warnt: 'Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Jäger Gauland Oberförster wird!'"

2.
In meiner Auflistung spezifisch deutscher Nichtsymptome (Morbus Özoguz), rügt Leser ***, habe ich leider vergessen, der Leserschaft zu empfehlen, weitere Beispiele zu bilden. *** schlägt u.a. vor:

"Ein spezifisch deutsches Christentum ist für mich nicht erkennbar." (Heinrich Bedford-Strohm)
"Ein spezifisch deutsches Sicherheitsinteresse ist für mich nicht erkennbar." (Thomas de Maizière)
"Eine spezifisch deutsche Grammatik ist für mich nicht erkennbar." (Angela Merkel)

3.
"Ich kann die Herabwürdigung von Viscontis Verfilmung des 'Gattopardo' nicht unwidersprochen stehen lassen, zumal nicht den wunderlichen Vergleich mit einem perfekten Ignoranten wie Kubrik", stimmt Leserin*** in einen inzwischen veritablen Kritikerchor ein. "Nur gegenüber der herrlichen Figur der Gattopardina Concetta ist der Film nicht gut umgegangen, für die hätte man eine Aristokratin wie Alida Valli nehmen sollen."

Sie sehen, geneigter Leser, dass in meinem kleinen Eckladen nicht nur religiöse Toleranz bis zum Äußersten herrscht, sondern sogar Gotteslästerung erlaubt ist. Vielleicht ist Kubrick nichts für Mädchen, aber ich werde mich hüten, mit einer Dame darüber zu streiten. Gleichwohl zeugt der Besetzungsvorschlag von delikatem Geschmack und einer tiefen Einsicht nicht nur in Lampedusas Welt, sondern vor allem in die primitive Manns- und problematische Weibspsyche (natürlich hätte sich Tancredi trotzdem für die gesündere, unkompliziertere, Offizierscasino-tauglichere, "hernehmbarere" Maid entschieden). Weshalb die Monatsendfigur feststeht.





                              ***

Der besagte Eckladen "brummt" weiter, Ende dieses Monat sind bereits fünf Millionen Seitenaufrufe erreicht (im Vorjahr waren es insgesamt 5.258.000; während 2015 knapp zwei Millionen und 2014 1.025.000 Seiten angeklickt wurden). Nachdem die bürgerlichste aller deutschen Alternativen, Herr Marcus Pretzell aus angeblich Bochum, die Öffentlichkeit über meine schwer zu stillende Geldgier in Kenntnis gesetzt hat, wird sich niemand wundern, dass hier schon wieder die Kollekte umgeht; all jene, die sich bereits, wie man sagt, erkenntlich zeigten, mögen diese nahezu klerikalfaschistische Art der Bettelei bitte diskret übersehen.