Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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24. September 2017


Die heutige Presseschau in einem Satz: Die Herrschaften sind sauer, dass sich der Pöbel nicht devoter benimmt und gewählter ausdrückt, während er sich von ihnen abwendet.


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Aber: Auch die Wahlsonntage den Künsten!

Ein kanadischer "Künstler", melden diverse Medien, darunter die Welt, mit allem gebotenen Ernst, "protestiert mit einer besonderen Tankfüllung". Das – Protestieren nämlich – ist, wie jedes Kind weiß, des Gegenwartskünstlers ureigenste Aufgabe und edle Bestimmung. Und die Connoisseurs der modernen Kunst sowie des Regietheaters befinden sich sofort im Bilde, welche Flüssigkeiten zur Auswahl stehen. Der Rauminhalt des Tanks, der in einer New Yorker Galerie zu bewundern ist, schließt freilich populäre liquide Minderheiten wie Sperma oder Menstruationsblut aus. "Mehr als 750 Liter seines Urins" hat der "Transgender-Künstler" stattdessen gesammelt, und zwar "gut ein halbes Jahr lang". Respekt! In, sagen wir, 200 Tagen 750 Liter, das ergibt fast vier Liter pro Tag und liegt oberhalb des Oktoberfest-Durchschnitts. "Kunst kommt nicht von Können, sondern von Müssen", hat Arnold Schönberg statuiert, und wer wollte bestreiten, dass dem Müssen eine gewisse Regelmäßigkeit eingeprägt sein sollte?

Wofür aber hat der, die oder das brave Transgender so fleißig getrunken, gepullert und gehortet? Mit der "ungewöhnlichen Installation", erklärt die Welt, übt unser Männecken (?) Piss nichts weniger als Kritik. Woran? Am Blasen- oder Nierenstein? Am Zustand der öffentlichen Urinale in seinem Land? An der die Urologen-Mafia? An der Benachteiligung der Männer bei der Verteilung öffentlicher Gelder für geschlechtsspezifische Krebsvorsorge, sprich: Prostata-Krebs? Natürlich nicht, sondern, na an wem schon, an Donald Trump! Weil der schlimme Donald die von seinem Vorgänger Barack Obama eingeführte Regelung annulliert hat, dass Transgender-Menschen selber entscheiden dürfen, welche öffentlichen Toiletten und Umkleideräume sie benutzen. Unsensibel wie er nun mal ist, denkt sich der Trump, die Sache sei ganz einfach, nämlich wer einen Prügel, Pimmel oder Pisimann hat, verschafft sich seine Erleichterung dort, wo Jungs dransteht, wer indes eine Mimi sein oder eben doch besser ihr köstlich Eigen nennt, geht zu den Mädels. Dieser Präsident versteht nichts von den Nöten der ihm durch millionenfache Falsch- resp. Misswahl ausgelieferten Bevölkerung. Der Transgender-Künstler indes, nicht mehr wissend, wohin mit den Produkten seiner Notdurft, zog sie auf Flaschen. Er hegte seinen Harm im Harn, schlug den großen historischen Bogen von Marcel Duchamps Pissoir bis in die Gegenwart und schuf damit, Protest hin, Dachschaden her, ein Werk, das womöglich wie kein zweites stellvertretend für den geistigen Gehalt und die ästhetische Funktion der modernen Kunst steht (hier).