Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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18. September 2017


Der Diskriminiertenstatus ist der Ariernachweis von heute.


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Alle Jahre wieder ist zum Oktoberfest-Auftakt eine Lobpreisung des Dirndls fällig. Während manch angejahrter oder a priori schiefgewachsener Bube in seiner Tracht ein groteskes Bild abgibt, gewinnt nahezu jede Maid, die ins Dirndl schlüpft, an Reiz. Die Tracht besitzt übrigens stärkere Integrationskräfte als sämtliche staatliche Beauftragte für Integration zusammen. Jahrein jahraus nimmt, zumindest in meiner Wahrnehmung, die Zahl asiatischer, südeuropäischer und schwarzer Dirndlträgerinnen zu, und alle sehen fesch aus.

Binnen zweier Jahre hat sich das Oktoberfest in eine Art Gated Community verwandelt. Schon beim Trachtenumzug steht alle zwanzig Meter ein Polizist mit Blick in die speziell auf der Maximilianstraße nicht gerade dichten Zuschauerreihen; der Anschlag auf den Boston-Marathon hat gezeigt, dass ein Rucksack oder ein Papierkorb genügen, die Reihen noch stärker zu lichten. Die Wies’n selber ist erstaunlich leer und von einem Kordon aus Sicherheitskräften umgeben, die jeden kontrollieren, der hineinwill. Taschen in Größenordnungen oberhalb des Damenhandtäschchens sind verboten. Nachlassende Besucherzahlen und hohe Security-Kosten werden in den nächsten Jahren die Preise steigen lassen. Man wird wieder von Zelt zu Zelt spazieren und dort Platz finden können, wie es zur Zeit meiner ersten Wies’n 1992 noch normal war. Das nennt man wohl Kollateralnutzen. Ob das Gelände auch gegen Angriffe aus der Luft geschützt wird? 


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Der Pfarrer Friedrich Schorlemmer ist ein politischer Hochkaräter unter den hiesigen Protestonkels und -tanten. Er gehörte zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs "Für unser Land" vom 26. November 1989, in dem sich die Initiatoren gegen "eine Wiedervereinigung bzw. eine Konföderation mit der BRD" und für die Erhaltung einer eigenständigen DDR mit alkoholfreiem Schnapsausschank bzw. demokratischem Sozialismus "aussprachen" (Wikipedia) – solche Leute sprechen sich gern gegen irgendetwas aus oder rufen zu etwas auf –, so wie er sich später auch gegen eine "Ausgrenzung der PDS aussprach" (ebenda) und 1997 die "Erfurter Erklärung" unterzeichnete, die zu einem "breiten Bündnis" linker Parteien und Organisationen "aufrief" (a.a.O.).

Nun hat sich unser couragiertes Pfäfflein neuerlich ausgesprochen und zu etwas aufgerufen, und Sie ahnen gewiss, gegen wen es geht. Schorlemmer fordert die Parteien zu einem "informellen Zusammenstehen" gegen die AfD auf, bei dem aber kein "Kartellgedanke" entstehen dürfe. Es brauche "historisch kundige, rhetorisch begabte und verstehensbereite und klare Kante zeigende Demokraten im Bundestag", erklärte er. "Unsere Demokratie steht auf dem Prüfstand." Die AfD nutze den Frust vieler Wähler. Man dürfe diese deswegen aber nicht diffamieren, sondern müsse verstehen, warum sie so irrational reagierten, sagte Schorlemmer. Viele Versprechen seien nach der Wende nicht eingelöst worden. Und heute vergleiche man sich in Ostdeutschland nicht mit anderen ehemaligen Sowjetrepubliken, sondern mit Bayern und Baden-Württemberg.

Es ist schon drollig, wie unsere Kapaune sich verrenken. Dies informelle Zusammenstehen ist längst ein formelles Zusammenkleben geworden, ein Anti-AfD-Kartell, das den ehemaligen Zonendödel Schorlemmer an die Nationale Front der Blockparteien erinnern müsste, wenn er noch alle Altarkelche im Schrank hätte. Ein Cem Özdemir von den Grünen, die vielleicht bald eine nostalgische Erinnerung an den größten Ablasshandel nach Johann Tetzel sein werden, hat gerade erklärt, dass am nächsten Sonntag "Nazis" in den Bundestag einziehen werden und seine Zuhörer aufgefordert, "alles dafür zu tun, dass diese Brut in diesem Land nichts zu sagen hat". So klingt es denn, wenn die Menschenfreudschaft blank zieht, weil den Toleranten der Pöstchenverlust droht. Die Demokratie in Deutschland steht in der Tat auf dem "Prüfstand". In Ostdeutschland vergleicht "man" sich übrigens vor allem mit Duisburg, Essen, Dortmund oder Bremen und sagt sich: Solche Zustände wollen wir hier nicht. Deswegen werden immer mehr Bürger und auch Bürgerrechtler die AfD wählen, also Demokratie spielen, also nicht diejenigen im Amt bestätigen, deren Politik sie für falsch halten, weil sie die Folgen ausbaden müssen, also überaus rational reagieren. Eher irrational ist freilich Schorlemmers Suche nach "historisch kundigem" und "rhetorisch begabtem" Personal im Bundestag. Wie man an seiner delikaten Wortwahl bemerkt, ist es mit der rhetorischen Herrlichkeit aber auch auf deutschen Kanzeln offenbar nicht sonderlich weit her.


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Jemand sagte: "Also mir gefällt es, wie die Muslime ihre Frauen behandeln. Ich wähle auf keine Fall AfD. Ich finde es viel pikanter, das ganze Gleichstellungs- und Feminismus-Gedöns indirekt anzugreifen, indem ich SPD oder Grüne wähle."


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Eine Studentin der Kommunikationswissenschaften hat für ihre Arbeit zur Erlangung des Bachelor of Arts zum Thema "Islamdarstellung in der deutschen Presse aus dem Blickwinkel der Medienschaffenden" Fragebögen an Journalisten verschickt. Die Antworten wurden selbstverständlich anonymisiert wiedergegeben. Unter dem Alias-Großbuchstaben J irrlichtert eine lustige Person durch die Arbeit, deren Repliken zuweilen von jenen der anderen Befragten abweichen. Weshalb die Autorin schließlich den sachdienlichen Hinweis einfügt: "An dieser Stelle darf nicht unerwähnt bleiben, dass J nach der Aufgabe seiner leitenden Position beim Focus in eine Beratertätigkeit für eine Spitzenpolitikerin der AfD wechselte."

Durch Zufall befinden sich die Originalantworten von J in meinen Händen. Drei davon, die, sicherlich aus Platzgründen, in der Bachelor-Arbeit nicht zitiert werden konnten, erlaube ich mir, hier zu veröffentlichen.

Frage: Es gibt ja viele Gründe, Journalist zu werden. Warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?

Es gibt bzw. gab kaum eine Branche, wo man so wenig können muss und sich trotzdem so wichtig machen und so gut verdienen konnte. Gottlob: verdienen konnte. Das immerhin ist vorbei. 

Frage: Jeder Journalist hat ja ein bestimmtes Berufsverständnis (...). Sahen Sie es als Ihre Aufgabe an, sich für Minderheiten oder für Menschen, die sich nicht in den Medien artikulieren können, einzusetzen?

Ja. Speziell für die Leidtragenden des Kampfes "gegen rechts".

Frage: Was unterscheidet Berichterstattung über den Islam/Islamismus von politischer Berichterstattung allgemein bzw. zu anderen Themen?

Die Angst der Journalisten ist noch größer als üblich. Die andere Seite versteht es, plausibel zu drohen. Die Titanic konnte Jesus als Klopapierhalter abbilden; dieselbe Sache mit Mohammed, und der Redaktion drohte das Charlie Hebdo-Schicksal. Ende März 2016, wenige Tage nach den Mordanschlägen von Islamisten in Brüssel, in derselben Woche, da sich im pakistanische Lahore ein muslimischer Attentäter auf einem Spielplatz in die Luft sprengte und mehr als 70 Menschen tötete, in der Woche, in der Dschihadisten im Jemen einen katholischen Pfarrer kreuzigten und in welcher Unionsfraktionschef Volker Kauder endlich einmal anprangerte, dass die christliche Minderheit in Flüchtlingsunterkünften unter Attacken muslimischer Einwanderer zu leiden hat, in jener Woche erschien der Spiegel mit der Titelgeschichte "Der missbrauchte Glaube. Die gefährliche Rückkehr der Religionen". Nur dass auf dem Deckblatt des Magazins dem Leser als zentrales Element ein Kruzifix entgegendräute und Christus dort gleich zweimal zu sehen war – Mohammed indes natürlich nicht. Die Feigheit kriecht gewissermaßen unter den Redaktionstüren durch.


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Willkommensdankabstattung allerorten:

Münchner Studentin auf Weg zum Club vergewaltigt (hier); Joggerin am Simssee in Oberbayern vergewaltigt (hier); Zahl der Vergewaltigungen in Hamburg deutlich gestiegen (hier); fast 50 Pozent mehr Vergewaltigungen in Bayern (hier). Auf offener Straße ist in einem Vorort von München ein 16jähriges Mädchen von afghanischen Schutzsuchenden gruppenzwangsgemauselt worden (hier).

Was diese Afghanen in Deutschland zu suchen haben? Fragen Sie diejenigen Strategen, die Deutschlands Freiheit und Mülltrennung am Hindukusch verteidigen wollen, fragen Sie ihre amerikanischen Verbündeten, fragen Sie Peter Denis "undermine national homogeneity" Sutherland, den UN-Sonderberichterstatter für Migration, und die Völkercocktailfreaks aus den EU-Kommissariaten! Fragen Sie die grünrotschwarzen Menschengeschenkvorteilsnehmer, fragen Sie die Kanzlerin, Segen und Friede seien auf ihr (nicht Friede Springer). Und vor allem: Wählen Sie sie!