Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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16. September 2017


Alexander Wendt macht auf Fake News aus dem Munde unserer höchstdero Kanzlerin, also praktisch Premium-Fake-News, aufmerksam. Merkel hat neulich in der TV-"Bürgersprechstunde", deren Publikum und Fragestellerzirkel mindestens ebenso streng handverlesen waren wie bei einer TV-Runde mit Putin (hier), verkündet: "Strafdelikte sind bei uns nicht erlaubt. Und wer sie begeht, der muss unser Land verlassen, das haben wir gesetzlich so geregelt." (Oh dieses Deutsch, dieses gefinkelte, gemütsverrottete Deutsch!) Das ist gleich eine doppelte Lüge. Zum einen muss so gut wie niemand das Land verlassen, weil er eine Straftat begangen hat (und wer doch, kann ja jederzeit als Syrer zurückkommen), zum anderen hat Merkels Regierung überhaupt nichts geregelt, weil alles lange schon durch Paragraph 58a des Aufenthaltsgesetzes geregelt war. Nur: Paragraph 58a wird nicht angewandt. Weiter bei Wendt hier.



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"Als jemand der die USA im Falle Irak sogar, wenn auch in bescheidenem Rahmen, beraten durfte", nimmt Leser *** auf meine gestrigen Eintrag zum US-beförderten Dschihad Bezug, um ihm zu widersprechen, "kann ich versichern, dass es viel schlimmer ist als die meisten US-Hasser befürchten: Die USA handeln oft ohne klare, strategische Ziele – wie Rohstoffe – zu verfolgen, sondern viel öfter aus idealistischen, an die Legislaturperiode bzw. Präsidentenamtszeit gebundenen Überlegungen heraus. Was übrigens viel naiver und gefährlicher ist als die nüchterne Geopolitik und Rohstoffüberlegungen, die ihre Kritiker ihr andauernd unterstellen:

1. Die USA haben und hatten keine außenpolitische Kontinuität. Die beiden Hauptströmungen sind die Isolationisten und die Interventionisten, die sich immer wieder ablösen und folglich widersprüchliche Strategien verfolgen. Vor Trump war auch schon Obama von der Sinnhaftigkeit eines Rückzugs der USA als 'Weltpolizist' überzeugt. Dies hat IS erstarken lassen, den Nahen Osten destabilisiert und die Folgen nach Europa gespült. Das war keine Absicht, kein großer Plan, sondern ein Mangel an politischem Willen, ein Vorgeschmack auf eine Welt ohne die USA als Ordnungsmacht. Irak (2003-2011) war auch ein teurer Versuch der 'Demokratisierung' des Nahen Ostens nach dem Modell Deutschland und Japan 1945. Nur hatte man die kulturelle Distanz unterschätzt und vergessen, dass für eine 'Umerziehung' zunächst die gänzliche militärische Unterwerfung erforderlich ist. Da der Irak stärker 'befreit' als 'besiegt' wurde, im Gegensatz zu den beiden anderen Beispielen, war die Reaktion der Iraker eben eine andere. Der Irak, wie auch Afghanistan, hat lediglich die Fähigkeit und Bereitschaft der USA für weitere kostenintensive Abenteuer abgenutzt.

2. Das andauernde Scheitern der USA in ihrer Außenpolitik seit 1945, die Liste erstreckt sich über sieben Jahrzehnte und betrifft fünf Kontinente, zeugt doch eher nicht von einem 'Masterplan' oder 'imperialer' Kompetenz. Auch die USA reagieren oft nur auf Krisen, erzeugten sie jedoch nicht zwingend. Häufig machen die US-Kritiker hier den Fehler, eine Frage der Fakten in eine des Motivs zu verwandeln, weil dies das eigene Bedürfnis nach rationalen Erklärungen befriedigt. Unterm Strich haben die Amerikaner für ihre Interventionen nichts zu zeigen außer Staatsschulden.

3. Die USA machen den gleichen Fehler wie die Europäer, indem sie glauben, dass ihre Wertvorstellungen universal seien. So teilen westliche Länder z.B. die gewagte Annahme, dass Demokratie und Menschenrechte für alle Menschen das Allheilmittel ihrer Probleme sind. Die USA sind lediglich bereit gewesen, diese idealistische Fehlannahme, verstärkt durch eine gehörige Portion Sendungsbewusstsein ('American Exceptionalism'), notfalls auch militärisch durchzusetzen.

4. Der Niedergang der USA, was sich in einer isolationistischeren Außenpolitik zeigen wird, ist kein Grund zur Freude für USA-Kritiker. Denn die Verteidigungs- bzw. Sicherheitskosten werden jetzt selbst getragen werden müssen. Jeder der mal in Afghanistan war, kennt die beruhigende Wirkung der US Präsenz auf die Verbündeten. Man kann über die Präsenz westlicher Kräfte trefflich streiten. Doch wer holt auch beim nächsten Mal die deutschen Verwundeten aus dem Kampfgebiet, wenn die eigenen Heereshubschrauber mal wieder nicht fliegen (Kundus 2010) dürfen/können?

5. Die Befürworter einer globalen 'Multipolarität', die den Niedergang der USA und den gleichzeitigen Aufstieg von China oder Indien feiern, sollten bedenken, dass die Welt zum letzten Mal 1914 wirklich multipolar war. Multipolarität macht die Welt nicht stabiler, allem 'Augenhöhe'-Geschwätz zum Trotz. Es kann daher sein, dass wir uns bald die 90er zurück wünschen, weil die Zukunft viel berechenbarer war.

6. Die Rolle von Rohstoffen wird in der deutschen Betrachtung oft übertrieben, weil die Beobachter eine rationale Begründung für US-Intervention suchen. So wurde im Irak oft das 'Ölmotiv' bemüht, was auch jedem einleuchten würde, der die USA ohnehin als Imperium betrachtet. Nur dummerweise wird der Großteil des Öls durch chinesische Firmen kontrolliert und, angesichts der Billionen an Kriegs- bzw. Aufbaukosten, wäre es das teuerste Öl, das größte Minusgeschäft in der Geschichte von Imperien. Übrigens ist die NATO auch ein Minusgeschäft, weshalb man sich mit dem Gedanken anfreunden sollte, dass die USA sich als 'gütiger Hegemon' verstehen und nicht als Imperialmacht. In der Tat, welche andere Imperialmacht in der Geschichte der Menschheit würde horrende Mieten für seine weltweiten Marinestützpunkte zahlen und auf die viel verlässlicheren Instrumenten wie Annexion oder Kolonisierung verzichten?

7. Russland muss nicht unser Feind sein, einverstanden. Auch war die Ukrainekrise ein Ergebnis europäischer Überheblichkeit. Doch den Russen zu glauben, sie würden die Präsenz des westlichen Debattierclubs NATO fürchten, ist ebenso naiv. Tatsächlich würde Putin durch eine isolationistischere US-Außenpolitik noch auf ganz andere Gedanken kommen, wenn auch eine direkte Bedrohung Zentraleuropas aus demographischen und wirtschaftlichen Gründen ausfallen dürfte. Für ihn wären durchaus noch einige ungeklärte Fragen aus UdSSR-Zeiten interessant."


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Neid ist ein Gefühl, das mir nicht ganz fremd ist, ich hätte schon gern eine Privatinsel vor Amalfi wie Nurejew oder einen so prächtigen Bart wie Herib. Prantl, doch der echte, stechende Neid durchfuhr mich eben, als ich las, dass ein Asteroid nach Henryk M. Broder benannt ist. Neid! Neid! Neid! Aber immerhin ein Lebensziel.