Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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7. September 2017


Gestern gab es den AfD-"Wahlkampfhöhepunkt" im lauschigen Pforzheim, mit Alice Weidel, Alexander Gauland und der dem Merkel-Wahlverein spätentsprungenen Erika Steinbach als Hauptrednern. Ich muss den regelmäßigen Besuchern meines kleinen Eckladens nicht umständlich erklären, wie sehr mich Partei- und überhaupt Massenveranstaltungen betrüben; erwachsene Menschen, die "Martin! Martin! Martin!" oder "Höcke! Höcke! Höcke!" oder "De-De-Err! Un-ser-Va-ter-land!" skandieren, sind mir zutiefst fremd (sogar die Dortmunder Südtribüne mag ich nur aus der Ferne). Gleichwohl wurde ich Zeuge einer berichtenswürdigen, ja buchenswerten Veranstaltung, es war kein abgezirkelter Konformistenauflauf wie bei den Etablierten, sondern echtes Oppositionskino, samt der üblichen Gegendemonstranten (ich werde diesen Menschenschlag nie verstehen, habe die wirklich nichts Besseres zu tun?), wobei deren gemeldete Zahl wahrscheinlich unter Einbeziehung der Raucher von drinnen zustande kam. Der Andrang dort wiederum war so enorm, dass die – zuvor von einer Trennwand verdeckte – Empore den Besuchern geöffnet werden musste. Die Redner brachten den Saal, wie man sagt, zum Kochen – hätte ein Wahrheits- und Qualitätsjournalist die Formulierung nicht schon für einen Sarrazin-Auftritt verschlissen, "ein Hauch von Sportpalast" wäre diesmal fällig gewesen, wenngleich genau das Orchestrierte und Inszenierte fehlte und die Jubler von ihrer Teilnahme an der Veranstaltung draußen eher Nachteile als Vorteile zu gewärtigen haben –; es gab Begeisterungsbekundungen ohne Ende, Zwischenrufe, immer wieder Standing Ovations, ich sah Männer mit Tränen in den Augen, und obwohl sich die Veranstaltung über drei Stunden zog, verließ keiner den Saal. Ich habe den Eindruck, viele Westdeutsche erleben gerade ihr 1989. Die Parallelen sind ja unverkennbar (wobei immer noch die Ostdeutschen am verlässlichsten sind, etwa hier).

Ich hatte mich extra auf einen der Presseplätze gesetzt, weniger aus Nostalgie denn aus Neugier, wie man dort die Kirmes wahrnehmen werde. Es waren viele Journalisten und TV-Teams da, auch viele ausländische, und eines haben die meisten davon an diesem Abend, wie indigniert auch immer, begriffen: Das ist nicht mehr aufzuhalten und schlechtzuschreiben. Da ging mehr ab als bei den anderen Parteien. Das war echte Begeisterung, und das war auch nicht die Veranstaltung einer Truppe, die mit einem einstelligen Wahlergebnis in den Bundestag einziehen wird. Das kannst du politisch für grundverkehrt halten, aber es ist stinkt nicht nach Verrat und klebt nicht vor Heuchelei. Den besten Satz des Abends sprach Waldemar Birkle, Russlanddeutscher und Direktkandidat für den Wahlkreis Pforzheim: "Wenn Sie diese Regierung nicht austauschen, wird diese Regierung Sie austauschen."

Ich fragte eine noch recht junge, eifrig Mitschreiberin, für welches Medium sie denn arbeite. "Und Sie?", erkundigte sie sich, nachdem sie es mir verraten hatte. "Die Fackel, Wien", erwiderte ich. Ihre Miene blieb vollkommen unbewegt. Irgend so ein neues online-Magazin, mag sie gedacht haben. Oder sie war richtig cool und hat sich gedacht: Sie glauben doch nicht im Ernst, Sie komischer Vogel, dass ich mich von Ihnen hier hochnehmen lasse.


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Die EU hat entschieden: Ungarn und die anderen Osteuropäer sollen jetzt auch anfangen, ihre Bevölkerungen auszutauschen, und teilnehmen am "Völkersterben von seiner schönsten Seite", wie der aufgrund eines willkommenskulturellen Missverständnisses im Kerker von Recep dem Prächtigen schmachtende türkische Widerstandskämpfer Deniz Yüzel in ähnlichem Zusammenhang zu formulieren beliebte.


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Wenn das Haus Ihres Nachbarn von einer Flutkatastrophe zerstört wird und sie dem vom Schicksal Heimgesuchten ein Obdach geben, sind Sie ein guter Mensch. Wenn sie den Nachbarn dann noch längere Zeit beherbergen und versorgen, sind Sie ein sehr großzügiger Mensch. Wenn der Nachbar Ihr Haus nicht mehr verlassen will, nachdem die Flut vorüber ist, sondern weiter auf Ihre Kosten zu leben gedenkt, und Sie lassen sich das bieten, dann sind Sie ein fast krankhaft selbstloser Mensch. Wenn Sie ihn immer noch bewirten, nachdem er begonnen hat, sich in ihr Leben einzumischen, Ihre Sitten zu missachten oder zu verurteilen und von Ihnen verlangt, dass Sie alte Gewohnheiten aus Rücksicht auf ihn ablegen, gewisse Speisen nicht essen sollen, dann sind Sie vermutlich ein bisschen irre. Wenn Sie obendrein noch klaglos hinnehmen, dass er immer mehr Zimmer in Ihrem Haus für sich beansprucht und Sie aggressiv behandelt, weil Sie unrein sind und zum falschen Gott beten, brauchen Sie dringend Hilfe. Wenn Sie dennoch darauf bestehen, dass er bleibt, auch noch wenn er Ihrer Tochter an die Wäsche geht, im Keller Waffen zu horten beginnt und mit Gewalt droht, sollten Sie ihn nicht mit gleichen Rechten in Ihren Mietvertrag einsetzen, dann sind Sie komplett wahnsinnig, und Ihnen ist kaum mehr zu helfen.

Und wenn Ihnen die Hausverwaltung im Namen des Bürgermeisters erklärt, Ihr ehemaliger Nachbar und neuer Mitmieter verhalte sich völlig angemessen, er habe dasselbe Recht auf Ihr Haus wie Sie und jeder andere auch, und Ihre heilige Pflicht bestehe jetzt darin, die Renovierung seiner von der Flut beschädigten ehemaligen Bleibe zu bezahlen, dann leben Sie wahrscheinlich im besten Deutschland, das es je gab.