Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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16. August 2017


Nachdem das Genie der Sozialdemokratie, Ralf Stegner, klargestellt hat, dass Linke niemals Gewalt anwenden, verkündet nun eine der renommiertesten Bundestagsabgeordneten der Linken, Halina Wawzyniak, die SED sei eine rechte Partei gewesen. Per twitter stellte sie (in egalitärer Schreibweise, aber mit trennendem Faschistenpunkt) klar: "im kern war die sed eine rechte partei. autoritär, nationenbezogen, ausgrenzend von allem was nicht ‚normal’ war."

Demzufolge war die KPdSU ebenfalls eine rechte Partei, sämtliche kommunistischen Parteien des Ostblocks inclusive Rotchinas und Kubas waren rechte Organisationen. Die KPD? Rechts! Sogar PCF und KPI: rechts! Die ganze kommunistische Geschichte ("Selbstbestimmungsrecht der Völker"): rechts! Die von den Sowjets finanzierten "nationalen Befreiungsbewegungen" in Afrika? Rechts! Eine Linke gibt es strenggenommen erst, seit es die deutsche Linkspartei gibt, in der nun wirklich alles unterkommen kann, was nicht "normal" ist. Und nun freue dich, Berlin!


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Dass auch und vor allem Marx und Engels "rechts" gewesen sind, knallrechts sogar – ein Zitat genügt heutztage bekanntlich zur Überführung des Gesinnungsdelinquenten –, hat sich allmählich, aber noch nicht hinreichend herumgesprochen. Hören wir uns deshalb zwei ausgewählte Schweinereien an:

"Der jüdische Nigger Lassalle, der glücklicherweise Ende dieser Woche abreist, hat glücklich wieder 5000 Taler in einer falschen Spekulation verloren. Der Kerl würde eher das Geld in den Dreck werfen, als es einem 'Freunde' pumpen, selbst wenn ihm Zinsen und Kapital garantiert würden. Dabei geht er von der Ansicht aus, daß er als jüdischer Baron oder baronisierter (wahrscheinlich durch die Gräfin) Jude leben muß. (...) Der Kerl hat mir Zeit gekostet und, meinte das Vieh, da ich ja jetzt doch 'kein Geschäft' habe, sondern nur eine 'theoretische Arbeit' mache, könne ich ebensogut meine Zeit mit ihm totschlagen! Um gewisse dehors dem Burschen gegenüber aufrechtzuhalten, hatte meine Frau alles nicht Niet- und Nagelfeste ins Pfandhaus zu bringen! Wäre ich nicht in dieser scheußlichen Position und ärgerte mich nicht das Klopfen des Parvenu auf den Geldsack, so hätte er mich königlich amüsiert." 
Marx an Engels, 30. Juli 1862

"Die Päderasten fangen an sich zu zählen und finden, daß sie eine Macht im Staate bilden. Nur die Organisation fehlte, aber hiernach scheint sie bereits im Geheimen zu bestehen. Und da sie ja in allen alten und selbst neuen Parteien, von Rösing bis Schweitzer, so bedeutende Männer zählen, kann ihnen der Sieg nicht ausbleiben. ‚Guerre aux cons, paix aux trous-de-cul’, wird es jetzt heißen. Es ist nur ein Glück, dass wir persönlich zu alt sind, als dass wir noch beim Sieg dieser Partei fürchten müssten, den Siegern körperlich Tribut zahlen zu müssen. Aber die junge Generation! Übrigens auch nur in Deutschland möglich, dass so ein Bursche auftritt, die Schweinerei in eine Theorie umsetzt und einladet: introite usw. Leider hat er noch nicht die Courage, sich offen als das zu bekennen, und muß noch immer coram publico ‚von vorne’, wenn auch nicht ‚von vorne hinein’, wie er aus Versehen einmal sagt, operieren. Aber warte erst, bis das neue norddeutsche Strafgesetz die droits de cul anerkannt hat, da wird es ganz anders kommen. Uns armen Leuten von vorn, mit unserer kindischen Neigung für die Weiber, wird es dann schlecht genug gehen."
Engels an Marx, 22. Juni 1869

Inzwischen hat bekanntlich sogar der Bundestag die droits de cul anerkannt. Indigniert wenden wir uns von den Klassikern des Kommunismus ab (und wahrscheinlich vice versa).


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Die Presseschau.

In einem gewissen Sinne ist es logisch, dass die Thüringer Allgemeine die Meldung "Vergewaltigung auf Spielplatz in Sondershausen – 45-Jähriger festgenommen" unter "Vermischtes" rubriziert (hier), denn darum handelt es sich ja. Der syrische Schutzsuchende bzw. Geflüchtete, nun schon wieder kurzzeitig vor der Polizei Fliehende, strebte jene wünschenswerte Vermischung an, die aus Europa einen Kontinent der "Menschen hellbrauner Farbe" machen soll (wir reden selbstverständlich nur von der Hautfarbe), von der die wahren Visionäre tagträumen: "Wer sich gegen die Vermischung der Rassen sträubt, handelt unmoralisch und unzeitgemäss. Ich bin mir sicher, dass die ersten Menschen hellbrauner Farbe waren" (hier). Merke denn also: Vielfalt bedeutet, dass am Ende alle gleich sein sollen. Aber das predige ich ja seit Olims Zeiten.

Wer kegeln will, muss aufsetzen; wo aber gehobelt wird, da fallen Späne. Schief ging es mit der Vermischung leider auch hier: "Prozess um Mord an Flüchtlingshelferin. Mörder stach 22mal zu". Zuvor war es immerhin "zu einer sexuellen Beziehung" gekommen, "die Soopika P. jedoch schnell beendete. Damit wollte sich der Nigerianer laut Anklage nicht abfinden. Er konnte die Vorstellung nicht ertragen, dass sie sich einem anderen Mann zuwenden könnte."

Andere Länder, andere Sitten. Diese Vermischungserfahrung machte auch Daniela M., 36, aus Heidenau (ja, das Nazi-Heidenau!) bei Dresden. Ganz undunkeldeutsch tat sich zusammen mit Ahmed, 26, und der Liebe entspross ein Kind, wie hellbraun auch immer. Als letztlich doch mausgraue Heidenauerin wusste Daniela M. aber anscheinend nicht, dass Ahmed gewisse Vorstellungen von Frauenbesitz aus seiner bunten Heimat mitgebracht hat, weshalb der Asylbewerber aus Marokko messerbewehrt bei ihr vorstellig wurde und sich mit dem Baby vom Dach zu stürzen drohte (hier). Glück im Unglück: Es haben alle überlebt. Einstweilen.

Zum Schluss etwas Romantisches:

Der 48-jährigen Syrer "setzte sich gegen 18.30 Uhr neben die Frau und sagte zu ihr, dass er sie liebe. Anschließend fasste er ihr an die Brüste und in den Schritt" (von wegen ungebildete Flüchtlinge! In Biologie sitzt alles!). Seinen Versuch, sie zu küssen, wehrte die 19-Jährige allerdings ab, weil sie den Mund dafür brauchte, um Hilfe zu rufen, denn sie kannte den Mann ja – noch – gar nicht. Herbeieilende zerstörten das zarte Pflänzchen der Intimität (hier).

Eine seriöse und nachhaltige Vermischung braucht eben Zeit.