Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

Artikelsuche

Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


...mehr

 

 

10. August 2017


Eine kleine Anmerkung pro domo. Ich erhalte in letzter Zeit ziemlich viele Texte, Manuskripte etc. zur Begutachtung oder mit dem Wunsch, dieselben, sollten sie mir gefallen, auf meiner Webseite zu veröffentlichen, zudem Bücher mit der Bitte, sie zu rezensieren. Ich bin freilich weder ein Verlag noch eine Zeitung, und ich schaffe es meistens nicht, die mir zugesandten Schriften auch nur zu lesen. Ich befinde mit meinem aktuellen Buchmanuskript inzwischen ein halbes Jahr im Verzug, und kein Ende ist abzusehen. Geben Sie mir Pardon, aber ich kann diese gutgemeinten Offerten in der Regel nicht bedienen.


                              ***


"Die Rhetorik des Gutmenschentums", erklärte der Medientheoretiker und philosophische Schriftsteller Norbert Bolz in einem Interview anno 2008 unter Berufung auf den zweiten Thessalonicherbrief des Paulus ("Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur ist jetzt der, der zurückhält, bis er aus dem Weg ist, und dann wird der Gesetzlose offenbart werden..."), sei "die des Antichristen". Wenn der Antichrist auftritt, werde er an der Rhetorik von Sicherheit und Friede erkennbar sein. Seine "stille Aufklärungshoffnung", so Bolz, bestünde darin, "dass man wenigstens den intelligenten Leuten hierzulande diesen Zusammenhang noch mal klarmachen kann". Versuchen wir es, indem wir uns ein paar Tatsachen vergewärtigen; die rund um die Uhr dazu gelieferte Begleitrhetorik hat jeder im Ohr.

Man kann der These zumindest insoweit folgen, dass die Organisation der Völkerwanderung nach Europa Züge von Teufelei trägt. In Deutschland sind derzeit etwa 250.000 Klagen von abgelehnten Asylbewerbern – das sind Personen, die sich nicht nur aufgrund eines illegalen Grenzübertritts hier aufhalten, sondern obendrein keinen Asylgrund vorlegen können – an den Verwaltungsgerichten "anhängig" (hier). Auch der letzte Winkeladvokat hat begriffen, welches Geschäft ihm hier lacht. Wer die Kosten trägt? Der Migrant nicht, der hat ja kein Geld (und merkwürdigerweise finden "Flüchtlinge" neuerdings auch keins mehr), der besitzt meistens nicht einmal Papiere, nein, sämtliche Gerichtskosten bezahlt – auf dem Weg der staatlichen Prozesskostenhilfe – natürlich der Steuerzahler. Die Gerichte, die durchaus noch anderes zu entscheiden haben, sind mit diesen Fällen auf Jahre wenn nicht Jahrzehnte ausgelastet. Haben sie einen Fall entschieden, und es gibt in allen diesen Fällen praktisch nur eine Entscheidung: Abgelehnt!, dann sorgt die Asyllobby, deren Verbindungen bis in die Ämter und Gerichte reichen, dafür, dass die meisten abzuschiebenden Asylforderer rechtzeitig über den Termin informiert werden und rasch untertauchen können. Die Abschiebungen sind jedenfalls rückläufig; "Die große Abschiebe-Lüge!", titelte Bild am 1. August (und verwies darauf, dass sogar Schwerkriminelle nicht aus dem Land geworfen werden). Oft besitzen diese armen Menschen keine oder nur begrenzt gültige Papiere, die erneuert werden müssen; weil sie sich nicht ausweisen können, kann Deutschland sie nicht ausweisen, denn man weiß nicht, wohin mit all den nichtsyrischsprachigen Syrern. Sind sie lange genug im Land oder haben sie hier ein (qua Geburt deutsch gewordenes) Kind gezeugt, winkt ihnen das Bleiberecht. Natürlich werden sie die gesamte Zeit sozialversorgt, bekommen endlich mal ein vernünftiges Gebiss etc. pp. Und immer neue Menschengeschenke (Katrin Göring-Eckardt) strömen hoffnungsfroh ins Land...

Es gibt keine etablierte Partei, die den Gedanken auch nur äußert, dass diese Personen, auch und gerade wenn es sich tatsächlich um Bürgerkriegsflüchtlinge handelt, wieder in ihre Länder zurückkehren müssen. Im Gegenteil, die Deutschen haben die Ankömmlinge mitsamt ihren drolligen Sitten und ihrer toleranten Religion zu "integrieren". Die meisten Migranten sind aber bereits bestens in ihren Clan, ihren Stamm, ihre Beute- oder Religionsgemeinschaft integriert. Was soll Deutschland mit diesen Menschen, überwiegend Analphabeten, anfangen? Unter der Überschrift "Die Sozialkosten explodieren – und niemand handelt", schreibt die Wirtschaftswoche:

"Offenbar kann man niemanden mehr damit schocken, dass zum Beispiel alleine die Unterbringung minderjähriger, unbegleiteter Zuwanderer nach einer aktuellen Schätzung des Deutschen Städte und Gemeindebundes im Jahr 2017 bis zu 4,8 Milliarden Euro kosten wird. In der Buchhaltung der Kämmerer findet man diese Kosten bei der 'Kinder- und Jugendhilfe' verbucht, die von 2015 auf 2016 insgesamt um 20,3 Prozent auf 11,2 Milliarden Euro anstieg."

Dass die kommunalen Sozialausgaben "förmlich explodieren", fährt das Blatt fort, sei "nicht übertrieben. 2016 stiegen sie im Vergleich zum Vorjahr um 9,8 Prozent auf 59,3 Milliarden Euro. Mit 76,5 Prozent (+2,4 Milliarden Euro) war der Zuwachs der Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz noch größer, sie erreichten 5,5 Milliarden Euro."

Zum Vergleich: Der Haushalt des Ministeriums für Bildung und Forschung beläuft sich für 2017 auf 17,6 Milliarden Euro.

Weiter die Wirtschaftswoche: "Wichtiger als diese gigantische Zahl ist: die Sozialausgaben stiegen viel stärker als die Wirtschaftsleistung. Während die Sozialleistungsquote (Sozialleistungen in Prozent des Bruttoinlandsprodukts) nach einem gigantischen Anstieg in den Nachkriegsjahrzehnten im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts dank Agenda 2010 trotz schwachen Wirtschaftswachstums auf 26,8 Prozent zurückging, ist sie in jüngster Zeit trotz starken Wirtschaftswachstums wieder auf 29,4 Prozent angestiegen. Für das Jahr 2016 ist mit einem noch viel stärkeren Anstieg der Quote zu rechnen. Der Hauptgrund ist bekannt: Der Zuzug von über einer Million Asylbewerbern und Flüchtlingen in der zweiten Hälfte 2015 und den ersten Monaten 2016. Auch die Zunahme der Quote im Jahr 2015 beruht überwiegend auf dem 169-prozentigen Anstieg der Empfänger von Leistungen nach Asylbewerberleistungsgesetz: von 363.000 (2014) auf rund 975.000 (2015)" (weiter hier).

Damit habe sich die Zahl der Leistungsbezieher seit 2010 mehr als versiebenfacht. Die Ausgaben stiegen von 815 Millionen Euro (2010) auf 5,3 Milliarden Euro (2015). Und die meisten dieser Alimentierten werden auf dem deutschen Arbeitsmarkt nie einen Job finden, der sie ernährt. Kein Grund, den Familiennachzug zu verweigern.

Niemand handelt? O doch! Dafür, dass der Zug mit immer höherer Geschwindigkeit auf den Abgrund zurast, kümmert sich jener Staat, der Ihnen, geneigter Leser, sofern sie nicht selber zur Mehrheit der Alimentierten und Nettostaatsprofiteure gehören, die mit ihrem Wahlverhalten jeden Wechsel beim Zugpersonal blockiert, mitsamt der Umsatzsteuer 50 bis 70 Prozent Ihres Einkommens wegnimmt, um  es umzuverteilen, zunehmend an Migranten, in ihrer Mehrheit ungebildete, aber kräftige junge Männer aus muslimischen Ländern, die ihre Familien oder wenigstens ihre Brüder nachholen werden, um hier Kinder zu zeugen und auf Ihre Kosten zu leben, geneigter Leser, sofern sie nicht selber zur Mehrheit der Alimentierten und Nettostaatsprofiteure gehören, das heißt, Sie finanzieren ihre eigene Verdrängung und auf mittlere Sicht Ihre ethnisch-kulturelle Auslöschung (sofern Sie noch wissen, was das ist: Kultur), aber wehe, Sie sagen das laut, dann kommen diejenigen zu Ihnen, virtuell meist, aber zuweilen auch ganz real, die sich an den wirklichen Gegner nicht heranwagen, und lassen ihre Aggressionen an Ihnen aus. Mit dem Segen der Parteien- und Staatsführung.

Und weil das alles noch immer nicht genügt, unterstützen edle Seelen wie ein gewisser ungarischstämmiger Milliardär sogenannte NGOs bei ihren Schlepperdiensten im Mittelmeer, die wirklichen Schlepper entlastend, ohne dass deren Einnahmen sänken; Letztere setzen die Schlauchboote voller kräftiger, potenter Glücksritter mit ein paar Litern Sprit auf See, und kaum haben sie die lauschigen Gestade Libyens hinter sich gelassen, werden sie schon aufgesammelt und im Namen der Menschenrechte, zu denen ein Recht der Europäer auf Heimat nimmermehr gehört, aufs europäische Festland eskortiert, wo sie nichts zu suchen haben, in der Regel keine Arbeit finden und Schaden anrichten, aber Sozialhilfe, Bleibe, Volksfestteilhabe und Prozesskostenhilfe gegen eine Abschiebung erhalten, sobald sie nur erst in Deutschland sind. Währen die wirklich Bedürftigen in Afrika zurückbleiben, wo, wie der deutsche Entwicklungshilfeminister Gerd Müller im Juli 2016 sagte, ein Dollar "die dreißigfache Wirkung hat wie ein in Deutschland eingesetzter Dollar". Weshalb für Afrika leider keine Dollars mehr übrigbleiben, denn die solide Durchfinanzierung des "Einwanderungsdschihad" (Michael Ley) gegen Europa, der sich unter Sirenengesängen von Teilhabe, Buntheit, Toleranz und Diversivitätärätäät vollzieht, hat die Taschen der Europäer geleert...

Ich frage Sie, geneigter Leser: Wer anders als Meister Urian soll sich so etwas ausdenken und hohnlachend als gute Tat verkaufen? Wenn ein Land von Wahnsinnigen regiert wird, die es unter allgemeinem Beifall zerstören, was soll das anderes sein als Teufelswerk?


                            ***


Man wird sagen, diejenigen, die schon früh vor dem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung gewarnt haben, seien letztlich schuld daran, dass es so weit kommen konnte.


                            ***


Die Behauptung, dass Gewalt aus Worten folgt, würde ich mit der Einschränkung gelten lassen, dass in der Tat immer mehr Gewalt erntet, wer nur mit guten Worten auf sie reagiert.


                            ***


"Die Unseren Zeichen Glauben versagen, die werden Wir bald ins Feuer stoßen. Sooft ihre Haut verbrannt ist, geben Wir ihnen eine andere Haut, damit sie die Strafe auskosten. Wahrlich, Allah ist allmächtig, allweise." Sure 4, 56.

Die Strafe erinnert an jene, die Zeus dem Prometheus zuteil werden ließ, indem er ihn an einen Felsen des Kaukasus schmiedete, wo sich ein Adler jeden Tag von Neuem an seiner sich nächtlich erneuernden Leber labte. Oder an die Qualen des Tantalos:

Mitten im Teiche stand er, den Kinn von der Welle bespület,
Lechzte hinab vor Durst, und konnte zum Trinken nicht kommen.
Denn so oft sich der Greis hinbückte, die Zunge zu kühlen;
Schwand das versiegende Wasser hinweg, und rings um die Füße
Zeigte sich schwarzer Sand, getrocknet vom feindlichen Dämon.

(Odyssee, Voss’sche Übersetzung)

Wenig indes erinnert die koranische Strafe an jene vergeblichen Mühen, die den Danaiden oder dem Sisyphos als ewige Martern der Sinnlosigkeit auferlegt wurden; mit der Arbeit hatten sie’s schon damals nicht so in Arabien ...


                                  ***


Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat sich privat ein Dieselauto gekauft, während die von ihm geführte grün-schwarze Regierung in Stuttgart das bundesweit erste Diesel-Fahrverbot in Angriff nimmt. "Ich mache auch privat, was ich für richtig halte", sagte Kretschmann der taz. "Ich wohne auf dem Land, meine Frau muss weit zum Enkel fahren, ich habe auch einen Anhänger. Neulich habe ich für meinen Enkel eine Tonne Sand geholt: Da brauche ich einfach ein gescheit’s Auto." Weil im Ländle niemand sonst die wöchentliche Fuhre Sand beim Landesvater vorbeikarren kann, klar. Parallel dazu fährt Kretschmann noch einen Mercedes-Dienstwagen mit Hybridantrieb.

Aber "bei einem signifikanten Rückgang des Dieselanteils wären die Klimaziele so nicht mehr zu halten", sagte Kretschmann der Welt am Sonntag. Benziner stoßen mehr CO2 aus als die wegen ihrer Stickoxid-Emissionen in der Kritik stehenden Diesel. Um einen weiteren Anstieg des CO2-Ausstoßes zu verhindern, sind laut Kretschmann saubere Diesel "als Übergangstechnologie in eine emissionsfreie Zukunft" nötig. Darunter machen sie's nicht bei den Grünen. Das neue Privatauto des Ministerpräsidenten dürfte jedenfalls die Abgasnorm Euro 6 erfüllen, mit der man von angekündigten Fahrverboten ausgenommen ist. Im Gegensatz zu Abertausenden düpierten Pkw-Besitzern, denen die Regierung gestern noch empfahl, einen Diesel zu kaufen, und die heute faktisch enteignet sind, weil ihr heiliges Blechle rasant an Wert verloren hat.

Als Regierungschef des Automobilkernlandes Baden-Württemberg hätten bei Kretschmann die Alarmanlagen klingeln müssen, als der sogenannte Abgasskandal in den USA hochkochte. Er hätte sofort mit der Automobilindustrie, dem größten Arbeitgeber seines Landes, reden müssen, Schadensbegrenzung treiben, gemeinsam nach ernsthaften und praktikablen Lösungen suchen – aber er ist ja zugleich Chef einer Autohasserpartei. Also wurschtelt er sich irgendwie durch. Er ist zugleich halb für und halb gegen den Diesel, aber er fährt einen besseren Diesel als diejenigen, die morgen darunter leiden werden, dass er parallel gegen den Diesel ist; egal, morgen gehen wir sowieso nicht mehr arbeiten, denn wir haben emissionsfrei. Ins allgemeine Lavieren passen die jüngsten Äußerungen Kretschmanns, dass seine Partei nach der Bundestagswahl sowohl offen für eine Koalition mit der SPD als auch mit der CDU sei.

In der "Abgeordneten-Bibel" des Stuttgarter Landtags, in der Landtagsmitglieder ihre Lieblingspassage aus der Heiligen Schrift vorstellen, hat Kretschmann kein Bibel-, sondern ein Luther-Zitat gewählt: "Nur wer sich entscheidet, existiert". Und so entscheidet er sich: täglich zwischen Diesel und Benziner, turnusmäßig zwischen CDU und SPD, lebenslang zwischen Fleischtopf und Brotkorb. Tusch!


                              ***


Der Sieferle des Tages soll diesmal nicht von ihm stammen, sondern über ihn handeln:

"Ich habe Rolf Peter Sieferle ungefähr 1992 persönlich kennengelernt", schreibt Leser***. "Er war eine der ganz wenigen echten 'Persönlichkeiten', denen ich begegnet bin und wohl der einzige mir Bekannte, den ich als 'Geistesaristokraten' bezeichnen würde. Persönliche und intellektuelle Würde waren in einem starken Geist vereint. Diese Stärke war für mich lange Zeit eine Richtgrösse, niemals wäre ich auf die Idee gekommen, dass er den Freitod wählen würde.
 
1992 oder 93 hatte RPS einen kleinen Lehrauftrag an der Uni Mannheim und hielt ein Seminar über 'Technologische Entwicklung und die Generation von 1914 in Europa'. Ich wusste damals nichts über ihn, in einem kleinen schäbigen Seminarraum kamen so etwa 15 Studenten zusammen. 5 Feministinnen in entsprechender Kleidung und Haltung. Der dezente Herr mit gerader Körperhaltung und leicht zusammengezogenen Augenbrauen lächelte uns entgegen und fing an, einen historischen Rahmen zu entwerfen für die Entwicklung der Jugend hin zur Rechten und Linken, im Bestreben, die Macht des technologischen Feuers anders als im kapitalistischen System zu nutzen. Er schaffte in 60 Minuten eine Eröffnung des Horizonts bei allen Beteiligten, wie und warum eine ganze Generation jubelnd in die Vernichtungsphase der eigenen Kultur eintrat – und ggf. individuell dies als Gewinn und gesteigerte, positive Erfahrung wahrnahm.
 
Sieferle pflegte den Stil des intellektuell-distanzierten 'Nachspürens' von Weltanschauungen, verbunden mit einer sehr materialistisch-klaren Perspektive auf die Rolle von Kapital und Technologie als Triebkräfte für die Veränderung von Mensch und Kultur. So auch in dieser Auftaktveranstaltung. An ihrem  Ende herrschte so etwas wie eine Benommenheit bei den Zuhörern. Es war still. Man merkte, es arbeitete in den Köpfen. Nur einer stellte eine Verlegenheitsfrage. Schweigend verließen alle den Raum. Diese sehr heterogene Gruppe von Studenten blieb ihm in diesem Seminar treu, keiner verliess den Kurs, es kam aber auch niemand Neues hinzu.
 
Ein oder zwei Semester später belegte ich wieder ein Seminar bei ihm, ich glaube es war zur Bevölkerungsentwicklung im 18./19. Jahrhundert. Es waren nahezu alle Teilnehmer des vorher genannten Seminars wieder da. Er erklärte zum Beispiel die vielfältigen anthropologischen Formen und Instrumente der Geburtenkontrolle, auch sozusagen ex post. So entwarf er ein Bild traditioneller Gesellschaften, in denen es unter dem ideologischen Imperativ der Kirche sehr vielfältige, und still akzeptierte Formen des Nachkommen-Managements gab. Er bezog sich auf Quellen, die beklagten, dass  z.B. in den Familien der Knechte auf Bauernhöfen bei zu viel Geburten gerne mal die Fenster im Zimmer zu lange geöffnet worden seien; die Babys verstarben schnell, das Schicksal hatte es dann so gewollt. Insbesondere bei Mädchen habe man diese – sehr individuell von der Mutter ausgehende – Methode angewandt. Das war der einzige Vorfall an den ich mich erinnern kann, bei dem sich die Feministinnen lautstark echauffierten. Was er sage sei 'frauenverachtend'. Er bleib vollkommen ruhig, distanziert lächelnd. Seine Antwortet war so etwas wie 'wissen Sie, der Mensch spinnt gerne Erzählungen um seine Taten, damit sie ihm erträglich werden'. Die Feministinnen schwiegen wieder und blieben ihm treu."