Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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3. August 2017


Die Vermählung der "Brave New World" mit einer smarten Version von "1984" schreitet voran. "An artificial intelligence tool that has revolutionised the ability of computers to interpret everyday language has been shown to exhibit striking gender and racial biases", meldet der Guardian unter Berufung auf das Magazin Science (hier). "As machines are getting closer to acquiring human-like language abilities, they are also absorbing the deeply ingrained biases concealed within the patterns of language use, the latest research reveals." Na, ob diese künstlichen Dinger jemals das Level von Maschinen wie Anetta Kahane erreichen, wollen wir doch erst mal sehen. Aber die Vorstellung, eines nicht mehr fernen Tages komplett von Apparaten überwacht und kontrolliert zu werden, ist natürlich gruselig – wenngleich es eine hübsche Herausforderung bleibt, ihnen immer neue Rätsel aufzugeben. Es besteht eine geringe Hoffnung, dass die ganze Angelegenheit auch in die "falsche" Richtung kippen könnte. Eine zum Thema befragte Forscherin sieht eine Gefahr darin, dass das System bestehende "Vorurteile" verstärken könne, "because, unlike humans, algorithms may be unequipped to consciously counteract learned biases". Schließlich reagieren Maschinen nicht auf irgendwelchen von moralisierenden Deppen ausgeübten sozialen Druck, sondern sie gehorchen logischen Programmen. Mit dem Versprechen des Emanzipiertwerdens sind sie, einstweilen zumindest, nicht zu ködern. (Hier gilt das großartige Bonmot von Stanisław Jerzy Lec: "Roboter, triumphiert nicht zu früh. Der nächste Fortschritt könnte auch euch befreien.") Davon abgesehen könnten sie sogar auf den Trichter kommen, dass Vorurteile Tatsachen abbilden: "The latest paper shows that some more troubling implicit biases seen in human psychology experiments are also readily acquired by algorithms. The words 'female' and 'woman' were more closely associated with arts and humanities occupations and with the home, while 'male' and 'man' were closer to maths and engineering professions." Aber offen gestanden verstehe ich davon nichts und vertraue darauf, dass mich Freund Hein zu einem passenden Zeitpunkt vom technologischen Fortschritt erlöst.

In diesen Kontext passt übrigens, gewissermaßen von der politischen Hardware-Seite, die Behauptung des britischen Journalisten Douglas Murray, Merkel habe bei einem Abendessen in New York, wo versehentlich ihr Mikrofon angeschaltet war, Facebook-Chef Zuckerberg gefragt: "What can you do to stop people writing anti migration stuff on facebook?" Der habe geantwortet: "We working on it"  (hier ab 0,44).


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Apropos "Brave New World" und gegen den Ärger (bemerkenswert, wie Huxley 1936 den "pneumatischen" Frauenkörper der Gegenwart vorausgeahnt hat. Und natürlich wäre gerade um eine solche Helena der Trojanische Krieg entbrannt): 





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Und schon wieder apropos: "Jetzt habe ich mir Ihren Artikel durchgelesen und dann den Artikel aus dem Jetzt-Magazin der Süddeutschen Zeitung", schreibt Leser***, auf meine warmen Worte zur Anregung des Jugendmagazines Bezug nehmend, Jungs mögen sich an den Mädchen ein Beispiel nehmen und sich öfter küssen (Eintrag vom 1. August). *** stimmt mir zu, dass eine angeblich größere Offenheit der Mädchen gegenüber homoerotischen Praktiken bzw. Spielereien gar nicht existiert. „Bei den Männern ist das nicht so einfach. Sie tendieren wesentlich häufiger zu homosexuellen Handlungen als Frauen. Das ist meiner bescheidenen Meinung nach durchaus evolutionär sehr sinnvoll, um Männergruppen für die Jagd und den Krieg emotional zusammenzuhalten. Hier den großen Ekel vor dem Kuss unter Männern zu thematisieren stimmt einerseits. Andererseits kann man Sex unter Männern auch ohne Kuss zelebrieren. Und das geschieht öfter als Sie sich das vorstellen wollen. Mir sind schon Dinge zu Ohren gekommen, die so gar nicht in Ihr Weltbild passen: 'Ich kann mir nicht vorstellen einen Mann zu küssen oder mich in einen zu verlieben. Ich will nur passiv beim Analverkehr sein.' Wie soll ich solche Aussagen interpretieren? Wo ordnet man das ein?"

Wahrscheinlich unter Homosexualität, sehr geehrter Herr ***. Gewiss, man könnte eine ganze Kette von Beispielen homoerotischer Verbindungen zwecks Stärkung des Kampfkollektivs reihen, von Achilles und Patroklos und den Lakedaimoniern, den größten Kriegern des Altertums, bevor die wiederum eher heterosexuellen Legionen kamen, bis hin zu den völkischen Männerbünden um Anführer vom Schlage Ernst Röhms (für den und viele andere man unlängst im Berliner Tiergarten ein Denkmal errichtet hat) oder Michael Kühnens. Überhaupt ist die gesamte rechte Szene von Homoerotik durchsetzt, vielleicht wegen des akuten Frauenmangels dortselbst, denn dieses Geschlecht erträgt bekanntlich den sozialen Ächtungsdruck schwerer. Der maskuline Trieb ist ja stark und sucht sich seinen Weg, ob bei den von frühester Jugend an zusammengesperrten spartianischen Hopliten (die angebliche griechische Toleranz gegen männliche Homosexualität war übrigens eine Begleiterscheinung der Misogynie dieser Gesellschaften) oder in den Kasernen, Klöstern und Gefängnissen aller Zeiten und Völker bis heute, und womöglich erhöhen homoerotische Moleküle die Kampfkraft eines Gesamtkollektivs, sofern es eben ausschließlich aus Männern besteht (Frauen in der Truppe verleiten männliche Soldaten zu irrationalen Schutzhandlungen im Gefecht, die den Gesamterfolg gefährden, auch das ist Evolution).

Nur: Hat dies etwas mit der sozialethischen Verwirrung juveniler Zeitungsleser durch ein sogenanntes Jugendmagazin zu tun? Mit der Aufforderung an Jungs, sich zu küssen? Mit der Zeitgeisterei vollendeter Schamferne im erwähnten Dienste der Einebnung aller Unterschiede? Sie werden von mir nie ein abwertendes Wort über Homosexualität hören, sehr wohl aber über deren Propagierung und aufdringliche Zurschaustellung.

Ich bin übrigens bereit, Konzessionen zu machen und mich als SZ-Zeitungsjunge an den Münchner Marienplatz zu stellen, wenn das Blatt seine Werbung für kuschelnde und herumknutschende Buben explizit mit der Aufforderung verbindet, diese Zuneigung an die Entwicklung militärischer Tugenden zum Zwecke der Landesverteidigung zu knüpfen.


PS: Leser *** weist im selben Zusammenhang auf eine Studie der St. Francis Xavier University in Nova Scotia, Kanada, mit 120 männlichen Probanden hin, deren Resultat lautet: "Bei heterosexuellen Männern erzeugen Bilder von verrottetem Fleisch, Maden und verdorbenen Speisen die gleiche physiologische Reaktion wie Bilder von zwei Männern, die sich küssen" (hier). Am meisten hat die Studienautoren überrascht, dass dieses Resultat unabhängig von der Grundeinstellung des jeweiligen Teilnehmers gegenüber Schwulen eintrat: Personen mit hoher Toleranz empfanden dasselbe wie Männer, die eher ablehnend gegen Homosexuelle eingestellt waren. 


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"Nicht eine Arbeit aus den Gender Studies hat eine gesellschaftspolitische Debatte geprägt oder zumindest vorangetrieben. Ein Umstand, der unzweifelhaft der Unverständlichkeit der verwendeten Begrifflichkeiten sowie dem 'methodischen' Vorgehen geschuldet ist und im merklichen Kontrast zu Arbeiten aus der Geschichtswissenschaft, der Soziologie oder der Politikwissenschaft steht. Nicht eine deutsche Professorin für Geschlechterforschung hat eine bahnbrechende These formuliert, die breite Anerkennung in der internationalen Wissenschaftslandschaft erfahren hätte. Es ist zudem keine Absolventin der jungen Disziplin bekannt geworden, die eine beachtliche Nachwuchskarriere hingelegt hätte. Hiervon unbeirrt regiert in den Gender Studies weiterhin das Selbstbild, unverzichtbare universitäre wie gesellschaftspolitische Arbeit zu leisten", steht, na wo schon?, in der Emma (hier). Jetzt bedarf  es nur noch eines kleinen Schrittes, und man ist unter freiem Himmel, sprich in einer Welt, wo "Gender" nicht etwa falsch erforscht und gelehrt wird, sondern komplett den Satirikern und anderen Witzbolden überlassen bleibt. 

Die "Blender Studies" (Thomas Kapielski) sind ein akademisches Beschäftigungsprogramm für Frauen, denen frühere Gesellschaften nur das triste Schicksal der alten Jungfer vorbehalten hätten. Das war im Ansatz aller Ehren wert, aber allmählich wird es zu teuer. Wir brauchen jeden Cent für den Fachkräfte-Import und die Energiewende. 


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Der Sieferle des Tages: "Es interessiert nicht mehr, ob die hedonistisch-materialistische Massenkultur eine unappetitliche Angelegenheit ist, ein groteskes Narrenfest oder ein satanischer Irrweg. Von Interesse ist lediglich noch, in welchem Maße sie selbstdestruktive Tendenzen besitzt." ("Epochenwechsel", Berlin 1994, S. 151)