Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

Artikelsuche

Service Menu

Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


...mehr

 

 

20. Juli 2017


Heute ist kein unerhebliches Datum, ein Tag der Hoffnung gar. Willkommen deshalb zum Themenschwerpunkt "Gefahr von rechts"!

Eins.
Bodo Ramelow, der linke Landpfleger von Thüringen, will einen neuen Straftatbestand etablieren: "solche Dinge". Nach dem "Rechtsrockfestival" bzw. "Neonazi-" oder eben doch "Nazi-Konzert" (so in rügenswerter Unentschiedenheit alles zugleich die Welt) im thüringischen Themar forderte er, die Versammlungsfreiheit künftig nicht solchermaßen zu überdehnen. "Ich denke, wir müssen das Versammlungsrecht derart präzisieren, dass in Zukunft Landratsämter und Genehmigungsbehörden und dann auch in der Folge die entscheidenden Gerichte diese Dinge nicht mehr unter Meinungsfreiheit abtun" (hier).

Am Samstag haben Tausende "Rechte" (so ebenfalls die Welt) am "wohl bundesweit größten Neonazi-Konzert" (unbeirrt: die Welt) des Jahres teilgenommen. Von Messerstechereien, sexuellen Belästigungen, Antanzdiebstählen, fliegenden Steinen, entglasten Geschäften und brennenden Autos wurde bislang nichts bekannt. Wehret den Anfängen!

Zwei.
Ein schockierender Vorfall ereignete sich, während die meisten Medien sich von inszenierten Einzelfällen ablenken ließen, im beschaulichen Windeck an der Sieg. "Kern heißer Diskussionen" ist dort ein Aussichtspunkt unterhalb der Burgruine an der Burg-Windeck-Straße. Dort hat eine "Gruppe" mit diesmal wohl eher Nichtmigrationsvordergrund eine Bank keineswegs überfallen, sondern repariert und einen Namenszug darauf hinterlassen.

"Als auf der Bank des Vereins die neue Aufschrift prangte, waren nicht nur Anwohner geschockt. Auch beim Heimatverein gingen die roten Lichter an. Vorn auf der Rückenlehne das Schild des Dorfvereins, hinten der Schriftzug der neuen Rechten." Meldet der Rhein-Sieg-Anzeiger (hier). "Das geht nicht", ist sich eine Vereinsvorstandsfrau mit einem zu erwartenden breiten Bündnis schon mal prophylaktisch einig. Der stellvertretende Leiter des Forstamtes kündigte an, er werde "Nazisprüche" nicht dulden. Der Heimatverein hat Kontakt mit dem NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln aufgenommen, dessen Mobiler Beratungsdienst inzwischen am Tatort vorstellig wurde und Ermittlungen aufnahm. Die ersten neu in die Lehne eingezogenen Holzwürmer empfahlen, Sicherheitshauptamt und Schrifttumskammer besser auch noch einzuschalten.

Was auf der Bank geschrieben steht? "Freundeskreis Rhein-Sieg". Der lokale Exorzist raunt, es bestünden Kontakte zu den Identitären...

Drei.
Die aktuelle Spiegel-Sachbuchbestsellerliste auf Amazon liest sich so (siehe inzwischen unter PPS). Falls Sie Platz 6 vermissen, sollten Sie über eine Selbstanzeige nachdenken.

Buchhandlungen sind da findiger, sie stellen einfach einen anderen Titel auf Rang 6 (dagegen hat die Literatur-Stasi ja nix, das finden diese intellektuellen Adiletten sogar noch besser als die Lücke, die der Teufel bei Amazon lässt):



Oder aber diese unfreiwillig (?) originelle Variante:



Der stern seinerseits druckt einen Warnhinweis, eine Art Sieferle-Stern:




Vier.
"'Du Jude' als gängige Beschimpfung oder Koranlehrer, die das im staatlichen Unterricht Gelernte überprüfen: Berliner Lehrer berichten in einer Umfrage, dass Antisemitismus und Islamismus sich unter ihren Schülern immer mehr durchsetzen" (hier). Schnauze! Wir kämpfen hier gegen rechts!


PS:
Ein Kollateralnutzen von Zugverspätungen sind Bahnhofsbuchhandlungsentdeckungen. Im Buch "Was will die AfD?" (München 2017) von Justus Bender schlug ich eine beliebige Seite auf – Seite 89 war’s – und wurde, Trüffelschwein wider Willen quasi, alsogleich fündig. Der FAZ-Journalist schildert einen Besuch bei den sogenannten "neurechten Vordenkern" Ellen Kositza und Götz Kubitschek im Rittergut Schnellroda. Und wie er’s bei seiner Dressur zum journalistischen Vollblüter gelernt hat, vermag er es, mit einigen selektiven Strichen ein treffliches Bild der anhaltinischen Lastergrotte zu zeichnen:

"Als ein Fernsehteam einmal bei Kubitschek zu Besuch war, stand dort auch ein schwarzer Gartenzwerg, der den Hitlergruß zeigte. Der steht an diesem Tag nicht mehr dort. Seinen Kindern haben die Kubitscheks die Namen germanischer Helden gegeben und seine Frau und er siezen sich. 'Könnten Sie mir die Butter reichen', sagt Kubitschek zu Kositza beim Abendessen. Es ist, als wären weite Teile des Lebens der Familie von Ideologie bestimmt."

Das sind sowohl in stilistischer als auch grammatikalischer und erst recht postfaktischer Hinsicht fünf Zeilen, wie sie keineswegs jeder so locker hinbekommt, aber bei der FAZ weiß man schließlich um die klugen Köpfe, die hinter dem eigenen Produkt stecken. "Ein schwarzer Gartenzwerg, der den Hitlergruß zeigte. Seinen Kindern haben die Kubitscheks die Namen germanischer Helden gegeben." Mit wem mag der offenbar erheblich pigmentierte Gnom sie gezeugt haben? Mit Ellen Kositza? Mit Kubitscheks inzwischen weithin bekannter, dem Haushalt dennoch bescheiden die tägliche Milch beisteuernder Ziege? Ihren eigenen Sprösslingen können Kubitschek und Kositza nicht die Namen germanischer Helden gegeben haben, weil es ja lauter Töchter sind und beide Eltern nicht an die freie Genderwahl glauben. Sie glauben stattdessen an die daseinsveredelnde Kraft des „Sie“ (die meisten Kerle besitzen ja keine Ahnung mehr von jenem Vergnügen höherer Ordnung, welches darin besteht, eine Frau zu siezen, während sie gerade... – ), und bitten einander in aller Förmlichkeit um die selbstgemachte Butter. Was daran ideologisch sei? "Und wenn der Feind sagt, wir hätten keine Butter, so will ich antworten: Wir haben genug Butter, um die gesamte Front ins Rutschen zu bringen" (so oder so ähnlich, jedenfalls im Witz, Hermann Göring)? Es ist, als wären weite Teile des Justus Benderschen Lebens von Ideologie bestimmt.

Derselbe Bender schrieb übrigens, in Co-Produktion mit einem anderen Babyface, in der FAZ: "Im Rücken von Götz Kubitschek stehen seine Bücher. Die Memoiren von Leni Riefenstahl, 'Preußische Soldaten' von Rudolf Thiel, die 'Edda' natürlich und dicht daneben ein Buch des Rechtsextremisten Karl-Heinz Hoffmann, bekannt durch seine gleichnamige, 1980 verbotene Wehrsportgruppe.“

Auch ich war nicht nur in Arkadien, sondern sogar in Schnellroda, und ich weiß recht gut, was sich dort alles im Bücherregal reiht. Es ist ungefähr so, als schriebe jemand über meine Bibliothek, dort stünde "Mein Kampf" neben Chamberlains "Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts" sowie Arthur Moeller van den Brucks persönlicher Wilhelm-Busch-Gesamtausgabe. Und Stalins Werke genauso ignorierte wie Max Nordaus "Entartung", Kapielskis "Neue sezessionistische Heizkörperverkleidungen", den Rückert-Koran, den Bobzin-Koran, den Henning-Koran, den Muhamad-Asad-Koran oder Lann Hornhauts "Die Imme als soziales Konstrukt".


PPS: "Ich habe", schreibt Leser ***, "Ihren Hinweis auf die lückenhafte Spiegel-Bestseller-Liste zum Anlaß genommen, bei Amazon-online vorstellig zu werden. Dort habe ich (etwas scheinheilig) auf den peinlichen Fehler und die Lückenhaftigkeit der Liste hingewiesen und um Korrektur gebeten. Eine Antwort habe ich natürlich nicht bekommen. Stattdessen sehe ich nun das layout dieser Liste verändert und geschickt so verschoben, daß man die Lücke nicht mehr als solche erkennen kann.
Selbstverständlich habe ich das erneut moniert und diesmal als das gebrandmarkt was es ist: Zensur der übelsten - weil unkenntlich gemachten - Sorte. Früher gab es wenigstens noch schwarze Balken...
Vermutlich werde ich auch darauf nicht die gewünschte Antwort erhalten. Deshalb hat amazon morgen einen Kunden weniger. Gewiß: nur eine Träne im Ozean...
Ich wollte es Ihnen trotzdem nicht vorenthalten."

So sah die Liste heute Vormittag aus.




Und so präsentiert sie sich jetzt.

Ich halte das nur fest, weil ich auch einmal den Nazi-Jäger spielen will, wenn auch bloß dokumentierend Nazis jagend, die sich als Nazi-Jäger ausgeben.