Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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7. Juli 2017


Kein Satz illustriert die heimliche Komplizenschaft der meisten Medien mit der sogenannten Antifa besser als das speioft wiederholte "Es flogen Steine."

Wer mag "Wingardium Leviosa" gerufen haben?

Es schlug. Es trat. Es flogen Molotowcocktails. Es brannte. Es schrieb sich darüber.

Meine Deutschlehrerin an der Wilhelm-Pieck-Oberschule in Ostberlin, eine Kommunistin reinsten Parteiblutes, hat mir beigebracht, damals übrigens zu meiner kindlichen Verwunderung, dass sogar im Satz "Es regnet" ein zumindest grammatikalisches Subjekt existiert, nämlich das "es".


                              ***

"Lieber Herr Klonovsky,
leider irrte ihre Deutschlehrerin. Die Brüder Grimm haben schon entdeckt, dass das 'Es' in 'es regnet' adverbiale Funktion hat. 'Es läutete; es läuteten die Glocken!' Es ist das gleiche 'Es', aber plötzlich haben sich plurale Subjekte in den Satz eingeschlichen. Das 'Es' war nie das Subjekt.
Ihr fleissiger Leser in China
***"

Grüß Gott Herr ***,
ich sehe ein, dass wir uns hier mit einem Grenzfall beschäftigen, nämlich der Frage, ob ein Satz ohne Subjekt überhaupt möglich oder sinnvoll ist und ob nicht am Ende ein zuvor sich adverbial zurückhaltendes "Es" in diese Rolle schlüpfen muss. Zumal bei einem Mysterium wie "Es regnet" – wer regnet denn da? Ich erwähnte ja, dass meine Lehrerin eine orthodoxe Kommunistin gewesen ist, und für eine solche dürfte die Erwägung, ob es einen Satz ohne Subjekt gibt, wahlweise als bürgerliche Dekadenz, reaktionärer Relativismus oder postmodernes Beliebigkeitsgeschwätz gelten...
Aus der unseligen europäischen Mittellage grüßt ins Reich der Mitte Ihr
MK


                             ***


Und wenn wir einmal bei grammatikalischer Esoterik sind: Auf meine Bemerkung

"Analog zur Altersfreigabe im Kino sollten Theaterinszenierungen mit einer IQ-Schranke versehen werden, oberhalb derer man sich das Zeug besser nicht ansieht."

verweist Leser *** auf den Duden und zitiert:

"'Derer' wird gebraucht bei Vorausweisung im Gen. Plural aller drei Genera", und dann folgen Beispiele, u.a. 'Er erinnerte sich derer nicht mehr, die ihm früher so nahegestanden hatten'. Im gleichen Sinne dort 'relativische und interrogative Pronomen' 'der, die, das' , wo es heißt: 'Häufig wird im Genitiv Fem. Singular und im Genitiv Plural die Form derer gebraucht. Diese ist jedoch der Genitiv Plural des Demonstrativpronomens und wird vorausweisend gebraucht. Richtig: Es war die Frau, deren (nicht: derer) er sich annahm. Die beiden Leute, deren (nicht: derer) er sich gut erinnerte, standen plötzlich vor ihm.'
Ohne übertriebene Dudengläubigkeit finde ich 'deren' auch klanglich schön und lege es ihnen daher ans Herz!"