Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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5. Juli 2017


Heute früh beim Verlassen der Wohnung, in einem jener Zustände restseliger Verkaterung, die jeden Augenblick in rabenschwarzen Existenzekel umschlagen können, griff ich, jenem im Bedarfsfalle gebührend zu assistieren, nach Michel Houellebecqs Essaysammlung "Interventionen". Ein echter, tiefer, illusionsloser Nihilismus vermag zumindest mir recht verlässlich Trost zu spenden. Wahrscheinlich lese ich Houellebecq mit einer ähnlichen Befriedigung wie meine Vorfahren die Bibel, etwa das Buch Prediger (Kohelet).

Zum Beispiel: "Die Literatur führt zu nichts. Wenn sie zu etwas führen würde, hätte das linke Pack, das die intellektuelle Debatte das ganze 20. Jahrhundert an sich gerissen hat, gar nicht existieren können." Als Beispiel führt der Franzose Dostojewskis "Dämonen" von 1873 an, ein Roman, in dem der Leser anhand exemplarischer Figuren durch das Laboratorium jener ideologischen Alchemisten geführt wird, deren weltumstürzlerische Sprengstoffe das folgende Jahrhundert so grässlich illuminieren sollten. Hatten, fragt Houellebecq, "Dostojewskis Intuitionen irgendeinen Einfluss auf den Lauf der Geschichte?" (außer dass Helmut Markwort dem Roman seinen Claim "Fakten, Fakten, Fakten" entlieh?) Und er gibt selbst die Antwort: "Nicht den geringsten. Marxisten, Existentialisten, Anarchisten und Linksradikale jeglicher Art konnten sich breit machen und die bis dato erforschte Welt infizieren, ganz als ob Dostojewski nie eine Zeile geschrieben hätte."

Ja, so ist es wohl. Stattdessen haben wir im gesamten Kulturbetrieb ein linkes Pack, das Dostojewski sofort verbieten würde, wenn er nicht ein Klassiker und mausetot wäre. Und dessen sich grotesk zu Individuen stilisierende Lemminge, einer wie die andere, keine einzige literarisch anspruchsvolle Seite zustande bringen können, weshalb sie kurzerhand die Kriterien dafür abgeschafft haben.  

Da unsereins von früh bis ziemlich spät, gerade auch aus dem Kreis der Ver- und sogar Angetrauten, vernehmen muss, ein doch arg trübsinniges Gemüt zu besitzen oder zumindest zur Schau zu stellen, les’ ich selbstredend gern den mir leider persönlich unbekannten linksrheinischen Freund auf die Frage eines Journalisten:

„Verstanden die großen Literaten – die des 19.Jahrhunderts, Flaubert – es nicht besser, dem Negativen einen Platz einzuräumen?“

die Antwort geben:

„Wenn eine Gesellschaft stark und selbstsicher ist, wie das Frankreich des 19. Jahrhunderts, dann verkraftet sie eine negative Literatur. Das kann man vom heutigen Frankreich nun wirklich nicht behaupten. Die Leute brauchen Zuspruch. Sie ertragen nicht mehr die leiseste Spur von Negativität, ja nicht einmal von Realismus.“

Selbstverständlich bin ich "negativ", zumindest bevor es zu Tisch geht, aber nur in Maßen, denn ich habe schließlich das Glück, eines Tages sterben zu dürfen und anderen diesen von unglaublichen und vor allem unverdienten Schönheiten durchsetzten Widersinn zur Dechiffrierung zu überlassen. Personen über 14 haben keinerlei Anrecht auf Positivität meinerseits. Die darunter kosten Kraft genug. Doch dermaßen verzweifelt, dass ich den Optimisten geb’, bin ich keineswegs – –


                              ***


Das Positive? Aber ja, hier: Da viele Trump-Hasser, Verteidiger der Zivilisation samt und sonders, den Stern des bösen Donald auf dem "Walk of Fame" regelmäßig bespucken, bekleben und ich will gar nicht mutmaßen auf welche Weise noch verunzieren, hat sich diese vermutlich moralisch noch nicht wirklich gefestigte, aber sehr apart anzuschauende Hinterwäldlerin, Makenna Greenwald from Wyoming, entschlossen, den Stern regelmäßig zu reinigen. Eine moderne Danaide aus freien Stücken gewissermaßen. 



Während meiner Jugendlektüren hat es immer einen tiefen Eindruck auf mich gemacht, wenn Heinrich Heine irgendeiner schönen Frau den Schiedsspruch über einen der ernsten Sphäre zuzurechnenden Sachverhalt überlassen hat. Etwa jener Blanche de Bourbon alias Donna Blanka, welche die berühmte theologische Disputation in der Aula zu Toledo mit dem Urteil beendet:

"Welcher Recht hat, weiß ich nicht,
Doch es will mich schier bedünken,
Dass der Rabbi und der Mönch,
Dass sie alle beide stinken."

Oder jener Magd, die er in seiner "Romantischen Schule" herbeiruft, um ein abschließendes Wort zum ja nicht ganz bombenfesten literarischen Rang des Friedrich de la Motte Fouqué zu sprechen; sie würde, sagt sie, viel dafür geben, um den Verfasser der "Undine" mit einem Kuss für sein Buch zu danken. "Und diese Magd hatte die schönsten Lippen, die ich je gesehen", schließt Heine. 

Tja, Mister Trump, sie haben wohl einfach mehr Glück als andere. ("Wie sich Verdienst und Glück verketten,/das fällt den Toren niemals ein...")


                              *** 

   
Uups, I did it, gewissermaßen, again:

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Die Komplementärversion, geschrieben 2008, las sich so:

Hitler unser, der Du bist im Orkus,
Verfluchet werde Dein Name,
Dein Reich vergehe,
Dein Wille sterbe,
Wie im Print, so auch im Fernsehn.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
Und erhalt uns unsere Schuld,
Wie auch wir nie vergeben unseren Vorfahren.
Und führe uns nicht ins Vergessen,
Sondern erlöse uns nie von dem Übel.
Denn Dein ist die Leich
Und die Haft und die Beplärrlichkeit,
In Ewigkeit. Amen.


                                ***


Merkel wird nach ihrer Wiederwahl durch 35 bis 40 Prozent jener deutschen Kälber, die man aus Brechts gleichnamigem Marsch kennt, den Familiennachzug für die noch nicht so lange hier Lebenden durchwinken und das Land mit weiteren Millionen Analphabeten bereichern. Danach werden sie ans Staatsbürgerschaftsrecht gehen und die ausufernde Kriminalität germanisieren. Den deutschen Sozialstaat, geneigter Leser, können Sie mitsamt Ihren Ersparnissen, Ihren Immobilienwerten, Ihrer privaten Sicherheit und Ihren Renten vergessen. Die staatsalimentierte Linke erfindet inzwischen zur angeblich menschengemachten Erderwärmung, an der natürlich Sie schuld sind, den "Klimaflüchtling". Damit hat der Internationalsozialismus nach dem Proletarier, der Frau, dem Homosexuellen und dem Migranten das ultimative und größtmögliche Emanzipationskollektiv aufgetrieben, als dessen Anwälte sich diese gerissenen Figuren aufspielen und von Ihnen bezahlen lassen werden. Merkel hat die neue Klimareligion, geronnen im Pariser Abkommen, als "unumkehrbar und nicht verhandelbar" geheiligt. Als Klima-Schamanin zuerst den Leichtgläubigen Angst einjagen und danach den eigenen Regenzauber zur Weltrettung anbieten; wer könnte als Politiker dieser Versuchung widerstehen? Während bei den neuen Staatsfeinden Kohlendioxid, Feinstaub und Rechtspopulismus auch die minimalste Dosis kreuzgefährlich ist, hält Frau Merkel bei Einwanderern, mögen sie herkunftskulturell noch so kontaminiert sein, Obergrenzen nach wie vor für nicht angezeigt. Diese fatale Person wird, wenn ihr niemand ernsthaften Widerstand entgegensetzt, Deutschland noch mehr und weit "nachhaltiger" verändern als das Alien aus Braunau. Der enorme moralische Druck, unter den sich diejenigen gesetzt sehen, die schon länger hier leben, hat zur Folge, dass die meisten die Erosion ihrer "Lebenswelt" (J. Habermas) schweigend hinnehmen. Die Ersetzung von Facharbeitern durch "Fachkräfte" braucht, bis sie durchschlägt, etwas Zeit, aber auch nicht wirklich viel. Binnen zweier Generationen leben wir hier in einem Schwellenland. Niemand kann sagen, er habe es nicht gewusst.

 
                             ***


Eine Journalistin, angestellt bei einer Wochenzeitung und nach meiner Einschätzung dem Fair play eher zugeneigt als der Durchschnitt ihrer Kollegen, sucht für die Vorberichterstattung zur Bundestagswahl (auch) einen bekennenden AfD-Wähler, was sich in den Zeiten des "Kein Bier für..." etwas schwieriger gestaltet, als sie dachte. Es handelt sich, wenn ich's recht verstehe, um eine Reihe kurzer Wählerporträts, für jede Partei je ein Supporter. Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp...?


                            ***


Wir kommen zum Werbeblock.

Eins.
"Wer hatte Interesse daran zu verhindern, dass diese Menschen Kohls Grab besuchen können? Doch nur jemand, dem nicht an Fotos von hunderten Spontanbesuchern gelegen war. Für mich sieht es aus wie eine unwürdige Rache derer, die keine Einheit wollten und seitdem an der Errichtung der kommoden Diktatur gearbeitet haben, in der wir inzwischen angelangt sind." Vera Lengsfeld war bei Helmut Kohls Beerdigung und weiß erwartbar Widerwärtiges zu berichten (hier).

Zwei.
Es gibt eine Sperrfrist von 120 Jahren für NSU-Akten. Aber nur, um die Identität von Informanten zu schützen, die ja – getreu dem Wunsch des Film-Leonidas gegenüber dem Verräter Ephialtes: "Mögest du ewig leben!" – einem sehr hohen Alter entgegenstreben. Mehr dazu hier.

Drei.
"A baby born in British Columbia, Canada is thought to be one of the first in the world not to be recognized as either a boy or a girl on their national health card. Searyl Atli’s parent (sic!) Kori Doty, who is transgender and nonbinary (= Selbstbestäuber?), is now fighting for British Columbia to issue a birth certificate without any specific gender. Doty, who uses the pronoun their, said they don’t want to assign the baby a gender until the child can decide for themselves who they are" (mehr hier). Armes Kind, wirst am Ende eine Bienenkönigin. Ich werde mich hüten, die Frage aufzuwerfen, ob vielleicht der Islam doch die Lösung ist, denn das ist er nicht. Aber das Problem wäre weg.

PS: Franz Kafka: "Brief an den Elter"; Bertolt Brecht: "Elter Courage und ihre Kinder"; Arnold Toynbee: "Menschheit und Elter Erde"; Maxim Gorki: "Das Elter"; "Allmächt'ger Elter, blick herab" (Wagner: "Rienzi", Gebet desselben) etc. pp.


Vier.
Apropos Klima-Gaunerei: Ein besonders bizarres Beispiel von "climate tipping point-nonsens" wird hier behandelt: "Uns bleiben noch drei Jahre, die Erde zu retten!"

Fünf.
Die Bargeldverkehrsbeschränkung läuft, das Bankgeheimnis ist abgeschafft, die Meinungsfreiheit wird täglich immer mehr eingeschränkt, das Waffenrecht verschärft, die Institution Ehe der Beliebigkeit überantwortet, und immer mehr Gold aus den Schiffen sickert ins Land: Что делать? Provisorische Überlegungen hier.