Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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13. Juni 2017


"In eigener Sache" hat sich der Spiegel zur "fragwürdige(n) Nominierung eines rechtslastigen Buches für die 'Sachbücher des Monats'" zu Wort gemeldet, denn sie wurde vollzogen von einem Redakteur des früheren Nachrichtenmagazins, der inzwischen aus der Jury zurückgetreten ist (siehe meine beiden gestrigen Einträge inmitten meiner ewiggestrigen). Der Betriebsparteisekretär des Spiegel, Klaus Brinkbäumer, erklärte: "Ich habe nach der Lektüre der wesentlichen Kapitel kein Verständnis dafür, dass der Kollege Saltzwedel dieses Buch empfohlen hat, und wegen des entstandenen Schadens begrüße ich seinen Rücktritt aus der Jury."

Neben der Anstrengung zur intellektuellen Redlichkeit, die darin besteht, die "wesentlichen Kapitel" eines immerhin knapp hundertseitigen Buches gemeistert zu haben, muss vor allem die Charakterfestigkeit Brinkbäumers gelobt werden, der mit seinem mutigen Bekenntnis zur Verständnislosigkeit das zarte Pflänzchen der Vorzensur gegen die Straße und gegen das Wutbürgertum verteidigt. Brinkbäumer mag innerlich auch schwer mit sich gerungen haben, bevor er sich schützend gegen seinen Kollegen stellte. Aber was außer Charakter sollte einen Mann von so bescheidenen Talenten in eine so verantwortungsvolle Position gebracht haben?


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"Es gab Zeiten, da man die Sklaven legal kaufen mußte."

"Hört ihr das Gestammel? Das sind die Chöre der Mitlaute nach der Extermination der Selbstlaute."

"Satiriker, pfeift auf Worte. Laßt Zahlen sprechen!"

"Seinem Mund entfliehen die edelsten Worte. Wundert euch das?"

"Positive Helden müssen nicht erst erschaffen werden; es genügt, sie zu nominieren."

"Es gibt Stücke, die so schwach sind, daß sie aus eigener Kraft nicht vom Spielplan herunter können."

"Auch fremdes Analphabetentum macht das Schreiben schwer."

"Viele verschweigen in den Lebensläufen ihr Nichtvorhandensein."

"Die Teufel haben von der Vergesellschaftung der Gegenwart erfahren und wollen nun keine Pakte mehr mit Privatpersonen schließen."

"Die meisten Maulkorbträger sind davon überzeugt, sie trügen Visiere."

Stanisław Jerzy Lec
(Man muss wohl wieder vermehrt Autoren zitieren, die unter sozialistischen Verhältnissen schrieben.)

Einer noch: "Ich werde ständig gefragt: 'Schreiben Sie auch größere Sachen?' – 'Nein', antworte ich, 'nur große.'"


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Emmanuel Macron, der sieghafte Sunnyboy mit dem Zukunftsabo, Trump-Dompteuer und Populistenbezwinger, errang eine Mehrheit von 32 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 48,7 Prozent. Theresa May, die ihr Land ins Gestern der Souveränität führen will, erlebte ein Desaster mit 42,4 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 68,7 Prozent.


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Der schlimme Historiker und Universalgelehrte Rolf-Peter Sieferle, der sich dem Volksgerichtshof durch Freitod entzogen hat, verbreitete in seinen beiden letzten Büchern "rechtslastige Verschwörungstheorien", verlautbart seit ca. 24 Stunden die Wahrheits- und Qualitätspresse. Vor allem die rechtslastige Verschwörungstheorie, die deutsche Bevölkerung werde sukzessive gegen eingewanderte Völkerschaften ausgetauscht.

Im Hamburger Stadtparlament wurde diese rechtslastige Theorie schon vor anderthalb Jahren und interessanterweise von der grünen Abgeordneten Stefanie von Berg weniger verkündet denn als Tatsache konstatiert. "Unsere Gesellschaft wird sich ändern. Unsere Stadt wird sich radikal ändern", sagte die grüne Verschwörungstheoretikerin. "Ich bin der Auffassung, dass wir in 20, 30 Jahren gar keine ethnischen Mehrheiten mehr haben in der Stadt. Das ist auch das, was Migrationsforscherinnen und -forscher sagen." Wir werden dann in einer "superkulturellen Gesellschaft" leben, und, das sage sie "speziell in Richtung rechts" – also dorthin, wo die Theorie angeblich herstammt –, das sei "auch gut so"!

Merke(l): Nicht dass der "große Austausch" stattfindet, ist eine Verschwörungstheorie – sonst wäre es ja auch eine, dass die Erde um die Sonne kreist –; erst wenn "Rechte" behaupten, dass die Erde um die Sonne kreist, ist es eine.


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Weil im Fall Sieferle ständig auf Antisemitismus angespielt wird (auf rein papiernen, gegen den zu agitieren keinen Mut erfordert): Niemand hat in der deutschen Nachkriegsgeschichte mehr für den Antisemitismus getan als Angela Merkel mit ihrer Willkommenskultur bzw. -barbarei. Die Merkel-CDU ist die größte Antisemiten-Importspedition der deutschen Geschichte. Die echten Neonazis werden der Kanzlerin für diese unverhoffte Blutzufuhr an zumindest in diesem Punkte Gleichgesinnten ewig dankbar sein.


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"Aber warum sollten wir der Jugend nicht auch klar sagen, daß sie sich zu Recht Sorgen macht darüber, wenn unter dem Motto der Vielfalt Konterrevolutionäre versuchen, ihr Süppchen zu kochen?" Schau an, die Margot Honecker, vor exakt 28 Jahren.


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Hier endet der populäre Teil und es geht weiter mit den Lateinern zur Diskussion um die korrekte Übersetzung von "Finis Germania":

Leser *** notiert: "Der Schreiber, der die Lösung des Problems, das uns der Autor des vorgestellten Buches hinterlassen hat, indem er sich standhaft geweigert hat, den naheliegenden Genitiv zu verwenden, dergestalt vorgeschlagen hat, dass es sich um ein Adjektiv handele, das sehr schön zu finis (das hin und wieder einmal feminin sein KANN) passen würde, unterliegt, so fürchte ich, einem Irrtum, denn das Adjektiv deutsch heißt im Lateinischen nicht Germanius, sondern meines Wissens Germanicus, seltener Germanus o. germanicianus, sodass der vorgeschlagene Ausdruck dann finis Germanicus oder Germanica heißen müsste, seltener finis Germana o. finis Germaniciana. Germania ist aber das Nomen Deutscland und sonst nix.

Die korrekte Übersetzung ist schlicht und einfach: Grenze Deutschland.

Wie weit der Interpretationsrahmen antiker Sprachen gehen kann, beweist aber eine andere grammatisch mögliche Übersetzung, die den im Lateinischen häufigen Nominalsatz annimmt, in dem zB Germania das Subjekt und finis das vorangestellte Prädikatsnomen ist, was übersetzt werden kann als Deutschland ist das Ultimative oder das Ziel, sogar Deutschland ist das Ende ist möglich. Oder umgekehrt, das Ziel ist Deutschland, denn Subjekt und Prädikatsnomen stehen beide im Nominativ und sind somit austauschbar. Ein Schelm, wer für möglich hält, dass der Autor eine ebensolche Schelmerei beabsichtigt haben könnte. Oder ein humanistisch Gebildeter, der für möglich hält, dass auch andere eine humanistische Bildung genossen  haben. Wenn er uns sehen kann, wird er seinen verdienten Spaß an unseren Bemühungen haben."

Und, ad ultimum.Leser ***:
"Also ab in die zweite Runde in Sachen 'Finis Germania' (ich beziehe mich auf den Leser, den Sie in der Fortsetzung zum 12. Juni zitieren): Die Conclusio, zu welcher der Student auf der Grundlage des von ihm referierten Grammatik-Passus gelangt, ist Unfug. Zunächst einmal: Adjektivattribut kann 'Germania' hier schon allein deshalb nicht sein, weil 'Germania' kein Adjektiv, sondern ein Eigenname, genauer gesagt ein Toponym ist. Die von dem Leser gesehene Apposition 'Das Ende das Deutsche (sic!)', von der er dann flott zur adjektivischen Konstruktion 'Das deutsche Ende' hüpft, ist ebenfalls Unsinn, denn erstens kann 'Germania' niemals 'das Deutsche' heißen und zweitens soll hier ja nicht 'das Ende' näher bestimmt/qualifiziert, sondern vielmehr über Deutschland etwas ausgesagt werden, nämlich: 'das ist das Ende, der Untergang Deutschlands. Mit Adjektivattribut hieße unser Syntagma übrigens: 'Finis Germanicus' (oder: 'Finis Germanus'), zur Not auch noch: 'Finis Germanica/Germana', aber eben niemals 'Finis Germania' ('finis' ist überwiegend maskulin, selten feminin).

Für 'Finis Germania' gibt es nur zwei plausible Lesarten: Entweder man liest 'finis' als Verbform (2. Person Singular) und 'Germania' als Vokativ und erhält: 'Du gehst unter (endest) Deutschland!', oder man betrachtet 'finis' als Substantiv ('Germania' bleibt in jedem Falle Vokativ) und gelangt so zu: 'Das/dein Ende (der/dein Untergang), Deutschland!' (wie gesagt, im antiken Latein wurden keine Satzzeichen verwendet)."