Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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4. Juni 2017


Nach jedem Terroranschlag veröffentlicht Spiegel online routiniert einen Artikel, der mit der Zeile überschrieben ist: "Anschlag in XY: Was wir wissen – und was nicht." 
Korrekt müsste es heißen: Was wir wissen – und was wir nicht wissen wollen.


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Die Ehefrau des rheinland-pfälzischen AfD-Vorsitzenden Uwe Junge, Claudia Junge, hat einen offenen Brief an Landtagspräsidenten Hendrik Hering (SPD) geschrieben. Darin heißt es, sie habe es satt, sich als AfD-Mitglied "von Ihnen und Ihresgleichen beschimpfen zu lassen. Bürger, die Veranstaltungen der AfD besuchen wollen, werden abgedrängt und verprügelt, AfD Politiker werden zusammengeschlagen, ihre Autos und Häuser mit Farbe besprüht, Fenster eingeschlagen, ja sogar an Häusern Feuer gelegt. Die Privatadressen von AfD-Mitgliedern werden veröffentlicht und ihre Kinder werden in der Schule isoliert, eingeschüchtert und genötigt. Wirte, die der AfD Räume für Veranstaltungen zur Verfügung stellen, werden bedroht und ihre Immobilien beschädigt. Nicht die AfD ist gefährlich, sondern Menschen wie Sie, Herr Hering."

AfD-Mitglieder und -Wähler, fährt Frau Junge fort, "zünden keine Autos an, brechen keine Kiefer und beschädigen kein Eigentum. Wir sagen, was uns stört und was wir besser machen wollen. Von uns geht aber niemals Gewalt aus. Der Brandanschlag auf mein Auto und unser Haus sowie der Überfall auf meinen Mann veranlaßte Sie und Ihre Genossen nur zu einem müden Telefonanruf. Eine öffentliche Stellungnahme oder gar ein Thema im Parlament – Fehlanzeige. Der obligatorische Blumenstrauß ins Krankenhaus verbunden mit Genesungswünschen an meinen Mann – Fehlanzeige."

Stattdessen stachelten Hering und Genossen die Linksextremisten noch extra an. "Was muß noch passieren, ehe Sie und das Parlament sich von diesen politisch motivierten Straftaten distanzieren? Wann haben Sie vor, Ihrer Bestürzung öffentlich Ausdruck zu verleihen? Muß es erst Tote oder Schwerstverletzte geben?

Wissen Sie, wie das ist, wenn man sich in seinem Haus nicht mehr sicher fühlt? Wenn man sich mit Freunden und Familie nicht mehr öffentlich treffen kann, weil man sie nicht der Gefahr aussetzen will, mit AfD-Mitgliedern gesehen zu werden? Was tun wir AfD-ler, daß wir Ihren Anfeindungen ausgesetzt werden? Wir haben nur eine andere politische Überzeugung! Und das in Deutschland, nicht in einer Diktatur!"

Außer der Jungen Freiheit (hier) und einer Mainzer Regionalzeitung fühlte sich kein – kein! – deutsches Wahrheits- und Qualitätsmedium bemüßigt, diesen Brief auch nur zu erwähnen.

Merke, zum Ersten und Wiederholten: Die Macht der Presse zeigt sich vor allem darin, was sie verschweigt.
Merke, zum Zweiten und noch öfter Wiederholten: Der Begriff "Lückenpresse" darf von Fall zu Fall mit ruhigem Gewissen durch den Terminus "Lumpenpresse" ersetzt werden.


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Viele Leser haben auf mein "Quiz" vom 2. Juni reagiert, und fast alle richtig: Rudolf Borchardt hat's geschrieben, es handelt sich um einen Passus aus seinem Nachwort zum Buch "Ewiger Vorrat deutscher Poesie". "Ich danke Ihnen für Ihre gestrige diskrete Anregung, noch einmal in Borchardts 'Ewigem Vorrat' zu lesen, der für mich schönsten, aber auch leicht verrückten (die Wiedergabe von Hölderlins 'Hälfte des Lebens' als Odenfragment!) deutschen Lyrik-Anthologie", schreibt beispielsweise Leser ***."Dies ist Deutsche Poesie, nicht eine Reihe deutsch dichtender Autoren. Es ist nicht Poesie Einzelner, sondern das poetische Vermögen der Volksgesamtheit", zitiert *** aus dem Nachwort, und ***, vor kurzem nach Norditalien übergesiedelt, notiert: "Ich sehe soeben, daß B. gar nicht so weit von hier gestorben ist und dort auch noch ruht. Gibt es tatsächlich keine Gesamtausgabe von ihm?"

Allerdings, unterrichten mich mehrere Eckladenbesucher, werde man auch auf google.books fündig. Ich war mir zwar sicher – und mit Recht –, dass Borchardts Anthologie dort nicht existiert, aber in einem Buch mit Zitaten über Heinrich Heine kommt der zitierte Passus zu seinen Ehren und zum googlebaren Vorschein.