Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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2. Juni 2017


"Im Exil zu sterben ist eine Garantie dafür, nicht völlig mittelmäßig gewesen zu sein", notierte Don Nicolás.
One world nennt sich das Gefängnis, aus dem kein Weg in ein rettendes Exil mehr möglich ist.


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Als die europäischen Länder mit dem schlimmen Deutschland inmitten noch autoritär, patriarchalisch, jedes auf seine Weise grau und allesamt praktisch ewiggestrig waren, mussten die jungen Menschen, wenn sie ihren Familienkäfigen abends einmal entfliehen wollten, mit den Eltern, Tanten und Gouvernanten zu Konzerten, in Opernhäuser oder ins Theater gehen, wo ihre unverdorbenen Gehirne mit Seitenthemen, Fugen, Passacaglien und Doppeldominant-Septakkorden geschulmeistert, mit Terzetten, Jamben und Stabreimen geschurigelt, wo ihre zarten Seelen in die spanischen Stiefel der Hochkultur geschnürt wurden. Das ist gottlob vorbei. Ungefähr um das Jahr 1968 begann die westliche Jugend aufzumucken und den alten Trödel abzuräumen. Wo früher peinlich befrackte Virtuosen ihre Instrumente notzüchtigten und Mimen mit sogenannten Klassikertexten groß taten, standen nun halbnackte, mit Drogen aufs Köstlichste zugedröhnte junge Männer auf der Bühne und zerstrümmerten grölend ihre Instrumente (sowie später ihre Hotelzimmer), aus Protest gegen das Establishment und seine bedrückenden kulturellen Konventionen natürlich, umjohlt von endlich freiem Volk, das auf freiem Grunde höchste Augenblicke genoss und sich tags darauf zuweilen sogar daran erinnern konnte. Befreite Maler kippten ihre Farbe über die Leinwand oder verspritzten gleich Blut an die Wände der Galerien, kühne Regisseure befreiten Antigone, Gretchen und Ophelia von ihren Kleidern, ihrem Anstand und ließen sie auf die Bühne kacken. Alles wendete sich zum Guten, Wahren und Schönen.

Heute, im besten Deutschland, das es jemals gab, umgeben vom besten Europa, das je existierte, und vom Süden her sanft überspült von den besten Menschen, die je einem Kontinent geschenkt wurden, ist die Jugend inzwischen auch von den letzten Konventionen befreit, weshalb sie, außer gegen "rechts", im Grunde gegen nichts mehr protestieren muss und sich in vollendeter Zwanglosigkeit vergnügen kann. Zum Beispiel auf den Konzerten der Ariana Grande oder der Eagles of Death Metal.


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"Heine, ein dichterisch ausserordentlich begabter Geist, dessen stilkritische Erfahrungen nicht hoch genug angeschlagen werden können, und dem ausser der Selbstachtung – von der die Möglichkeit, anderes zu achten, abhängt – nicht viel gefehlt haben würde, um ein reines und menschliches Werk anstatt eines trüben und äffischen zu hinterlassen – Heine also, der gedichtete Gedichte sehr wol als solche empfand, und ihnen ähnliche hervorzubringen wünschte, hat immer mit demjenigen begonnen, womit er den wahren Dichter enden sah: mit dem Eindrucke, den die Erscheinung des Gedichtes auf ihn selber machte, also mit der Erscheinung selber, die ihm als solche ins Auge fiel, und die er, im eigenen Falle, aus den Augen und dem Eindrucke eines angenommenen Lesers heraus, genau calculierend verwirklichte. Diese Misere und dies ungrossmütige Geizen mit seinem Innern, dem einzigen, was der Dichter zu schenken hat und daher nicht nur schenken muss, sondern verschenken, richtet die gesamte unübersehbare Masse so ausserordentlich künstlerischer und durch so glänzende Begabung sofort auffallender, durch ihren Mangel an jeder selbstunbewussten und liebevollen Natur sofort enttäuschender und erbitternder Verse. Heines geschichtliche Stellung entschuldigt ihn nicht, gewiss war alles erfüllt und gesagt, und es war nur noch zu variieren und zu vereinzeln, zu verdichten, in Epiloge zu fassen, in Scheidegrüssen auszuklagen; aber in Rückert und Mörike und etwa Platen geschah das unaussprechlich und unvergesslich. Keiner von ihnen dreien hätte aus sich heraus vermocht die bittersüssen, selig verworrenen Eingangstakte zu erzeugen, die eine unbegreifliche Schicksalsgunst an Heines Undank immer wieder verschwendete; aber sie waren durch das reine und bittersüsse Ringen ihrer menschlichen Seele am Ende ihrer Conceptionen da, wo jener am Anfange war, indes er nur mit der Fratze seiner selber zu enden vermag, und als Komödiant, zwischen den Fusslichtern Applaus erpressend, den falschesten Ton neben dem wahren ausruft um sicher und gewiss der Held der Minute zu bleiben."

Gott, ist das gut. Wer hat's geschrieben?


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"Ich staune ja immer wieder, wie so manches Partei-Girlie, das in seinen Handlungen, wie auch im persönlichen Auftritt auf mich einfach nur dämlich wirkt, eine Treppe nach der anderen hochfällt und dabei das feministische Gejammer von der gläsernen Decke jammert." So Hadmut Danisch über ein inzwischen zur Ministerpräsidentin emporgefallenes Partei-Girlie.