Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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27. Mai 2017


So dumm kann am Ende niemand sein, dass er die Chance nicht ergreifen würde, seine Begabungsmängel als Diskriminierung zu verkaufen.


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Die Sendschrift unseres Kontrollministerleins wider die hetzerischen Rotten der Rechtspopulisten scheint ein veritables Kultbuch zu werden, wobei vor allem die Fünf-Sterne-Rezensionen lesenswert sind: "Heiko Maas ist Liebe. Heiko Maas ist Leben." Oder: "Heiko Maas erklärt auf 256 gut verständlich und witzig geschriebenen Seiten, wie man eine Diktatur errichtet." Allein der Titel "Aufstehen statt wegducken" gibt zu heiteren Assoziationen Anlass: „Nun Zivilgesellschaft steh auf! Nun Zensursturm brich los!" Auf dem Klappentext steht, dass unser Heiko Maas jetzt endlich beginnt, "unsere Demokratie zu verteidigen".

Gleich zu Beginn des Buches – bei Amazon ist eine Leseprobe feil – verkauft sich der Verfolger trendkonform als Verfolgter und erzählt, wie er sich bei seiner legendären Flucht aus Zwickau zwar noch weggeduckt hat ("mir wird die Naziparole 'Volksverräter' entgegengeschnauzt"), doch damals muss er, kaum hatte er die rettende gepanzerte Limousine erreicht, beschlossen haben, künftig aufzustehen. Sein saarländischer Landsmann und Genosse E. Honecker konnte ein Lied davon singen, was passiert, wenn man den Sachsen nicht schneidig entgegentritt. "Einige der Protestler halten Plakate hoch, auf denen ‚Gegen Zensur. Für Meinungsfreiheit’ steht", erinnert sich der Chef des unmittelbar vor der Fertigstellung stehenden Wahrheitsministeriums. "Was für ein schlechter Witz. Dass die Justiz einschreitet, wenn jemand im Internet ‚Flüchtlinge ins Gas’ postet, halten die Rechten für Zensur."

Niemand soll unserem Genossen Heiko unterstellen, er wüsste nicht, was Hetze ist. Aber Hetze ist eben immer auch auf selbstentlarvende Weise dumm. Erstens schreitet die Justiz tatsächlich ein, wenn jemand dergleichen postet, und zwar völlig unabhängig von der Existenz eines Menschen namens Maas und irgendwelcher von ihm veranlasster Netzwerkskontrollverfügungen, zweitens will Maas ja gerade die Justiz aushebeln und durch private Internet-Sheriffs ersetzen, die seinen Sozialistentraum von einem gesäuberten Netz verwirklichen, drittens halten die meisten Rechten es keineswegs für Zensur, wenn die Justiz im Netz das Recht durchsetzt, sondern sie fordern genau das, aber viertens weiß zumindest jedes rechte Kind, dass die Masi schon längst ganz andere Einträge löscht und bei ihren DDR-Spielchen täglich immer unverschämter und dreister wird.