Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

Artikelsuche

Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


...mehr

 

 

15. Mai 2017


Plage 1
Eine Notiz pro domo, weil es gerade durch die Medien geistert: Am 4. Juli wird meine Klage gegen Herrn Pretzell (Betonung auf dem zweiten e) vor dem Arbeitsgericht München verhandelt. Gestern behauptete Pretzell auf einer Pressekonferenz: "Erfreulicherweise will Herr Klonovsky jetzt nicht mehr 40.000, sondern nur noch 24.000 Euro; wenn die Summe in dem Tempo weiter schmilzt, dann wird zur mündlichen Verhandlung wohl nicht mehr viel übrig bleiben."

Von 40.000 Euro habe ich nie gesprochen, den Betrag hat sich irgendwer anhand der honorarfrei ins Land gegangenen Monate ausgerechnet, denn immerhin war Pretzell so kühn, den zwischen uns bestehenden Arbeitsvertrag nie zu kündigen; ich vermute, weil er Verträge generell nicht so wichtig nimmt. Meine Klage bezieht sich nur auf den Zeitraum, über welchen ich davon ausging, mit Pretzell tatsächlich in einem Vertragsverhältnis zu stehen, bedeutet also ein Entgegenkommen meinerseits. Und diese Summe steht bolzenfest.

Hat eigentlich, am Rande, überhaupt noch jemand Sinn für die hohe Komik, welche darin besteht, dass dieser Primus unter den Zwielichtigen, der dreimal von Gläubigern zum Offenbarungseid aufgefordert und dem die Anwaltszulassung entzogen wurde (hier), der Verträge nicht einhält, die Öffentlichkeit belügt ("Klonovsky hat nie für mich gearbeitet"), seine Immobilienfirma unter der Adresse des Leipziger AfD-Büros laufen ließ, dass dieser Schelm nun die Landtagsfraktion einer Partei führt, die angetreten ist, den Rechtsstaat wiederherzustellen, dass unser Filou sich in seriöser Pose vor die Mikrophone stellt und sagt, er stehe für einen "realpolitischen Kurs", und gemeinsam mit seinem Ehegespons von künftigen "realpolitischen" Koalitionen mit der CDU, also der Partei u.a. der momentan bedeutendsten Realpolitikerin und großen Patriotin Ursula von der Leyen, tagträumt? Wozu eigentlich noch ins Kabarett gehen?

Und nochmals am Rande: Die Sollbruchstelle der AfD ist Björn Höcke. Nicht weil dessen Einfluss so groß wäre, sondern wegen des radikalen Meinungsfreiheitsverständnisses in weiten Teilen der Partei, das schon den Gedanken an Diskussionsverbote nicht zulässt. Wer diese Partei spalten will, mit welchem persönlichen Ziel oder auf wessen Geheiß auch immer, muss beharrlich auf diese Bruchstelle zielen, mit Parteiausschluss-Anträgen, dem Ziehen roter Linien, Isolations- und Zukunftsanträgen. Wer tut das am nachdrücklichsten, am aggressivsten, am "realpolitischsten"? Und bewegt sich, trotz aller persönlichen Anrüchigkeit, zugleich mit bemerkenswerter Rotzfrechheit auf dem sog. politischen Parkett, kündigt innerparteilichen Gegnern das Karriereende an etc., als stünden der Leibhaftige, ein auf die Beseitigung von Selbstzweifeln spezialisierter Guru oder die Organisation Gehlen hinter ihm? Ts ts ts...  


                                 ***


Plage 2
Alexander Wendt notiert: "Die Pleite von Solarworld – des letzten größeren deutschen Solarherstellers – kommt wie das Glockengebimmel zum Untergang des grünen Wahns. Nach Jahren zweistelliger Millionenverluste stellt Inhaber und Gründer Frank Asbeck fest: 'Die Firma hat keine Zukunft mehr.' Um meinen luziden Freund und Kollegen Wolfgang Röhl zu zitieren: 'Die Sonne schickt keine Rechnung. Sondern den Konkursverwalter.' Alle anderen Hersteller in Deutschland – Q-Cells, Solon et al. – rauschten schon früher in die Grube.
Asbeck selbst droht allerdings keine finstere Zukunft: Er bleibt Multimillionär und Besitzer zweier Schlösser. Als Großaktionär ließ er sich noch reichlich Dividende auszahlen, als die Firma schon Verluste schrieb. Dann zwang er Anleger und Gläubiger, einen Kapital- und Schuldenschnitt zu akzeptieren, der Aktionäre 95 und Kreditgeber 70 Prozent ihres Einsatzes kostete. Ohne die Milliardensubventionen für Strom aus Solaranlagen – lange Jahre funktionierte diese ineffiziente Art der Energieerzeugung wie das Gelddrucken, Investoren konnten auch mit hohen Modulpreisen leben – hätte Solarworld schon viel früher gegen die chinesische Billigkonkurrenz aufgeben müssen.
Noch 2013 beglückte Asbeck die Bonner SPD mit einer Großspende. Auch die Grünen – Asbeck ist Parteimitglied – dürften nicht ganz leer ausgegangen sein. Für ihn und die Begünstigten hat sich die Energiewende gelohnt. Schließlich sind die seit dem Jahr 2000 von unten nach oben umverteilten 400 Milliarden Euro nicht weg, sondern nur woanders.
Es liegt nur wenige Jahre zurück, dass Jürgen 'Eiskugel' Trittin von einer Millionen grüner Jobs bis 2020 fantasierte. Die Wahrheit ist: seit 2011 geht die Zahl der ohnehin schon sehr großzügig definierten grünen Jobs zurück; ihre Höchstzahl betrug damals 381 000. Nach Berechnungen des Instituts für die Zukunft der Arbeit (IZA) sind 80 Prozent davon subventionsabhängig."

Als erhellende Lektüre zur "größten Umverteilungsorgie in der deutschen Nachkriegsgeschichte und ihren Profiteuren" (Wendt) kann ich dessen Hörbuch/E-Book "Der grüne Blackout. Warum die Energiewende nicht funktionieren kann" erderwärmend wärmstens empfehlen (hier).


                          ***


Plage 3.
Das meint der (anscheinend von Schlafstörungen geplagte) ano- oder akro- oder akropseudonyme Leser:

"Meen Gudsder (das war die Anrede!),

Sie haben sich immerhin nach einer gewissen Zeitspanne auf Ihre Rolle als 'homme des lettres', als 'Intellektuellendarsteller', als Kim Kardashian des einschlägigen Gewerbes oder so besonnen, eine Rolle, zu der Sie gekommen sein dürften wie die Jungfrau zum Kinde...  ;-) :

aus der

'ungebrochene(n) Kontunität'

wurde doch TATSÄCHLICH die

'ungebrochene Kontinuität'!

Wie kömmts?  ;-)

(Man wird ja wohl noch fragen dürfen!)

Man darf?

Das ich DAS noch erleben darf! :-) :-) :-)

Leiderleiderleider hab ich nun eine Wette verloren:

ich schwor im Freundeskreis Stein auf Bein, dass 'Ihro Münchner Penetranz' maximal 10 Stunden bräuchten, um diesen 'Lapsus' zu korrigieren...

Allein:
es waren dann doch an die 30(!) Stunden, bis Sie über das Stöckchen sprangen, das ich Ihnen hinhielt. :-(

Aber immerhin: Sie sprangen! :-)

Erwähnte ich schon den "inneren Reichsparteitag"? Hmmm? :-) :-) :-)

WAHRE Größe wäre gewesen, das 'noch ned amal zu ignoriern'... ;-) , darauf mit der Haltung zu reagieren '...was kümmert mich mein Geschwätz von vorgestern' oder so, eine Haltung, die ganz nebenbei an den Gauleiter von Breslau '45 erinnert:

'Breslau wird verteidigt bis zum letzten Blutstropfen!'

Direkt nach diesem Heldengeschwätz stieg der Herr dann ins Fluzeug, welchselbiges ihn über die eigens für ihn angelegte Startpiste ausflog... (Hat ihm auch nichts genützt!)

Und auf Heldengeschwätz stehen Sie ja offensichtlich, wie wir schon anlässlich Ihrer Emanationen zum Berliner Attentat

'...was tut der brave Deutsche drei Tage, nachdem ein islamischer Radikaler bei einem Anschlag zwölf Menschen getötet hat...'

und nachfolgenden Lustbarkeiten kulinarischer Natur ('Kalbsbäckchen' in Seefeld/Tirol etc. etc. pp. ad nauseam)

feststellen konnten...

Was meinen Sie:

spielen wir noch ein wenig privat miteinander - oder sollten wir dieses Spiel ein wenig öffentlich machen; z.B. durch eine Webseite wie z.B.

www.kalbsbaeckchen-klonovsky.de

auf der ich Ihre

'sprachliche Hochstapelei, lauter Plüsch und Talmi', Ihren 'marmorierter(n) Gips' ein wenig 'dekonstruiere' (wie das heutzutage so schön heißt)?

Anyway:

die Tränen runtergeschluckt, den Rotz hochgezogen - und auf gehts zur nächsten Pleite... ;-) ;-) ;-)

Ich hab durchaus noch einiges in der Pipeline, allein: man hat ja auch noch einem bürgerlichen Broterwerb nachzugehen - und insofern nicht immer die Zeit, zeitnah zu reagieren! :-(

Mit dem Ausdruck der Ihnen und Ihrer Spießgesellen gebührenden 'Achtung'

verbleibe ich als Endesunterfertigter

gb

(Das war die Grußformel!  ;-) )"


Ich vermute: Irgendwas Geisteswissenschaftliches studiert, keinen oder nur irgendeinen belanglosen Job, keine Familie, in der Pipeline ist zwar tatsächlich einiges drin, aber sie leert sich nur noch sporadisch, außerdem tiefe narzisstische Kränkung wegen des täglich immer augenfälliger werdenen Widerspruchs zwischen Anspruch und Realität, und mit dem Freundeskreis ist es auch nicht so weit her? Würde mich aber freuen, wenn ich mich irrte. Dieser Mensch, der mir nunmehr schon die dritte Mail schreibt, will sich aus offenbar quälender Untätigkeit als mein Stalker betätigen. Während man einen Kaugummi, in den man versehentlich getreten ist, mit einiger Mühe und etwas Ekel von der Sohle kratzen muss, hilft in solchen Fällen ein halbwegs flexibler Spamfilter. Oder soll ich dem Bub eine eigene Rubrik einrichten? Man muss doch hilfreich, edel und gut sein! Freilich, um den Doktor Kranich zu zitieren: "Es ist sehr zu bedauern, daß in unserem Kreise die irrenärztliche Wissenschaft nicht vertreten ist. Ich, als Numismatiker, fühle mich hier gänzlich unzuständig."


                       ***


95 Prozent der Zuschriften indes sind erfreulich, etwa jene von Leser ***, der mich zitiert mit den Worten:

"Als ein den Geistesdingen Wohlgesonnener und Homme de lettres pflege ich eine gewisse Distanz gegenüber den fürs Technische und Bezifferbare Empfänglichen",

um Widerspruch einzulegen:

"Ich empfehle Ihnen Distanzlosigkeit.

Wo wären wir heute, wenn die fürs 'Bezifferbare Empfänglichen' die Welt ausschließlich den Geistes'wissenschaftlern' überlassen hätten? Die Erde wäre noch immer eine Scheibe. Sie würden sich darauf bestenfalls auf einem Pferd schneller fortbewegen, oder wären mit hoher Wahrscheinlichkeit schon Pest, Cholera oder einer anderen Infektionskrankheit erlegen. Eine Blinddarmentzündung hätte auch gereicht.

Im Besitz ihrer absoluten geistigen Wahrheit hätten Heilsbringer die Welt bereits erfolgreich zerstört. Leider begreifen sie es einfach nicht und versuchen es immer wieder. Vermutlich ist die Überheblichkeit der Geisteswissenschaftler indirekt proportional zu deren Fähigkeit zu falsifizierbarem und exaktem naturwissenschaftlichen Denken.

Mit freundlichen Grüßen

***
Dipl.-Ing."


Gewiss doch, alles richtig. Dass der momentane Zustand der Geisteswissenschaften beklagenswert ist, sei unbestritten. Nur "Geistes"wissenschaftler_innen konnten sich ausdenken, dass Geschlecht ein "Konstrukt" sei und Gender-Mainstreaming eine Lösung für Probleme, von denen außer ein paar OkkultistInnen niemand etwas wusste, oder dass es keine Menschenrassen gebe, aber weiße Männer am Elend des Planeten schuld seien, oder dass ausgerechnet die alte BRD, im konkreten Fall mit Blick auf den Starnberger See, eine "Risikogesellschaft" gewesen sei. Die Abiturienten- und Habilitiertenschwemme ist ein reines Problem der Geisteswissenschaften, wo man auch als Plattkopf mit einer gewissen trendkonformen Flexibilität und der richtigen Gesinnung (bzw. Anprangerung der falschen) durchkommt, während ein Trottel in den Naturwissenschaften sofort auffiele. Aber wie armselig wäre eine Bibliothek ohne die großen Philosophen oder ohne Autoren wie Jacob Burckhardt, Dilthey, Max Weber, Friedell, Mommsen, Luhmann, um nur ein paar deutsche Namen zu nennen? Und wie sähe die Welt aus, wenn man sie allein den Praktikern und Berechnern überließe? Was bliebe im Technikerparadies von den überflüssigen Schönheiten dieses Planeten, den natürlichen wie den geschaffenen, übrig? Merke Gómez Dávila: "Der Teufel hat heute eine geometrische Form."  

Wie ich an dieser Stelle bereits ausführte, löst sich der Widerspruch auf, wenn man sich entschließt, die Welt goethisch zu sehen, sich sowohl für die Naturwissenschaften als auch für die Geistesdinge – und die Künste! – interessiert, sie als etwas Zusammengehörendes begreift, in ihnen lebt und webt, und zwar ohne Scheu vor dem unausweichlichen Dilettantismus, in den sich in unserer überkomplexen Welt jeder begibt, der über sein kleines Fachgebiet hinaus geistige Interessen pflegt und sich möglichst viel "Welt" aneignen will.