Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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11. Mai 2017


Als Appendix zu meinen Einträgen über den neuen Volks- und Staatsfeind Nr. 2, Xavier Naidoo, macht mich Leser *** auf den Song "Kill ll the white man" aufmerksam, "den die amerikanische Punkrockband NOFX auf dem 'Chiemsee-Summer'-Festival 2016 zum Besten gab und der soeben im Nachtprogramm des Bayerischen Fernsehens, wohl wegen des unbestreitbar hohen künstlerischen Werts, wiederholt wird". Und der geht so:

The white man call himself civilized
Cause he know how to take over
The white man come to pillage my village
Now he tell me I have to bend over

Oh yeah, kill all the white man

No I don't like the white man up in me
He rape all my people as he rape my country
Everything I love and cherish, he try to take away
We will be rid of him, soon come the day

Oh yeah, kill all the white man
Oh yeah, kill all the white man
Oh yeah, kill all the white man
Oh yeah, kill all the white man

Bemerkenswert, fährt *** fort, sei die "Selbstachtung des ausschließlich weißen Publikums: Der Kameraschwenk zeigt schon länger hier weilende Menschen, die den Refrain begeistert mitgrölen", und empfiehlt: "Vielleicht können Sie ja im Diarium eine feste Rubrik mit nicht-staatsgefährdenden Songtexten einrichten."

Ein Anfang ist ja schon gemacht, vielleicht wohnt ihm gar ein Zauber inne.


                              ***


Je älter Zeitungen werden, desto interessanter werden sie zugleich. Parallelen treten zutage, die dem Zeitzeugen naturgemäß verborgen blieben, und auf manches sinistre Gelichter fällt in der Rückschau ein überdeutlich grelles Licht.

"Links von der Mitte des politischen Spektrums der Bundesrepublik machen sich seit Wochen Aversionen gegen die Zuzügler breit", meldete der Spiegel am 23. Oktober 1989. "Die Front der Flüchtlingsfeinde reicht von kommunistischen Sektierern über alternative Abgeordnete bis hin zu strammen SPD-Linken. Am feindseligsten gebärden sich Radikale, etwa aus dem Kommunistischen Bund (KB). DDR-Übersiedler, heißt es im KB-Sprachrohr Arbeiterkampf, seien 'Spießerschrott', dem es nur um die schnelle Westmark gehe. Den 'Zoni-Zombies' wurden zur Abschreckung Schläge angedroht: 'Euch hätten wir gleich auf dem Bahnsteig gern die Fresse poliert.'
(...)
Die Ressentiments gegen Übersiedler erhalten beinahe täglich Nahrung durch neue Reizbilder in den Medien. Wenn die Ankömmlinge im Westfernsehen aufgekratzt Deutschland-Fähnchen schwenken, ihre DDR-Kennzeichen am Wartburg bis aufs bloße 'D' durchstreichen und die neuerworbenen Bundespässe voller Nationalstolz in die Kamera halten, graust es vielen Grünen, die sich auf ihre internationalistische Gesinnung viel zugute halten. 'Die Zonis küssen ja den BRD-Boden wie der Papst', beobachtete entgeistert ein Mitglied der Hamburger Grün-Alternativen Liste.

Weil Zehntausende von DDR-Bürgern ganz offensichtlich das kapitalistische System einem sozialistischen vorziehen, flüchten sich viele Westlinke in Sarkasmus. So feierte die alternative Tageszeitung die Mauer kürzlich als 'Berlins nützlichstes Bauwerk' (...)

Schwierigkeiten im Umgang mit den SED-Flüchtlingen haben westdeutsche Linke auch deshalb, weil der Massenansturm Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot weiter verschärft. Heimische Zukurzgekommene fühlen sich durch die Neubürger zusätzlich benachteiligt.

Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Hermann Heinemann (SPD) sah sich letzte Woche genötigt, vor einer 'Verhätschelung' der DDR-Übersiedler zu warnen: Hiesige Arbeitslose müßten 'mit Bitterkeit' registrieren, daß den Zuwanderern Arbeitsplätze 'auf dem goldenen Tablett' serviert würden. In West-Berlin, wo das Gerangel um Arbeitsplätze und Wohnungen besonders heftig ist, haben grüne Politiker bereits eine Zuzugsbegrenzung für DDR-Übersiedler ins Gespräch gebracht.
(...)
Einzelnen SPD-Politikern kommt die Massenflucht mittlerweile ebenfalls ungelegen. Mit Hinweis darauf, daß die DDR nicht ausbluten dürfe, forderte der West-Berliner Abgeordnete Ehrhart Körting, die Übersiedlung per Gesetz zu erschweren, etwa durch eine Abschaffung der Rentenberechtigung. Wer die DDR verändern wolle, müsse sicherstellen, argumentiert Körting, daß die kritischen Bürger auch dortblieben."

Der komplette Text findet sich hier. (Ich danke Leser *** für den Hinweis.)


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Eine CDU-Landtagsabgeordnete erzählt in kleiner Runde, Unions-Fraktionschef Kauder habe auf einer Strategie-Versammlung seiner Partei die Direktive ausgegeben, man müsse dafür sorgen, dass Migration und Kriminalität in der öffentlichen Wahrnehmung voneinander getrennt werden.

Die Idee, der Bevölkerung vorzuschreiben, was sie auf welche Weise und in welchen Zusammenhängen wahrzunehmen habe, erinnert an Vorgaben des Reichspropagandaministeriums oder der Agitationskommission der SED und erfreut all diejenigen, die auf Konstanten im deutschen Nationalcharakter vertrauen. Auch die dahinterstehende Gewissheit, die Medien so weit unter Kontrolle zu haben, dass man dergleichen ganz unbefangen unterbreiten könne – es geht immerhin gegen die Alltagserfahrung von mittlerweile Hunderttausenden wenn nicht bereits Millionen Staatsbürgern –, atmet den noblen Geist großer deutscher Volkserzieher aus noch größeren Zeiten.


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Von 2015 auf 2016 gab es nach Angaben des BKA bei den Vergewaltigungen durch Gruppen ("Männer") gemäß §§ 177 /2 StGB eine Zunahme um 106,3 Prozent von 254 auf 524 Fälle resp. Einzelfälle. Dieses klassische Haushaltsdelikt der deutschen Leitkultur – Vater und seine Kumpels gehen nach dem Volksfestbesuch bierselig Mutter an die Wäsche – entfaltet nunmehr seine integrative Kraft. Auf, Brüder, ins Land of Rape and Honey!


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Im Gespräch sagt Jörg Friedrich einen Satz von so weiser Bescheidenheit und großer Einsicht, dass man ihn, vielleicht etwas ins Allgemeinverständliche modifiziert, über die Portale sämtlicher sozialen Schwätzwerke einmeißeln sollte, den Daumenhebern und vor allem -senkern zur Rechtleitung. Nämlich: "Unter den Komponisten, mit denen ich nichts anzufangen weiß, steht Max Reger ganz an der Spitze. Das hat mit Reger allerdings nicht das Geringste zu tun und liegt ausschließlich an mir."