Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

Artikelsuche

Service Menu

Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


...mehr

 

 

18. April 2017


Die politische Hauptaufgabe des Journalisten in der postfaktischen BRD ist praktisch wieder dieselbe wie in der präfaktischen DDR: Oppositionskritik.


                         ***


Das Referendum in der Türkei ging denkbar knapp aus, das hat es mit den letzten Referenden im Westen gemeinsam. Einmal mehr zeigt sich, dass durch viele Gesellschaften ein tiefer Riss zwischen, grob gesagt, Modernisierern und Traditionalisten geht. Im Westen klafft er zwischen Nutznießern der Globalisierung und denjenigen, die die Zeche zahlen müssen. Niemand soll glauben, die türkische Version der Gesellschaftsspaltung ginge uns nichts an, weil sie rückschlägig oder -ständig sei, es könnte sich für die Europäer auch um Grüße aus der Zukunft handeln. Jedenfalls wird die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, das Nebeneinander des einander-Ausschließenden auch im Westen immer mehr zunehmen, wovon allein die Tatsache zeugt, dass eine deutliche Mehrheit der hierzulande ansässigen Türken für Erdogans Quasi-Sultanat votiert hat.

Die Politik Rayyips des Prächtigen macht die EU-Mitgliedschaft der Türkei, so beflissen die verbliebenen Transatlantiker aus Nato-frommen Erwägungen immer noch dafür werben, von Tag zu Tag unmöglicher; wollen wir den Mann also nicht schelten. Außerdem erteilt er den Enthusiasten der Weltvereinheitlichung eine Lektion in Sachen Selbstbestimmungsrecht der Völker, wie es die Briten mit dem Brexit taten, wie es hoffentlich in den kommenden Jahren immer mehr Völker tun werden. Dieser Planet bleibt einstweilen ein Pluriversum, und das ist gut so. Reden wir nicht schlecht von den Nationen und ihren Eigenarten, sie sind der einzige Schutz vor dem tristen Einerlei der Diversity, vor dem grauen Tod, der den Völkern als „Gedanken Gottes“ (Herder) im Einerlei der von Figuren wie George Soros bewirtschafteten one world droht. Und damit uns nicht das andere graue Einerlei noch weiter heimsucht, das von Minaretten ausgerufen wird, ist es höchste Zeit, die Zugbrücken hochzuziehen, die uns mit dem neuosmanischen Reich, Friede sei mit ihm, derzeit allzu eng verbinden.


                       ***


Als "geldgeil" gilt im Lande der sozialdemokratischen Seelen schnell, wer mit seinen Fähigkeiten deutlich und mit seinen Honorarvorstellungen etwas den Durchschnitt überragt.


                       ***


Unlängst sandte mir der Grafiker und Lyriker Rolf Menrath sein Buch "Pflastersteinköpfe" (Verlag Rote Zahlen, Buxtehude) zu, für welches ich hiermit danke, indem ich mir gestatte, zwei Gedichte daraus zu zitieren.

Moderater Taliban

Wie jeden Morgen fährt der moderate Taliban
mit dem Jihad 500 ins Büro. Er trägt
den feschen Turban Marke Ali Boss
und träumt vom neuen Mahmud-Benz-Coupé.

Sein Job ist schwer, er soll aus tausendeins Verboten
fünfhundertundeinhalbes machen, dabei keines ändern.
Zum Mittagessen gibt es Dialog mit Reis,
Europa kommt vorbei. Der Rest ist für die Frauen und die Kinder.

Natürlich dürfen Muttis lesen. Den Koran
gibts im Dünndruck auch fürs Damentäschchen.
Die jüngste Tochter könnte manchmal in die Schule gehn,
wenn sich denn eine fände, die nicht gerade brennt.

Man köpft in Zukunft halb und hängt am Fairstrick auf,
mit Kieselsteinchen wird ab jetzt geworfen, davor gibt es Halaltee mit Gebäck.

Die Viertfrau soll zumindest dreizehn sein,
man ist ja schließlich ziemlich moderat.

Am Abend dann ein Pfeifchen Grass,
ein Gläschen Scholl-Latour und vor der Bettzeit noch
ein Tässchen Käßmann-Tee.
Das renkt sich alles ein, ihr werdet es noch sehn.


Bewerbung

Das gute Gefühl, dass es einem schlecht geht:
Man gibt sich unzufrieden mit dem, was man nicht hat,
wenn der Lebenslauf ein Spickzettel ist
und die Bücher im Regal sind noch nicht geschrieben.

Mit Mühe eine gescheiterte Existenz aufgebaut,
Verantwortungslosigkeit übernommen
und ein beträchtliches Unvermögen angehäuft:
Das erfordert schon eine besondere Unfähigkeit.