Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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23. März 2017


Was ist in der momentanen Politik das Gegenteil von Populismus? Vielleicht Infantilismus ("Wir schaffen das", "Die Sonne schickt keine Energierechnung", "Kein Mensch ist illegal" etc.)?


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Heute am frühen Morgen, als sich gegen eins der spätabendliche Besuch vom Tisch erhob und gen Sofa strebte, nachdem das Ossobuco vertilgt war, der Nebbiolo geleert und endlich Schnaps gereicht wurde, Talisker für die Herren, Poli für die Mädels, setzen sich Letztere an den Flügel und sangen russische Romanzen und danach gar sowjetisches Liedgut. Auch, seufzte ich innerlich waidwund, hätt’ ich doch ein strebsames biodeutsches Akademikerweib, ich könnte stattdessen Gesprächen z.B. über Frauenrechte, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Gender Pay Gap, die schrecklichen Entwicklungen in Amerika oder vegane Kost lauschen!


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"Poesie und Widerstand": Unter diesem schmissigen Motto tourt der Antifaschist Konstantin Wecker, Alterspräsident der Oppositionsgruppe "Weiße Linie", angelegentlich seines 70. Geburtstages auf Jubiläumstournee konspirativ durch deutsche Gaue. Der couragierte Kleinkünstler und bedeutende ehemalige Softporno-Statist aus der Hauptstadt der Bewegung will sich gerade in diesen Zeiten wieder einmischen und den fortgeschrittenen Anfängen wehren, denn wieder ist es fünf vor Zwölf, wieder fließt Wasser auf Mühlen, und der Schoß von Frauke Petry ist fruchtbar noch.

Aber, gepriesen seien Merkel und ihr Gesandter Maas, er ist nicht allein! Die Widerstandsgewerkschaft Verdi hat in einer kühnen Aktion überall im Netz Flugblätter hinterlassen, die "Handlungshilfe für den Umgang mit Rechtspopulisten in Betrieb und Verwaltung" anbieten, denn: "Leider muss man davon ausgehen, dass es mit der Zunahme von Rechtspopulisten in Deutschland auch in Betrieben und Verwaltungen zu Vorfällen kommt, bei denen man sich einmischen muss." Freilich gibt es "unterschiedliche Varianten, wie eine AfD-Mitgliedschaft oder eine Mitgliedschaft in einer anderen rechtspopulistischen oder rassistischen Organisation im Zusammenhang mit ver.di in Erscheinung treten kann". Diese mögen bedacht und diskutiert sein, bevor man, vielleicht mit einer Ballade von Kontantin Wecker als Hintergrundmusik, gezielte Aktionen gegen diese Bastarde startet, den Ausschluss etwa, bevor es wieder zum Anschluss kommt. Mehr Handlungsanleitungen dafür – aber achten Sie auf Konspiration! – gibt es hier. (Offenbar waren die Rechten den couragierten Gewerkschaftlern so sehr auf den Fersen, dass jene ihre Spuren im Netz verwischen mussten, sie tauchen freilich immer wieder auf, hier etwa. Rot Front, Genossen, und durchhalten!)

Beeindruckend auch das antifaschistische Engagement der "Fachstelle Jugendhilfe des Kulturbüro Sachsen e.V.", verkörpert und poesievoll geronnen in der Broschüre "Ist die Kita ein Schutzraum vor Gesellschaft und Politik? – Ein Praxisratgeber des Kulturbüro Sachsen e.V. zur interkulturellen Öffnung für Pädagog*innen im Kita-Bereich" (hier). Die Beratung der Praktiker*innen bezieht sich, bevor es "vom Schweinefleisch zum neuen Leitbild" geht, speziell auf die Auseinandersetzung mit "Nazis" in der Kita: "In einigen Regionen Sachsens häuften sich Anmeldungen von Kindern in Kitas, deren Eltern lokal als 'Rechte' bekannt sind. Auch bundesweit meldeten 'Nazis' ihre Kinder in Kitas an. (...) Die Einführung einer Kindergartenpflicht ist umstritten. Immerhin geben etwa 90% aller Eltern ihre Kinder in die Kitas. So ist rein hypothetisch durchaus denkbar, dass genau die fehlenden 10% der Eltern die Nazis sind, die ihre Kinder nicht in den Kindergarten bringen. Einzelne Beratungsfälle, bei denen prominente Nazis dann doch ihre Kinder in Kitas brachten, lassen aber andere Schlüsse zu. So lautete eine Anfrage an uns aus einer Einrichtung in Westsachsen: 'Was tun, wenn Kinder in der Einrichtung sind, deren Eltern mir als Nazis bekannt sind?' Diese Einschätzung der Eltern als Nazis ist eine subjektive und beruht auf persönlichen Erfahrungen der Fragenden. Die damit verbundene Frage war: 'Gibt es eine Erste Hilfe gegen Nazis als Eltern in der Kita?'"

Der Vorschlag wird derzeit in der Widerstandsregierung Merkel III diskutiert. Als mögliche Notrufnummern sind die 88 und die 18 im Gespräch. 


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"Ein Auto raste in eine Menschenmenge." – "Panzer drangen in Russland ein." – Steckt Skynet dahinter?


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"Täter war 52jähriger Brite", meldet Spiegel online zum Londoner Einzelfall. Die Zeile "Täter war ein 1,82 m großer Brite" hätte mich ähnlich enthusiasmiert. Der verwirrte Einzeltäter hieß Khalid Masood. Sein Vorname stammt aus dem Arabischen und bedeutet so viel wie der Unsterbliche. Masoud wiederum heißt der Glückliche. Ungefähr seit der Schlacht bei Culloden gelten beide Namen als britisch.


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Heute Nacht wird das Brandenburger Tor in den britischen Farben angestrahlt. Ob sich der islamische Terrorismus von diesem heftigen Konter erholt?



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Im Zusammenhang mit den Neu-Dresdner S-Bahn-"Schubsern" weist mich Leser *** auf ein vergleichbares Urteil hin, das gegen zwei deutsche Straftäter gesprochen wurde, die einen Pakistaner auf dem Bahnhof von Zerbst (Sachsen-Anhalt) überfallen, geschlagen und verletzt auf den Bahngleisen liegengelassen hatten. Das Landgericht Dessau-Roßlau verurteilte den 23jährigen Haupttäter wegen versuchten Totschlags und Körperverletzung zu sechseinhalb Jahren Gefängnis. Sein Mittäter bekam vier Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte auf versuchten Mord plädiert. Auch diese Angeklagten sollen zur Tatzeit betrunken gewesen sein.

Es handelt sich um ein vollkommen angemessenes Urteil. Das Problem ist der Dresdner Staatsanwalt.